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Bruno Manser, Aktivist der ersten Stunde und selbstloser Kämpfer für den Regenwald.
Bruno Manser, Aktivist der ersten Stunde und selbstloser Kämpfer für den Regenwald.Bild: Erik Pauser / Bruno Manser Fonds

Bruno Manser – Beschüt­zer des Regenwalds

Bruno Manser war einer der ersten Umwelt-Aktivisten und kämpfte mit spektakulären Protesten gegen die Abholzung des Regenwalds. Das brachte ihm Bewunderung, aber auch Probleme mit den Behörden ein.
01.05.2022, 16:50
Pascale Meyer / Schweizerisches Nationalmuseum

Als Bruno Manser mit seinen Anhängerinnen und Anhängern im März 1993 auf dem Bundesplatz sieben Pullover für die Bundesrätin und die Bundesräte strickt, wird er von vielen Gesinnungsgenossen und linken Politiker/innen belächelt: Solche Aktionen sind zwar nicht ganz neu, aber noch sind Extinction Rebellion oder Fridays for Future in weiter Ferne. Erst Greenpeace wagt zu dieser Zeit schon symbolträchtige und medial wirkungsvolle Aktionen. Natur- und Umweltschutz sind noch nicht zuoberst auf den Traktandenlisten der Bundesrats-Parteien.

Und da sitzt er vor dem Bundeshaus, strickt Pullover und tritt in einen Hungerstreik, um einen Importstopp von Tropenholz aus Malaysia zu erreichen. Warum hat es ihm gerade der Regenwald in Sarawak / Borneo angetan? Wäre es nicht auch mit einem Wald in der Nähe gegangen? Oder einer kleineren Insel?

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Bruno Manser wächst in einfachen Verhältnissen in Basel auf. Nach der Maturität verbringt er mehrere Jahre auf der Alp und führt ein entbehrungsreiches und bescheidenes Leben wider den Konsumzwang und den Verlockungen der Wohlstandsgesellschaft. Er sucht ein eremitisches Dasein, stellt alle Werkzeuge selbst her und härtet sich ab. Als sein Hund stirbt, beschliesst er, endlich nach Ostasien zu reisen.

Die Penan in Sarawak faszinieren Manser, er begeistert sich für ihre nomadische Lebensweise – auf der Suche nach dem Urtümlichen, dem einfachen Leben in Respekt vor der Natur und dem Menschen. Er will helfen, ihnen das Schicksal der amerikanischen Ureinwohner zu ersparen. 1984 reist er erstmals nach Sarawak und wird jäh mit der harten Realität konfrontiert: Die malaysische Holzindustrie zerstört die Wälder und entreisst den Penan die Lebensgrundlage.

Bruno Manser widmet fortan sein Leben dem Kampf gegen die Abholzung und für die Penan. Diesen Kampf führt er mit damals neuen Methoden: Er wird Berufs-Aktivist. Zwar schenken ihm die Schweizer Medien einige Beachtung, aber so ganz warm werden weder Medien noch die politischen Parteien mit ihm. «Etwas übertrieben», so finden manche Zeitgenossen.

Bruno Manser mit Penan-Häuptling Along Sega, 1999.
Bruno Manser mit Penan-Häuptling Along Sega, 1999.Bild: Erik Pauser / Bruno Manser Fonds

Als er sich 1996 für die Aktion Fünf vor zwölf an der Seilbahn Klein Matterhorn in die Tiefe fahren lässt, um so auf den Schutz des Klimas aufmerksam zu machen, wird er zwar von RTL gefilmt, die Schweizer Presse hingegen beachtet ihn kaum: Einzig dem Walliser Boten ist die Aktion einige Zeilen wert. Es ist ein medialer Flop.

Auch dass Warner Brothers Bruno Mansers Leben verfilmen will, nimmt hierzulande kaum jemand zur Kenntnis. Bruno Manser lehnt die Verfilmung seines Lebens schliesslich zwar ab, behält den bereits bezahlten Vorschuss aber trotzdem – für seinen Kampf. Der erste grössere Spielfilm über Bruno Manser kommt erst 2019 in die Kinos – viele Jahre nach seinem Tod.

