Gesellschaft & Politik
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Das letzte Tabu: Exit will mit einem Missverständnis bei der Suizidhilfe aufräumen

Die grösste Suizidhilfeorganisation der Schweiz führt einen Richtungsstreit. Präsidentin Marion Schafroth kann das Publikum einer grossen Fachtagung von ihrem gemässigten Kurs überzeugen. Die kritischen Worte fallen erst in der Pause. Ein Ex-Präsident erklärt, weshalb der Verein wieder kämpfen sollte.

Andreas Maurer / ch media



epa06722529 104-year-old Australian scientist David Goodall speaks during his press conference a day before his assisted suicide in Basel, Switzerland, 09 May 2018. The 104-year-old, Australia's oldest scientis, travelled to Switzerland where he has chosen to die by voluntary euthanasia on 10 May.  EPA/GEORGIOS KEFALAS

Der 104-jährige Australier David Goodall sagte kurz vor seinem Tod in der Schweiz: «Ich bin nicht krank.» Bild: EPA/KEYSTONE

Werner Kriesi, 87, ist Suizidhelfer, ehemaliger Exit-Präsident und reformierter Pfarrer. Er steht auf der Bühne eines Zürcher Hotelsaals vor 600 Leuten und erzählt eine Geschichte:

Ein 89-jähriger katholischer Theologe aus der Innerschweiz meldet sich bei ihm. Kriesi bietet ihm ein Gespräch an. Doch der Mann sagt: «Ich will nicht reden, ich will sterben. Die Sache ist klar: Ich bin eine Ruine.» Der Alte hat keine Krankheit, aber tote Geschmacksnerven. Er sagt: «Ich glaube nicht an die Auferstehung. Aber ich wäre glücklich, wenn einige Tage vor meinem Tod meine Geschmacksnerven auferstünden.» Dann würde er noch ein Glas Wein geniessen. Jetzt schmecke alles gleich, nämlich nach nichts. Der 89-Jährige stirbt mit Kriesis Hilfe.

Ein Staatsanwalt sagte einst zu Kriesi: «Ein Mensch muss ein tiefes Gefühl der Verzweiflung haben, um mit Exit zu sterben.» Kriesi widerspricht:

«Ich habe so viele alte Menschen kennengelernt, die lebenssatt und leidenssatt sind, aber dankbar für ihr Leben. Sie umarmen mich und sagen, sie seien glücklich, gehen zu können.»

Wenn Kriesi solche Vorträge hält, wird ihm vorgeworfen, er rede den Suizid schön. Er entgegnet: «Diesen Leuten fehlt die Erfahrung.» Und ihnen fehle das Wissen. Der Suizid ist eines der letzten gesellschaftlichen Tabus. Worüber man nicht spricht, darüber weiss man wenig. Die entscheidende Frage, um herauszufinden, ob man selber von der Wissenslücke betroffen ist, lautet: Wer darf in der Schweiz Suizidhilfe in Anspruch nehmen?

Die gängige Antwort: Wer an einer tödlichen Krankheit leidet. Die Antwort ist nicht falsch, aber sie ist nicht vollständig. Sie müsste lauten: Wer urteilsfähig ist, also in der Lage ist, die Folgen des Entscheids zu begreifen.

Der Pfarrer und Freitodbegleiter Werner Kriesi und Klaus Hotz, von links, sprechen an der 35. Generalversammlung der Sterbehilfeorganisation Exit hin, am Samstag, 17. Juni 2017, im Volkshaus in Zuerich. Die Mitglieder von Exit diskutieren an ihrer Versammlung eine moegliche Liberalisierung des Altersfreitods. Der von Klaus Hotz eingebrachte Antrag soll die Sterbehilfe fuer betagte Menschen liberalisieren. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Werner Kriesi (links) war Exit-Präsident. Bild: KEYSTONE

Denn in der Schweiz gilt das Grundrecht, dass jeder über die Art und den Zeitpunkt seines Todes selber entscheiden darf. Das Strafgesetz macht nur die Einschränkung, dass Suizidhilfe «nicht aus selbstsüchtigen Beweggründen» betrieben werden darf, also nicht zur finanziellen Bereicherung. Das Heilmittelgesetz macht eine weitere Einschränkung: Ärzte dürfen das rezeptpflichtige Sterbemittel nur an urteilsfähige Patienten abgeben. Das bedeutet, dass grundsätzlich jeder normal denkende Erwachsene sich die tödliche Dosis verschreiben lassen kann – unabhängig von Alter und Krankheit. Exit schreibt lediglich ein «unerträgliches Leiden» vor.

