DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild: shutterstock

Dank dieses Lifehacks von Lehrer M. vermeidest du ab sofort den häufigsten Kommafehler

Die weitaus grösste Fehlerquelle bei der Rechtschreibung ist die Kommasetzung. Für viele sind die Kommaregeln ein Buch mit sieben Siegeln, und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Trotzdem oder gerade deswegen hier ein Tipp zur Vermeidung des häufigsten Kommafehlers.
01.12.2019, 16:2902.12.2019, 10:12
lehrer m.

Die meisten Fehler passieren bei den sogenannten Infinitivgruppen (Infinitivsätzen). Die Grundfrage ist immer: Ist eine Infinitivgruppe satzwertig oder nicht? Wenn ja, setzt man ein Komma (weil die Infinitivgruppe die Funktion eines Nebensatzes hat), wenn nein, nicht. Und dazu gibt es etliche Regeln. Aber die gute Nachricht ist: Eine Regel reicht, um die Fehlerquote bei Infinitivgruppen um über 90 Prozent zu senken.

Wir sprechen in diesem Zusammenhang vom «erweiterten Infinitiv mit zu». Was ist damit gemeint? Der Infinitiv ist die Grundform des Verbs: schwimmen, tanzen, singen etc. Mit zu ist das Wort «zu» gemeint. Mit erweitert ist mindestens ein zusätzliches Wort gemeint. Es dürfen aber auch mehrere zusätzliche Wörter sein ...

Und nun zur Regel (die Germanisten werden mir die Vereinfachung verzeihen): Bei jedem erweiterten Infinitiv mit zu setzen wir ein Komma, auch wenn es in vielen Fällen nur fakultativ ist. Wir machen also nichts falsch, wenn wir eines setzen. Wir machen aber Fehler, wenn wir keines setzen und eines setzen müssten! Dazu einige Beispiele.

Fakultatives Komma: Ich freue mich(,) dich zu sehen. Wir versuchten(,) das Problem zu lösen. Sie beschlossen(,) die Krise auszusitzen. Wir haben vergessen(,) uns zu verabschieden.

Obligatorisches Komma:

  • Es freut mich, dich zu sehen.
  • Ich freue mich darauf, dich zu sehen.
  • Sie erinnerte sich daran, sich endlich zu verabschieden.
  • Er hatte die Absicht, nicht aufzufallen.
  • Aufzufallen, das war ihre Absicht.
  • Gauguin ging nach Tahiti, um zu malen.
  • Shaqiri spielte den Pass, ohne etwas zu überlegen.
  • Uns blieb nichts übrig, ausser uns zu setzen.
  • Wir gehen jetzt besser, als zu versumpfen.
  • Xhaka spielte den Pass, (an-)statt selbst zu schiessen.

Die fett hervorgehobenen Wörter sind entweder Konjunktionen (Bindewörter), die ein Komma erfordern. Oder es sind sogenannte Verweiswörter, die ebenfalls ein Komma erfordern. Sie weisen auf etwas hin, das folgen wird oder vorher erwähnt wurde.

Kein Komma:

  • Das ist nicht auszuhalten.
  • Wir pflegten nichts zu tun.
  • Sie scheinen nicht zu frieren.
  • Sie hatten nichts zu sagen.

In diesen und ähnlichen Sätzen sind die Infinitive mit zu nicht satzwertig, sondern Bestandteil des Hauptsatzes.

Der Hack funktioniert auch bei Partizipgruppen (Partizipialsätze). Partizipien sind von Verben abgeleitet und werden wie Adjektive verwendet: schwimmend/geschwommen, tanzend/getanzt, singend/gesungen. Auch hier gilt die Regel: Wenn mindestens ein weiteres Wort dazukommt, setzen wir ein Komma.

Beispiele fakultatives Komma:

  • Tapfer schwimmend(,) erreichte sie das Ufer.
  • Unermüdlich tanzend(,) erwarteten wir den Morgen.
  • Laut singend(,) feierten wir weiter.
  • Vor Freude jauchzend(,) erreichten wir den Gipfel.

Beispiele obligatorisches Komma:

  • Er erreichte das Ufer, vor Angst zitternd (am Satzende).
  • Wir erstürmten den Gipfel, vor Freude jauchzend (am Satzende).
  • Völlig verschnupft, so kam er zurück (so als Hinweisewort).
  • Sie, völlig ausgepumpt, legte sich hin (zusätzliche Information/Erläuterung nicht am Anfang).

Wer Lust hat, kann sich die angeführten Beispiele zur fakultativen und obligatorischen Kommasetzung merken. Wer keine Lust hat: Infinitiv plus« zu» plus mindestens ein weiteres Wort: Komma! Partizip plus ein weiteres Wort: Komma!

P.S. Ein Quiz zur Kommasetzung folgt bald. Vielleicht.

Wer ist Lehrer M.?

Lehrer M. ist eine Leihgabe des Kantons Bern. Ursprünglich wollte er während seines Bildungsurlaubs für uns Kaffee kochen und Texte korrigieren. Daraus wird aber nichts. Er soll für uns schreiben. Lehrer M. hat während seiner gut dreissigjährigen Lehrerlaufbahn sämtliche Stufen unterrichtet: 1. bis 9. Klasse Volksschule, KV, Berufsmatur und Gymnasium. Gemäss eigenen Angaben arbeitet er seit bald zwanzig Jahren an der besten Schule der Schweiz Welt. Als journalistisches Greenhorn soll er bei uns (vorerst) über das schreiben, was er am besten kennt: die Schule. Wenn du Fragen oder Anregungen hast oder möchtest, dass sich Lehrer M. eines bestimmten Themas annimmt, kannst du deinen Input an lehrer.m@watson.ch senden.
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Unicef Fotos

1 / 11
Unicef Fotos
quelle: laura boushnak
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Hochintelligente aus indischen Elendsviertel fördern

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Über 7300 Schulkinder sitzen schon in Quarantäne – und das ist nur die Spitze des Eisbergs

Mindestens 7353 Schulkinder sind in Quarantäne oder Isolation. Das hat die Umfrage von watson bei den Kantonen gezeigt. Ein wichtiger Player fehlt jedoch.

Die Quarantäneregel für Schulkinder sorgt momentan für Aufregung. Gründe dafür gibt es viele, zwei fallen besonders auf. Zum einen sind es die Eltern, die in den Medien über die zusätzliche Belastung klagen, wenn ihre Kinder nicht zur Schule gehen können. Zum anderen ist es Impfchef Christoph Berger mit seinem neuen Credo: «Mit dem repetitiven Testen braucht es in den Schulen keine Quarantäne mehr». Dies sagte der Präsident der eidgenössischen Kommission für Impffragen gegenüber …

Artikel lesen
Link zum Artikel