Gesellschaft & Politik

Putsch in Simbabwe? ++ Mugabe unter Hausarrest ++ ist seine Frau Grace geflüchtet?

15.11.17, 05:56 15.11.17, 15:58

Simbabwes Langzeitpräsident Robert Mugabe steht in Folge der Machtübernahme des Militärs unter Hausarrest. Das erklärte Südafrikas Präsident Jacob Zuma am Mittwoch nach einem Telefonat mit Mugabe.

Das Militär in Simbabwe hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über den Staat übernommen. Wie Reuters berichtet, wurde auch das staatliche Fernsehen übernommen und die Strassen zum Regierungsgebäude blockiert. Die Situation in dem Land ist unübersichtlich. Der Kampf um die Nachfolge des greisen Langzeit-Diktators Robert Mugabe ist eskalliert.

Mugabes Frau Grace soll laut diversen Medienberichten, so auch BBC, nach Namibia geflüchtet sein. Die dortigen Behörden dementierten dies jedoch gegenüber der Nachrichtenagentur APA, die First Lady von Simbabwe sei nicht in Namibia.

EDA ruft Schweizer Bürger in Simbabwe zur Vorsicht auf

Das Schweizer Aussendepartement hat nach der Militärintervention in Simbabwe zur Vorsicht aufgerufen: Schweizer Bürgerinnen und Bürger in Harare sollen an einem sicheren Ort bleiben, ausserhalb der Hauptstadt soll auf nicht dringende Reisen verzichtet werden.

Augenzeugen zufolge wurde auch Finanzminister Ignatius Chombo im Zuge der Intervention des Militärs festgenommen. Soldaten hätten ihn am Morgen abgeführt, sagten mehrere seiner Nachbarn in der Hauptstadt Harare. Das elektrische Tor an seinem Hauses schien mit Gewalt aufgebrochen worden zu sein.

Streitkräfte gegen Mugabes Frau

Chombo galt beim Rennen um die Nachfolge von Langzeitpräsident Robert Mugabe als Unterstützer von First Lady Grace Mugabe. Die Führung der Streitkräfte hingegen lehnt Grace als Nachfolgerin ab. Zunächst unbestätigten Berichten zufolge sollen auch weitere Minister festgenommen worden sein.

Es handle sich nicht um einen Militärputsch, betonte Generalmajor Sibusiso Moyo am Mittwoch in einer Ansprache im staatlichen Fernsehen. Es gehe darum, eine «sich verschlimmernde politische, soziale und wirtschaftliche» Krise zu überwinden und Verbrecher zur Strecke zu bringen. «Sobald wir unsere Mission erfüllt haben, erwarten wir eine Rückkehr zur Normalität», sagte Moyo in der Ansprache.

Das Statement von Sibusiso Moyo:

Der Militärvertreter forderte alle Sicherheitskräfte auf, mit dem Militär zu kooperieren. Auf Provokationen würde angemessen reagiert werden, warnte er. Alle Soldaten sollten sich umgehend zum Dienst zurückmelden.

In der Nacht hatte es Augenzeugen zufolge zuvor mindestens drei laute Explosionen in der Hauptstadt Harare gegeben, auch Schüsse wurden gehört. Seit Dienstag war es zu einer verstärkten Militärpräsenz in der Hauptstadt gekommen.

Die Botschaften der USA und Grossbritanniens ermahnten ihre Staatsbürger in Simbabwe wegen der unklaren Situation zu grosser Vorsicht und forderten sie auf, zu Hause zu blieben. Die US-Botschaft sollte am Mittwoch geschlossen bleiben.

Die Lage war am Mittwochmorgen noch unübersichtlich. Insbesondere war zunächst unklar, ob Mugabe oder einzelne Minister vom Militär in Gewahrsam genommen wurden.

Mugabe selbst hat sich bisher nicht öffentlich geäussert. Einer seiner Mitarbeiter hatte am Dienstag noch erklärt, der Staatschef gehe wie gewohnt seinen Amtsgeschäften nach.

Die Zuspitzung der Krise ergab sich, nachdem Militärchef General Constantino Chiwenga der Regierung von Langzeitpräsident Mugabe (93) am Montag öffentlich gedroht hatte, die Armee sei angesichts der Krise im Land bereit «einzuschreiten».

Die Regierungspartei Zanu-PF erklärte daraufhin am Dienstagabend, die Äusserungen Chiwengas kämen einem Verrat und der Anstachelung zur gewaltsamen Auflehnung gegen die verfassungsrechtliche Ordnung gleich.

Die politische Krise in Simbabwe um die Nachfolge des seit 1980 regierenden Mugabe spitzte sich vergangene Woche zu, als Mugabe seinen langjährigen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa feuerte.

Mugabe (rechts) und sein Vize Mnangagwa im Dezember 2016. Bild: EPA/EPA

Das Militär stand bisher immer stramm hinter Mugabe, doch auch hinter Mnangagwa, der als Verbündeter von Armeechef Chiwenga gilt. Die beiden kämpften mit Mugabe zusammen gegen das weisse Minderheitsregime im damaligen Rhodesien. Sie gelten als Kritiker von First Lady Grace Mugabe, die ihrem Mann im höchsten Staatsamt nachzufolgen hofft.

