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Die Wolken am Horizont werden mit jedem Tag dunkler.  bild: shutterstock

So könnte sich China im Handelskrieg an den USA rächen

Ein Handelskrieg zwischen den USA und China würde die Zusammenarbeit der beiden grössten Volkswirtschaften schwer treffen – mit Auswirkungen auf den Rest der Welt.



Nicht nur die globalen Lieferketten dürften unter dem Handelskrieg zwischen den USA und China leiden, sondern vor allem auch die in China tätigen amerikanischen Unternehmen.

epa06684040 Managing Director of the International Monetary Fund, Christine Lagarde participates in an IMFC Press Conference press conference during the IMF World Bank Spring Meetings at the IMF headquarters in Washington, DC, USA, 21 April 2018.  EPA/PETE MAROVICH

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, warnt vor den Konsequenzen des Handelskriegs.  Bild: EPA/EPA

«Die Wolken am Horizont», warnt die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, «werden mit jedem Tag dunkler». «Die grösste und dunkelste Wolke, die wir sehen, ist die Verschlechterung der Zuversicht», meinte sie jüngst zu den Gefahren für die Weltwirtschaft.

Wenn US-Präsident Donald Trump seine Drohung wahr macht und weitere Strafzölle von zehn Prozent auf chinesische Importe im Wert von rund 200 Milliarden Dollar verhängt, wird China nicht nur ähnliche Zölle auf Einfuhren aus den USA verhängen – sondern wohl auch auf andere Weise zurückschlagen. Denn die USA exportieren mit 130 Milliarden US-Dollar (2017) gar nicht genug nach China, als dass Peking im gleichen Masse Strafzölle verhängen könnte.

«Die Wolken am Horizont werden mit jedem Tag dunkler.»

Christine Lagarde

Furcht unter US-Firmen in China

In China ansässige US-Firmen fürchten deswegen, dass sie die Opfer werden könnten – und rüsten sich fürs Schlimmste. «Unsere Mitglieder sind sehr besorgt, was in Zukunft passieren könnte», sagt der Chef der US-Handelskammer in China, William Zarit, der Nachrichtenagentur DPA in Peking. «Die wachsenden Spannungen zwischen beiden Seiten haben bereits negative Auswirkungen auf die Arbeit vieler unserer Mitgliedsunternehmen.»

Die Psychologie des Handelsstreits habe heute schon «starke» Folgen, erklärt Zarit. «Unsere Unternehmen spüren den Druck.»

Noch laufe keine Kampagne gegen US-Unternehmen in China. «Aber wenn der Handelskrieg richtig ausbricht, ist es möglich», sagt auch der Wirtschaftsprofessor Huang Weiping von der Pekinger Volksuniversität.

Plötzlich strenge Inspektionen

Die Behörden könnten strenge Inspektionen zu Brandschutz, Hygiene oder Arbeitssicherheit veranlassen, einige Betriebe vorübergehend schliessen oder Genehmigungen verweigern, um ihnen das Leben schwer zu machen. «Sie werden die Firmen etwas leiden lassen», glaubt er.

Ein erstes prominentes Opfer scheint schon der US-Chiphersteller Qualcomm zu sein. Dessen Pläne für eine Übernahme des niederländischen Herstellers NXP Semiconductors NV für 44 Milliarden US-Dollar hängen nur noch an der Genehmigung der Aufsichtsbehörden in China, wo Qualcomm mehr als die Hälfte seines Absatzes macht.

FILE - In this Nov. 2, 2011, file photo, a sign sits atop the Qualcomm headquarters building in San Diego.  Qualcomm is raising its takeover bid for NXP Semiconductors by nearly 16 percent to about $43.22 billion, citing in part NXP's strong results since the companies first announced their merger in October 2016. The move announced Tuesday, Feb. 20, 208,  comes as Qualcomm itself is in the crosshairs of Broadcom Ltd., which earlier this month raised its own cash and stock bid for Qualcomm to $121 billion. (AP Photo/Gregory Bull, File)

Der US-Chiphersteller Qualcomm könnte eines der ersten Opfer des Handelskrieges sein.  Bild: AP/AP

Aber seit dem Beginn der Handelsspannungen liegt die Genehmigung in China auf Eis. Beide Unternehmen haben sich eine Frist bis Mittwoch gesetzt, so dass der Deal durchaus platzen könnte.

Indirekte Vergeltung

Es gibt viele Wege, mit denen China den USA wehtun könnte. Als Beispiel wird gern der Feldzug gegen südkoreanische Unternehmen 2017 zitiert, als die Regierung in Seoul gegen den Widerstand Pekings ein US-Raketenabwehrsystem installiert hatte. Dieses richtet sich zwar gegen Nordkorea, aber sein Frühwarnsystem kann auch weit nach China hineinlauschen.

Südkoreanische Kaufhäuser in China mussten plötzlich wegen angeblicher Brandschutzprobleme schliessen.

