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Tour dur d'Schwiiz, 18. Etappe: Locarno - Biasca

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Tour dur d'Schwiiz, 18. Etappe: Locarno - Biasca
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Tour dur dSchwiiz

Zuhinterst im Verzascatal, also gaaanz zuoberst gibt es noch ... einen Eishockeyclub! Ich bin jetzt schon ein Fan

Wisst ihr, wie das Verzascatal aufhört? So: Die Strasse führt vor Sonogno über eine Brücke. Es kommen Fahrverbotsschilder, dann das (autofreie) Dorf, man biegt links ab, es kommt noch ein Tennisplatz, ein Kinderspielplatz und ... ein Eisfeld. Dann ist fertig. Ein Besuch beim HC Valle Verzasca.
23.07.2015, 08:2023.07.2015, 09:11
Reto Fehr
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Mit dem Velo durch die Schweiz
In den kommenden knapp vier Monaten bereise ich mit dem Velo die ganze Schweiz. Auf meiner Tour dur d’Schwiiz besuche ich alle 2324 Gemeinden der Nation und werde eine Strecke von 11'000 Kilometern mit dem Velo hinter mich bringen. Dies entspricht der Distanz von Zürich nach Peking. Folge mir im Liveticker, auf Facebook und Twitter!

25 Kilometer lang ist die Strasse von Gordola, grad beim Lago Maggiore, hoch ins Verzascatal. Der Weg schlängelt sich nach dem Anfangsstutz nicht, sondern die Strasse steigt sanft an. Immer dem Fluss entlang. Vorbei an Lavertezzo, Brione, Gerra und Frasco. Kurz nach dem letzten dieser Nester führt eine Brücke über die Verzasca, die von rechts aus dem Nichts im Vogornessotal kommt. Links fliesst die Redorta in den Fluss. Ebenfalls aus dem Nichts. Aber halt aus dem anderen Seitental. Dazwischen liegt: Sonogno, meine 199. von 2324 Gemeinden.

Da liegt Sonogno, ganz zuhinterst im Verzascatal.
Da liegt Sonogno, ganz zuhinterst im Verzascatal.

Eine Brücke führt wie gesagt zum 100-Seelennest. Kurz nach der Gebirgsbachüberquerung stehen Fahrverbotsschilder. Velos sind erlaubt. Sie sind die «eccezione», die Ausnahme. Das passt jetzt zwar grad nicht wirklich, aber da muss ich schnell fragen: Wisst ihr, was Helikopter auf Italienisch heisst? Elicottero. Ich find's lustig – sah das Schild kurz vor Sonogno. Item. So wird man also im hintersten Verzasca-Dorf begrüsst:

Willkommen in Sonogno. Das Auto bleibt dann mal draussen.
Willkommen in Sonogno. Das Auto bleibt dann mal draussen.Bild: watson

Das Dorf ist weitgehend autofrei. In 84 gemütlichen Sekunden rolle ich mit dem Velo von einem Ende zum anderen:

Ich fahre danach links am Dorf vorbei und erreiche einen Spielplatz am lauschigen Bach. Und daneben: eine offene Eisbahn. Oder zumindest das, was davon im Sommer jeweils bleibt. Ein kleines Restaurant hat an diesem Morgen schon offen, Osteria Sportiva heisst es. Ich setze mich in die Gartenwirtschaft, bestelle zwei Gipfeli.

Bild: watson

Schnell wird klar, das hier ist das Klublokal des lokalen Eishockeyvereins HC Valle Verzasca. Irgendwie kann ich gar nicht glauben, dass hier oben im letzten Eck des Tals noch ein Eishockeyverein existiert. Also frage ich bei der Bedienung nach: «Klar, seit 1971 gibt es den Verein», erklärt sie stolz. Damals hiess er noch HC Sonogno, später wurde er umbenannt. Seit 1991 besteht die heutige Anlage mit Kunsteis. Früher war das alles Natureis und wurde beispielsweise so gepflegt, wie ein Blick in ein altes Jubiläumsheft zeigt:

Bild: watson

Die Dame gibt mir alte Unterlagen, um darin zu stöbern. Alles auf Italienisch. Aber ich könne ja Fotos machen und sie jemandem zeigen, der es richtig übersetzen kann. Dann plaudert sie fröhlich auf Italienisch auf mich ein: «Drei Juniorenteams und eine Aktivmannschaft existieren. Die Spieler kommen aus dem ganzen Tal, ja selbst aus dem fernen Tenero und Gordola. In der 3. Liga ist man engagiert. 2014 musste der Abstieg aus der 2. Liga eingesteckt werden. Heute spielt man gegen Gegner aus der Region, in der 2. Liga standen Fernreisen nach Dürnten, Luzern, Zug, Wetzikon oder Schaffhausen an. Dreieinhalb Stunden dauerte die Fahrt nach Schaffhausen. Wir reisten mit dem Bus.» 

