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Jubel in Pruntrut: Ajoie steht erstmals im Cup-Halbfinal. Bild: KEYSTONE

Ajoies Cup-Wunder – und die Hoffnung der Hoffnungslosen aus der NLA

Ajoie hat mit den SCL Tigers das dritte NLA-Team aus dem Cup gekippt. Die Jurassier können wieder dafür sorgen, dass es keinen Absteiger aus der NLA gibt.

22.11.17, 08:22 22.11.17, 09:45

Der Reisende ist von Pruntrut aus mit dem Zug schneller in Paris als in Genf. Der nächste TGV-Bahnhof ist nämlich nur eine Auto-Viertelstunde von Pruntrut weg in Frankreich erreichbar. Die Romantik der Abgeschiedenheit hinter den sieben Jura-Bergen ist inzwischen verloren gegangen. Die Autobahn von Biel her ist offen, es sind keine Pässe und Schluchten mehr zu überwinden.

Die Hockey-Romantik aber ist geblieben. Der HC Ajoie ist das Ambri der Romandie und so stark wie nie seit dem letzten Abstieg aus der höchsten Liga im Frühjahr 1993. Nacheinander sind nun drei NLA-Teams aus dem Cup gekippt worden: Lausanne (4:2), die ZSC Lions (5:4 n. P.) und nun die SCL Tigers (4:3 n. V.).

Die Highlights der Partie. Video: streamable

Der HC Ajoie ist der einzige Klub der Nationalliga, der nicht den Namen eines Dorfes, einer Stadt oder eines Kantons trägt. Sondern einer Gegend. Die Ajoie (zu Deutsch: Elsgau) ist ein sanftes, fruchtbares Hügelland, ein Obst- und Pflaumengarten, auch berühmt für die Produktion von Schnaps und Wein. Im Hauptort Pruntrut wird Hockey zelebriert.

Die Rückkehr zu neuem Ruhm kam im Sommer 2014 mit dem Engagement von Trainer Gary Sheehan (53). Der eingebürgerte Kanadier ist der «Arno Del Curto des Welschlandes». Ein Trainer, der mit einer sehr ähnlichen Hockeyphilosophie wie der echte Arno ein schnelles, intensives, mutiges und gut strukturiertes Offensiv-Hockey pflegt.

Spiele seiner Mannschaft sind nie langweilig. Weil die Spieler im übertragenen Sinne immer auf den Zehenspitzen und nie auf den Fersen stehen. Will heissen: Sie zwingen dem Gegner in allen Situationen das Spiel auf. Sie warten nicht. Wie Davos.

Trainer Gary Sheehan steht für bedingungsloses Offensiv-Hockey. Bild: KEYSTONE

Daraus musste sich ein Spektakel und ein Sieg gegen die passiven, überheblichen Langnauer ergeben, die mit Rechenschieber-Hockey und dem geringstmöglichen Aufwand siegen wollten. Von einem Klassen-Unterschied war nie etwas zu sehen. Ajoie hätte eigentlich die Partie schon in der regulären Spielzeit entscheiden müssen.

Kein «Ein-Linien-Team» mehr

Die Kabinentüre der Tigers blieb lange zu. Und als sich Langnaus Trainer Heinz Ehlers den Chronisten stellte, war sein Urteil vernichtend: «Die Leistung einzelner Spieler war respektlos gegenüber der Mannschaft, dem Klub und den Fans.» Eine Erklärung hatte er nicht und auf die Frage, ob dieses Versagen Konsequenzen habe, knurrte er: «Soll ich denn mit Junioren spielen? Soll ich die besten Schweizer Spieler und die Ausländer im nächsten Spiel in Zürich nicht einsetzen? Ich möchte mich zu diesem Thema nicht mehr äussern.»

Langnau war auch deshalb chancenlos, weil Ajoie längst nicht mehr ein von den Ausländern abhängiges «Ein-Linien-Team» ist. Beim Triumph über Langnau war nicht einmal ein Tor der kanadischen Stürmer Philip-Michaël Devos und Jonathan Hazen notwendig. Erstmals seit Menschengedenken spielen in Ajoie die zwei ausländischen Stürmer nicht mehr ständig in der gleichen Linie.

Ajoie-Goalie Dominic Nyffeler hat alles im Griff – nur einmal sieht er schlecht aus. Bild: KEYSTONE

Mit Dominic Nyffeler (24) hat Ajoie zudem einen Torhüter mit NLA-Talent. Der Bruder von Lakers-Schlussmann Melvin Nyffeler (22) ist der wahre Held der Cup-Sensation. Er war krank und konnte die letzten drei Tage nicht trainieren. Weil der Ersatzgoalie verletzt war, stellte er sich doch ins Tor – und hexte. Den haltbaren Treffer zum 1:1 steckte er einfach weg – mit einer einleuchtenden Begründung: «Auf ein dummes Tor muss ja nicht noch ein zweites folgen ...»