Mansers Aktion in luftiger Höhe war spektakulär, wurde jedoch in der Schweiz mehrheitlich ignoriert.
Mansers Aktion in luftiger Höhe war spektakulär, wurde jedoch in der Schweiz mehrheitlich ignoriert.Bild: Bruno Manser Fonds

Warum aber wurde Bruno Manser seiner Zeit nicht zur Lichtfigur, ähnlich wie Greta Thunberg im Kampf gegen Umweltzerstörung und die Abholzung der Wälder? Seine Aktionsformen waren nicht nur radikal und mutig, sondern boten auch Stoff für die Medien: Er kletterte ebenso am Brüsseler Münster wie am Bundeshaus in Bern hoch und entfaltete Transparente mit eindringlichen Mahnungen.

Als Klaus Schwab ihn 2000 nicht ans WEF einlud, glitt er mit einem Gleitschirm vom Jakobshorn auf Davos hinunter und enthüllte ein Transparent, «Save the Rainforest». Die Polizei verhaftete ihn sogleich. Manser scheute keinen Auftritt, war redegewandt und gab sich kämpferisch. Warum also blieb nicht mehr Ruhm für ihn übrig? Warum wurde er noch immer belächelt? Kam er zu früh?

Bruno Manser bestieg in einer Protestaktion 1993 das Brüsseler Stadthaus.
Bruno Manser bestieg in einer Protestaktion 1993 das Brüsseler Stadthaus.Bild: Bruno Manser Fonds

Als er seinen Kampf beginnt, ist die erste Welle der Umweltbewegung abgeklungen, der Kampf gegen neue Atomkraftwerke gewonnen, die Gewässer wieder sauberer und das Waldsterben zwar 1983 akut, später aber ad acta gelegt. Die Klimaerwärmung war zwar längst erkannt und wissenschaftlich belegt, doch noch ist keine Rede von der drohenden Zerstörung unseres Planeten. Noch streiken die Schülerinnen nicht und noch liegt kein Klimabericht der IPPC vor (dieser erscheint erstmals 1990). Zwar hat bereits 1972 der Club of Rome eindringlich vor Bevölkerungswachstum und Ressourcenknappheit gewarnt, aber noch sind die Grünen der ersten Stunde mit sich selbst beschäftigt.

Und in diesen 1980/90er-Jahren taucht Bruno Manser auf und berichtet aus einem fernen Land, das man auf Anhieb kaum auf dem Globus finden konnte. Eine Ungeheuerlichkeit, die zunächst nichts mit der Schweiz zu tun hat. Vermeintlich. Die soeben frisch gewählte Bundesrätin Ruth Dreifuss jedoch zeigt bemerkenswerte Weitsicht: Sie setzt sich neben ihm auf dem Bundesplatz und strickt einige Maschen mit ihm mit. Welche Bundesrätin oder Bundesrat hätte es ihr gleichgetan?

Im Wald. Eine Kulturgeschichte
18.03.2022 – 17.07.2022
Landesmuseum Zürich

Der Wald – seit Jahrhunderten von Menschen genutzt – wird mit der wachsenden Industrialisierung ab dem 19. Jahrhundert zunehmend zerstört. Bald treten Persönlichkeiten wie Paul Sarasin und später Bruno Manser hervor und machen sich für den Erhalt des Waldes stark. Die Ausstellung zeigt unser Verhältnis zum Wald auch durch Darstellungen in Literatur und Kunst: Einst von den Romantikern als Rückzugsort von der Zivilisation überhöht, wird der Wald von Künstlerinnen und Künstlern heute im Zeichen des Klimawandels thematisiert.
>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch
watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen aus dem Blog des Nationalmuseums. Der Beitrag «Beschüt­zer des Regenwalds» erschien am 27. April.
blog.nationalmuseum.ch/2022/04/bruno-manser-regenwald

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Video: srf/Roberto Krone
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15 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rapsfeld
01.05.2022 18:54registriert April 2021
Schreibt doch zuerst den Artikel fertig bevor ihr ihn veröffentlicht.
Es fehlt Mansers Verschwinden und mindestens zwei Zitate von Historikern/Medienkennern/pensionierter Chefredaktor aus den 90er, warum er damals nicht erfolgreicher wahrgenommen wurde. Ich will lesen nicht selber recherchieren müssen.
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Macrönli
01.05.2022 19:52registriert April 2018
Da fehlt noch ganz viiel Text. Schade.
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Pidemitspinat
01.05.2022 19:18registriert März 2018
Wir brauchen mehr Bruno Mansers.
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