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Ruth Dreifuss und Ignazio Cassis wollen Kokain legalisieren – nicht allen gefällt das

Der Tessiner FDP-Bundesratskandidat Ignazio Cassis unterstützt ein Umdenken in der Drogenpolitik. Die brisante Forderung löst unterschiedliche Reaktionen aus.

Doris Kleck / Nordwestschweiz



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Ignazio Cassis und Ruth Dreifuss sind für die Legalisierung von Kokain Bild: Martin Rütschi und Christophe Bott/Keystone und Nicole Nars-Zimmer

Die Legalisierung von Marihuana liegt weltweit im Trend. Auch in der Schweiz ist das Thema auf verschiedenen Ebenen aktuell. Diverse Städte planen Versuche mit einer legalen Abgabe von Cannabis. Und die Grünen verlangen mit einem Vorstoss ein Hanfgesetz: Anbau, Handel, Jugendschutz, Prävention und Besteuerung sollen umfassend reguliert werden.

Hast du schon einmal Kokain probiert?

Alles gut und recht, findet Ruth Dreifuss. Sie engagiert sich seit langem für die Cannabis-Legalisierung. Doch die Alt-Bundesrätin (SP) denkt bereits einen Schritt weiter. Im Interview mit der «Nordwestschweiz» spricht sie sich auch für die Legalisierung von Kokain aus, «weil es schlimmer ist, wenn der Markt von Kriminellen beherrscht wird».

Die Legalisierung von Kokain wäre weltweit wohl einzigartig. In Portugal ist seit 2001 der Konsum von Kokain – wie auch von Heroin – erlaubt. Wer mit maximal zwei Gramm erwischt wird, kommt nicht mehr ins Gefängnis, sondern muss zur Beratungsstelle.

Die heiklen Streckmittel

Diese Entkriminalisierung ist für Lars Stark, ärztlicher Leiter eines Arud-Zentrums für Suchtmedizin in Zürich, ein Schritt in die richtige Richtung. Doch damit werde das Hauptproblem der Drogenkonsumenten nicht gelöst: «Sie wissen nicht, wie rein der Stoff und wie hoch die Wirkung ist.»

250 Millionen Menschen greifen zu illegalen Drogen

Video: srf

Stark spricht sich deshalb für eine Legalisierung sprich Reglementierung aus und zieht eine Parallele zum Alkohol. Gewisse Läden dürften Alkohol an gewisse Altersgruppen verkaufen. Der Staat generiere Einnahem, die er für die Prävention einsetzen kann. Die Leute würden wissen, dass sie beim Alkoholkonsum ein Risiko eingehen. Sie haben Kenntnis davon, wie viel Alkohol ein Bier enthält und dass beim Wodka mehr Vorsicht geboten ist.

Bei den Drogen überlasse der Staat die ganze Kontrolle dem Schwarzmarkt: «Drogenkonsumenten sind den Dealern ausgeliefert. Sie müssen ihm glauben, welche Substanzen das Produkt enthält.» Das sei problematisch. Beim Kokain könnten beigemischte Substanzen so gefährlich sein wie das Kokain selbst. «Häufig werden Amphetamine, Koffein oder auch Medikamente aus der Tiermedizin zur Bekämpfung von Wurmerkrankungen oder andere toxische Substanzen beigemischt», sagt Stark.

Heute gibt es bereits Beratungsstellen, die im Graubereich agieren und für Konsumenten den Inhalt ihrer Drogen analysieren. Für Stark geht es dabei nicht um eine Verharmlosung. «Wenn wir sagen können, was in den Substanzen steckt, welche Wirkungen oder Nebenwirkungen zu erwarten sind, werden die Konsumenten sensibilisiert und können Risiken, die sie eingehen, einschätzen», sagt Stark. Drogen würden ohnehin konsumiert werden. Das Verbot verhindere den Schutz der Konsumenten.

Der freisinnige Bundesratskandidat Ignazio Cassis sieht das ähnlich. «Ein regulierter Markt ist der beste Weg, um Drogenmissbrauch zu bekämpfen», sagt der Präventivmediziner. Nur so kenne und erreiche der Staat die Drogenkonsumenten und könne entsprechende Feinregulierungen machen. Cassis spricht sich deshalb explizit auch für die Kokain-Legalisierung aus.

Cannabis als Anfang?

Damit dürfte er unter Politikern – abgesehen von den Jungsozialisten – eher die Ausnahme sein. CVP-Nationalrätin Ruth Humbel sagt: «Mit der Legalisierung werden Betäubungsmittel verharmlost.» Die Gesundheitspolitikerin befürchtet, dass damit der Jugendschutz ausgehöhlt würde. SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler glaubt gar, dass Jugendliche noch stärker in den Fokus von Dealern geraten würden: «Gibt man Substanzen ab 16 oder 18 Jahren frei, werden die Dealer einfach probieren, den Stoff jüngeren Personen zu verkaufen – oder billiger», sagt die Präsidentin vom Verband Drogenabstinenz Schweiz. Als Polizistin wisse sie: «Den Schwarzmarkt zu eliminieren, ist illusorisch. Es ist zu viel Geld im Spiel.»

Selbst Maya Graf (G/BL), die für die Legalisierung von Cannabis kämpft, will derzeit nicht über Kokain reden. «Wir müssen zuerst Erfahrungen mit Cannabis sammeln, um dann zu entscheiden, wie wir mit anderen Drogen umgehen», sagt Graf. Sie will einen Rückfall in eine ideologische Debatte verhindern. Für Cassis wäre die Hanf-Legalisierung psychologisch gesehen ein wichtiger Anfang: «Cannabis ist weniger gefährlich, hat aber pharmakologisch die gleiche Wirkung wie Kokain.» (aargauerzeitung.ch)

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