Facebook
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PALO ALTO, CA - APRIL 20: U.S. President Barack Obama (L) and Facebook CEO Mark Zuckerberg (R) greet the audience during a town hall style meeting at Facebook headquarters on April 20, 2011 in Palo Alto, California. Obama held the Facebook town hall to answer questions about the deficit and the economy.   Justin Sullivan/Getty Images/AFP
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Obamas Wahl 2008 gilt als das Paradebeispiel für Onlinecampaigning. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Wahlkampf 2.0

Mit der Obama-Methode gegen die Ecopop-Initiative

Wer viel über die Wählerschaft weiss, kann einfacher Wahlen gewinnen. Dies zeigen erfolgreiche Kampagnen in den USA. Schweizer Kommunikationsexperten wollen davon lernen und mit persönlichen Daten Abstimmungen gewinnen.



Seit Obamas Wahlsieg 2008 träumen Schweizer Kampagnenmacher davon, mit Facebook und Co. Wahlen und Abstimmungen zu gewinnen. Auch Jahre danach ist es bisher keinem Schweizer Politiker gelungen, über die Sozialen Netzwerke aus dem Stand heraus dieselbe «Kampagnenkraft» zu entwickeln, wie es einst Barack Obama schaffte.

Bei der Ecopop-Initiative soll sich dies nun ändern. Die Ecopop-Gegner wollen mit den Kampagnentools von Obama die Initiative bachab schicken. «Wir verwenden das Tool ‹Blue State Digital›», bestätigt Simon Schärer, Projektleiter Kommunikation des Wirtschaftsverbandes Economiesuisse. Dieses Tool wurde 2004 vom demokratischen US-Politiker Howard Dean verwendet, um Wähler zu mobilisieren. Bei den US-Präsidentschaftswahlen 2008 und 2012 verwendeten es die Wahlkampfhelfer von Barack Obama.

Kern dieses Tools sind Datenbanken von potentiellen Wählern. «Mit diesen Angaben wissen wir, wer die Unterstützer unserer Kampagne sind. Wir können sie so einfacher in den Abstimmungskampf einbinden», sagt Schärer, der für Economiesuisse die Abstimmungskampagne gegen die Ecopop-Initiative organisiert. 

Facebook-Wahlkampf wird immer wichtiger

Die «Bürger-Datenbanken» müssen jedoch von Parteien und politischen Organisationen selbst gefüllt werden. Dafür sammeln sie seit geraumer Zeit Adressen von potentiell nahestehenden Bürgern, seien es Daten der Parteimitglieder, Kampagnenunterstützer oder Fans auf Facebook. Ja sogar wer an Unterschriften-Sammelaktionen dabei war, wird bei vereinzelten Komitees gesammelt.

Auf ihrer Webseite rufen die Campaigner der Ecopop-Gegner die Besucher nach US-amerikanischem Vorbild dazu auf, E-Mailadresse und Postleitzahl anzugeben. Zusammen mit dem Kampagnen-Tool «Blue State Digital» könne man zum einen gezielt Spendenaufrufe verschicken oder sie zu Aktionen einladen, so Schärer. Zum anderen könnten sie gezielte Facebook-Werbung schalten. Unklar ist jedoch, ob die Ecopop-Gegner die persönlichen Daten der Bürger tatsächlich auch nutzen werden. «Ob wir diese Werbemöglichkeit von Facebook in der heissen Phase der Abstimmung jedoch nutzen werden, ist noch völlig offen», erklärt Schärer gegenüber watson. 

Auf kleinerer Flamme wollen die Ecopop-Befürworter auf Facebook kämpfen: «Unsere Facebook-Seiten werden von Initiativ-Befürwortern betreut», sagt Andreas Thommen, Sekretär des Vereins «Ecopop». Aus Ressourcengründen werde der Verein die Kampagne in den Sozialen Medien nicht priorisieren.

Bürgerdaten an Facebook weiterleiten?

Wichtiges Element von modernen Kampagnen ist der Einsatz von Facebook. So gehört es zum Kampagnen-Einmaleins, dass man Beiträge einer Kampagnenseite auf Facebook mit finanziellen Mitteln gezielt bewerben kann. Argumente für oder gegen eine Sache können so mehr Reichweite gewinnen, auch wenn das Anliegen an sich noch wenige «Likes» hat. Das Problem bei diesem «Boosting» ist jedoch der Streuverlust: Wer einen Facebook-Post bewerben möchte, muss seine Zielgruppe möglichst klar definieren, da die Beiträge sonst schwerer in der Timeline eines Users Platz finden – oder gar bei Leuten erscheinen, die gar nicht stimmberechtigt sind.

Facebook war sich dieses Problems bewusst und führte 2012 die «Custom Managed Audiences»-Funktion ein: Kampagnenmacher können bei einer Facebook-Werbung genau bestimmen, an wen die Werbeeinblendungen gerichtet werden sollen, indem die Kampagnenverantwortlichen geeignete E-Mailadressen und Telefonnummern sammeln und an Facebook schicken.

