Eishockey
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Playoff-Hockey in Las Vegas ist natürlich auch eine grosse Show. Bild: AP

Der Weg der Vegas Golden Knights zum besten Expansionsteam aller Sportarten

Vom Aschenputtel zur Märchenprinzessin – die Vegas Golden Knights schreiben in der NHL Geschichte. Nie zuvor war ein Expansionsteam in seiner ersten Saison besser. Es ist der Aufstand der Verstossenen.

24.05.18, 13:36 25.05.18, 06:17


Vor nicht einmal zwei Jahren, im November 2016, sass Gerard Gallant auf der Strasse. Buchstäblich. Er war gleich im Anschluss an ein Auswärtsspiel als Headcoach der Florida Panthers entlassen worden. Das Team flog ohne ihn zurück und das Bild, wie er vor dem Stadion der Carolina Hurricanes in Raleigh auf ein Taxi wartete, um nach Hause zu kommen, ging um die Welt. Ein Ritter der traurigen Gestalt, von seiner «Armee» im Stich und zurück gelassen.

Keine zwei Jahre her: Gallant steigt nach seiner Entlassung in ein Taxi. Bild: AP

Nun ist eben dieser Gerard Gallant Cheftrainer von einem der überraschendsten Stanley-Cup-Finalisten aller Zeiten. Nie zuvor in der Geschichte der vier grossen nordamerikanischen Profiligen war ein Expansionsteam im ersten Jahr seiner Existenz erfolgreicher als die Golden Knights aus Las Vegas. Der Coach, ein 54-jähriger Kanadier von der Prince Edward Island, könnte besser nicht passen zu diesem bunt zusammengewürfelten Haufen von Spielern, die andernorts niemand mehr wollte. Es sind keine traurigen Ritter, sondern goldene.

Die Kollegen von ESPN mit 10 Gründen, weshalb es Vegas in den Stanley-Cup-Final geschafft hat. Video: YouTube/Hockey is life

Historisch absolut unerreicht

Dass sie ihrem Namen alle Ehre machen, gleicht einem Wunder. Neue Teams haben es in den grossen Ligen notorisch schwer. Die beste Premierensaison in der NFL (American Football) hatten 1995 die Carolina Panthers (7 Siege, 9 Niederlagen), in der MLB (Baseball) 1961 die Los Angeles Angels (70:91), in der NBA (Basketball) die Chicago Bulls 1966/67 (33:48) und in der NHL die Florida Panthers 1993/94 (33:51).

Viva Las Vegas! Verteidiger Luca Sbisa grüsst einen jungen Fan. Bild: AP

Kein Team schaffte die Playoffs, keines auch nur eine ausgeglichene Bilanz. Bis die Vegas Golden Knights kamen. Sie beendeten die Qualifikation mit 51 Siegen in 82 Partien. Und waren mit dieser Bilanz das viertbeste Team der Liga.

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Erfolgsgarant: Goalie Fleury. Bild: AP/The Canadian Press

200:1-Aussenseiter

Kein Wunder, bezeichnen sich die Spieler der Golden Knights selbstironisch als die «Misfits» – die Verstossenen, Unerwünschten. Zu Beginn der Saison waren sie mit einer Quote von 200:1 bei den Wettbüros die grössten Aussenseiter überhaupt. Sie demonstrieren aber, was mit einem einfachen System, mannschaftlicher Geschlossenheit und bedingungslosem Teamgeist auch im vom Geld dominierten Profisport möglich ist.

Einer dieser «Misfits» ist der Franzose Pierre-Edouard Bellemare. Seine erste Erinnerung an Las Vegas ist alles andere als positiv. 2013 spielte er bei Skelleftea und wurde schwedischer Meister. Zur Feier entschied sich das Team zu einem einwöchigen Trip in die Gambler-Hochburg in Nevada. Ohne Bellemare, denn am Flughafen wurde ihm beschieden, dass sein Pass nicht zur neuen Generation der biometrischen Ausweise gehöre und er nicht ins Flugzeug steigen dürfe. Heute besitzt er ein Haus in Las Vegas.

Heute jubelt er: Bellemare (links) mit Teamkollege Lindberg. Bild: AP

Eine Tragödie, die zusammenschweisste

Es sind Aschenputtel-Geschichten wie diese, die die Golden Knights zu Fan-Lieblingen machen. Dazu gehört eine Tragödie, die in keinem Hollywood-Script als glaubwürdig akzeptiert worden wäre. Neun Tage vor dem ersten Heimspiel tötete ein Amokschütze bei einem Country-Musik-Festival im «Mandalay Bay»-Hotel 58 Menschen und verletzte rund 500 weitere.

