Waffen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Schon wieder rote Köpfe in Bundesbern wegen der Ruag – CEO-Abgang dürfte Nachspiel haben

Die neue Ruag-Präsidentin Monica Duca Widmer wurde vom Ruag-Verwaltungsrat nicht in die Absetzung von CEO Urs Breitmeier einbezogen.

Henry Habegger / ch media



Überraschend trennte sich der bundeseigene Technologie- und Rüstungskonzern Ruag von CEO Urs Breitmeier. Im gegenseitigen Einvernehmen, wie es am Dienstag hiess.

Recherchen zeigen jetzt, dass der Abgang von Breitmeier ein Nachspiel haben dürfte. Denn entgegen ersten Informationen war Monica Duca Widmer (60) in keiner Art und Weise in den Abgang von Breitmeier involviert. Sie wurde von der Ruag per Email über die Trennung informiert.

Monica Duca Widmer, designierte Praesidentin des Verwaltungsrates Beteiligungsgesellschaft RUAG, spricht an einer Medienkonferenz, am Montag, 17. Juni 2019, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Wurde per Email über den CEO-Abgang informiert: Die Verwaltungsratspräsidentin der neuen Beteiligungsgesellschaft der Ruag, Monica Duca Widmer. Bild: KEYSTONE

Beobachter in Bundesbern staunen. Denn Duca Widmer ist seit Anfang Jahr die starke Frau bei der Ruag: Als vom Bundesrat ernannte Präsidentin der Ruag-Beteiligungsgesellschaft.

Zu dieser Holding gehören zwei Subholdings, die bei der Aufspaltung der alten Ruag entstanden sind. Zum einen die MRO Schweiz, die im Auftrag der Armee arbeitet und die administrativ zum Verteidigungsdepartement VBS von Viola Amherd (CVP) gehört. Zum andern die Ruag International, die im Bereich Luft- und Raumfahrt tätig ist und mittelfristig privatisiert werden soll. Sie ist im Finanzdepartement von Ueli Maurer (SVP) angehängt.

Kampfjet-Lobby im Verwaltungsrat

Die Trennung von Breitmeier wurde im Verwaltungsrat der Ruag International entschieden. Er wird vom ehemaligen ABB-Manager Remo Lütolf präsidiert und besteht aus international tätigen Persönlichkeiten. Jennifer P. Byrne etwa arbeitete über 25 Jahre lang für den US-Rüstungsriesen Lockheed Martin, der der Schweiz seinen F35-Kampfjet verkaufen will. Marie-Pierre de Bailliencourt war für französische Rüstungskonzerne tätig, so für Dassault, der mit dem Rafale-Kampfjet im Schweizer Rennen ist.

Missmut im Bundeshaus

Dass Duca Widmer vom ihr unterstellten Lütolf-Gremium nicht aktiv in den Breitmeier-Entscheid einbezogen wurde, sorgt im Bundeshaus für Missmut. «Die Ruag gehört den Steuerzahlern. Einige Verantwortliche haben offenbar immer noch nicht begriffen, dass sie nicht schalten und walten können, wie sie wollen», sagt ein Beobachter, der nicht namentlich genannt werden will.

«Personalentscheide auf Stufe der Geschäftsleitung sind nicht Sache des Eigners.»

Der Bund ist ein gebranntes Kind. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Zusammenstössen mit der Ruag-Spitze, die sich aus Sicht von Bundesräten selbstherrlich gebärdete. So widersetzte sich die Ruag einer Prüfung durch die Eidgenössische Finanzkontrolle EFK. Auch darum setzte der Bundesrat die führungserfahrene Managerin Monica Duca Widmer an die Spitze der Ruag-Beteiligungsgesellschaft. Sie soll dafür sorgen, dass die Interessen des Bundes und der Steuerzahler gewahrt werden.

Ruag rechtfertigt sich

Warum wurde Duca Widmer nicht aktiv einbezogen? Ruag-Sprecher Clemens Gähwiler sagt, der Entscheid sei «am Jahresende 2019» gefallen. Also vor dem offiziellen Amtstritt von Duca Widmer, der per 1. Januar stattfand. Duca Widmer sei, wie die Bundesräte Amherd und Maurer auch, «vorgängig» über den Entscheid «informiert» worden. «Personalentscheide auf Stufe der Geschäftsleitung sind nicht Sache des Eigners», so der Ruag-Sprecher weiter. Ernennung und Ablösung eines CEO gehörten «zu den Aufgaben des Verwaltungsrats».