US-Kampagnen gewinnen dank Facebook

Bild

Bild: Screenshot facebook.com

So ist es in den Vereinigten Staaten mittlerweile gang und gäbe, dass Politiker und ihre PR-Fachleute bei den Behörden Wählerregister bestellen und sie von professionellen Personen-Datenbanken wie Acxiom ergänzen lassen. Wenn solche Datensätze als Zielgruppe für eine Facebook-Werbung bestimmt werden, werden nur registrierte Wähler angesprochen. Die Einblendungen bei Ausländern, Nicht-Stimmberechtigten und Touristen spart man sich.

«Bei der Gouverneurswahl erreichte McAuliffe mit Facebook-Werbung fast 500'000 potentielle Wähler, womit er schliesslich die hart umkämpfte Wahl gewann.»

Facebook for Business Quelle: Facebook.com

Diese gezielte Werbung an Wählerlisten ist erfolgreich. Dies behauptet zumindest das von Mark Zuckerberg gegründete Soziale Netzwerk selbst. Auf einer Unternehmer-Seite bezeichnet Facebook die Wahl des Demokraten Terry McAuliffe zum Governeur in Virginia 2013 als «Erfolgsgeschichte»: «Bei der Gouverneurswahl erreichte McAuliffe mit Facebook-Werbung fast 500'000 potentielle Wähler, womit er schliesslich die hart umkämpfte Wahl gewann.» 

Ebenfalls dank Facebook-Werbung soll der Republikaner John Cornyn 2014 die parteiinterne Wahl zum Senatskandidaten gewonnen haben. Cornyns PR-Leute speisten dazu Daten von über 200'000 texanischen Republikanern in die Facebook-Datenbank ein und konnten diese geschickt dafür nutzen, Cornyn bei der republikanischen Wählerschaft als Kandidaten bekannt zu machen. Resultat: Viel tiefere Werbekosten und ein Sieg bei der Kandidatenvorwahl – und dies, weil Facebook weiss, dass wir uns für Politik interessieren.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 14.10.2014 07:53
    Highlight Highlight Mehr Zuwanderer = mehr verdichtetes Wohnen = weniger Chancen für undichtes Wohnen auf dem Land wegen Kulturlandschutz.

    Bevölkerungszahl x Einkommen = Ressourcenverbrauch. Wirksam beeinflussen können wir nur die Bevölkerungszahl über die Regelung der Zuwanderung.
  • Zeit_Genosse 13.10.2014 11:24
    Highlight Highlight Facebook ist der grösste Schweizer Kanton! 3.4Mio. angemeldete Nutzer! Wachstum bei den Ü50 und Stagnation bei den Jüngeren (shift nach WhatsApp und co.). twitter liegt bei ca. 700'000 Nutzer (inkl. Firmenpräsenzen und Promotionsaccounts).

    FAZIT: Es lohnt sich bei fb politisch aktiv zu sein und Ressourcen zu investieren. Ich empfehle eine Multichannel-Strategie. Das heisst, dass alle Kanäle (off-/online) aufeinander abgestimmt sind und damit eine crossmediale Wirkung erzielen. Das beginnt bei den Politikern, Parteien und an der Basis, die bereits einen "festen Wohnsitz" bei fb haben und sich in diesem Gebiet gerne und gewandt bewegen. Das müssen nicht "Junge" (naitives) sein, weil fb als Tool einfach ist. Es zählen Anstandsregeln, rechtliche Gesetzesrahmen und gesunder Menschenverstand. Am Schluss zählen ehrliche Emotionen, Absichten und Argumente.
  • Schneider Alex 13.10.2014 10:46
    Highlight Highlight Warum gegen und nicht für ECOPOP?
    • poesie_vivante 13.10.2014 11:29
      Highlight Highlight Der Titel des Artikels war zuerst ein anderer. Dieser wurde wohl geändert, damit mehr Leser zugreifen. Dass nun aber Ecopop-Bashing betrieben werden muss, damit überhaupt Leser auf Artikel zugreifen, ist schon etwas ein Armutszeugnis.

      Wieso nicht einmal ein Artikel bei watson publizieren wieso man für ECOPOP stimmen sollte, anstatt andauernd Contra-Ecopop-Artikel? Denn es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Diese beiden Seiten zu belichten würde für die Glaubwürdigkeit von watson hilfreich sein.

      Einseitige Berichterstattung haben wir in allen anderen Medien schon genug.
    • hektor7 13.10.2014 13:13
      Highlight Highlight @russianrocket: Ja klar, alle Abstimmungen, die nach SVP riechen, werden seit geraumer Zeit unhinterfragt abgeschmettert. Also das musst mir jetzt doch etwas genauer ausführen. Chomi ez ned ganz drus...

Widerstand gegen Cannabis-Versuche im Nationalrat: Das musst du jetzt als Kiffer wissen

Der Nationalrat ist gegenüber Versuchen zur kontrollierten Abgabe von Cannabis grundsätzlich positiv eingestellt. Trotzdem gibt es noch Widerstand gegen den Experimentierartikel. Wann die ersten Versuche in Schweizer Städten starten und was du sonst noch dazu wissen solltest, liest du hier.

2018 gab der Ständerat grünes Licht für die Cannabis-Versuche und einen neuen Experimentierartikel. Der Ball lag damit beim Nationalrat. Hier hat sich nun Widerstand gegen die Vorlage formiert. Die Gesundheitskommission des Nationalrates hat auf Stichentscheid des Kommissionspräsidenten die Vorlage knapp abgelehnt.

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