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epa05668499 A handout picture obtained from the US Department of Defense on 10 December 2016 shows a US Air Force F-15 Strike Eagle jet receiving fuel from a KC-135 Stratotanker in support of a Combined Joint Task Force Operation Inherent Resolve mission against targets of the so-called militant group 'Islamic State' (IS) over Iraq, 07 December 2016.  EPA/MATTHEW FREDERICKS/US DEPARTMENT OF DEFENSE/HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

US-Kampfjets über dem Irak.  Bild: EPA/US DEPARTMENT OF DEFENSE

Wie viele Todesopfer der US-Luftkrieg im Irak wirklich fordert

Die Anti-«IS»-Allianz, geführt von den USA, setzt bei ihrem Kampf gegen die Terrormiliz auf massive Bombardements. Laut «New York Times Magazine» sterben dabei im Irak weit mehr Zivilisten als bislang bekannt.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Die irakische Stadt Mossul ist gefallen, auch die syrische Stadt Rakka ist nicht mehr in der Hand der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS). Die Dschihadisten haben ihr sogenanntes Kalifat fast vollständig verloren. Die irakische Armee eroberte nach eigenen Angaben am Freitagmorgen nun die letzte Stadt, die der «IS» im Zweistromland noch gehalten hat: Rawa, ein kleiner Ort im Euphrat-Tal in der Wüstenprovinz Anbar.

Der Kampf der von den USA geführten Anti-IS-Allianz gegen die Extremisten war brutal, besonders in deren Hochburgen Mossul und Rakka. Der für den Kampf gegen den «IS» zuständige US-General Stephen J. Townsend sagte der «New York Times» unlängst, die Schlacht um Mossul sei der härteste Kampf gewesen, den er in seiner 35-jährigen Laufbahn erlebt habe.

«Es war wie Faludscha auf Steroiden», sagte er - ein Verweis auf die im Winter 2004 gegen Dschihadisten durchgeführte Operation «Phantom Fury», die als erbittertste Schlacht gilt, die US-Marines seit dem Vietnamkrieg geführt haben.

Die aktuellen Bodenangriffe wurden stets begleitet von massiven US-Luftschlägen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Donald Trump, damals noch im Präsidentschaftswahlkampf, angekündigt, die Offensive massiv ausweiten zu wollen. «Wir führen einen politisch korrekten Krieg gegen den «IS». Wir müssen die Familien der Terroristen ausschalten. Wir müssen sie in Grund und Boden bomben», sagte er. Und hielt Wort. Die Folge: Ein drastischer Anstieg der Zahl ziviler Todesopfer.

Achtzehn Monate Recherche

Und das, obwohl die Militärs - unter Trump, ebenso wie unter seinem Amtsvorgänger Barack Obama - behaupten, der mehrheitlich von der Al-Udeid-Luftstreitkräftebasis im Emirat Katar koordinierte Luftkrieg gegen den «IS» sei so präzise wie kaum ein anderer je zuvor. In Zahlen: Bei rund 14'000 Angriffen im Irak seien nur 89 Zivilisten ums Leben gekommen. Daraus folgt: ein toter Zivilist bei 157 Angriffen.

Nun berichtet das «New York Times Magazine» jedoch, dass die sogenannten Kollateralschäden durch die Angriffe der Kampfjets auf den «IS» im Irak in den vergangenen drei Jahren weit grösser sind, als bislang offiziell von Washington beziffert.

Nach einer aufwendigen, achtzehnmonatigen Recherche, die von April 2016 bis Juni 2017 auch im Irak durchgeführt wurde, und für die Hunderte Augenzeugen, Überlebende und lokale Behörden sowie US-Offizielle befragt wurden, kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass bei jedem fünften Angriff ein Zivilist getötet werde, die Zahl der zivilen Opfer sei demnach 31-mal so hoch wie angegeben.

Die Diskrepanz zwischen den offiziellen Zahlen und den Rechercheergebnissen ist derart gross, dass die Autoren den US-Luftkrieg im Irak als so intransparent wie keinen anderen in der jüngeren amerikanischen Geschichte bezeichnen.

15'000 Dollar «Entschädigung»

Die Gründe für die ungenauen Bombardements sollen unter anderem veraltete oder ungenaue Geheimdienstinformationen sein, die ausschlaggebend für die Zielvorgabe der Bomber sind.

So etwa im Fall des 56-jährigen Basim Razzo aus Mossul, der fast seine gesamte Familie durch ein Bombardement im September 2015 verlor und den die Autoren porträtieren. Die US-Armee hielt sein Privatgrundstück, auf dem das Haus Razzos und das seines Bruders stand, nach einer Auswertung von Drohnenvideos für eine Autobombenfabrik - und schlug zu.

Er überlebte schwer verletzt, seine Frau und seine Tochter sowie weitere nahe Verwandte wurden getötet. Razzo schaffte es, aus dem seinerzeit vom «IS» kontrollierten Mossul ausreisen zu dürfen und konnte in der Türkei von Spezialisten behandelt werden. Seither kämpfte er mit Hilfe von Verwandten und Unterstützern in den USA - wo er selbst lange gelebt hatte - darum, eine Antwort vom US-Militär zu erhalten, warum sein Haus angegriffen wurde.

