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Famke Janssen in a scene from Netflix's

In Wirklichkeit sieht Famke Janssen noch viiiiiel besser aus als hier in der Horror-Serie «Hemlock Grove».

Grosser Bahnhof in Berlin

Die Netflix-Starparade: «Sich in einen Werwolf zu verwandeln ist, als würde man die Antibabypille nehmen!»

Eigentlich möchten wir hier nur von Famke Janssen schwärmen, aber Eli Roth und die Damen von «Orange Is the New Black» kommen auch noch zu Wort. Und die beste Frau von ihnen, die redet zum Schluss. Ein Bericht von der Netflix-Starparade in Berlin.



Der Mann, der einmal beinahe Peaches Geldof geheiratet hätte, ist ausser sich: «Sie fragen im Ernst, wieso Sie für Netflix bezahlen sollen? Dann stehlen Sie doch auch Ihre Kleider! Verlassen Sie das Restaurant, ohne die Rechnung zu bezahlen! Arbeiten Sie doch gratis!» Der Mann heisst Eli Roth, dürfte gerade der gefragteste Horror-Regisseur der Welt sein und arbeitet jetzt auch für Netflix. Als Kreateur der Horror-Serie «Hemlock Grove».

Es ist ein sonniger Morgen in Berlin, Netflix lässt seine aktuellen Superstars schaulaufen, im Soho-House Hotel, ein echter Damien Hirst hängt da in der Lobby (darf man nicht fotografieren), unübersehbar, denn die Signatur ist fast so gross wie der lustig gezeichnete Haifisch selbst. «Hemlock Grove» kann man sich jetzt auch bei uns legal anschauen, man kann es natürlich aber auch einfach downloaden, nicht in Deutschland, aber in der Schweiz.

US film Director Eli Roth attends at  the 'Netflix' Launch Party, Monday, Sept. 15, 2014 in Paris, France. Video-streaming giant Netflix has launched in France as part of a push to tap six new European markets.  (AP Photo/Jacques Brinon)..

Eli Roth. Bild: AP

epa04403244 US director Robert Anthony Rodriguez arrives for the Netflix party in Berlin, Germany, 16 September 2014. Netflix offers internet video-on-demand streaming for a monthly subscription fee.  EPA/Britta Pedersen

Robert Rodriguez. Bild: EPA

Die deutschen Kollegen, die dafür ins Gefängnis kämen, finden das irrsinnig abenteuerlich. Die amerikanischen Gäste finden es vollkommen daneben. Ausser Robert Rodriguez (sein «Sin City 2» läuft jetzt im Kino), der für Netflix seinen alten Film «From Dusk Till Dawn» zu einer Serie zerdehnt. Robert Rodriguez sieht sowieso alles total entspannt.

In «From Dusk Till Dawn» geht es, grob gesagt, um Vampire in Mexiko, in «Hemlock Grove» um Werwölfe und Vampire in Pennsylvania, was ja schon ähnlich klingt wie Transsylvanien. Aber es sind natürlich ganz neue Spezialmonster, versichern beide Regisseure, die für Netflix als Serienerfinder und Produzenten auftreten. Robert Rodriguez ist allerdings sehr müde und kann die Besonderheit seiner Serie nicht so richtig erklären.

Trailer zu «Hemlock Grove»

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video: youtube/netflix

Dafür holt Eli Roth gross aus: «Die Bezahlsender und ein Streaming-Service wie Netflix haben grosse Fortschritte im Zeigen von Gewalt und Sexualität gemacht. Und jetzt darf ich Gewalt endlich so darstellen, wie ich sie liebe: total körperlich. So detailliert und roh, als würde ich eine Geburt filmen. Augäpfel platzen, Knochen zersplittern. Aber ich muss aufpassen: ein Augapfel zuviel, und das Publikum langweilt sich.» Das nennt man wohl Gewaltfetischist.

Wieso kommt eigentlich soviel Fantasy aus Amerika? Soviel übersinnlicher Horror? Auch die deutschsprachigen TV-Sender sind voll davon: «Under the Dome» nach Stephen King, «Arrow», «Grimm», «True Blood», «Vampire Diaries», die Zombies aus «The Walking Dead»? Sind das die Angstmonster, die der terminal capitalism gebiert?

Trailer zu «From Dusk Till Dawn»

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video: youtube/IGN

«Ja, Amerika ist ein Land in Angst, wir fürchten die Zukunft, Vorstellungen der Apokalypse bestimmen Film und Fernsehen. Zudem sind die besten Drehbuchautoren gerade einfach total von Horror und Gewalt angefixt. Horror zu machen, ist wie ein Drogentrip. Wir experimentieren mit den Körpern unserer Figuren. Was da mit einem Menschen passiert, der sich in einen Werwolf oder Vampir verwandelt, ist eine ähnliche Beeinflussung des Körpers, wie wenn eine Frau die Antibabypille nimmt!» Ehrlich? Ganz ehrlich?