Der Schock schweisste Mannschaft und Stadt zusammen. Spieler spendeten Blut, brachten Lebensmittel zu Feuerwehr-Stationen und besuchten Spitäler. Das half mit, dass die Fans das neue Team sofort ins Herz schlossen. «Wir tun alles, um euch und der Stadt beim Heilen zu helfen», sagte Captain Deryk Engelland vor dem Eröffnungsspiel.

Ein Sieg im Stanley-Cup-Final gegen die Washington Capitals wäre eine der grössten Sensationen der Sportgeschichte, fast auf einer Stufe mit dem Meistertitel von Leicester City in der Premier League. Überraschend käme er aber mittlerweile nicht mehr. Und Gerard Gallant müsste in Las Vegas sicher nie mehr für eine Taxifahrt bezahlen. (ram/sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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20
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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tom611 24.05.2018 20:26
    Highlight Fleury wäre der Cup zu gönnen - Go Knight’s Go!
    25 4 Melden
  • Goldjunge Krater, Team Selbstbestimmungsinitiative 24.05.2018 20:21
    Highlight Coole Story die das die Knights schreiben!

    Trotzdem hoffe ich auf die Capitals als Stanley Cup Sieger! Ovi, Bäckström etc haben konstant Wahnsinnsleistungen gezeigt über die letzten Jahre und bald kommen die in ein Alter wo‘s dann immer schwieriger wird für die Jungs
    21 10 Melden
  • Dreizehn 24.05.2018 19:21
    Highlight Ich finde es grossartig dass diese zusammengewürfelte Mannschaft jetzt im Finale steht. Und mittendrin ist auch ein Schweizer 👍

    Betreffend Fleury glaube ich, mich daran zu erinnern, dass er selber eigenwilligt hat nicht geschützt zu werden.
    23 0 Melden
  • zellweger_fussballgott 24.05.2018 16:35
    Highlight Die Breite ist die grosse Stärke von Vegas. Zwar konnte man sich bis auf Fleury nicht mit den absoluten Topstars verstärken, aber hat zuverlässige und solide Zweit- oder Drittlinien-Spieler geholt. Daneben war man topmotiviert es allen zu zeigen, dass es ein Fehler war sie nicht zu schützen.
    Wenn ich es richtig im Kopf habe, konnte man in der NHL beim Expansion-Draft früher noch mehr Spieler schützen, was das mässige Abschneiden anderer Teams in ihrer ersten Saison erklärt. Aber eben zuerst muss man eine solche Leistung auch auf das Eis bringen.
    50 0 Melden
  • Chesus80 24.05.2018 15:44
    Highlight Die Leistung ist super, keine Frage. Aber die anderen Teams konnten gerade mal je 9 Spieler schützen. Fleury zum Beispiel wurde überhaupt nicht ausgebootet bei den Pens. Die Pens mussten einfach den Salary Cap runter schrauben. Die Aschenputtel Story ist ein bisschen Boulevard und zielt auf Halbwissen. Aber die Kaderzusammenstellung des Managers der Knights ist absolut grossartig
    39 7 Melden
  • riqqo 24.05.2018 15:31
    Highlight Zum Glück setzte ich anfangs Saison 1000 Dollar auf die Knights…
    25 4 Melden
    • ta0qifsa0 24.05.2018 18:24
      Highlight pic or it didn't happen
      26 1 Melden
  • Connor McSavior 24.05.2018 14:58
    Highlight Ich würde einen allfälligen Triumph der Golden Knights sogar noch einiges über den Meistertitel von Leicester setzen. Das war ohne Zweifel bereits eine riesen Überraschung, aber um den Stanley Cup zu gewinnen, muss man sich nicht nur für die Playoffs qualifizieren, sondern auch noch gegen 4 der besten Teams der Liga jeweils 4 Spiele gewinnen, was m.M.n. noch etwas höher einzuschätzen ist, als ein Triumph in einem klassischen Meisterschaftsformat.
    Dieser Kommentar soll übrigens die Leistung von Leicester in keiner Weise schmälern, sondern eher den von Vegas hervorheben.
    143 33 Melden
    • Ramsay Snow 24.05.2018 16:23
      Highlight niemals. Durch den Salary Cap und den Expansion Draft ist der finanzielle Nachteil von Las Vegas niemals so gross wie der Budgetunterschied von Leicester zu den Top-Vereinen der BPL. Aber natürlich wurde in Las Vegas hervorragend gearbeitet.
      39 7 Melden
    • Frances Ryder 24.05.2018 17:29
      Highlight Sorry aber es ist genau umgekehrt. Ein Playoff-System ist besser für Underdogs. In einer klassichen Liga muss man konstant über 1 Jahr die beste Mannschaft sein, mit Playoffs reicht eine Saison mittelmass mit 1 Monat Hochform zum Titel. Konstant besser zu spielen obwohl man auf dem Papier schlechter ist, ist viel schwieriger als ein Showdown am Ende der Saison. Deshalb hatte Vegas auch "nur" eine 200:1 Quote am Anfang der Saison, während Leicester eine 5000:1 Quote hatte!
      31 21 Melden
    • ta0qifsa0 24.05.2018 18:28
      Highlight @Frances Ryder