Dennoch sagen viele Ärzte zu Sterbewilligen ohne tödliche Krankheit: «Ich darf das nicht.» Die Antwort ist falsch. Richtig wäre: «Ich will das nicht.» Das Problem für gewisse hochbetagte Leute bleibt dasselbe: Sie sind nicht so krank, dass der Arzt sie sterben lässt. Aber sie sind auch nicht so gesund, dass sie weiterleben wollen.

Alte Exit-Kämpfer proben den Aufstand

Innerhalb von Exit werden zwei Lösungen für das Problem diskutiert. Entweder versucht man, auf politischem Weg den Arzt zu umgehen und eine rezeptfreie Abgabe des Sterbemittels einzuführen. Oder man sensibilisiert die Ärzte und die Gesellschaft und verbreitet das Wissen, dass schon heute mehr möglich ist, als viele denken.

ARCHIV --- ZUR GV VON EXIT DEUTSCHE SCHWEIZ STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Zwei Mitglieder von Exit informieren sich an einem Stand, am 20-Jahre-Jubilaeum der Sterbehilfeorganisation, am Samstag, 4. Mai 2002 in Aarau. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Exit setzt sich für Menschen ein, die aus dem Leben scheiden wollen. Bild: KEYSTONE

Eine Gruppe von alten Exit-Pionieren kämpft für die radikale Lösung, die rezeptfreie Abgabe. Der Vorstand hingegen verfolgt die gemässigte Lösung, eine Kampagne zur Aufklärung. Die interne Auseinandersetzung hat nun dazu geführt, dass Exit eine öffentliche Fachtagung organisiert hat. Die 600 Tickets waren innert weniger Tage ausverkauft. Der Verein hätte den Saal nach eigenen Angaben dreimal füllen können. Gekommen sind Hunderte Senioren, die sich über das eigene Lebensende Gedanken machen, und Dutzende Fachleute.

Die neue Exit-Präsidentin Marion Schafroth versucht, das Publikum von ihrem gemässigten Kurs zu überzeugen: «Wir wollen keinen politischen Krieg. Wir wollen unsere Kräfte nicht mit Grabenkämpfen verzetteln.» Der Weg über Gerichtsprozesse möge mutig sein. Aber es sei ein schlechter Weg für einen grossen Verein wie Exit. Den Rechtsweg überlässt sie Ludwig Minelli mit Dignitas und Erika Preisig mit Eternal Spirit, die beide im Publikum sitzen.

Schafroth erhält Applaus. Die kritischen Worte fallen erst in der Pause am Buffet. Dort steht Hans Wehrli, ehemaliger Exit-Präsident, mit einem Stück Kuchen in der Hand und sagt: «Ich traue dem neuen Vorstand noch nicht. Er muss kämpferischer werden und sollte die politische Auseinandersetzung nicht scheuen.»

Marion Schafroth, Vize-Praesidentin von EXIT, spricht an einer Medienkonferenz zum  Thema

Marion Schafroth, die neue Exit-Präsidentin. Bild: KEYSTONE

Der andere Ex-Präsident, Werner Kriesi, hat sich hingegen von Schafroth überzeugen lassen, wie er im Gespräch sagt: «Wir wollen eine nationale Debatte anstossen.» Ein behutsames Vorgehen findet er richtig, denn: «Wenn man am Gras zupft, wächst es nicht schneller.» Exit kämpfe immer noch gegen «enormen Widerstand bei Anthroposophen, Pro Senectute und vielen Altersheimen».

Die Wissenslücke, dass ein Suizid nicht nur im Fall einer tödlichen Krankheit legal ist, hat Exit allerdings ein Stück weit selber zu verantworten. Kriesi sagt, Exit habe schon in seiner Zeit vor zwanzig Jahren Leute in den Tod begleitet, die nicht krank, sondern nur alt und leidend gewesen seien: «Damals haben wir einfach nicht darüber gesprochen.» Das hat er nun mit der Episode des 89-jährigen Theologen nachgeholt. (aargauerzeitung.ch)

Sterbehilfe für gesunde Menschen?

