Arbeitswelt
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bauarbeiten werden am Muensterhof vorgenommen, am Donnerstag, 5. Maerz 2015, in Zuerich. Ab 2016 soll der Muensterhof nicht mehr als Parkplatz dienen, sondern zu einem offenen Platz mit einladender Atmosphaere werden. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Bauarbeiten am Münsterhof in Zürich 2015. Bild: KEYSTONE

Die Schweiz verlocht Milliarden – aber niemand hat den Überblick

Hunderttausende Kilometer Leitungen durchziehen den Untergrund. Doch ein genaues Verzeichnis fehlt. Nun plant der Bund eine verlässliche Dokumentation.

Dominic Wirth / ch media



Grosse Verkehrsprojekte sind in der Schweiz stets ein Marathon. Die Politik muss sich einigen, und wenn das geschafft ist, lauert meist schon die Volksabstimmung. Und dann sind da noch die vielen kleinen Hindernisse, etwa jene, mit der sich die Planer der Glattalbahn einst im Kanton Zürich herumschlagen mussten.

Es ging um nur einen Brückenpfeiler. Doch um herauszufinden, wo er in den Boden gerammt werden kann, waren gleich mehrere Sitzungen notwendig. Schliesslich mussten die Planer zuerst einmal in Erfahrung bringen, was sich alles schon im Boden verbirgt, welche Leitungen ihn durchziehen – und möglicherweise beschädigt werden könnten. Und das war gar nicht so einfach.

Die Geschichte aus dem Zürcher Glattal ist nur eine kleine, doch sie illustriert ein grosses Problem. Hunderttausende Kilometer Leitungen verlaufen durch den Schweizer Untergrund. Sie transportieren Wasser und Abwasser, versorgen das Land mit Gas, Strom und Internet, und wenn man sie alle neu bauen müsste, dann würde das – die betroffenen Strassen mit eingerechnet – 450 Milliarden Franken kosten.

Doch das Wissen darüber, wo diese Leitungen genau verlaufen, ist kreuz und quer im Land verteilt, und vielerorts hat niemand den Überblick. Die Schweiz ist stolz auf ihre Landkarten, und sie hat sonst immer für alles einen Plan. Doch im Untergrund ist sie blind, zumindest auf einem Auge.

Noch herrscht der gute alte Föderalismus

Das will der Bund nun ändern. «Es ist an der Zeit, Wissen zu schaffen», sagt Christoph Käser von swisstopo, dem Bundesamt für Landestopografie. Nach jahrelanger Vorarbeit hat der Bund vor kurzem seine Pläne für ein nationales Leitungskataster in die Vernehmlassung gegeben. Das Ziel: eine «homogene, verlässliche und zeitgemässe» Dokumentation des Untergrunds.

Heute macht in der Schweiz nach guter alter Föderalismus-Manier jeder, was er will: Es gibt Gemeinden und Kantone, die sehr gut dokumentiert sind. Und dann gibt es jene – bei den Kantonen ist es rund die Hälfte –, die bis heute keine expliziten rechtlichen Bestimmungen für ein Leitungskataster kennen. Die Bandbreite reicht von der «Fötzelisammlung», wie es ein Experte formuliert, bis zur durchdigitalisierten Stadt Genf.

550 000 Kilometer lang ist das Netz, das die Schweiz im Untergrund durchzieht, mittlerweile – eine gewaltige Zahl, die für das rasante Wachstum des Landes steht. Die Leitungen gehören etwa grossen Firmen wie der SBB oder Swisscom. Doch die Mehrheit der 8000 sogenannten Werkeigentümer sind Gemeinden, Genossenschaften oder Korporationen, zum Beispiel im Wasserbereich.

Neue Infrastrukturen drängen in den Untergrund

Mit der Netzlänge ist in den letzten Jahren auch der Druck auf die Platzverhältnisse im Untergrund gestiegen – und das wird in Zukunft so bleiben, sagt Christoph Käser von swisstopo. Neue Infrastrukturen drängen in den Untergrund, Strassen- und Bahntunnels etwa, Glasfaserleitungen, dereinst vielleicht das unterirdische Gütertransportsystem Cargo sous terrain. Oder die Erdwärmesonden, die für die Energieversorgung immer wichtiger werden .