Es gab auch Aufrufe zum Warenboykott. Verkäufe südkoreanischer Autos sackten ab. Reisen nach Südkorea wurden gestrichen oder boykottiert. Die Tourismusindustrie verlor sechs bis sieben Milliarden US-Dollar.

Boykott-Bereitschaft in der Bevölkerung

Jeder zweite Chinese würde im Falle eines Handelskrieges auch «sicher» oder «möglicherweise» amerikanische Waren boykottieren, ergab eine Umfrage der «Financial Times». Ein Drittel ist sich unsicher oder kauft gegenwärtig ohnehin keine US-Waren. Nur 13 Prozent der Befragten lehnen demnach einen Boykott ab.

«Populismus und Nationalismus werden überall in der Welt stärker, nicht nur in China, sondern auch in den USA», sagt der Wirtschaftsprofessor Zheng Chaoyu von der Volksuniversität zur Möglichkeit eines Boykotts. Er sorgt sich aber auch um den reibungslosen Ablauf in den globalen Lieferketten.

«Populismus und Nationalismus werden überall in der Welt stärker, nicht nur in China, sondern auch in den USA.»

Wirtschaftsprofessor Zheng Chaoyu

Da wird ein Intel-Prozessor aus den USA nach China verschifft, in Chengdu in Südwestchina von einem chinesischen Subunternehmer für einen US-Computerhersteller in einen Laptop gebaut, der wiederum in die USA geliefert wird. «Die besondere Position Chinas als individuelles Land in den Lieferketten wird stark beeinflusst», warnt Zheng Chaoyu.

Beschädigung globaler Lieferketten

Sein Kollege Huang Weiping stimmt zu: «Natürlich werden globale Lieferketten beschädigt. Die Grundlage ist Vertrauen, und Trump hat dieses Vertrauen bereits gebrochen.»

So beschrieb die Sprecherin des Aussenministeriums, Hua Chunying, den eskalierenden Handelsstreit auch als den grössten «Vertrauenskiller» für die Weltwirtschaft, der den mühsam errungenen Schwung für eine globale Erholung bremse und die Grundlage des Wachstums destabilisiere.

Chinesische Staatsmedien geben sich kämpferisch. Trump unterschätze, was China im Fall eines handfesten Handelskrieges alles tun könne, schrieb die «Global Times», die vom Parteiorgan «Volkszeitung» herausgegeben wird. (sda/dpa)

Whiskey und Harley werden Opfer von Trumps Handelskrieg

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Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • Edwin Schaltegger 21.07.2018 13:43
    Highlight Highlight Ich finde es gut, dass die USA gegenüber China eine härtere Handelspolitik betreibt. China verfügt über sehr hohe Importschranken mit im Schnitt ca. 10% Importzöllen gegenüber den USA mit bisher ca. 3.5%. Im weiteren haben sie hohe bürokratische Zollschikanen aufgebaut. China foutiert sich auch um Urheberrechte. Wer´s nicht glaubt dem empfehle ich die Elektronik- Uhren/Schmuck-Malls in Shanghai zu besuchen. Hier werden öffentlich iPad-, MS Office-, Rolex-Kopien etc. verkauft. Der chinesische Staat lässt diese kriminellen Machenschaften gewähren.
  • Lowend 21.07.2018 12:28
    Highlight Highlight Was mir an der ganzen Diskussion fehlt, ist die Betrachtung, dass die Amis einfach viel zu viel Güter, Waren importieren, weil sie komplett masslose Verbraucher sind und vor allem, weil sie die Produktion seit Jahrzehnten, ganz nach dem Mantra der neuliberalen Wirtschaftslehre, zum Kostensparen in‘s Ausland verlagert haben.

    Auf gut Deutsch; Trump versucht, seine hausgemachten Probleme auf dem Buckel der ganzen Welt zu lösen.

    • Lowend 21.07.2018 15:03
      Highlight Highlight Wer nichts zu sagen hat, könnte auch schweigen. Darum für politische Legasteniker und Trumpgroupies:

      🤦‍♂️😍🤫
  • sokrates2 21.07.2018 08:12
    Highlight Highlight Also dieses alle gegen die USA und die Chinesen sind Opfer aber schiessen aus allen Rohren, kaufen Top-Firmen in Europa, klauen Technologien und Knowhow ohne Wenn und Aber, kolonisieren Afrika neu, mischen im internationalen Kapitalmarkt kräftig mit, und dies alles mittels Staatsbetriebe der kommunistischen Partei Chinas, kann nicht nachhaltig sein. Ich glaube, dass die internationale Elite gerne im Gefangenschaft der Null-Zins-Politik steht und nicht ganz koscher auf Kosten von Wohlstand der Mittelschicht in den USA aber auch in Europa sich bereichert und die Umwelt vernichtet.
    • FrancoL 21.07.2018 12:04
      Highlight Highlight Wieso auch immer DIE ELITE? Haben wir da nicht gerade in der Schweiz auch unsere Vorteile ohne dass jeder der Vorteile hat zur ELITE gehört.

