Gesellschaft & Politik
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SP-Ständerat Roberto Zanetti (SO) an der Viehschau in Adelboden letzten Oktober. Bild: ZvG

KindheitsErinnerungen

Warum der «Rote Röbu» 300'000 Franken für die Viehzüchter erkämpfte

Die Bürokraten der Finanzkontrolle strichen den Rindvieh-Züchtern die Viehschau-Subventionen. Ausgerechnet SP-Ständerat Roberto Zanetti holte sie nun zurück. 



Es geht nicht um viel Geld im Viehschau-Streit. Nur um einen symbolischen Betrag: 300'000 Franken. Aber um diese Summe kämpften die Bauern und Viehzüchter hartnäckig. Und sie erhielten dabei Hilfe von unerwarteter Seite. 

Mit den besagten 300'000 Franken unterstützte der Bund Viehschauen als Beitrag zur Förderung der Rinderzucht. Deren Fortschritte werden an den Viehschauen in sogenannten «Exterieurbetrachtungen» festgehalten, damit die kontinuierliche Veredelung des Eidgenössischen Rindviehrassen-Bestandes sichergestellt ist. 

«Droht den Viehschauen das Aus?»

Titel in der «Jungfrau-Zeitung» im Juli 2013.

Entsprechend gross war Anfang 2013 die Aufregung, als bekannt wurde, dass der Bundesrat die 300'000 Franken auf Geheiss der Finanzkontrolle still und leise aus dem Budget zur Tierzuchtverordnung gestrichen hatte. Denn als die Viehzüchter und Bauern davon Wind bekamen, war es schon zu spät. Das Geld, mit dem die Löhne und Spesen der Exterieur-Experten an den Viehschauen bezahlt werden, war weg. Man schlug Alarm, die «Jungfrau-Zeitung» titelte: «Droht den Viehschauen das Aus?»

Grossvater und Enkel begutachten Stiere anlässlich einer Viehschau in Appenzell. Bild: KEYSTONE

Nun hat der SP-Ständerat Roberto Zanetti, in seinem Heimatkanton Solothurn auch unter dem Namen «Der Rote Röbu» bekannt, für die Bauern und Viehzüchter die 300'000 Franken zurückgeholt. Ausgerechnet er, der Sozi.

Bei ihm beschwerten sich die Züchter und Bauern, nachdem der Wegfall der 300'000 bekannt geworden war. Zanetti wandte sich an Bernard Lehmann, den Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft. Lehmann waren jedoch die Hände gebunden. Sein Amt hatte den Budgetposten bereits rechtskräftig gestrichen. Dagegen, dass Zanetti mit einem parlamentarischen Vorstoss den Entscheid wieder zu kippen versuchte, hatte er jedoch nichts einzuwenden. Auch Lehmann hatte erkannt, dass die Entlastung des Bundesbudgets um 300'000 Franken in keinem Verhältnis zur Wut stand, die der Entscheid bei den Betroffenen ausgelöst hatte. 

Man war sich also einig, dass die 300'000 Franken wieder her mussten und so schickte die Rindvieh-Lobby Roberto Zanetti ins Parlament, auf dass er es richte. Der «Rote Röbu» war des Lobbyismus für Braunvieh-Anliegen bis dahin unverdächtig und so – hofften die Rindviehzüchter und Bauern – würde sein Einsatz umso wirksamer sein.  

«Es gibt ein paar Leute aus meinem Umfeld, die gesagt haben, ich sei ein hoffnungsloser Nostalgiker und Romantiker.»

Roberto Zanetti 

Die Rechnung ging auf. Zanetti verlangte in einer Motion, dass die verlorenen 300'000 Franken aus der Tierzuchtverordnung künftig aus dem restlichen Landwirtschaftsbudget von über 3 Milliarden bestritten würden. Weniger als ein Tausendstel des gesamten Geldes für die Landwirtschaft sei ja wohl für die Institution der Viehschauen nicht zuviel verlangt, argumentierte Zanetti. 

SP-Ständerat Roberto Zanetti holt den Viehzüchtern 300'000 Franken zurück. Bild: KEYSTONE

«Es gibt ein paar Leute aus meinem Umfeld, die gesagt haben, ich sei ein hoffnungsloser Nostalgiker und Romantiker. Sie können jetzt diese Aussage Lügen strafen, indem Sie meinem Vorstoss zustimmen», sagte Zanetti. Das tat der Ständerat im vergangenen September dann auch und Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, der die Streichung der 300'000 Franken im Namen des Bundesrates hatte verteidigen müssen, schritt geschlagen aus dem Stöckli. 

«Schon als kleiner Bub ging ich, wenn ich bei der Grossmutter im Puschlav in den Ferien war, mit dem Onkel an die Viehschauen, wo wir unser Braunvieh beschauen und bewerten liessen.»

Roberto Zanetti

Für Zanetti ein Moment der Genugtuung. Die Viehschauen gehören für ihn zur Schweiz wie der Alpaufzug und das Schwingfest. «Schon als kleiner Bub ging ich, wenn ich bei der Grossmutter im Puschlav in den Ferien war, mit dem Onkel an die Viehschauen, wo wir unser Braunvieh beschauen und bewerten liessen», sagt Zanetti. Später habe er als Solothurner Volkswirtschafts- und damit auch Landwirtschaftsdirektor erlebt, welch wichtigen Bestandteil die Viehschauen im Leben der ländlichen Bevölkerung spielen. 

Und in den jetzigen Boomzeiten der Schweizer Folklore mache es überhaupt keinen Sinn, die Viehschauen mit Budgetkürzungen zu bestrafen. «Wenn man den Leuten von Bern aus alles nimmt, was sich nach Kuhstallwärme anfühlt, dann darf man sich auch nicht wundern, wenn sie dann als Retourkutsche für Abschottungsinitiativen und ähnliches stimmen», sagt Zanetti.

Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft (links), und sein Minister Johann Schneider-Ammann fanden eine Verordnung, über die sie den Viehschauen weiterhin 300'000 Franken jährlich zukommen lassen können.  Bild: KEYSTONE

Am kommenden Montag hätte der «Rote Röbu» einen weiteren Rundensieg im Viehschau-Streit gegen Johann Schneider-Ammann verbuchen können. Dann nämlich ist Zanettis Motion in der zuständigen Nationalratskommission traktandiert.

Aber zu einer ernsthaften Abstimmung wird es nicht kommen, denn Schneider-Ammann hat Zanetti im Ständerat gut zugehört. Da schlug dieser vor, man könnte die 300'000 auch unter «Absatzförderung» für landwirtschaftliche Produkte budgetieren, denn genau das sei die Unterstützung der Viehschauen im Grunde.

Viel zu bewerten: Kuh an Kuh an der Schwyzer Viehschau. Bild: KEYSTONE

Nach der Schlappe im Ständerat besuchte Schneider-Ammann also eine Viehschau, zeigte sich halböffentlich beeindruckt vom Engagement und der Inbrunst der Viehzüchter und tat dann, wie von Zanetti geheissen: Statt über die Tierzuchtverordnung spricht Schneider-Ammann die 300'000 Franken nun über das Vehikel der «Landwirtschaftlichen Absatzförderungsverordnung». Im Dezember 2013 teilte er seinen Beschluss dem Präsidenten der Schweizer Rinderzüchter in einem Schreiben (siehe unten) mit, wie der «Schweizer Bauer» und die «BauernZeitung» diese Woche vermeldeten. 

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