Es ist also an der Zeit, Ordnung zu schaffen. Dass die Schweiz ein Leitungskataster braucht, welches das ganze Land vermisst, ist denn auch unumstritten. Die Arbeitsgruppe, welche der Bund für die Vorarbeiten eingesetzt hat, hat einstimmig den Grundsatzentscheid getroffen, dass «der Status Quo keine Option ist».

Doch der Teufel liegt wie so oft im Detail. Und dort wird es kompliziert, weil etwa die Besitzer von Strom- oder Abwassernetzen so wenig wie möglich preisgeben wollen, da sie um die Sicherheit ihrer Leitungen fürchten. Auf der anderen Seite ist etwa die Baubranche für ihre Planungen an möglichst detaillierten Informationen interessiert.

Schäden in Millionenhöhe

Wenn heute die Bagger auffahren, dann kommt es immer mal wieder vor, dass sie ihre Schaufel nicht nur in den Boden rammen – sondern auch in eine Leitung. Das hat dann einen Stromausfall zur Folge oder einen Unterbruch der Wasserversorgung. Und verursacht, sagt Christoph Käser, jedes Jahr einen zweistelligen Millionenschaden, wobei die Dunkelziffer gross sei. Solche Schäden sollen dank dem Leitungskataster künftig vermieden werden. Dazu kommen die Einsparungen, die dank der einfacheren Planung winken.

Max Maurer ist Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der ETH Zürich; er beschäftigt sich mit dem Wasser und dem Abwasser, das durch ein Leitungsnetz von 200 000 Kilometern fliesst. Maurer sagt, es brauche unbedingt ein Leitungskataster, «nur schon, damit die unbefriedigende Datenlage endlich besser wird».

Der Professor verspricht sich von einem nationalen System, dass die rund 3000 Wasserwerke ihre Daten einheitlicher – und damit sorgfältiger – erheben. «Diese Daten sind unglaublich wertvoll», sagt Maurer, «denn die Leitungen müssen immer wieder erneuert werden. Dieses Wissen aufzubauen, ist eine Investition in die Zukunft».

Für die nächste Sanierungsrunde der Wasserleitungen rechnet Maurer in den kommenden Jahren mit einem gewaltigen Investitionsbedarf von rund 130 Milliarden Franken. «Je mehr wir über die Leitungen wissen, desto besser», sagt er.

Experte: Im Untergrund regiert das Chaos

Der ETH-Professor findet, ein Leitungskataster sei gut, aber nur ein Anfang. «Was die Schweiz braucht, ist eine umfassende Untergrundplanung», sagt Maurer. Dieser Ansicht ist auch Andreas Flury. In Zürich kannte man ihn einst auch als «Mister Glattalbahn», und er hat später als Verwaltungsratspräsident auch die Limattalbahn, ein anderes grosses Verkehrsprojekt, mitgeprägt.

Flury sagt, er habe dabei festgestellt, dass im Untergrund Chaos herrsche. Heute sitzt Flury im Lenkungsgremium des «Fachkreises Nutzung des Untergrundes» und bearbeitet auch Bundesparlamentarier, damit das Thema Untergrund auf der politischen Agenda nach oben rückt. «Der Untergrund ist eine wertvolle Ressource, deren Nutzung Städte, Kantone und Bund viel besser planen müssen», sagt er.

Eigentlich wollte der Bund das Raumplanungsgesetz (RPG) um einen Artikel ergänzen, der diese Planungsaufgabe ausdrücklich erwähnt. Doch die entsprechende Revision ist im Parlament in akuter Absturzgefahr.