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44Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Älplermagrönli mit Öpfelmues 18.11.2019 16:38
    Highlight Highlight Ich persönlich fände die rezeptfreie Abgabe verheerend. Mit 18 ist man volljährig und demnach auch urteilsfähig. Da ich selber an einer Persönlichkeitsstörung leide und etwas Kleineres mich in einen grossen Abgrund stossen kann, finde ich es sehr gefährlich, denn ich glaube hätte es die Rezeptfreie abgabe bereits gegeben, dann wäre ich jetzt tot. Aber mir gefällt mein Leben zur Zeit, vielleicht aber nächste Woche nicht mehr. Eine rezeptfreie Abgabe ist meiner Meinung nach zu krass. Die Hürde ist nicht mehr gross und es ist erwiesen, desto grosser die Hürde, desto weniger verzweifelte Versuche.
  • homo sapiens melior 18.11.2019 09:21
    Highlight Highlight Wie wären Sterbezentren, wo Fälle von staatlich engagiertem, politisch und religiös neutralem Personal abgeklärt werden? Dann kann man entweder direkt dort sterben oder erhält eine Begleitung dafür daheim.
    Man darf Menschen nicht zwanghaft im Leben halten, wenn sie nicht mehr wollen. Da drücken doch nur wirtschaftliche oder religiöse Interessen durch. Warum z.B. sind Altersheime dagegen? Weil ihnen Kunden ausgehen? Einem Freund im Pflegeheim sagte man, EXIT sei nur für Patienten erlaubt, die mindestens 3 Jahre bei ihnen im Heim seien. Bösartige Geldgier ist das. Er musste das Heim wechseln.
    • Krise 18.11.2019 09:33
      Highlight Highlight Es geht auch um Angst, sehr viel Angst, dass man einen Ruf als "Tötungszentrum" bekommt. Und es gehe auch um Mitarbeiterschutz; es ist für viele pflegende Menschen immernoch nicht einfach zu akzeptieren wenn ein Gepflegter sterben will ohne dass ein Ende in Sichtweite wäre.
    • Balois 18.11.2019 09:34
      Highlight Highlight Weil sie dement sind zum Beispiel.
    • homo sapiens melior 18.11.2019 09:50
      Highlight Highlight Es soll und darf auch kein Mitarbeiter gezwungen werden, bei einem Suizid Begleitung zu sein, wenn er das nicht will. Geht gar nicht.
      Soviel ich weiss, dürfen demente Menschen nur legal in den begleiteten Suizid gehen, wenn sie das vor ihrer Demenz klar und deutlich schriftlich fixiert hatten.

      Wegen all der verschiedenen Fälle schlage ich ja die Abklärung von Experten in einem Zentrum vor.
    Weitere Antworten anzeigen
  • recki85 18.11.2019 09:00
    Highlight Highlight Bei der Abgabe des Medikaments nur an Urteilsfähige geht es nicht nur um heilmittelrechtliche, sondern auch um strafrechtliche Aspekte, nämlich den Ausschluss einer vorsätzlichen Tötung in mittelbarer Täterschaft.
    Ausserdem ist der Absatz mit "die gängige Antwort" unsauber geschrieben. Wenn etwas nicht Voraussetzung ist (tödliche Krankheit), dann ist es auch nicht Teil der Antwort, sondern schlicht irrelevant. Man könnte ausführen, weshalb denn die "tödliche Krankheit" oder "unsägliches Leid" etc. von Ärzten und Sterbehilfeorganisationen dennoch gefordert wird. Antwort: Man weiss es nicht.
  • mystiker 18.11.2019 08:59
    Highlight Highlight Es gab Kulturen und Gesellschaften vor uns, in denen war es normal, dass die Menschen selber entschieden, wann sie sterben wollten.
    • Vecchia 18.11.2019 16:38
      Highlight Highlight ja, sie hungerten sich - mit oder ohne spirituelle Praktiken - zu Tode.
      Geht auch heute noch, wenn man will.
  • recki85 18.11.2019 08:55
    Highlight Highlight Warum wird die ganze Zeit nur von alten Menschen gesprochen, statt konsequent auch die wenigen jungen Menschen mit Sterbewunsch miteinzubeziehen, wenn doch jedem Urteilsfähigen Nembutal abgegeben werden könnte? Oder spricht man denen dann die Urteilsfähigkeit ab oder fordert, was rechtlich nicht Voraussetzung ist (gut, vielleicht bezüglich ärztlicher Sorgfaltspflicht schon, man weiss es nicht), nämlich eine Krankheit?