Rappi noch besser als Ajoie

Inzwischen ist Ajoie die Hoffnung der Hoffnungslosen der NLA. Wenn die Jurassier die zweithöchste Liga gewinnen, dann gibt es aus der NLA keinen Absteiger. Weil Ajoie nicht aufsteigen will, entfällt im Falle eines Titelgewinnes die Liga-Qualifikation.

Die Rapperswil-Jona Lakers sind noch besser, noch ausgeglichener als Ajoie. Gewinnen die Lakers die Liga, dann werden sie Teams wie Langnau, Ambri oder Kloten auf Augenhöhe im Kampf um den letzten Platz in der höchsten Liga herausfordern.

Die Highlights der Partie Rappi vs. Zug. Video: YouTube/SC Rapperswil-Jona Lakers

Aber vielleicht gelingt es Ajoie erneut, wie schon 2016, die zweithöchste Spielklasse gegen die Titanen aus Rapperswil-Jona, Langenthal und Olten zu gewinnen. Damals war das die vorzeitige Rettung für Biel. Ambri, Langnau und Kloten sollten im Frühjahr für den Fall eines Falles eine Fan- und Unterstützungsdelegation zu jedem Playoffspiel des HC Ajoie bereitstellen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Lutz Pfannenstiel 22.11.2017 12:52
    Highlight Toller Bericht über die Ajoie. Die Story mit der schnelleren Zugsverbindung nach Paris geht allerdings nicht ganz auf. Zunächst: Wenn Sie tatsächlich in einer Viertelstunde von Pruntrut in Belfort sind, dann sind Sie ein Raser. Realistisch ist eine halbe Stunde. Nach Delsberg ist's weniger weit, und von dort aus sind Sie in zwei Stunden mit dem Zug in Genf.
    19 0 Melden
  • davej 22.11.2017 11:45
    Highlight Ja alle haben angst vor dem sooo starken Rappi. Die werden bestimmt aufsteigen. Wo habe ich das schon mal gehört? Ach genau, das schreibt der Klaus schon seit 4 Jahren.
    10 32 Melden
    • super_silv 22.11.2017 13:18
      Highlight Haha da scheint es jemand seit gestern nicht mehr so gelassen zu nehmen. Aber red es dir ruig ein das Rappi schlecht ist. Dann ist das gehäule dafür umso grösser. Ich freu mich schon drauf!
      27 8 Melden
  • Martin Schelldorfer 22.11.2017 09:47
    Highlight @KZ: Wo bleiben die Sätze in ihrem Artikel, dass in Langnau und Bern den Cup sowieso niemanden interessiert und diese Spiele bedeutungslos sind?
    Aber ja, dass Kloten für den Verlbeib in der NLA auf Ajoie hoffen muss, wird immer klarer. Da haben Sie Recht!
    40 16 Melden
    • Dynamischer-Muzzi 22.11.2017 10:11
      Highlight Bei Bern ist das nicht möglich, denn eine klare Zielstellung vor der Saison war, das Tripple aus Cup, CHL und Meisterschaft zu holen. Punkt 1 dieser Zielstellung wurde somit schon mal verfehlt.
      Und wenn die Spieler in Bern genauso ran gehen, wie Tikkiboy und sein Hobbit Marc, welche die CHL als nebensächlich betrachten, dann ist Punkt 2 am 12.12.17 auch gestrichen.
      34 3 Melden
    • MARC AUREL 22.11.2017 12:23
      Highlight Muzzi, ich habe nie Behauptet das die CHL nebensächlich wäre..
      3 11 Melden
    • AlpenMaradona 22.11.2017 13:03
      Highlight Das ist jetzt ein typischer Biel-Fan. Einerseits die Abneigung gegenüber den Bernern, auf der anderen Seite trotzdem den Spielplan des Rivalen auswendig lernen...:-)
      12 9 Melden
    • Dynamischer-Muzzi 22.11.2017 13:35
      Highlight @Marc
      Auf einmal?
      @AlpenMaradona
      Ich weiss nicht was eine Tatsachdarstellung (Ziele des SCB), mit einer Abneigung gegenüber dem SCB zu tun hat. Eventuell könntest Du mir das näher erläutern. Und als interessierter Eishockeyfan, kennt man die Daten des 1/4 Finals in der CHL. Ergo, hat also keinesfalls etwas mit dem Spielplan des SCB zu tun.
      Was mich durchaus belustigt, sind die Aussagen vom Tikkiboy, die wohlwissend generell immer provokant rüber kommen sollen, mit Ausnahme seines Statements hier zu diesem Artikel. Dafür hat er sogar von mir ein Herz bekommen :-)
      7 4 Melden
    • AlpenMaradona 22.11.2017 15:08
      Highlight @Muzzi
      Gegenfrage, wo hast du diese Zielsetzung des SCB gelesen? Hier drin von Aurel oder Esa?
      4 6 Melden
    • Dynamischer-Muzzi 22.11.2017 15:50
      Highlight Guckst Du hier AlpenMaradona, oder bei den ausgelegten Zielen des SCB.
      Quelle: DerBund.
      7 3 Melden
  • Scrj1945 22.11.2017 09:20
    Highlight Ajoie ist neben olten und winterthur auch eine von den einzigen mannschaften die rappi dieses jahr bezwingen konnten. Wie es der zufall will kommt ajoie am samstag nach rappi. Die wahre stärke von ajoie liegt aber allerdings zu hause in puntrut. Da sind sie viel stärker. Trotzdem ist ajoie noch immer sehr hazen und devos abhängig. Oder von spielern die sie von den nla teams ausleihen. (Siehe impose gestern)
    42 4 Melden
  • Stefan.Alex.H 22.11.2017 09:11
    Highlight "Beim Triumph über Langnau war nicht einmal ein Tor der kanadischen Stürmer Philip-Michaël Devos und Jonathan Hazen notwendig".