Grace Mugabe im Juli 2017: Sie wollte dereinst ihren Mann beerben. Bild: AP/AP

Ein Analyst der Beratung ExxAfrica, Robert Besseling, erklärte, die Funkstille der Regierung deute darauf hin, dass Mugabe die Kontrolle über die Situation verloren habe.

Sollte es zu einem Militärputsch kommen, seien in der Nähe wichtiger Einrichtungen in Harare wie dem öffentlichen Fernsehsender und Regierungsgebäuden Kämpfe zwischen Fraktionen des Militärs und der Polizei zu befürchten, so Besseling weiter.

Ein Experte der Risikoberatung Verisk Maplecroft erklärte, die erhöhte Militärpräsenz sei ein klares Zeichen, dass die Streitkräfte notfalls einschreiten würden, um Grace Mugabe als Präsidentin zu verhindern.

Panzer in der Hauptstadt Harare. Bild: AP/AP

Eine Bürgerin in Harare, Vivian Chinhengo, sagte am Dienstag, dass im Zentrum der Stadt an fast jeder Kreuzung Soldaten zu sehen seien, was «sehr ungewöhnlich» sei.

Ein anderer Augenzeuge, Clement Gomo, sagte, er habe bei der Fahrt ins westliche Chinhoyi mehrere gepanzerte Fahrzeuge in Richtung Harare fahren sehen. In der Nacht zum Mittwoch wurden auch in der Stadt gepanzerte Fahrzeuge gesehen.

Simbabwe mit seinen etwa 15 Millionen Einwohnern gehört einem UNO-Index zufolge zu den ärmsten Staaten der Welt. Mugabe hat die frühere Kornkammer des südlichen Afrikas heruntergewirtschaftet.

Das Land hat sich bislang noch nicht von einer schweren Wirtschaftskrise erholt, in Folge derer es 2008 zu einer galoppierenden Hyperinflation und dem Zerfall der Landeswährung kam. (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rumbel the Sumbel 15.11.2017 19:44
    Highlight Simbabwe war einmal ein blühendes Land. Heute leider nicht mehr. Warum wohl? Darf ruhig mal hinterfragt werden. Ist auch in anderen Ländern ähnlich.
    0 0 Melden
  • Rumbel the Sumbel 15.11.2017 16:49
    Highlight Mag sein, dass das grosse Landesteile, welche vorwiegend im Besitz von weissen Rancher waren, zu Unrecht in deren Besitz war. Deshalb wurden sie dort mit Waffengewalt von Mugabes Gefolge verjagt und tw umgebracht. Wo ist das Land heute? In der Steinzeit. Ranches sind gar nicht mehr benutzt, heruntergewirtschaftet und Rassismus gegenüber Weissen ausgelebt worden. Mich würde interessieren, was unsere Politiker, auch der EU, aus welchem Lager auch immer, dazu sagen? Und Frau Mugabe ist wohl unterwegs, um Staatsvermögen zu sichern. Bei welchen Banken wohl?
    0 0 Melden
  • Emanzipator 15.11.2017 11:13
    Highlight Ich glaub nicht, dass dies unbedingt schlecht sein muss....

    Mal sehen was das Militär daraus macht?
    8 0 Melden
  • piedone lo sbirro 15.11.2017 10:37
    Highlight wo "der hitler der gegenwart" wie er sich selbst bezeichnet sich gerade aufhält weiss ich nicht - sein schmutziges schwarzgeld jedenfalls befindet sich in der schweiz.
    73 17 Melden
    • pedrinho 15.11.2017 13:39
      Highlight hummmm.....

      ein diktator hat doch kein schwarzgeld, lass dir das mal von einem schweizer banker erklaeren.

      in diesem fall, gemeint geld von einem schwarzen als schwarzgeld zu bezeichnen ist ebenfalls grenzwertig, fast schon rassismus ;)

      ( doch ich denke du liegst richtig, das famillienvermoegen liegt recht sicher auch auf schweizer banken)
      8 8 Melden
    • FrancoL 15.11.2017 20:33
      Highlight Ob da Mugabe oder Mugabes Frau am Blitzen ist? Oder bis zuletzt sind es die die gerne die Augen ganz fest schliessen um das Schwarz in Weiss zu wandeln.
      2 0 Melden
  • ITGeek_BLC 15.11.2017 10:36
    Highlight Alleine seine Zitate ... da wird mir schlecht, Mugabe war ein Rückschritt für das Land .. ein gewaltiger Rückschritt !