  • Beat_ 18.11.2019 08:42
    Highlight Highlight Es darf nicht sein, dass durch eine rezeptfreie Abgabe der Druck auf Teile der Gesellschaft noch mehr steigt, ihr irdisches dasein bitteschön jetzt zu verlassen. Dieser Aspekt wird bei Thema Sterbehilfe grosszügig ausgelassen, obwohl er auch wichtig ist.
    Im weiteren sollte eine Abgabe auch nicht zu "Sterbetourismus" führen, wir brauchen keine importierten Suizide.
    • Saerd neute 18.11.2019 09:49
      Highlight Highlight Beat_
      Genau, finde ich auch.
      Und dass der Druck steigt ist unausweichlich. Viele ältere Leute haben das Gefühl " ich tauge nichts mehr, nütze nichts mehr und falle der Gesellschaft nur noch zur Last".
      Mit einer als normal angesehenen Sterbehilfe steigt die Gefahr Leben als unwert anzusehen wenn es der Gesellschaft keinen " Nutzen" mehr bringt.
      Das ist eine gefährliche Entwicklung!
    • RatioRegat 18.11.2019 11:19
      Highlight Highlight Man könnte auch die Selbstbestimmung wahren und Leuten, die sterben wollen, entsprechende Möglichkeiten geben, ohne gleichzeitig Druck zur Ausübung dieser Möglichkeit zu schaffen.

      Dies ginge ganz einfach, indem man sich von der Vorstellung löst, dass sich der Wert eines Menschen anhand des Einkommens bemessen lässt.
    • ChlyklassSFI 18.11.2019 11:32
      Highlight Highlight Die Entscheidung fällt nicht von heute auf morgen. Dein Horrorszenario ist doch nicht realistisch. Würden denn unter dem Druck der Gesellschaft stehende ältere Leute Gründe erfinden, um sterben zu können?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Balois 18.11.2019 08:19
    Highlight Highlight Viele Menschen fühlen sich unnütz. Eine Depression ist ja auch ein Zustand bei welchem man teilweise unzurechnungsfähig ist. Nicht nur die Demenzen. Ich mache solchen Organisationen den Vorwurf Leute zu bedrängen und abzuzocken. Ich befürworte die Vorsorge, Verfügungen, Gespräche mit den Nächsten um das Leben nicht zu verlängern, wenn man satt ist.
    • Dubio 18.11.2019 08:51
      Highlight Highlight Können Sie den Vorwurf irgendwie belegen oder untermauern? Oder machen Sie den einfach aus dem hohlen Bauch heraus?
    • Balois 18.11.2019 09:24
      Highlight Highlight Hallo Dubio, ich persönlich empfinde die Preisgestaltung als intransparent. Bei Exit in Abhängigkeit wie lange man Mitglied war! Bei Anderen nach Aufwand. Preise von 3000 bis 10000.- sfr. Im Vergleich zur Pflege oder anderen medizinischen Versorgungen klingt dies nach wenig. Subjektiv empfinde ich die Intransparenz als Abzocke. Weiter entsteht doch gerade wegen dem Kostendruck und der fehlenden Sinnhaftigkeit das Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden und eine Last zu sein.
    • ast1 18.11.2019 13:26
      Highlight Highlight @Balois "Kill dich mit Exit, schon ab 2995.-" ist jetzt auch nicht wirklich besser.
  • Krise 18.11.2019 08:04
    Highlight Highlight Ich bin gegen die rezeptfreie Abgabe, schlicht weil es Krankheiten gibt die unbehandelt zu Lebensmüdigkeit führen, welche verschwindet wenn man die Krankheit behandelt (Depression z.B.). Es ist also möglich dass der Sterbewunsch nur vorübergehend ist. Ich bin aber dafür dass vor allem Ärzte mehr Aufklärung betreiben und die Gesellschaft ihnen weniger Verantwortung und Vorwürfe auferlegt.
    Übrigens: meine Mutter wurde palliativ begleitet und durfte im Spital nicht "gestorben werden". Man sprach von "natürlichem Todeszeitpunkt". Mit 46. Wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Sie ist dann verhungert.
    • bcZcity 18.11.2019 09:44
      Highlight Highlight Mein Beileid! Meine Mutter ging vor 2 Jahren mit Exit. Sie hatte auch Bauchspeicheldrüsenkrebs und für sie wäre es schlimm gewesen an das Bett gefesselt unter Schmerzmittel noch in den Tod gepflegt zu werden. Palliativ ist sicher eine gute Sache, wenn man es so will.

      Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen erfordert ja auch einen gewissen Grad an Mut und Verzweiflung, schliesslich weis man ganz genau wann es soweit ist. Für meine Mutter war es das richtige, für andere evtl. nicht.

      Wichtig ist, jeder soll und darf selber entscheiden!

      Wenn man bei jeder Schwangerschaft so ein TamTam machen würde?!
  • fools garden 18.11.2019 07:40
    Highlight Highlight Es ist viel Egoismus im Spiel, wenn ich einen alten Freund oder ein Familienmitglied nicht will gehen lassen.
    Ich finde es steht jedem Frei zu gehen wann er will, ihn zu diabolisieren hilft der Sache kaum.
    • Guido Zeh 18.11.2019 07:50
      Highlight Highlight ...und die Hinterbliebenen werden dann vom care-Team betreut...
    • Balois 18.11.2019 08:25
      Highlight Highlight Gehen lassen unbedingt, ja. Suizid, jein, da soll es meine nahe Person schon selber tun, ich werde ihr helfen nicht zu verlängern aber sicher nicht zu töten.
  • So en Ueli 18.11.2019 07:40
    Highlight Highlight Warum soll der Mensch über den Zeitpunkt seines Todes bestimmen dürfen, wenn er ja nicht einmal über den Zeitpunkt seiner Geburt bestimmen konnte? Ich konnte nichts dazu tun, dass ich Bürger dieser Erde geworden bin. Daher ist es aus meiner Sicht nicht Sache von mir zu entscheiden, wenn ich diese Erde wieder verlassen werde. Dieser Zeitpunkt entscheidet aus meiner Sicht das Leben/ die Natur. Krankheit ist ein Übel, was wir noch zu ertragen haben. Aber unsere Medizin wird immer besser. Krankheiten gelten es aus meiner Sicht erhobenen Hauptes, stoisch und geduldig zu ertragen. That's life.
    • sowhat 19.11.2019 08:24
      Highlight Highlight Es ist mitnichten die Natur, die entscheidet wann du gehst. Es ist in unserer Welt das dich begleitende medizinische Personal. Warum sollen die mehr dazu zu bestimmen haben als du?
  • just_a_name 18.11.2019 07:17
    Highlight Highlight Nicht der Suizid ist das grösste Tabu sondernd generell der Tod. Siehe auch die aktuelle Diskussion bezüglich der Doku mit Mona Vetsch, wo auch hier auf Watson ein kritischer Kommentar veröffentlicht wurde.
    • sowhat 19.11.2019 08:28
      Highlight Highlight Richtig, ich glaube der Tod und das Sterben an sich müssen dikutierbar werden. Dann wird es das Suizidthema von selbst. Sterben zu verheimlichen in dem man nicht darüber spricht ist die dankbar ungeeignetste Formaein natürliches Verhältnis dazu zu bekommen.
  • Matrixx 18.11.2019 07:05
    Highlight Highlight Ich glaube, das ist ein grossesmProblem unserer modernen Gesellschaft:
    Leute leben lassen, die nicht leben wollen und Leute sterben lassen, die nicht sterben wollen.
    • Balois 18.11.2019 08:19
      Highlight Highlight Grosse Sprüche ohne Inhalt
    • Matrixx 18.11.2019 08:46
      Highlight Highlight Grosse Köpfe ohne Inhalt verstehen den Inhalt von Sprüchen nicht 😉
    • Balois 18.11.2019 08:55
      Highlight Highlight Hehe, bin eben kein Gedankenleser. Soll ich dir die Worte in den Mund legen? Flüchtlinge sterben, Arme werden ärmer. Alte wollen sterben, man lässt sie aber nicht und verdient sich an ihnen ein Vermögen. Jaja, modern auch noch.
  • olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder 18.11.2019 07:05
    Highlight Highlight Da hat sich ein Missverständnis eingeschlichen (oder eine terminologische Ungenauigkeit). Zwar ist der Suizid und unter Umständen die Unterstützung dazu nicht strafbar, aber es gibt kein "Grundrecht, dass jeder über die Art und den Zeitpunkt seines Todes selber entscheiden darf". Jedenfalls derzeit.
    • Balabatar 18.11.2019 07:58
      Highlight Highlight Impliziert ein 'Recht auf das Leben' wie es in der BV steht nicht auch ein 'Recht auf den Tod'?
      Zudem ist es ein Recht und keine Pflicht.
    • Krise 18.11.2019 07:59
      Highlight Highlight Du meinst, dass es nirgendwo als Grundrecht definiert ist? Spannende Frage: gibt es Grundrechte, die vorausgesetzt werden ohne dass sie aufgezeichnet sind?
    • recki85 18.11.2019 09:20
      Highlight Highlight 1. Wer hat das zu bestimmen? Es ist das natürlichste aller Rechte, über sein Leben und seinen Tod bestimmen zu können.
      2. Auch aus juristischer Sicht gibt es das Grundrecht aber sehr wohl, es ist nämlich Teil von Art. 8 Ziff. 1 EMRK und der persönlichen Freiheit sowie der Privatsphäre in der BV, wie auch das BGer schon mehrfach bestätigt hat. Was es grundsätzlich nicht gibt, ist ein Anspruch auf Suizidbeihilfe. Wenn Sie von Anfang an das meinten, ja dann unterlief Ihnen wohl selbst eine terminologische Ungenauigkeit, ansonsten ist Ihre Aussage schlicht falsch.
  • sowhat 18.11.2019 06:56
    Highlight Highlight Gut so. Diese Debatte ist wichtig. Es muss gesellschaftlich normal werden darüber zu sprechen, wie man sterben kann, darf, will. Es kann doch nicht sein, dass Menschen zum Leben gezwungen werden, wenn sie nicht mehr leben wollen. Diese Entscheidung ist aber nur frei, wenn das Sterben zum normalen Gesprächsthema wird. Nicht solange es tabuisiert wird.
  • amRhein 18.11.2019 06:24
    Highlight Highlight Warum sollte man vor einen Zug stehen können, aber sich nicht friedlich verabschieden dürfen?