    Dafür eines von Servette Leihgabe Auguste Impose (4:3 in der Verlängerung).
    47 3 Melden
    • BaDWolF 22.11.2017 12:39
      Highlight In der Schweiz geboren. Mit schweizer Lizenz. Aber ihr habt beide ein birrebitzeli Recht.
      6 1 Melden
    • Stefan.Alex.H 22.11.2017 14:16
      Highlight Wollte nur daran erinnern dass Ajoie nicht in ihrer original B-Besetzung angetreten ist.

      Genau wie bei ihrem letzten Meistertitel verstärkt durch Spieler aus der NLA.

      Ich werte das auch gar nicht. Ist nur ein Fakt, der im Artikel nicht erwähnt wird.
      8 1 Melden
    • BaDWolF 23.11.2017 03:00
      Highlight Was deren Leistungen aber nur unwesentlich schmälert, das dürfen und machen ja alle Teams.
      3 0 Melden
  • bullygoal45 22.11.2017 09:10
    Highlight Als Rappi Fan freue ich mich auch für Ajoie! 🙂 Well done!

    Hoffentlich erwischen wir den HC Davos!
    🌹☁️💙 vs 🌕🎽

    38 2 Melden
  • Tikkanen 22.11.2017 08:38
    Highlight ...guter Artikel, Chlöisu👏🏻Tatsächlich geht vom Team aus Pruntrut eine gewisse Faszination aus🤔Mag mich noch gut an die Auswärtsfahrten Anfang der 90er erinnern. Das lottrige Stadiönli, die Buffet-Matrone welche uns mit versteinerter Miene abgestandenes Bier vor den Latz knallte. Dann der Aquarium-Goali Wahl, der Foulisiech Bourquin und nach den Spielen die demolierten Seitenspiegel und Wischerblätter an den BE Autos😁Lustiges Völkli da im Elsgau, hinter dem grossen Wald🌲😎🍻
    59 33 Melden
    • Hockrates 22.11.2017 11:49
      Highlight Das war vermutlich nur dein Auto. Scheinen Fachleute zu sein.
      30 8 Melden

Das denken die Kloten-Fans von Hollenstein. Und er reagiert, naja: eiskalt

Servette holt einen wichtigen Zusatzpunkt im Strichduell gegen Ambri. Auch Langnau, Lausanne und Biel holen Siege im Kampf um die Playoffs.

Kloten ist nach 25 Runden bei 18 Niederlagen angelangt. Der siebtplatzierte EHC Biel hingegen erreichte beim 3:2 gegen den Tabellenletzten im zweiten Spiel unter Interims-Coach Martin Steinegger den zweiten Sieg.

Zu reden gab aber vor allem die Fan-Akton gegen Denis Hollenstein. Er meinte ziemlich trocken: «Ich muss Profi bleiben. Ich war lange in Kloten. Der Wechsel ist vielleicht etwas speziell. Aber so ist das Business.»

Im Derby gegen die ZSC Lions (1:4) war Kloten mit einer Gegentor-Triplette …

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