Acht Kinder sind nicht genug

Eine Frau betritt den Raum: «Hat sich Eli einigermassen benommen? Normalerweise spuckt er Journalisten mit Blut voll!» Die Frau trägt ein blutrotes Kleid (darf man auch nicht fotografieren) und sieht aus wie ein Wunder: Sehr gross, perfekt schlank, braun gebrannt, nicht braun gespritzt, irre Wangenknochen, wundervolles Haar, eine Überfrau. Sie heisst Janssen, Famke Janssen, ist ein holländisches Ex-Model und erdrosselte einst im Bond-Film «Goldeneye» als Xenia Onatopp Männer mit ihren Schenkeln. Mit ihren Schenkeln! Die Männer sind heute noch voll fertig deswegen. Und auch in «X-Men» geizte sie als Jean Grey mit gar nichts.

famke janssen

James Bond in den Fängen von Famke Janssen. Bild: MGM

Famke Janssen spielt in «Hemlock Grove», was genau, müssen wir uns erst anschauen, auf jeden Fall die unheimliche Mutter eines unheimlichen jungen Mannes, der wiederum von Bill Skarsgard gespielt wird, dem jüngsten Hollywoodnachzügler des grossen schwedischen Skarsgard-Clans. Sein Bruder Alexander ist das Sexsymbol von «True Blood», sein Vater Stellan zeugt unermüdlich neue Kinder, aktuell sind es acht, «da kommen garantiert noch viele», sagt Famke Janssen.

Sie selbst kann sich «Hemlock Grove» kaum anschauen, «keine einzige Folge, ich ertrage Gewalt nicht.» Obwohl sie als Schauspielerin doch weiss, wie künstlich diese hergestellt ist? «Nein, privat schaue ich mir eigentlich sowieso nur Filme aus den 20er- und 30er-Jahren an. Und ‹The Shining›. Da gibt's Bilder drin, die sehen aus wie Fotografien. Als ich die Zwillingsmädchen zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich: Wow, das sieht aus wie Diane Arbus! Das ist Arthouse-Horros! Aber ich denke mir, die Erzählungen über Gewalt sind nichts Neues, die Märchen der Gebrüder Grimm haben wahrscheinlich bei ihrem Erscheinen die Leute genauso erschreckt und fasziniert, die sind ja voller Gewalt. Heute fassen wir die Imaginationen bloss in Bilder. Die Bilder sind jetzt da, früher waren sie einfach in unserem Kopf. Und dort haben sie sich festgeschrieben wie gar nichts Anderes.»

Bill Skarsgard (L) and Famke Janssen (R) in a scene from Netflix's

Sohn und Mutter: Bill Skarsgard und Famke Janssen brüten in «Hemlock Grove» Böses aus.  Bild: Netflix

Famke Janssen ist ein Kontrollfreak und deshalb führt sie gelegentlich auch Regie, aktuell für eine in den 70ern angesiedelte Komödie, denn: «Es gibt für mich nichts Schlimmeres, als wenn es nach einem Drehtag heisst: ‹Husch, husch, geh in deinen Wohnwagen!› Dann hab ich immer das Gefühl, jetzt geschieht etwas Wichtiges, und ich krieg's nicht mit. Als Regisseurin bin ich immer da und bestimme alles. Ich liebe es, Befehle zu erteilen. Aber am meisten liebe ich das Drehbuchschreiben, ganz alleine für mich.»

Dass sie jetzt keine Zeit hat für Berlin, ärgert sie, sie liebt Berlin, sie liebt die Kunst, «und Berlin ist gerade die Kunsthauptstadt der Welt». Ihre Lieblingskünstlerin ist Louise Bourgeois: «Leider kann ich mir nichts von ihr leisten, aber ich besitze zwei Porträts von ihr, die andere gemalt haben und natürlich ganz viele Postkarten. Die hängen in meinem Schlafzimmer. So inspiriert sie mich jeden Tag.» Famke Janssen geht und lässt ein Glas mit ihren Lippenstift-Spuren zurück. Oh, Famke.