      Es geht etlichen von uns ganz gut mit den Status Quo und wir verdrängen alles was an Nachteilen auf uns zukommen könnte. Doch unser Verdrängen hat haben nicht die Chinesen uns aufgedrängt, wenn wir verdrängen dann um uns zu bereichern oder momentan zu schützen, denn langfristig müssen wir uns den Aufgaben stellen.
      Zu China und Afrika liesse sich ein Buch schreiben, jedenfalls haben WIR es vergeigt in Afrika und richtiger und nachhaltiger zu verhalten.

  • Str ant (Darkling) 21.07.2018 07:45
    Highlight Highlight Globale Lieferketten müssen halten lernen nicht von den Amis abhängig zu sein and basically Problem Solved
  • Pnesch 21.07.2018 05:52
    Highlight Highlight Hoffentlich beschränkt sich der Krieg nur auf den Handel! Hoffe nicht das die Chinesen in der USA und die Amerikaner im rest der Welt verfolgt werden...
  • John Smith 21.07.2018 03:05
    Highlight Highlight Schon interessant wie hier die USA als Bösewicht angesehen wird. Als wäre China ein Bienennest, und wer darin rumstochert muss sich ab den Konsequenzen nicht wundern. Es vergessen anscheinend alle, dass Chinesen keine Naturgewalt sondern Menschen sind, welche Verantwortung für ihr Handeln tragen. Und anstatt den Handelskrieg weiter hoch zu schrauben könnten sie einfach mal die bittere Pille schlucken und ihren eigenen Protektionismus mindern. In Sachen Protektionismus ist Xi im Vergleich zu Trump nämlich ein eingesessener Veteran.
    • _kokolorix 21.07.2018 10:18
      Highlight Highlight China hat seine Bienen durch exzessiven Chemieeinsatz in der Landwirtschaft ausgerottet...
      Man muss allerdings festhalten, dass Chinas Protektionismus meist denn Aufbau einer konkurrenz- und zukunftsfähigen Industrie ermöglichen soll, während Trumps hirnlose Anordnungen eine bereits ln den letzten Zügen darniederliegenden Stahlindustrie wiederbeleben soll. Die US Stahlhersteller können beim besten Willen weder die Menge noch die Qualität für den Bedarf der Wirtschaft liefern. Das würde einen jahrelangen Aufbauprozess erfordern, welcher Trump nicht einfach befehlen kann
  • Posersalami 20.07.2018 23:13
    Highlight Highlight Kann China sich die Waren nicht selbst abkaufen? Geld genug haben die doch, um das eine Weile zu machen.

    Ich frage mich auch wie die Amis reagieren, wenn bei Wall Mart auf einmal alles 30% teurer ist oder die Regale leer bleiben, weil da eh fast alles aus China importiert wird.. wie lange werden die Bürger das mitmachen?
  • brudi 20.07.2018 22:43
    Highlight Highlight Der globale Handel wird ausgebremst. So what !? War ja klar dass wir an diesem Punkt ankommen. Ungebremster Wachstum hat Uns und vielen anderen zwar Wohlstand gebracht, dafür auch massenhaft Probleme, welche nicht per Gesetz einfach rückgängig gemacht werden können. Die ganze hin und her Schifferei, geplante obsoleszenz, produzieren für die Müllhalde. Wird Zeit einen oder zwei Schritte zurück zu machen um unseren Folgegenerationen einen intakten Planeten zu hinterlassen. Übrigens tun mir US Firmen, welche aus Kostengründen in China produzieren so gar nicht leid wenn sie gepiesackt werden
  • chnobli1896 20.07.2018 22:34
    Highlight Highlight Sie könnten auch einfach ihre amerikanischen Staatsanleihen und / oder ihre USD verkaufen
    • dan2016 20.07.2018 23:14
      Highlight Highlight Und dann?
    • Gawayn 20.07.2018 23:22
      Highlight Highlight Das fürchtet man wohl am meisten.
      Sollte China das tun,
      Dann fällt der Wert des US Dollar auf den Wert der damaligen italienischen Lira...
    • road¦runner 21.07.2018 00:26
      Highlight Highlight ...und sich somit ins eigne Fleisch schneiden.
  • Slavoj Žižek 20.07.2018 22:18
    Highlight Highlight China ist ein Musterbeispiel bez. Protektionismus und wird diesbezüglich viel zu selten kritisiert.
    • Posersalami 20.07.2018 23:12
      Highlight Highlight Das mag sein. Ein Handelskrieg wird aber sicher nichts daran ändern. Druck von aussen bewirkt das Gegenteil von einer Öffnung..

      Protektionismus können übrigens auch andere Länder sehr, sehr gut. Die Schweiz ist da leider auch keine Ausnahme.
    • dan2016 20.07.2018 23:15
      Highlight Highlight Das stimmt, wenn Trump einen Funken Intelligenz hätte, würde er für dieses Kraftmessen Alliierte suchen
    • FrancoL 20.07.2018 23:55
      Highlight Highlight Wenn jemand ein Foul begangen hat ist dies kein Grund das der andere ebenfalls ein Foul begeht.
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