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epa09369161 Jolanda Neff of Switzerland celebrates as she is about to cross the finish line winning the Women's Mountain Bike Cross Country race of the Tokyo 2020 Olympic Games at the Izu Mountain Bike Course in Ono, Shizuoka, Japan, 27 July 2021.  EPA/CHRISTOPHER JUE

Der grösste Erfolg ihrer Karriere: Jolanda Neff überquert die Ziellinie und wird Olympiasiegerin. Bild: keystone

Jolanda Neff aus der Hölle in den Himmel – Gold als Krönung einer grandiosen Karriere

Jolanda Neff erklimmt in Tokio den Mountainbike-Olymp, fünf Jahre später als geplant und unter ungünstigen Vorzeichen. Wahrscheinlich gelingt es ihr genau deshalb. Der Leidensweg der letzten Jahre befreit sie vom lähmenden Druck und liefert wichtige Lehren.



Und plötzlich fuhr sie wieder vorne weg. Ein Blitzstart zu Beginn, hohes Tempo auf den ersten Kilometern, langer Alleingang bis zum Triumph. Während sich die Konkurrenz mehr schlecht als recht über die Hindernisse müht, sieht es bei Jolanda Neff aus wie ein Kinderspiel. Dabei hat es der Olympiakurs in den Vulkanhügeln der Halbinsel Izu in sich. Regen in der Nacht hat den ohnehin anspruchsvollen Parcours zusätzlich schwieriger werden lassen.

Die Bilder der vorneweg ziehenden Jolanda Neff sind durchaus vertraut. Doch die letzten solcher sind lange her, und sie stammen nicht von den wichtigsten Rennen.

Ja, es ist tatsächlich wahr!

Wiederholt machten Neff in der Vergangenheit in den wichtigsten Prüfungen verschiedene Umstände einen Strich durch die Rechnung, so auch 2016 an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Sechste wurde Neff vor fünf Jahren in Brasilien – eine grosse Enttäuschung für die damals erfolgsverwöhnte Ostschweizerin, die als Topfavoritin ins Rennen gegangen war, die den Rummel um ihre Person im Vorfeld aber nicht ohne Energieverlust wegsteckte.

Die ersten Emotionen nach dem Triumph. Video: SRF

Sie wollte den Fünfer und das Weggli

Zweimal hatte Neff in den Jahren vor Rio den Gesamtweltcup für sich entschieden. Das Energiereservoir schien unerschöpflich, der Tatendrang war immens. Neff trat an allen möglichen Rennen an: mit dem Mountainbike im Cross-Country und über die Marathon-Distanz, mit den Rennvelo auf der Strasse und auch in Rio, dazu im Radquer. «Ich nehme gerne den Fünfer und das Weggli», sagte sie damals unverfroren.

Dass sie damit auf eine Wand zusteuerte, merkte Neff erst in den Tagen vor Rio. An ihren ersten Olympischen Spielen bestätigte sich dann, was sich im Vorfeld abgezeichnet hatte: dass sie sich übernommen hatte, dass sie sich ihrer grossen Leidenschaft zu sehr verschrieben, sie ihr Leben neben dem Sport vernachlässigt und die Signale des Körpers ignoriert hatte. «Steil aufgestiegen, hart gelandet» lautete eine Schlagzeile damals.

Das Hamsterrad verlassen

Rückblickend räumte Neff ein, zu jenem Zeitpunkt nahe an einer Depression gewesen zu sein. Sie schilderte, wie sie in ihrem Hamsterrad das Sozialleben vernachlässigte und erst später erkannte, wie viel Energie ihr die richtige Balance gibt und wie wenig Technik und Ausdauer nützen, wenn es im Kopf nicht stimmt.

Jolanda Neff of Switzerland competes during the women's cross-country mountain bike competition at the 2020 Summer Olympics, Tuesday, July 27, 2021, in Izu, Japan. (AP Photo/Christophe Ena)

Im Olympia-Rennen war Neff eine Klasse für sich. Bild: keystone

Um wieder in die Spur zu finden, verschob Neff temporär den Fokus. Sie begann ein Studium mit Schwerpunkt Geschichte, zog in eine WG und erlangte den Bachelor. Der Szenenwechsel half, doch er liess sich auf Dauer nicht mit den sportlichen Zielen vereinbaren. Also setzte Neff wieder voll auf die Karte Sport – und zog die richtigen Schlüsse.

Das wertvolle Extrajahr

Nun funkten Verletzungen dazwischen. Vor allem der Trainingssturz Ende 2019 bedeutete eine Zäsur. Es war kein schlimmer Sturz, aber die Landung im spitzigen Geäst umso brutaler. Aufgrund eines Milzrisses, gebrochener Rippen und eines Lungenkollapses war die Fortsetzung der Karriere zwischenzeitlich ungewiss. Durch die Verschiebung der Olympischen Spiele erhielt Neff ein Jahr mehr Zeit. Zeit, die sie offensichtlich optimal nutzte.

Im Olympiarennen 2021 ist Jolanda Neff am Tag X trotz eines Handbruchs, den sie sich sechs Wochen zuvor zugezogen hat, voll auf der Höhe. Jetzt kommt ihr zugute, dass sich die Blicke weniger auf sie richten als vor Rio, dass sie aus der Position einer Aussenseiterin angreifen kann, befreit von jeglichem Druck.

«Es fühlt sich viel besser an als vor Rio. Ich gehe ganz ohne Erwartungen ins Rennen, weiss aber, dass ich immer noch alle Chancen habe», sagte Neff im Vorfeld. Es ist genau jene Formel, die die St.Gallerin für ihren grössten Wurf gebraucht hat. (ram/sda)

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Die besten Bilder der Olympischen Spiele 2020 in Tokio

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