    Seine Zitate : http://www.watson.ch/International/articles/891734098-%C2%ABIch-bin-der-Hitler-der-Gegenwart%C2%BB--6-Zitate-von-Robert-Mugabe--die-zeigen--wie-er-tickt

    Hoffen wir, dass der Putsch klappt ! und wieder jemand an die Macht kommt, der sich nicht selbst Hitler nennt, der alle Weißen töten will - ist ja wie früher in den USA .. ganz schlimm ! - mir übrigens Egal ob es nun Blitze Regnet - es ist die Wahrheit !


    54 1 Melden
  • SusiSorglos0815 15.11.2017 10:26
    Highlight Ich verstehe bis heute nicht, warum das nicht früher geschehen konnte. So viel Leid all die Jahrzehnte!
    46 1 Melden
    • Juliet Bravo 15.11.2017 23:53
      Highlight Mugabe konnte sich auf ein breites Netz zu Reichtum gelangter Eliten verlassen. Er kontrollierte Militär, Polizei, Stasi etc. Er hatte schlicht zu viele Profiteure und Unterstützer. Darum konnte das nicht nicht früher sein.
      0 0 Melden
  • Alterssturheit 15.11.2017 08:39
    Highlight Habe Simbabwe kurz vor Mugabes Amtsantritt und ein paar Jahre danach bereist. Was für ein Unterschied - die Kornkammer Südafrikas, ein wunderschönes Land mit friedlichen Menschen die trotz mehrheitlich weisser Herrschaft gut leben konnten. Und heute ? Um 200 Jahre zurückgefallen, nichts funktioniert, Arbeitslosigkeit extrem und die Familie Mugabe und ihr Clan verprassen Millionen und rauben das Land weiter aus. Aber wen interessierts...
    119 8 Melden
    • Duscholux 15.11.2017 10:27
      Highlight Es scheint einige zu interessieren, sonst gäbe es ja jetzt keinen Putsch.
      38 1 Melden
    • Emanzipator 15.11.2017 11:15
      Highlight Duscholux, es hat derzeit 6 Kommentare....

      Wenn Trump einen Tweet sendet ist innert minuten die Kommentarespalte voll.

      Es interessiert herzlich wenige!
      10 1 Melden
    • meliert 15.11.2017 12:26
      Highlight man sieht, was die native Bevölkerung mit dem schönen Land Rhodesien gemacht hat, leider!
      7 3 Melden
    • The Origin Gra 15.11.2017 13:04
      Highlight Hoffen wir mal, das es bessert wird. Wobei, schlimmer kanns nur noch schwer werden
      3 0 Melden
    • Sheez Gagoo 15.11.2017 13:10
      Highlight @Duscholux: Eben kein Putsch, sondern...?
      1 0 Melden
    • Zeyben 15.11.2017 13:16
      Highlight Zudem Sanktionen aus dem Westen. Zu den Hintergründen.

      1 0 Melden
    • rodolofo 15.11.2017 21:40
      Highlight Die Militanz der ZANU mit Mugabe hat ihren Ursprung in einem Rassistischen Apartheid-Régime im damaligen Rhodesien.
      Leider ist genau diese Militanz, welche die Befreiungsbewegung der Schwarzen in Rhodesien zum Erfolg führte, wieder die Ursache für Diktatur, Gegen-Rassismus und Leid...
      So pflanzen sich Hass und Gewalt immer weiter fort.
      Aber in Zimbabwe leben auch sehr viele aktive Christen, die Jesus auf seinem Weg zum Frieden folgen! Viel Glück!
      1 0 Melden
  • rodolofo 15.11.2017 07:24
    Highlight Bei allem Respekt gegenüber dem "Alten" und verdienten Guerillero und Freiheitskämpfer Mugabe:
    Irgendwann muss er mal locker lassen und die Zügel aus der Hand geben!
    Ich meine, mit 90 Jahren immer noch als Präsident arbeiten, da kommt ja sogar unseren Rechtsbürgerlichen von FDP und SVP das Augenwasser!
    Jetzt ist Zeit für die Pensionierung!
    Aber als Nachfolgerin bitte nicht Gucci-Grace!
    Denn das wäre eine Wiederholung des Imelda Marcos - Phänomens "Hinter jedem mächtigen Mann steckt eine Shopping-süchtige Frau".
    Es wird wohl im typischen "Third World Style" weitergehen...
    22 30 Melden
    • FrancoL 15.11.2017 20:35
      Highlight Den Guerillero hat er schon lange abgelegt! Ein Land fährt man nicht in wenigen Jährchen oder weil man zu alt ist an die Wand.
      1 0 Melden
    • rodolofo 16.11.2017 07:16
      Highlight @ FrancoL
      Ja klar, Mugabe ist ein Revolutionärer Macho, wie aus dem Lehrbuch.
      Und von dieser Sorte hat die Geschichte ja schon Einige gesehen, so dass es langsam, aber sicher reicht!
      Wir erinnern uns an den Commandante con Cigarillo (CCC) in Cuba, und blicken besorgt auf das Stalin-Double in Venezuela.
      Nein, so wird das definitiv nichts aus dem Kampf-Motto "Sozialismus, oder Tod!", bzw. es kommt dann eher zum Tod...
      0 0 Melden

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