Gesellschaft & Politik
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epa04179301 A diver jumps into the sea during a search and rescue operation for the sunken ferry Sewol's missing passengers in waters off Jindo Island in southwestern South Korea, 25 April 2014. Officials said that more than 130 people are still missing and at least 171 confirmed dead after a passenger ferry carrying hundreds of teenagers sank off the southern coast of South Korea on 16 April. Only 179 of 475 passengers and crew were rescued. Lee Joon-seok, captain of the Sewol ferry carrying, has been reported arrested among other crew members.  EPA/YONHAP SOUTH KOREA OUT

Bild: EPA/YONHAP

Gesunkene «Sewol»

Taucher finden 48 tote Mädchen in einer Kabine 

In der gesunkenen Fähre vor Südkorea haben Taucher in einem Raum 48 Leichen mit Schwimmwesten entdeckt. Auch eine weitere Nachricht erschüttert die Angehörigen: Die Behörden gaben zu, Tote an die falschen Familien übergeben zu haben. 

Ein Artikel von

Spiegel Online

Taucher haben in einer Kabine der gesunkenen südkoreanischen Fähre die Leichen von 48 Mädchen mit Schwimmwesten gefunden. Der Raum sei nur für 30 Personen zugelassen gewesen, berichtet CNN. Das lasse darauf schliessen, dass viele Passagiere in die Kabine gerannt seien, als das sinkende Schiff Schlagseite bekomme habe. Immer wieder stiessen Einsatzkräfte auf derart überfüllte Kabinen.

Schlechte Sicht, Treibgut und starke Strömungen erschweren die Bergungsarbeiten. Laut CNN lassen sich manche Türen wegen des Wasserdrucks nicht öffnen; Fenster müssten eingeschlagen werden. 

Die meisten Leichen tragen Schwimmwesten. Das hat ihnen möglicherweise die Flucht erschwert - als sich das Schiff zur Seite neigte, waren die Ausgänge womöglich schon unter Wasser. Einem Offizier der südkoreanischen Marine zufolge müssen Taucher erst die Westen entfernen, bevor die Leichen geborgen werden können. 

People react as they watch news report off of a computer screen during candlelight vigil for safe return of passengers of the sunken ferry Sewol in Ansan, South Korea, Friday, April 25, 2014. As visiting President Barack Obama offered South Koreans his condolences Friday for the ferry disaster, the South Korean government conceded that some bodies have been misidentified and announced changes to prevent such mistakes from happening again. (AP Photo/Lee Jin-man)

Bild: AP/AP

Leichen falsch idenzifiziert 

Die südkoreanischen Behörden mussten eingestehen, dass manche Leichen falsch identifiziert worden sind. Die sterblichen Überreste seien in mehreren Fällen an die falschen Familien übergeben worden. Ein Aktionsplan soll derartige Fehler künftig verhindern. Erst nach einem DNA-Test sollen die Leichen freigegeben werden. 

Bisher haben Taucher 183 Leichen geborgen. Fast 120 Personen werden noch vermisst. Hoffnung, jemanden lebend zu finden, gibt es praktisch nicht. An Bord waren 476 Menschen, die meisten davon Schüler. 

Unterdessen wurden vier weitere Besatzungsmitglieder wegen des Vorwurfs der Fahrlässigkeit in Untersuchungshaft genommen. Ein Gericht in der Stadt Mokpo habe auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen die vier Crewmitglieder - darunter zwei leitende technische Offiziere - erlassen, berichtete der Rundfunksender KBS. 

Die vier Crewmitglieder werden beschuldigt, ihre Verantwortungspflicht zum Schutz der Fahrgäste nicht erfüllt und damit den Tod vieler Passagiere in Kauf genommen zu haben. Den Berichten zufolge wurden bislang elf Besatzungsmitglieder festgenommen. 

A family member of a victim onboard the capsized Sewol ferry, prays for the missing and dead passengers, at a port where many family members wait for news from the search and rescue team, in Jindo April 25, 2014. More than 300 people, most of them students and teachers from the Danwon High School, are dead or missing and presumed dead after the April 16 disaster. The Sewol ferry, weighing almost 7,000 tons, sank on a routine trip from the port of Incheon, near Seoul, to the southern holiday island of Jeju. 
REUTERS/Kim Kyung-Hoon (SOUTH KOREA - Tags: DISASTER MARITIME RELIGION TPX IMAGES OF THE DAY)

Bild: Reuters

Sicherheitsmängel auf dem Schwesterschiff der «Sewol»

Wenige Tage nach dem Unglück waren bereits der Kapitän, die dritte Offizierin und der Steuermann verhaftet worden. Die Unglücksursache ist weiter unklar. Ermittler gehen menschlichem Versagen wie auch möglichen technischen Fehlern nach. Ein Grund könnte sein, dass die etwa 3500 Tonnen schwere Ladung auf der Auto- und Personenfähre nicht richtig gesichert worden sei, berichtete der staatliche Sender Arirang. Die Fahrzeuge und Container könnten verrutscht sein, so dass das Schiff in Schieflage geriet. 

Nach Angaben der Ermittler kenterte das Schiff an der Stelle, an der es einen Kurswechsel vorgenommen hatte. Laut Arirang war vor dem Unglück auch ein Problem an der Ruderanlage festgestellt worden, ohne dass der Defekt behoben wurde. 

Auch andere Sicherheitsmängel werden offenbar in Betracht gezogen. Am Schwesterschiff der «Sewol» wurden laut CNN 40 defekte Rettungsinseln gefunden. Die Notrutschen funktionierten nicht, es gab keine Möglichkeiten, Autos festzumachen. Auch die Verankerung von Containern habe nur schlecht funktioniert. (ulz/AP/dpa)



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