Die «Heimarena» des HC Valle Verzasca. Hat sogar ein Dach, das gespannt werden kann.
Die «Heimarena» des HC Valle Verzasca. Hat sogar ein Dach, das gespannt werden kann.Bild: watson

Auswärtsreisen bekommen hier einen ganz andere Bedeutung. In einer Saison vor rund zehn Jahren war man in der Region Bern eingeteilt. Münchenbuchsee, Bern 96, Zunzgen-Sissach, Laufen, Oberlangenegg oder Wohlen hiessen die Gegner. Keiner lag näher als drei Stunden. Wenn der FC Basel jeweils englische Grossklubs einteilt, sind die Kicker schneller auf der Insel, als die «Chnebler» von hier in der Restschweiz.

Fast wie im Museum: Biel und Ambri spielten auch schon in der «Arena» in Sonogno.
Fast wie im Museum: Biel und Ambri spielten auch schon in der «Arena» in Sonogno.Bild: watson

Man könnte meinen, andere Mannschaften aus der Deutschschweiz hoffen immer, dass Valle Verzasca nicht mit ihnen in der gleichen Gruppe spielt. Doch dem ist nicht so. watson-User «Special Guest» kommentierte mein Bild vom Klubrestaurant so: «Hach der HC Valle Verzasca, das jeweils schönste Auswärtsspiel mit der flüssigsten Heimreise. Schade sind sie abgestiegen, spielte immer gerne dort.» Vermutlich ist der HCVV der abgelegenste Eishockeyverein der Schweiz. Oder weiss grad jemand einen noch entlegeneren?

Ja, gut, alles will man dann doch nicht wissen. Die Feier nach einem anscheinend grandiosen Sieg 2013.YouTube/Ele Filips

So kämpft der kleine Verein, wie viele andere auch, um Nachwuchs und Spieler. Das kleine Vereinslokal gleicht einem Museum. Bilder von Ambri und Lugano hängen natürlich da. Und eines mit Biel und Ambri, von der Eröffnung des neuen Eisfeldes. «Und das da, das ist das erste Bild des Vereins», sagt die Wirtin.

Das erste Bild des Vereins. Sorry, die Spiegelung, aber ging nicht besser ...
Das erste Bild des Vereins. Sorry, die Spiegelung, aber ging nicht besser ...Bild: watson

Mir sticht ein anderes Bild ins Auge: Der Kalender der Mannschaft. Jeder der in die Toilette des Lokals will, darf/muss/kann daran vorbei. Die Wirtin lacht: «Das sind die Spieler der aktuellen Mannschaft.»

Auch hier wieder: Sorry, die Bildqualität. Fahrt da halt selber mal hin. Schön zum Wandern im Sommer und im Winter gibt's immer mal wieder ein gutes Eishockeyspiel.
Auch hier wieder: Sorry, die Bildqualität. Fahrt da halt selber mal hin. Schön zum Wandern im Sommer und im Winter gibt's immer mal wieder ein gutes Eishockeyspiel.Bild: watson

Leider habe ich nicht mehr länger Zeit. Die Gartenwirtschaft hat sich gut gefüllt. Zum Abschied schenkt mir die Wirtin noch den offiziellen Aufkleber des Teams. Mir geht es bisschen wie User Special Guest: Hier würde ich irgendwie gerne mal auswärts spielen. Ja, der HCVV hat soeben einen neuen Fan gefunden. 

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1 Kommentar
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Ich hatte während der «Tour dur d'Schwiiz» viele nicht so gute Ideen. So wie die letzten elf Kilometer. Aber es kam dann doch gut –  sehr gut sogar
Meine Kollegen im Büro haben längst die Push-Nachricht geschickt, dass ich die Schweiz abgefahren habe. Dabei stecke ich noch mitten in einem der anstrengendsten Stücke (gemäss quaeldich.de sogar eines der anstrengendsten der ganzen Schweiz). Und Mitfahrer Remy fragt: «Gell, eigentlich müssten wir hier nicht mehr hoch?» Ja, da hat er recht. Eigentlich.

Jetzt sitze ich also da. Auf dem Sofa. Nachdem ich endlich mal wieder ausschlafen konnte. Gemacht habe ich nicht viel heute. Wie oft habe ich mir in den letzten Wochen diesen Moment herbeigesehnt. Die Sonne scheint draussen. Aber das ist mir gerade ziemlich egal. 

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