Gesellschaft & Politik
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Streit um Gurlitt-Nachlass nimmt kein Ende: Cousine ficht Testament an – Kunstmuseum Bern legt Forschungsarbeit auf Eis



Das sind die Gurlitt-Bilder

Eigentlich wäre es entschieden: Das Kunstmuseum Bern, alleiniger Erbe des Nachlasses von Kunstsammler Cornelius Gurlitt, hat im November 2014 entschieden, die Sammlung anzunehmen. Eine Vereinbarung mit Deutschland wurde unterzeichnet, die Zuständigkeiten geklärt.  

Doch das Ringen um Gurlitts Erbe ist noch nicht beendet: Uta Werner, die Cousine von Cornelius Gurlitt hat im Erbscheinverfahren gegen das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts München Einsprache erhoben. Das Kunstmuseum Bern teilte am Dienstag mit, es bliebe dem Museum deshalb nach wie vor verwehrt, «die testamentarisch vermachte Erbschaft anzutreten».

ARCHIV - HANDOUT - Die Kombo zeigt 8 Werke aus dem spektakulären Münchner Kunstfund, die seit 11.11.2013 online einsehbar in der Lost-Art-Datenbank aufgelistet sind und bei denen laut Behördenangaben «der begründete Verdacht auf NS-verfolgungsbedingten Entzug» besteht. Im Uhrzeigersinn von links oben: Otto Griebel: «Die Verschleierte», Aquarell, 1926; Erich Fraaß: «Mutter und Kind», Aquarell, 1922; Ludwig Godenschweg: «Männliches Bildnis», undatierte Druckgrafik, Christoph Voll: «Mönch», Aquarell, 1921, Fritz Maskos: «Sinnende Frau», Druckgrafik 1922, Conrad Felixmüller: «Paar in Landschaft», Aquarell, 1924, Marc Chagall: «Allegorische Szene», undatiertes Gemälde, Wilhelm Lachnit: «Mädchen am Tisch», Aquarell, 1923. Fotos: Staatsanwaltschaft Augsburg/dpa (zu dpa

Acht Werke aus der Sammlung des verstorbenen Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt. Bild: APA Staatsanwaltschaft Augsburg

Die Aufarbeitung der Raubkunst wird deshalb auf Eis gelegt: Die vom Kunstmuseum Bern geplante Forschungsstelle wird ihre Arbeit vorläufig nicht aufnehmen, die Provenienzforschung bleibt deshalb, wie bisher, in der Hand der deutschen Taskforce «Schwabiger Kunstfund».

Ziel der Taskforce ist es, sämtliche Provenienzen zu klären und alle Raubkunst restituieren zu können. Die Ergebnisse werden laufend werden auf lostart.de vermeldet. Bis die Herkunft geklärt ist, bleiben die Werke in Deutschland. Die Sammlung umfasst mehr als 1'500 Bilder, darunter wertvolle Werke von Matisse, Picasso, Renoir und Monet aber auch zahlreiche weniger spektakuläre Bilder.

Auch das Kunstmuseum Bern verpflichtet sich, Raubkunst gemäss dem Washingtoner Abkommen den rechtmässigen Erben zurückzugeben und entartete Kunst polnischen, deutschen und österreichischen Museen auszuleihen, sofern dies gewünscht wird. Bis dahin werden alle Bilder in München verwahrt. (dwi)

Der Sensationsfund und seine Folgen: Die Chronik

September 2010: Der damals 77-jährige Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt wird im Zug von Zürich nach München von Zollfahndern kontrolliert. Diese schöpfen Verdacht, es könne ein Steuerdelikt vorliegen. 

Februar 2012: Gurlitts Wohnung in München-Schwabing wird durchsucht. Die Fahnder entdecken rund 1'280 wertvolle Kunstwerke. Der Fund wird geheim gehalten, eine Berliner Kunstexpertin wird mit der Erforschung der Herkunft beauftragt. 

November 2013: Das deutsche Nachrichtenmagazin «Focus» macht den Schwabinger Sensationsfund publik. 

April 2014: Gurlitts Anwälte unterzeichnen einen Vertrag mit der Bundesregierung, in dem der Kunsthändler sich bereit erklärt, seine Sammlung von Experten begutachten zu lassen. Einen Monat später stirbt Gurlitt 81-jährig. 

Mai 2014: Das Kunstmuseum Bern gibt bekannt, von Gurlitt testamentarisch als «unbeschränkte und unbeschwerte Alleinerbin» eingesetzt worden zu sein.

Juni 2014: Bei der «Sitzenden Frau» von Henri Matisse aus der Sammlung Gurlitt handelt es sich laut der Taskforce tatsächlich um NS-Raubkunst. Später wird auch Max Liebermanns «Reiter am Strand» dieser Kategorie zugerechnet. 

November 2014:
Das Kunstmuseum Bern entscheidet, dass es das Erbe Gurlitts annimmt. (sda/dpa) 

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Offen gesagt

«Lieber Herr Berset, Sie müssen das jetzt regeln ...»

Vergangenes Wochenende passierte, was sowieso passiert wäre, Lockerungsschritte hin oder her: Die Jugend tanzte und wird zum Sündenbock gemacht. Damit hat die Entsolidarisierung in der Bevölkerung begonnen. Das ist gefährlicher als jeder einzelne Infektionsherd.

Lieber Herr Berset

Es wäre wieder ein General-Dufour-Moment für Sie. Sie erinnern sich? Der Tagsatzungs-General im Sonderbundskrieg mit dem wichtigen Strategie-Grundsatz: «On verra ensuite».

Sie wussten, dass mit den weitreichenden Lockerungen der Corona-Massnahmen neue Infektionsherde entstehen würden. Und Sie mussten auch davon ausgehen, dass diese vorwiegend in Clubs und Gottesdiensten ausbrechen würden. So wie überall sonst auf der Welt auch.

Genau das ist geschehen, nachdem Clubs wieder …

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