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Pierre-Emerick Aubameyang sorgt wieder mal für Zoff.
Pierre-Emerick Aubameyang sorgt wieder mal für Zoff.Bild: EPA
Kommentar

Warum es für den Fussball wichtig wäre, dass Aubameyang nie mehr einen grossen Klub findet

Pierre-Emerick Aubameyang verpasst zum dritten Mal innert anderthalb Jahren ein Spiel, weil er beim BVB intern gesperrt wird. Will er mit seinem Verhalten den Abgang provozieren? Gut möglich, bei Ousmane Dembélé hat das im letzten Sommer nämlich funktioniert. Ein Kommentar zu zwei Problemen des Fussballs.
15.01.2018, 13:2316.01.2018, 05:13

Mitten in der Winter-Transferperiode sorgt Dortmund-Topskorer Pierre-Emerick Aubameyang für Unruhe – schon wieder er. Am Samstag liess er eine wichtige Teamsitzung aus. Er habe den Termin vergessen, so die Erklärung des Stürmers. Die Sitzung wurde von Trainer Peter Stöger allerdings schon lange angekündigt, stand am schwarzen Brett im Trainingszentrum des BVB und in einer WhatsApp-Gruppe. 

Sollte Aubameyang die Sitzung tatsächlich vergessen haben, es macht die Sache für ihn nicht besser. Es zeigt, mit welcher Einstellung der Gabuner beim BVB seine Zeit «absitzt». Sein Vertrag läuft noch bis 2021. Die Wahrscheinlichkeit, dass er diesen erfüllen wird, sinkt aber von Tag zu Tag.

Aubameyang 2014 mit BVB-Frisur. Diese wird er sich wohl nicht mehr rasieren lassen.
Aubameyang 2014 mit BVB-Frisur. Diese wird er sich wohl nicht mehr rasieren lassen.Bild: EPA/DPA

Der Zeitpunkt von Aubameyangs Verfehlung ist wohl nicht ganz zufällig. Der Stürmer wird von Arsenal umworben. Gut möglich, hilft er mit seinem Verhalten etwas nach, damit er von Dortmund die Freigabe erhält. Es ist ja bereits das dritte Mal, dass Aubameyang beim BVB suspendiert wurde – von drei verschiedenen Trainern. Unter Thomas Tuchel war es eine unerlaubte Shoppingtour nach Mailand, zuletzt bei Peter Bosz waren es wiederholte Verspätungen in den Trainings.

Dass dieses miese Verhalten funktionieren kann, zeigte schon die Personalie Ousmane Dembélé. Er streikte im letzten Sommer solange, bis ihn Dortmund zum FC Barcelona wechseln liess. Macht nun Aubameyang Ähnliches, um in die Premier League wechseln zu können? Falls es tatsächlich funktioniert, zeigt es zwei grosse, neumodische Probleme des Fussballs.

Ousmane Dembélé bei seiner Vorstellung in Barcelona.
Ousmane Dembélé bei seiner Vorstellung in Barcelona.Bild: AP

Der Markt regelt das – leider

Wer sich so unprofessionell verhält, wie es Pierre-Emerick Aubameyang derzeit tut, sollte bei keinem grossen Verein mehr einen Vertrag erhalten. Wer will schon einen Spieler, der nicht alles dem aktuellen Verein unterordnet? Das ist leider Wunschdenken. Die Klubbosse sind geblendet von den Toren und Leistungen vergangener Tage, träumen von Titeln und schauen auch mal grosszügig über charakterliche Schwächen hinweg. Nur deshalb können sich Spieler sowas überhaupt erlauben – die Nachfrage ist schliesslich da.

Aubameyang hat in Dortmund mit die besten Fans der Welt, die Unterstützung von Teamkollegen, einen professionell geführten Verein mit einem langfristigen Konzept und er wird dazu noch fürstlich entlöhnt. Er dankte es immer mit Toren, das lässt sich nicht abstreiten. Doch mittlerweile fällt Aubameyang noch mehr durch sein undiszipliniertes Verhalten auf. Respekt, Disziplin und Dankbarkeit sind neben dem Platz wenig zu sehen. Es wäre ihm zu wünschen, dass plötzlich nur noch Angebote aus China oder anderen unbedeutenden Ligen reinflattern. Vielleicht würde er dann langsam realisieren, was er bei einem europäischen Topklub wie Dortmund eigentlich hatte. 