Anders als viele anderen gelang es ihm, ein Treffen mit Vertretern des US-Militärs in Erbil zu bekommen. Das Ergebnis: eine Entschuldigung und ein Angebot von 15'000 Dollar als «Entschädigung». Razzo lehnte ab.

dop

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    Alle Leser-Kommentare
  • Dirk Leinher 18.11.2017 09:42
    Highlight Highlight Klar sind die Kollateralschäden (bei Bombardierungen der Russen oder der SAA wird es "Angriffe ohne Rücksicht auf Zivilisten" genannt) bei den Bombardierungen der USA weit grösser. Der IS wurde ja auch nie wirklich bekämpft sondern höchstens "in die richtigen Bahnen" gegen die syrische Regierung gelenkt. Zur Zeit scheint es am östlichen Euphratufer sogar so zu sein, dass die IS Terroristen einfach die Fahne wechseln und neu als "moderate Rebellen" der US Koalition unterstellt werden. Wie sonst konnten die Ölfelder Syriens fast ohne Kampfhandlungen "erobert" werden
  • Zeyben 17.11.2017 23:18
    Highlight Highlight Dazu ist die Reportage “deadly dust” auf YouTube zu empfehlen. Schauen!
  • derEchteElch 17.11.2017 20:44
    Highlight Highlight Ach.. ist das von Obama begonnene IS/Syrien Gemetzel demfall doch nicht so lobenswert? Vielleicht sollte man ihm den Nobelpreis wieder wegnehmen... 🤔
    • Enzasa 17.11.2017 23:43
      Highlight Highlight Es ist ein Unterschied ob man Krieg aus Imperialistischen Gründen führt oder um Menschen und ihre Rechte zu schützen und verteidigen.
    • Soli Dar 18.11.2017 16:40
      Highlight Highlight Klar es ging und geht der USA immer nur um Menschenrechte NIE um imperialistische Gründe. Wenn es ein Imperium gibt, bzw. wenn jemand aus imperialistischen Gründen Krieg führt, dann ja vor allem die USA, wenn nicht die USA wer dann? Und zwar ganz egal unter welchem Präsidenten und auch wenn uns stets suggeriert wird es ginge um Demokratie, Menschenrechte, Brunnen und Grundschulen etc.

      Keine Land hat mehr Stützpunkte, Flugzeugträger rund um den Globus... kein Land gibt mehr Geld für Rüstung und Militär aus und kein Land hat mehr Soldaten im Ausland stationiert als die USA...
  • Posersalami 17.11.2017 19:45
    Highlight Highlight „Laut «New York Times Magazine» sterben dabei im Irak weit mehr Zivilisten als bislang bekannt.“

    Nein! Doch! OHHHHHHH!
    • Soli Dar 17.11.2017 22:53
      Highlight Highlight Na ja dem NYTM wahr wohl bislang auch noch nicht bekannt, dass zufällig auch US-Bomben Zivilisten töten...
  • HAZEFLOW JR 17.11.2017 18:23
    Highlight Highlight 15'000 Dollar und eine lahme Entschuldigung dafür das Sie seine ganze Familie umgebracht haben und sein ganzes Land vernichten? Sehr anständig von den Amis, könnt euch die 15'000 sonst wo hin stecken!!-.-
    • Soli Dar 17.11.2017 22:19
      Highlight Highlight 15'000 sind wie viel Prozent von 700 Mia?
  • klugundweise 17.11.2017 17:42
    Highlight Highlight Und wer sind jetzt die wirklichen Terroristen!
    • Soli Dar 17.11.2017 22:18
      Highlight Highlight Berechtigte Frage. Durch den "Krieg gegen den Terror" starben viel mehr Menschen als durch Terroranschläge. Gleichzeitig gibt es bei jeder weiteren Militärinterventionen immer nur noch mehr Terroristen und Terroranschläge und nicht etwa weniger. IS ist z.B. ja erst durch Bush's Irakkrieg entstanden.
    • klugundweise 17.11.2017 22:24
      Highlight Highlight Einfach nicht auf einem Auge blind! Wer hat Irak in Trümmern hinterlassen? Wer schützt Israels Untaten? Wer kooperiert mit den kriegteeibenden Saudis? Wer schiesst mit Drohnen auf Zivilisten? Und und und
    • Stop Zensur 17.11.2017 23:17
      Highlight Highlight Sag es doch einfach.
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  • blaubar 17.11.2017 17:40
    Highlight Highlight Hmmm, warum dieser plötzliche Gesinnungswechsel beim Spiegel??
    Das ist ja schon sehr lange bekannt und wurde absolut immer stillgeschwiegen in den US-freundlichen Medien... hmm...
    • reconquista's creed 17.11.2017 20:00
      Highlight Highlight Ja, Leute die ein schwarzweiss Denken haben und allen Medien eine völlige Parteilichkeit unterstellen können so einen Artikel im Spiegel nicht verstehen.
    • The Destiny // Team Telegram 17.11.2017 20:07
      Highlight Highlight @Domsh, diese Parteilichkeit is jedochleider eine Tatsache.

      @blaubar, Weil die 30x mal höhere Zahl wahrscheinlich nicht die definitive Zahl an Opfern ist.
    • Soli Dar 17.11.2017 22:47
      Highlight Highlight @Domsh man muss ja schon fast blind und taub sein, um nicht zu realisieren, dass der Spiegel, zumindest bei geopolitischen Themen, nicht parteiisch sei.

      Zumal sich NYTM & Spiegel ja noch zurück halten. Airwars, welche sich auf weitere NGOs und UN-Organisationen beruft, geht von noch wesentlich höheren Opferzahlen aus.
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