      In einer NHL regular season mit 82 Spielen innert 6 Monaten und nur 2 Punkte pro Sieg reicht "Mittelmass" sicher nicht für die Playoffs.
      24 5 Melden
    • Frances Ryder 24.05.2018 21:03
      Highlight NHL hat 31 Teams und 16 Playoffplätze. Inwiefern ist ein Team, das sich an 15. oder 16. Stelle befindet in einer Liga mit 31 Teams nicht mittelmässig?😅
      7 4 Melden
    • ta0qifsa0 24.05.2018 23:42
      Highlight Der Tebellanplatz ist zwangsläufig nur Mittelmass. Die Leistung, die es aber benötigt um auf einem solchen Platz zu landen ist mehr als nur mittelmässig.

      Du kannst dir Phasen in der Saison erlauben, wo du nur mittelmässige oder sogar ungenügende Resultate holen kannst. Die starken Phasen müssen aber klar überwiegen (siehe NJD diese Saison, welche zum Saisonneginn und am Saisonende stark aufgetrumpft und in der Mitte geschwächelt haben).
      2 0 Melden
  • Fanito 24.05.2018 14:33
    Highlight Ball - sorry, Puck flachhalten. Wenn ein Team 9 (von 20+) Spielern schützen kann und dann kommt Vegas und nimmt die Nr.10... dann ist das sicherlich kein Spieler, den das andere Team "verstossen" oder "nicht mehr gewollt" hat... Noch nie zuvor hatte ein Expansion Team mehr Möglichkeiten bekommen als nun die VGKs.
    Die Leistung ist natürlich trotzdem einsame Spitze, aber so zu tun, als wären diese Spieler quasi auf der Strasse aufgesammelt worden, so a la Cleveland Indians Movie, ist voll daneben. Also: entweder besser recherchieren oder den Artikel im Vornherein als Polemik markieren
    228 56 Melden
    • zappeli 24.05.2018 15:16
      Highlight Und wieso kann man diese schöne Story jetzt nicht einfach mal geniessen? Warum muss man alles relativieren und klein reden? Es ist und bleibt eine riesen Überraschung, selbst mit “Nummer10-Spielern“. Man bedenke nur mal, dass es Zeit braucht, damit sich ein Team findet. Natürlich hast du recht mit deinem Einwand. Trotzdem finde ich, kann man auch mal den Puck flach halten bei der Kritik.
      30 15 Melden
    • MacB 24.05.2018 15:41
      Highlight Seh ich nicht so, Ab Nr. 10, wir sprechen also primär mal eher von Drittlinienspielern, alles solche, die nie weiter nach vorne kamen oder eben nicht mehr erwünscht waren. Wie Sbisa auchein Stück weit. Natürlich ist es etwas polemisch von den Verstossenen zu sprechen aber man hat hier vom Eismeister gut gelernt ;)
      29 6 Melden
  • San1979 24.05.2018 13:49
    Highlight Laut Sonntags-Blick ist das sein Sohn Nolan sowie seine Frau Lauren.
    75 6 Melden
    • MacB 24.05.2018 15:43
      Highlight dann stimmt "...einen jungen Fan" schon :D
      19 0 Melden
    • Pana 24.05.2018 18:57
      Highlight Dann steht da wohl Daddy auf seinem Jersey :)
      10 0 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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