    Ich bin gegen eine rezeptfreie Abgabe, da ich befürchte, dass die Verzweiflung öfters eine unüberlegte Entscheidung (wie sich eben vor den Zug stellen) begünstigen würde, hätte man ein solches Medikament im Schrank. Ich glaube, zum Teil war das der Beweggrund, für die Selbsttötung vor einem Zug.

    Ich fände es besser, man könnte das mit dem Arzt besprechen. Für mich wünschte ich mir das. Auch um mich selbst zu schützen. Und vor generellem Missbrauch eines solchen Medikaments.

  • Name_nicht_relevant 18.11.2019 06:15
    Highlight Highlight Nach allem was ich über Exit erfahren habe meine Meinung geändert u. ich muss sagen das es so viele Menschen gibt, die sterben dürfen sollten.
    Da gibt es Kinder,Junge u. Erwachsene die schlimme Krankheiten u. Behinderungen haben und da gibt es die Menschen die Psychisch so Lebensmüde sind das Sie am liebsten v. der Brücke springen würden. Es gibt ältere Menschen die inzwischen die Tage zählen und merken das Sie ohne Hilfe nichts mer können oder niemanden mehr haben und vereinsahmen. Es gibt oft viele Gründe dafür u. das sollte überwiegen. Man sollte ihnen Helfen,wenn Heilen nicht mehr geht.

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