Sie kommandierte die Enterprise

Einige Damen der überaus erfolgreichen Netflix-Frauengefängnis-Serie «Orange Is the New Black» (OITNB) sind auch in Berlin. Zum Beispiel die Hauptdarstellerin Taylor Schilling, die völlig übermüdet wirkt und ganz durchsichtig ist unter den Augen und leicht abwesend. Sie muss am Nachmittag noch zu einem Shooting, die Arme. Oder Uzo Aduba, die Hochbegabung des Jahres, die gerade einen Emmy als beste Nebendarstellerin gewonnen hat. Uzo Aduba spielt Crazy Eyes, eine kindliche Irre mit beängstigend bipolaren Anfällen.

epa04403252 (L-R) US actresses Laura Prepon, Kate Mulgrew, Uzo Aduba and Taylor Schilling arrive for the Netflix party in Berlin, Germany, 16 September 2014. Netflix offers internet video-on-demand streaming for a monthly subscription fee.  EPA/Britta Pedersen

Die OITNB-Delegation: Laura Prepon, Kate Mulgrew, Uzo Aduba und Taylor Schilling (v.l.). Bild: EPA

Eigentlich ist Uzo Aduba eine klassisch ausgebildete Sängerin, keine Film- und TV-Schauspielerin. Von allen ist sie sich den Medienrummel am wenigsten gewohnt, sie ist eine äusserst scheue, warme und ehrliche Person. In OITNB haben fast alle Frauen mit Frauen Sex. Wie gehen die Schauspielerinnen jetzt mit den Millionen von lesbischen und schwulen Fans um? «Oh nein, wir betrachten uns nicht als Lesbenserie», sagt Taylor Schilling, «es geht hier viel mehr um Menschen auf der Suche nach Wärme. Und da sich diese Menschen nun mal in einem Frauengefängnis befinden, passiert das eben.»

Uzo Aduba sagt: «Ohhhh, wir sagen: Danke! Unsere LGBT-Fans sind die besten! Die rocken! Sie sind grosszügig mit ihrer Begeisterung, sie tragen uns, sie fühlen sich repräsentiert, sie schauen uns, sie sind fantastisch.» Sie liebt die Komplexität von OITNB, dass die Serie so viele Diskussionen anstösst über die ewige Triade von Rasse, Klasse, Geschlecht.

netflix

Uzo Aduba als Crazy Eyes. Bild: Netflix

Kate Mulgrew, ist die Grande Dame der OITNB-Belegschaft. In der Serie heisst sie Red wegen ihrer roten Haare, mit vollem Namen Galina Reznikov, und beginnt die Serie als Kantinenchefin und Händlerin illegaler Waren. Kate Mulgrew spielt viel klassisches Theater, und sie war 1995-2001 Admiral Janeway und kommandierte so als erste Frau die Enterprise in «Star Trek: Voyager». 

«Die alten Griechen sagten: Wir wollen im Theater eine exakte Reflektion unserer Gegenwart sehen. Das versuchen wir. Unsere Serie gleicht einer Petrischale unserer Gesellschaft. Da beobachten wir wie durchs Mikroskop das Aufeinandertreffen der verschiedensten Charaktere. Und wir wollen die Wahrheit. Also zeigen, wie die Leute, die Frauen, wirklich sind. Wenn ich mir noch einmal Angelina Jolie ansehen muss, dreh ich durch! Aber diese Frauen im Gefängnis, die sind endlich normal. Wir werden abgeschminkt, wenn wir zur Arbeit gehen. Am Anfang war das grauenhaft, sich von der eigenen Eitelkeit zu verabschieden.»

Kate Mulgrew (L) and Lorraine Toussaint (R) in a scene from NetflixÕs ÒOrange is the New BlackÓ Season 2. Photo credit: JoJo Whilden for Netflix.

Kate Mulgrew als Red. Bild: Netflix

Kate Mulgrew spielt eine Russin. In der Fox-Serie «The Americans» spielen zwei russische KGB-Agenten die Hauptrolle. Wieso sind russische Serien-Figuren plötzlich so populär? «Oh, die Russen! Sie sind tief und undurchschaubar und die besten Spione der Welt! Und die Russen sind ganz einfach episch! Nicht heute natürlich, Putin trifft keine einzige nachvollziehbare Entscheidung.» Episch also. Wie Serien. Diese Romane unserer Gegenwart. Früher kamen die besten Romane von Russen. Könnten die epischen Serien-Russen eine versteckte Liebeserklärung an die Roman-Russen von einst sein?

History repeating. Hystery repeating

«Oh, das gefällt mir ausgezeichnet! Daran hab ich gar nicht gedacht. Klar, OITNB könnte die ‹Anna Karenina› unserer Tage sein.» Und Taylor Schilling pflichtet bei: «Ja, absolut! Der Naturalismus russischer Romane, der durch dieses ganze romantische Blümchenzeugs seiner Zeit schnitt, ist grossartig! Da wiederholt sich heute und bei uns definitiv etwas. History repeating.»

Jetzt sind die Heldinnen und Helden von Netflix schon wieder nach Amerika zurück gekehrt. Taylor Schilling und Uzo Aduba werden als Serien-Superstars wieder alle paar Abende irgendeinen Musik- oder Filmpreis verleihen müssen, sie tun sowas ausserhalb der Dreharbeiten mehrmals pro Woche, alle möglichen MTV-Awards scheinen sie gepachtet zu haben. Und wo immer sie auftreten, wird es heissen: Hystery repeating.

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