Pierre-Emerick Aubameyang schoss in 212 Pflichtspielen für Borussia Dortmund 141 Tore.
Pierre-Emerick Aubameyang schoss in 212 Pflichtspielen für Borussia Dortmund 141 Tore.Bild: AP

Klubs werden bei zu viel Geld dann doch schwach

Dortmund hat Dembélé im letzten Sommer schlussendlich doch für über 100 Millionen Euro gehen lassen. Bei 60 Millionen für Aubameyang, die von Arsenal im Gespräch sind, dürften sie ebenfalls schwach werden. Das ist aus wirtschaftlicher Sicht natürlich verständlich. Spieler, die nicht bleiben wollen und für Zoff sorgen, teuer zu verkaufen, das macht Sinn, hat aber einen grossen Haken. 

Die Spieler merken, dass solches Verhalten funktioniert. Es ist kein Zufall, stellt sich in Dortmund nach Dembélé ein weiterer Star offenbar quer. Hier sollte ein Exempel statuiert werden, sonst droht die Gefahr, dass (nicht nur in Dortmund) reihenweise Spieler mit solchem Verhalten Wechsel erzwingen. Diese Saumode hat letztes Jahr mit Dimitri Payet, Philippe Coutinho und eben Ousmane Dembélé begonnen. Alle haben früher oder später ihren Willen durchgestiert.

Dimitri Payet gehörte an der EM 2016 zu Frankreichs besten Spielern. Im Januar 2017 machte er mit seinem erzwungenen Wechsel zu Marseille auf sich aufmerksam.
Dimitri Payet gehörte an der EM 2016 zu Frankreichs besten Spielern. Im Januar 2017 machte er mit seinem erzwungenen Wechsel zu Marseille auf sich aufmerksam.Bild: AP/AP

Eigentlich wären ja die Vereine am längeren Hebel. Die Spieler haben Verträge unterschrieben, die sie binden. Während der Verein lediglich Geld für den Weiterverkauf einbüssen würde, setzen die Spieler ihre ganze Karriere aufs Spiel. Die Vereine könnten die Spieler nämlich bis zum Ablauf des Vertrags in die Reserve stecken. Wetten, die betroffenen Spieler würden sich nach einigen Wochen öffentlich entschuldigen und sich zusammenreissen?

So könnte Dortmund Aubameyang per sofort in die Reserve verbannen. Im Prinzip, bis sein Vertrag im Juni 2021 ausläuft. Dann ist er 32 Jahre alt und die Karriere praktisch gelaufen. 

Aber machen wir uns nichts vor. Viel eher wird Aubameyang verkauft, als zumindest mal für einige Wochen in die Reserve gesteckt, um über sein Verhalten nachzudenken. Dafür ist einfach zu viel Geld im Spiel. Geld, welches Dortmund zwar nicht dringend braucht, das aber eben doch mit Handkuss nimmt für einen Spieler, der offensichtlich disziplinarische Probleme hat.

Sehen wir das Traumpaar Aubameyang/Reus zukünftig vielleicht doch wieder zusammen jubeln?
Sehen wir das Traumpaar Aubameyang/Reus zukünftig vielleicht doch wieder zusammen jubeln?Bild: AP/AP

Ich hoffe für den Fussball, für Dortmund und für Pierre-Emerick Aubameyang, dass sich der Gabuner zusammenreisst, sich entschuldigt und die Geschichte in Dortmund doch noch ein versöhnliches Ende nimmt. Falls Aubameyang keine Einsicht zeigt, bleibt nur zu hoffen, dass er nicht mit einem Vertrag bei einem anderen Topklub belohnt wird. Es wäre ein weiterer Schritt in die falsche Richtung im modernen Fussball.

Nicht nur Aubameyang ist schnell, auch FCB-Stürmer Oberlin:

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76 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ziasper
15.01.2018 13:31registriert September 2017
Der Fussball ist ja schon längstens komplett kaputt und die Spieler schauen halt, dass sie so gut wie möglich davon profitieren können.
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Nelson Muntz
15.01.2018 13:32registriert Juli 2017
Kann man dem nicht den Lohn kürzen? So das es weh tut....
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piedone lo sbirro
15.01.2018 13:50registriert November 2016
aubameyang`s gibt es viele im heutigen fussball.

gewisse clubbesitzer und sponsoren erlangen mit ihren finanziellen möglichkeiten zu viel macht bei der uefa - interessenkonflikte wo hin das auge reicht.

die kleinen/armen clubs bleiben klein, und die (super)-reichen clubs/spieler werden immer unverschämter.

mit infantino wird offensichtlich auch nichts besser. spätestens wenn es dann für alle CL-spiele ein pay-TV abo braucht hab ich`s endgültig gesehen.
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