ARCHIVBILD ZUM RUECKTRITT VON URS BREITMEIER, CEO RUAG, AM DIENSTAG, 7. JANUAR 2020 - Urs Breitmeier, CEO von RUAG, aufgenommen am 19. Juni 2014 im RUAG Hauptsitz in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally) (KEYSTONE/GAETAN BALLY)..Urs Breitmeier, CEO RUAG, poses for the photographer at the head quarters of RUAG, in Bern, Switzerland, June 19, 2014. (KEYSTONE/Gaetan Bally)ARCHIVBILD ZUM RUECKTRITT VON URS BREITMEIER, CEO RUAG, AM DIENSTAG, 7. JANUAR 2020 - Urs Breitmeier, CEO von RUAG, aufgenommen am 19. Juni 2014 im RUAG Hauptsitz in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally) (KEYSTONE/GAETAN BALLY)..Urs Breitmeier, CEO RUAG, poses for the photographer at the head quarters of RUAG, in Bern, Switzerland, June 19, 2014. (KEYSTONE/Gaetan Bally)ARCHIVBILD ZUM RUECKTRITT VON URS BREITMEIER, CEO RUAG, AM DIENSTAG, 7. JANUAR 2020 - Urs Breitmeier, CEO von RUAG, aufgenommen am 19. Juni 2014 im RUAG Hauptsitz in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally) (KEYSTONE/GAETAN BALLY)..Urs Breitmeier, CEO RUAG, poses for the photographer at the head quarters of RUAG, in Bern, Switzerland, June 19, 2014. (KEYSTONE/Gaetan Bally)ARCHIVBILD ZUM RUECKTRITT VON URS BREITMEIER, CEO RUAG, AM DIENSTAG, 7. JANUAR 2020 - Urs Breitmeier, CEO von RUAG, aufgenommen am 19. Juni 2014 im RUAG Hauptsitz in Bern. (KEYSTONE/Gaetan Bally) (KEYSTONE/GAETAN BALLY)..Urs Breitmeier, CEO RUAG, poses for the photographer at the head quarters of RUAG, in Bern, Switzerland, June 19, 2014. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Der Abgang von Urs Breitmeier wurde nicht mit der Ruag-Verwaltungsratspräsidentin Widmer abgesprochen. Bild: KEYSTONE

Der Bund steuere die Ruag «in erster Linie über die Strategischen Ziele des Bundesrats, die regelmässigen Eignergespräche sowie die Wahl des Verwaltungsrates.» Bei wichtigen Ereignissen werde der Eigner informiert.

Bundesräte werden sich austauschen

Beobachter beim Bund dagegen sehen Handlungsbedarf, gerade in Sachen Transparenz bei der Ruag. Es ist absehbar, dass sich Verteidigungsministerin Amherd und Finanzminister Maurer über die Situation austauschen werden.

Es geht um viel Geld

Denn es geht um viel, auch um viel Geld. Laufend verkauft die Ruag bereits Firmen.
Bereits verkauft wurde im letzten Dezember der Cybersecurity-Spezialist Clearswift. Er ging an die US-Firma Helpsystems. Letztes Jahr verkaufte die Ruag die Standorte Genf und Lugano-Agno an Dassault Aviation. Gestern wurde bekannt, dass der Unterhaltsbetrieb für Propellerflugzeuge in Locarno an eine neu gegründete Firma geht, die von einem Italiener präsidiert wird.

Streit gibt es um den Verkauf der Munitionssparte Ammotec, der ebenfalls geplant ist. Demnächst von kommt eine Motion von Ständerat Werner Salzmann (SVP) ins Parlament, die den Verkauf verhindern will.

Sorge, dass Bund übervorteilt werden könnte

Der Bund müsse auf der Hut sein, sagt ein Beobachter, dass diese Verkäufe wie auch die geplante Privatisierung der Ruag International korrekt abliefen und der Bund nicht übervorteilt werde. Auch darum will der Bund genau wissen, was bei der Ruag läuft.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Die Exportschlager der Schweizer Rüstungsindustrie

Renato zum lustigen Thema: Waffenexporte! Jeeee!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

13
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • herrkern (1) 09.01.2020 11:09
    Highlight Highlight Die RUAG missbraucht die Schweiz als Deckmantel für ihre dreckigen Geschäfte, das Volch hat da gar nichts zu sagen. Schreibt mal einen längeren Bericht über diesen Lütolf, könnte einiges erhellen in Bezug auf "Säuhäfeli/Säudeckeli".
  • Neruda 09.01.2020 10:14
    Highlight Highlight Die Cybersecurityfirma in Zeiten wo diese immer wichtiger wird zu verkaufen kann auch nur unser Parlament und Bundesrat...
    • sowhat 09.01.2020 13:21
      Highlight Highlight Und dann noch an eine amerikanische Firma. Da hätte sich bestimmt -wenn überhapt verkaufen- eine Firma mit Sitz in Europa gefunden.
  • Andi Weibel 09.01.2020 09:09
    Highlight Highlight Dieser korrupte Klüngel ist übrigens auch dafür verantwortlich, dass wir Milliarden für neue Kampfjets ausgeben sollen, ohne jegliche Kontrolle zu haben, welche Kampfjets oder wie viele Kampfjets wir bekommen.
  • Raphael Stein 09.01.2020 08:25
    Highlight Highlight Jennifer P. Byrne etwa arbeitete über 25 Jahre lang für den US-Rüstungsriesen Lockheed Martin....

