Bild: Titanic

«Bodenlose frechheit»

Niki Lauda ist empört über das Schumacher-Titelbild der «Titanic»

Wieder ein PR-Coup für die «Titanic». Niki Lauda schimpft in einem österreichischen Gratisblatt über den Titel des Satire-Magazins, der ihn als Michael Schumacher zeigt. Noch besser: Sogar der hartgesottene britische Boulevard ereifert sich mit.

05.02.14, 05:18 05.02.14, 06:10

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Am Dienstagnachmittag um 15.35 Uhr kam die E-Mail mit der Presseerklärung von der «Titanic» an. «Mit Erstaunen» habe man die Äußerungen Niki Laudas zum Cover der Februar-Ausgabe des Satiremagazins zur Kenntnis genommen, heisst es darin. Das Erstaunen muss man den Frankfurter Redakteuren nicht unbedingt abnehmen, sie dürften eine Reaktion erwartet haben, wenn nicht gar erhofft.

«Exklusiv! Erstes Foto nach dem Unfall», heisst es auf dem Titel: «So schlimm erwischte es Schumi». Darüber zu sehen ist das vertraute, vom Unfall auf dem Nürburgring gezeichnete Gesicht von Niki Lauda, wie der seit einem Skiunfall im Koma befindliche Michael Schumacher einst Formel-1-Weltmeister. Wie lustig man das findet, das bleibt wie immer dem Betrachter überlassen. Doch es blieb dem österreichischen Gratisblatt «Heute» vorbehalten, die erwartete - womöglich gar erhoffte - Lawine loszutreten. «Deutsches Magazin beleidigt Niki Lauda!», titelt die Zeitung, die mit dem österreichischen Grand-Prix-Helden gesprochen hat: «Das Cover ist eine bodenlose Frechheit, absolut indiskutabel und völlig pietätlos», zitiert heute.at Lauda, der sich weiter aufregt: «Wer bitte druckt so einen Schwachsinn?»

«Wer bitte druckt so einen Schwachsinn?»

Niki Lauda, heute.at

«Die Kritik von Herrn Lauda macht uns betroffen», schreibt «Titanic»-Chefredakteur Tim Wolff in seiner Stellungnahme. «Immerhin gelang es uns, als erstes Boulevardmedium noch vor ‹Bild›, ‹Bunte› und der ‹Tagesschau› ein Foto des verunfallten Nationalhelden Michael Schumacher zu veröffentlichen.»

Weiter heißt es in der «Titanic»-Mitteilung: «Wir haben unter Einhaltung der üblichen journalistischen Moralstandards einen Investigativ-Reporter als Krankenschwester verkleidet und in die Grenobler Klinik geschickt. Sollte es dabei zu einer tragischen Verwechslung mit einem anderen prominenten Crashpiloten gekommen sein, bedauern wir das ein bisschen.»

Das Spital, in dem Michael Schumacher nach seinem Sturz behandelt wird, wurde von Reportern aus aller Welt belagert, wodurch zeitweise der Klinikbetrieb behindert wurde. Schumachers Ehefrau Corinna hatte die Journalisten zum Verlassen des Hospitalgeländes aufgefordert.

Britische Medien springen auf

 Internationales Interesse löste nun nach Schumachers Unfall auch die Satire darüber aus: Die englischen Boulevardblätter «Daily Mirror» und «Daily Mail» nahmen die Geschichte auf. Durch den Spielfilm «Rush» über seine Rivalität mit dem britischen Fahrer James Hunt und den Feuerunfall 1976 ist Niki Lauda (der im Film von Daniel Brühl gespielt wird) in Großbritannien wieder ins Gedächtnis gerufen worden.

«Mail Online» zitiert Thomas Gsella, den ehemaligen Chef des Satire-Magazins, mit den Worten: «Die Reaktion der britischen Presse sei heuchlerisch. Sie sind bloss sauer, weil sie nicht auf die Idee gekommen sind, die vor ihrer Nase lag.» Gegenüber SPIEGEL ONLINE stellt Gsella allerdings klar, dass er sich nicht zum Lauda-Titel geäussert habe. Das Zitat fiel demnach früher im Zusammenhang mit einer Titanic-Geschichte über das Entführungsopfer Madeleine McCann. Auch stamme das Zitat ursprünglich gar nicht von ihm.

Zahlreiche «Titanic»-Titelseiten waren Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen - und damit auch Werbung für das Heft. Grosse Medienaufmerksamkeit erregte zuletzt 2012 der sogenannte Pinkel-Papst auf dem Cover.

(feb)

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