Es könnte also sein, dass es vorderhand beim Leitungskataster bleibt. Und auch bis dieses steht, wird noch viel Zeit vergehen. Christoph Käser vom Bundesamt für Landestopografie rechnet für den parlamentarischen Prozess und den Aufbau des Katasters mit zehn Jahren. (aargauerzeitung.ch)

Alle Triumphe von Roger Federer in Wimbledon

Eine Baustelle für Kinder

Play Icon

Das könnte dich auch interessieren:

Diese 9 Food Trucks aus New York wünschen wir uns in der Schweiz (weil absolut 🤤)

Link zum Artikel

Federer/Nadal necken sich wie ein altes Ehepaar und McEnroe will «ihre Karrieren beenden»

Link zum Artikel

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Link zum Artikel

St. Galler Polizist schiesst sich aus Versehen in den Oberschenkel

Link zum Artikel

Die lange Reise der Schiedsrichter-Pfeife an die Rugby-WM nach Japan

Link zum Artikel

Eins vor Tod will ich Sex und (eventuell) eine Ohrfeige

Link zum Artikel

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

7
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • uengel 15.07.2019 14:10
    Highlight Highlight Es könnte einfach und günstig gehen. Einfach ab jetzt alles beim Bau und Reparatur kartieren . Dann haben wir sukzessive verlässlichere Daten zum fast Nulltarif. Alte Leitungen zu dokumentieren ist fast unmöglich und nicht bezahlbar. Oder wollen die von Bern alles ausgraben ?
  • DerTaran 15.07.2019 11:56
    Highlight Highlight Es gilt unter vielen Laien die fälschliche Annahme, dass Zentralisierung immer besser ist. Dem ist nicht so, im Gegenteil, gerade komplexe Probleme, lassen sich oft besser nach dem Konzept 'Teile und Herrsche' in den Griff bekommen, zwar können die Resultate zum Teil suboptimal sein, aber dafür kann man sie mit annehmbarem Aufwand erreichbar.
  • Le_Raclette 15.07.2019 10:31
    Highlight Highlight Jedes Jahr Schaden im zweistelligen milionenbereich... Klingt für mich nach weniger als eine minutiöse Dokumentation von zahlenfetischisten Kosten würde
  • Elfo 15.07.2019 10:18
    Highlight Highlight Würde mich interessieren was die Braubranche mit unseren unterirdischen Leitungen vorhat ;-) Ob ich dann einen Bier-Breitbandanschluss haben kann 🤭😃
    Text-Zitat aus dem Artikel: "Auf der anderen Seite ist etwa die Braubranche für ihre Planungen an möglichst detaillierten Informationen interessiert." 😂😂🍻
    • Viktoria 15.07.2019 11:15
      Highlight Highlight Hihihi, das war wohl ein Freudscher Verschreiber :) Danke für den Hinweis, ist korrigiert!
  • rodolofo 15.07.2019 10:16
    Highlight Highlight Wenn Ihr mal richtiges Chaos sehen wollt, dann reist nach Metro Manila und studiert DORT die Verhältnisse!
    Ihr habt ja keine Ahnung, was richtiges Chaos ist!
    Und das Verrückteste am tropischen Chaos ist noch, dass darin äusserst strickte Regelwerke am Wirken sind, dass es also im Grunde ALLES ANDERE ALS CHAOTISCH ist, nämlich sehr streng und rigide!
    Aber das sieht und merkt der links-alternative Chaot erst, wenn sich darin verwickelt hat, in der "Ordnung des Dschungels"...
  • Don Harrison 15.07.2019 07:17
    Highlight Highlight Das Erklärt einiges, warum zum Teil die Bauarbeiten auf den Strassen länger gehen. Sie haben keinen Plan --- mit Leitungen. 😂

Zar Putin der Korrupte – oder warum es Russland mies geht

Am kommenden Wochenende spielen die Russen wieder einmal «gelenkte» Demokratie. Präsident Putin hat das Land längst in einen korrupten Feudalstaat zurückverwandelt. Doch das Volk muckt auf.

In Russland werden die Sitze in Stadt- und Regionalparlamenten am Sonntag neu verteilt. Überraschungen sind keine zu erwarten. Die Partei des Präsidenten Wladimir Putin, «Einiges Russland», wird als Sieger hervorgehen. Demonstrationen gegen diesen Einheitspreis werden verboten, Oppositionelle niedergeknüppelt oder gar in den Knast geworfen.

Das alles kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Putins Popularität sich im Sinkflug befindet. Vielleicht sogar dramatisch. So ermittelte das …

Artikel lesen
Link zum Artikel