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Ganz schön futuristisch: So sieht das Cockpit des Elektroauto-Prototypen aus.
Ganz schön futuristisch: So sieht das Cockpit des Elektroauto-Prototypen aus.
Bild: EPA

Erdogan baut den Süper-SÜV – das wissen wir über die türkische Antwort auf Tesla

31.12.2019, 09:4204.02.2020, 17:06

Was ist passiert?

Die Türkei will ab 2022 mit eigenen Elektroautos auf den Markt kommen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am 27. Dezember 2019 die neue türkische Automarke TOGG vorgestellt. Der Name des ersten Modells, ein E-SUV, soll 2020 bekanntgegeben werden.

Wie soll das erste türkische Elektroauto heissen? 😉

Warum tut Erdogan das?

Eine eigene Automarke ist ein langgehegter Wunsch des türkischen Präsidenten. 1961 war ein erster Versuch der damaligen türkischen Regierung mit einem eigenen Auto – dem «Devrim» – grandios gescheitert.

Während der feierlichen Präsentation am 29. Oktober, dem Nationalfeiertag, wollte der damalige Präsident Cemal Gürsel mit dem schwarzen Fahrzeug eine Ehrenrunde um das Parlamentsgebäude drehen. Jedoch blieb es bereits nach rund 100 Metern mit leerem Tank stehen.

Es hagelte Spott und Häme und der Devrim wurde nie in Serie produziert, wie wir dank Wikipedia wissen. Gründe? Offenbar lagen für die handgefertigten Prototypen kaum Dokumente oder technische Zeichnungen vor. Zudem habe es damals keine funktionierende Zuliefererindustrie gegeben.

Drei der Prototypen wurden laut Berichten zerstört; der einzig verbliebene wird in Eskişehir in der Provinz Anatolien aufbewahrt, wo das Auto damals gebaut worden war.

Devrim, auf Deutsch «Revolution», war das erste in der Türkei entworfene Auto.
Devrim, auf Deutsch «Revolution», war das erste in der Türkei entworfene Auto.

Wie sehen die türkischen Elektroautos aus?

60 Jahre nach dem Devrim äussert der amtierende türkische Präsident Verschwörungstheorien und versucht beim heimischen Publikum mit Patriotimus zu punkten:

«Damals haben sie es geschafft, den Weg von ‹Devrim› zu stoppen, aber dieses Mal werden sie uns nicht stoppen.»
Recep Tayyip Erdogan

«Heute erleben wir einen historischen Tag für unser Land, erleben, wie ein Traum von 60 Jahren wahr wird», sagte der türkische Präsident während der Vorstellung der TOGG-Prototypen in Gebze bei Istanbul. Und er stellte im Stile eines Elon Musk die ersten Fahrzeuge auf der Bühne vor.

«Made in Turkey»: Erdogan mit den Prototypen, einem E-SUV (links) und einer E-Limousine.
«Made in Turkey»: Erdogan mit den Prototypen, einem E-SUV (links) und einer E-Limousine.
Bild: EPA

So sehen die Prototypen im Detail aus:

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TOGG – die türkische Antwort auf Tesla
quelle: epa / turkish presidential press offic
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Wird das ein Tesla-Killer?

Das wird sich erst noch zeigen.

Die Serienproduktion hat bei TOGG noch nicht begonnen. Zudem werden die türkischen E-Autos sehr wahrscheinlich nicht im gleichen Preissegment lanciert.

Es gibt aber zahlreiche Ähnlichkeiten zum kalifornischen Unternehmen, das den Markt für E-Autos weltweit anführt: Wie Tesla will auch der türkische Hersteller Software-Updates Over-the-Air anbieten. Es werden acht Jahre Garantie auf den Akku versprochen und niedrigere Betriebskosten als bei einem vergleichbaren Auto mit Verbrennungsmotor.

Der Elektro-SUV soll laut Herstellerangaben serienmässig sieben Airbags haben. Geplant ist, dass das europäische Fahrsicherheitsprogramm Euro NCAP mit der Höchstwertung von 5 Sternen absolviert wird, wie golem.de schreibt.

Wie gross ist die Reichweite?

Von unabhängigen Tests sind wir noch weit entfernt.

Das erste TOGG-Modell soll es laut Hersteller mit zwei unterschiedlichen Akkukapazitäten geben, die eine Reichweite von 300 oder 500 Kilometern bieten. Wobei der zugrundeliegende Testzyklus nicht verraten wurde. Der Akku solle in 30 Minuten wieder auf 80 Prozent geladen werden können.

Wie stark ist der Motor?

Dazu schreibt golem.de:

«Den SUV soll es mit Hinterradantrieb mit einem einzelnen E-Motor oder mit einem Allradantrieb mit dem zweiten E-Motor vorn geben. Die Gesamtleistung des Allradmodells liegt den Angaben zufolge bei 400 PS, die des Heckantriebs bei 200 PS. Letztere soll in 7,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h kommen, die Allradversion in 4,8 Sekunden.»
quelle: golem.de

Wer baut die türkischen Elektroautos?

Der Hersteller heisst TOGG, das Kürzel steht für Türkiye Otomobil Girişim Grubu. Das ist ein Joint Venture von fünf türkischen Unternehmen und einer Interessenvertretung für Industrieunternehmen und Börsen. Dazu gehört unter anderem der grösste türkische Mobilfunk-Provider Turkcell.

TOGG-Vorstandschef ist der frühere Bosch-Geschäftsführer Gurcan Karakas. Der für das operative Geschäft zuständige Manager ist Sergio Rocha, der früher Geschäftsführer von General Motors (GM) Korea war.

Kann das gelingen?

Das Know-how für eine Serienfertigung und die erforderliche Zulieferindustrie dürften vorhanden zu sein.

Neben einer ganzen Reihe von westlichen, japanischen und koreanischen Autobauern, die in der Türkei produzieren, haben sich dort laut diesem Bericht auch bereits einige wettbewerbsfähige inländische Nutzfahrzeughersteller entwickelt, darunter BMC, die zum TOGG-Konsortium gehöre.

Perspektivisch sehe er eine Absatzregion mit rund einer Milliarde Menschen von Bulgarien bis Tadschikistan, in der TOGG im besten Fall deutliche Marktanteile erobern könnte, schreibt der Investmentanalyst Ralf Anders.

Was kostet es?

Die Preise für die Elektroautos sind noch nicht bekannt.

Zur Finanzierung gibt es bereits einige Informationen: In einem am 27. Dezember im türkischen Staatsanzeiger veröffentlichten präsidialen Dekret heisst es, dass die Elektroautos in der nordwesttürkischen Stadt Bursa hergestellt werden sollen. Bis zu 175'000 Fahrzeuge sollen dort jährlich gebaut werden. Das Investitionsvolumen beträgt demnach 22 Milliarden Lira (rund 3,6 Milliarden Franken). Die Regierung unterstützt das Projekt finanziell. Zudem garantiert sie dem Amtsblatt zufolge den Kauf von 30'000 Fahrzeugen bis 2035.

Der Automobilindustrie in der Türkei, wo auch Firmen wie Ford oder Fiat produzieren, ging es zuletzt schlechter. 2018 war unter anderem wegen einer Währungskrise der Binnenmarkt eingebrochen. Volkswagen hatte im Oktober eine Entscheidung über den Bau eines Automobilwerks in der Türkei verschoben, da international Kritik an der türkischen Militäroperation in Syrien geäussert wurde.

Mit Material der Nachrichtenagenturen AWP, SDA, Reuters und DPA

(dsc)

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