    Aha, wie erbaulich das wieder ist.
  • Töfflifahrer 09.01.2020 08:02
    Highlight Highlight Warum habe ich nach dem Lesen dieses Artikels bloss das Gefühl, dass wir hier massiv beschissen werden?
  • pun 09.01.2020 08:02
    Highlight Highlight Bundesrat: Setzt einen Verwaltungsrat aus internationalen Rüstungslobbyistinnen und -lobbyisten ein und gibt ihnen den Auftrag, einen Bundesbetrieb zu vertschutten.

    Auch Bundesrat: Wundert sich, dass diese keine Rücksicht auf die Interessen des Schweizer Volkes nehmen.
  • Zeit_Genosse 09.01.2020 07:54
    Highlight Highlight Personalentscheide bezüglich CEO und Geschäftsleitung trifft normalerweise der VR. Wie und worüber der VR mit den Eignern kommuniziert, speziell wenn der Bund Miteigner ist, sollte geklärt sein. Wie das bei der RUAG organisiert ist, würde mich interessieren.
  • Asmodeus 09.01.2020 07:36
    Highlight Highlight Wer sein Geld damit verdient Mordwerkzeuge an Terroristen und Massenmörder zu verticken kümmert sich doch sicherlich darum wie er von der Bevölkerung wahrgenommen wird.


    Privatisiert oder schliesst diesen Drecksladen endlich. Es ist eine Schande dass die "neutrale" Schweiz sich an sowas bereichert.
  • MartinZH 09.01.2020 06:29
    Highlight Highlight Es wäre m.E. wirklich sehr begrüssenswert, wenn der Bund endlich etwas genauer bei der Ruag hinschauen würde..! Nicht, dass dereinst festgestellt werden muss, dass – bei den Verkäufen von Unternehmensteilen sowie bei der Privatisierung der Ruag International – der Bund übervorteilt worden ist. Solche Strukturen laden ja fast schon dazu ein, dass es noch "Zahlungen" geben könnte, die nicht über die offiziellen Kanäle laufen... 😉👍
  • Rolf stühlinger (1) 09.01.2020 06:19
    Highlight Highlight Die ruag ein musterbeispiel wie korruption funktioniert und da viele nationalräte eh nur die politik machen die ihnen von firmen wie der ruag, per "geschenken" empfohlen wird, wird sich nichts ändern. Oder habt ihr den bschiss mit dem duro schon vergessen?
    Wieso klärt der bund das nicht auf?
    • Aladdin 09.01.2020 07:39
      Highlight Highlight @ Rolf stühlinger:
      Der Auftrag zur Sanierung des Duro wurde von Armasuisse an die Mowag vergeben. Die Ruag hat als (Unter-)Lieferant davon einen Anteil im einstelligen Prozentbereich Erhalten.
      Bitte verwechseln Sie also nicht die Armasuisse mit der Ruag.
  • dan2016 09.01.2020 05:47
    Highlight Highlight katastrophale Informationspolitik scheint die (einzige?) Kernkompetenz des Lütolfs zu sein. Bei Meyer-Burger (wo er leider auch ist) wurde vor der GV laufende Information versprochen. Seither herrscht auch wieder Schweigen und das Unternehmen wird still in die Wand gefahren.

Offen gesagt

«Liebe Frau Amherd, jetzt sind Sie eine Oberste Feldherrin ...»

Viola Amherd ist die erste VBS-Vorsteherin der Nachkriegszeit, bei der man nicht das Gefühl hat, sie wolle möglichst schnell wieder weg. Das verleiht ihr Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit, die sie nutzen muss, um das Reduit endgültig einzureissen.

Liebe Frau Amherd

Sie haben gewonnen. Sie haben die Kampfjets an der Urne durchgebracht. Sehr knapp zwar, aber doch – und das unter denkbar widrigen Corona-Umständen.

Sie reihen sich damit endgültig in eine relativ junge Spezies ein: Diejenige der erfolgreichen Obersten Feldherrinnen, wenn ich Sie so nennen darf.

Mit Annegret Kramp-Karrenbauer in Deutschland, Trine Bramsen in Dänemark, Margarita Robles in Spanien, Florence Parly in Frankreich oder Ank Bijleveld in den Niederlanden ist ein …

Artikel lesen
Link zum Artikel