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Krawalle in Istanbul

120 Festnahmen bei Protesten am Gezi-Jahrestag



epa04234025 People try to escape from a cafe after Turkish riot police used tear gas to disperse protestors during a demonstration on the occasion of the first anniversary of the Gezi Park protests at Taksim Square, in Istanbul, Turkey, 31 May 2014. It is the first anniversary of the Gezi Park protests in Taksim Square where a total of seven people lost their lives in the protests that began from 31 May 2013 against plans to replaceTaksim Gezi Park with a shopping mall.  EPA/TOLGA BOZOGLU

Gäste fliehen aus einem Café in der Nähe des Taksim.  Bild: TOLGA BOZOGLU/EPA/KEYSTONE

Bei den Demonstrationen zum Jahrestag des Beginns der landesweiten Gezi-Proteste sind etwa 120 Menschen festgenommen worden. Das sagte Istanbuls Polizeichef Selami Altinok nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu am späten Samstagabend. 

Die türkische Polizei ist mit Tränengas und Wasserwerfern gegen hunderte Demonstranten in Istanbul und Ankara vorgegangen. In Istanbul kam es zu Zusammenstössen nahe dem Taksim-Platz. Hunderte Menschen wurden von den Polizisten eingekesselt. Auf der zum Taksim-Platz führenden Einkaufsmeile Istiklal Caddesi setzten Sicherheitskräfte Wasserwerfer und Tränengas ein. Bis dahin war der Protest friedlich verlaufen. Auch in Ankara versuchten die Sicherheitskräfte, etwa tausend Teilnehmer einer Kundgebung auseinanderzutreiben.

Aktivisten hatten zu Demonstrationen aufgerufen, um an den Beginn der Gezi-Proteste vor einem Jahr zu erinnern. Bis zum frühen Abend wurden nach Behördenangaben in Istanbul 65 Menschen in Gewahrsam genommen. In der Nähe des Taskim-Platzes versammelten sich auch zahlreiche Vertreter internationaler Medien. Journalisten des US-Senders CNN wurden während eine Live-Reportage kurzzeitig festgenommen.

Turkish security members watch as they close the city's landmark Taksim Square and Gezi Park on the first anniversary of last year's protests in Istanbul, Turkey, Saturday, May 31, 2014. A government backed redevelopment plan for Gezi Park in Istanbul sparked anger and morphed into nationwide anti-government protests in June, leaving eight people dead and thousands other injured.(AP Photo/Emrah Gurel)

Istanbul wird abgeriegelt. Bild: Emrah Gurel/AP/KEYSTONE

Gebiet abgeriegelt

Die Polizei hatte den symbolträchtigen Platz und den angrenzenden Gezi-Park bereits am Nachmittag abgeriegelt. Medienberichten zufolge sollen bis zu 25'000 Polizisten und 50 Wasserwerfer verhindern, dass Demonstranten auf den Taksim-Platz vordringen. Bosporus-Fähren brachten seit dem Nachmittag keine Passagiere mehr vom asiatischen zum europäischen Teil Istanbuls, wo der Taksim-Platz liegt. Die U-Bahn-Station am Taksim-Platz wurde geschlossen. Am Abend kreiste ein Polizeihelikopter über der Gegend.

Offene Drohungen

Turkey's Prime Minister Tayyip Erdogan speaks during a signing ceremony in Istanbul May 30, 2014. Turkey's state oil company TPAO signed a deal on Friday to acquire French energy company Total's 10 percent stake in Azerbaijan's Shah Deniz gas project, at a signing ceremony in Istanbul. The agreement increases TPAO's stake in the project to 19 percent from a previous 9 percent, while Total exits the project. Financial details of the agreement were not disclosed. REUTERS/Murad Sezer (TURKEY - Tags: POLITICS ENERGY BUSINESS)

Recep Tayyip Erdogan  Bild: MURAD SEZER/REUTERS

Die Regierung hatte versucht, mit offenen Drohungen und einem massiven Polizeiaufgebot die Proteste in Istanbul zu verhindern. Wer das Demonstrationsverbot auf dem Taksim-Platz missachte, müsse mit einem harten Durchgreifen der Sicherheitskräfte rechnen, kündigte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vor Beginn der Kundgebung am Samstag an.

Bereits am Freitag hatte Erdogan in einer Rede vor rund tausend Jugendlichen in Istanbul seine Landsleute aufgefordert, nicht an den Demonstrationen teilzunehmen. Er sprach von «Terrororganisationen», die die «moralisch und finanziell schwache Jugend» der Türkei manipuliert hätten, um die Einheit und die Wirtschaft des Landes in Gefahr zu bringen.

Trotzdem riefen mehrere Aktivistengruppen zu neuen Protestaktionen in Istanbul, Ankara, Izmir und anderen Städten auf. In einem Park in Ankara erinnerten Aktivisten am Nachmittag an einen 26-jährigen Demonstranten, der im vergangenen Jahr von der Polizei durch einen Kopfschuss getötet wurde.

«Wir wollen an die Toten von Gezi und Soma erinnern, aber man lässt uns nicht auf den Taksim. Was ist das für ein Staat?»

Aktivist in Istanbul

Landesweite Proteste gegen Regierung

Ende Mai vergangenen Jahres hatten sich Demonstrationen von Umweltschützern gegen die geplante Abholzung von Bäumen im Gezi-Park am Taksim-Platz binnen kurzer Zeit zu landesweiten Massenprotesten gegen die Regierung ausgeweitet.

Die türkischen Sicherheitskräfte gingen mit Gewalt gegen die Demonstranten vor, mindestens sieben Menschen starben, tausende wurden verletzt. Politische Kundgebungen im Gezi-Park und auf dem angrenzenden Taksim-Platz sind mittlerweile verboten.

Der 20-jährige Demonstrant Öguz Demir sagte am Samstag mit Blick auf die Toten der Gezi-Proteste 2013 und das Grubenunglück von Soma am 13. Mai: «Wir wollen an die Toten von Gezi und Soma erinnern, aber man lässt uns nicht auf den Taksim. Was ist das für ein Staat?» Die 29-jährige Lehrerin Nesrin Özgür kritisierte: «Erdogan hat das Land gespalten. Jeder, der seine Menschenrechte einfordert, wird festgenommen.» (erf/kub/sda/dpa) 

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