DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Wir werden nicht von den Strassen weichen, bis wir Venezuela befreit haben»

07.05.2017, 13:57
Frauen gegen Maduro
Frauen gegen Maduro
Bild: Andrew Medichini/AP/KEYSTONE

Die Protestwelle gegen Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro ebbt nicht ab: Mit einem Protestmarsch in Weiss haben am Samstag tausende Frauen den Druck auf den Präsidenten aufrechterhalten.

Dabei prangerten sie lautstark die «Unterdrückung» der Regierungsgegner an und appellierten an die Sicherheitskräfte, nicht auf «unbewaffnete Menschen» zu schiessen.

«Wir werden nicht von den Strassen weichen, bis wir Venezuela befreit haben», sagte die ehemalige Parlamentsabgeordnete María Corina Machado bei dem Protestmarsch weissgekleideter Frauen in der Hauptstadt Caracas. «Wir bitten die Streitkräfte: Eröffnet nicht das Feuer auf unbewaffnete Menschen», sagte die konservative Politikerin.

«Die Diktatur erlebt ihre letzten Tage und Maduro weiss das», sagte Machado. «Daher rührt das beispiellose Niveau an Repression.»

Auf ihrem Marsch vor das Innenministerium wurden die Demonstrantinnen von einem Trupp Polizistinnen aufgehalten. Die Frauen blockierten daraufhin drei Stunden lang die Strasse, bis die stellvertretende Innenministerin Rosaura Navas ein Schreiben mit ihren Forderungen entgegennahm.

Bild: EPA/EFE

An der Demonstration in der Hauptstadt Caracas beteiligte sich auch die Ehefrau des inhaftierten Oppositionspolitikers Leopoldo López, Lilian Tintori. Ähnliche Protestmärsche fanden am Samstag in San Cristóbal und Aragua statt. Dort setzte die Polizei Tränengas ein.

Ausufernde Gewalt

Die Gewalt bei Demonstrationen gegen Maduro war zuletzt immer weiter ausgeufert. Mindestens 36 Menschen wurden offiziellen Angaben zufolge seit Beginn der Protestwelle Anfang April getötet und hunderte weitere verletzt. Fast täglich liefern sich Demonstranten und Sicherheitskräfte Strassenschlachten. Beide Seiten machen sich gegenseitig für die Gewalt verantwortlich.

In der Nacht zum Sonntag kam es bei Protesten in Barquisimeto im nordwestlichen Bundesstaat Lara und in Los Nuevos Teques am Rande der Hauptstadt zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Armee. Über mögliche Opfer war zunächst nichts bekannt.

Staatschef Maduro kann sich bislang auf die Rückendeckung der mächtigen Armee verlassen. Verteidigungsminister und Militärchef Vladimir Padrino López hatte Mitte April die «bedingungslose Loyalität» des Militärs Maduro bekräftigt.

Bild: EPA/EFE

Nach Angaben von Oppositionsführer Henrique Capriles zeigen sich nun aber erste Risse innerhalb der Armee. 85 Soldaten seien festgenommen worden, nachdem sie ihren Unmut über die «Unterdrückung» der Proteste geäussert hätten, erklärte Capriles. Er berief sich auf Aussagen von Angehörigen. Von offizieller Seite wurden seine Angaben nicht bestätigt.

Appell des Papstes

Papst Franziskus wandte sich erneut an die Konfliktparteien und brachte seine Besorgnis angesichts «der Toten, der Verletzten und der Verhafteten» zum Ausdruck. Er rief dazu auf, neue Gewalt zu vermeiden. Nötig sei eine «Verhandlungslösung», hiess es in einem Brief des Papstes an die katholische Kirche in Venezuela, der am Samstag veröffentlicht wurde.

Auch die US-Regierung hat sich für eine schnelle und friedliche Überwindung der gegenwärtigen Krise in Venezuela ausgesprochen. Der Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, Herbert R. McMaster, nahm Venezuelas Regierung in die Pflicht und forderte sie zur Einhaltung demokratischer Grundsätze auf.

Parlament und Verfassung müssten geachtet werden, hiess es in einer Mitteilung des Weissen Hauses vom Samstag. Venezuelas Regierung müsse politische Gefangene freilassen und freie, demokratische Wahlen abhalten. McMaster hatte am Freitag ein Gespräch mit dem venezolanischen Parlamentspräsidenten und Oppositionspolitiker Julio Borges geführt.

Venezuela wird seit Monaten von einem erbitterten Machtkampf zwischen der Regierung des linksnationalistischen Staatschefs Nicolás Maduro und der konservativen Opposition erschüttert. Regierungsgegner machen den sozialistischen Staatschef für die schwere Wirtschaftskrise in dem ölreichen südamerikanischen Land verantwortlich. Die Versorgungslage ist vielerorts dramatisch. Immer wieder kommt es zu Plünderungen. (sda/afp/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Letztes Jahr sind mehr als 220 Aktivisten im Kampf für die Natur gestorben

Der Kampf gegen Landnahme und Raubbau an der Natur wird immer gefährlicher: Im vergangenen Jahr sind weltweit 227 Umweltschützer getötet worden, wie die Nichtregierungsorganisation Global Witness am Montag bei der Vorstellung einer neuen Studie mitteilte. Das waren mehr als vier Morde pro Woche und mehr als jemals zuvor. Drei Viertel der tödlichen Angriffe wurden in Lateinamerika registriert.

In Kolumbien wurden 65 Naturschützer und Umweltaktivisten getötet, in Mexiko 30, auf den Philippinen …

Artikel lesen
Link zum Artikel