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Huthi-Kämpfer demonstrieren in der Altstadt von Sanaa gegen die saudischen Luftangriffe.
Bild: KHALED ABDULLAH/REUTERS

Huthis, Saudis und Al Kaida – was ihr über den Konflikt im Jemen wissen müsst

Der Konflikt im ärmsten Land auf der Arabischen Halbinsel eskaliert: Saudi-Arabien und andere sunnitische Staaten gehen militärisch gegen die schiitischen Huthi-Rebellen vor. Was steckt dahinter?
27.03.2015, 21:5228.03.2015, 10:12

Am Freitag flog die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition den zweiten Tag in Folge Angriffe gegen Stellungen der Huthi-Rebellen im Jemen. Bislang kamen rund 40 Zivilisten ums Leben. Ein Sprecher der Huthis bezeichnete die Luftschläge als Kriegserklärung. Damit könne sich der Konflikt zu einem Regionalkrieg auswachsen. Der Anführer der Rebellen, Abdulmalik al-Huthi, drohte in einer Fernsehansprache: «Der Jemen wird der Friedhof der Angreifer sein.» 

Die Verhältnisse im ärmsten Land auf der Arabischen Halbinsel sind kompliziert, finden doch gleich mehrere Machtkämpfe statt: Zwischen Schiiten und Sunniten, zwischen dem ehemaligen und dem aktuellen Präsidenten, zwischen Iran und Saudi-Arabien. Im Süden hat sich der gefährlichste Ableger des Terrornetzwerks Al Kaida eingenistet, und auch die Dschihadisten des Islamischen Staats scheinen im Jemen aktiv zu sein. Ein Versuch, den jemenitischen «Knoten» zu entwirren:

Wie kam es zur Eskalation?

Jemen verfügt als einziges Land auf der Arabischen Halbinsel nicht über grosse Ölvorkommen. Armut, Korruption und Mangel an Ressourcen (vor allem Wasser) sind weit verbreitet. Nach Ausbruch des Arabischen Frühlings 2011 kam es zu Protesten gegen Präsident Ali Abdullah Saleh, der das Land während mehr als 30 Jahren mit eiserner Faust regiert hatte. Nach monatelangem Tauziehen trat Saleh zurück, zum Nachfolger wurde sein Vize Abed Rabbo Mansur Hadi ernannt. Beim Versuch, das Land neu zu ordnen, fühlten sich jedoch die Huthis im Norden übergangen.

Ali Abdullah Saleh, die Schlüsselfigur im Machtkampf.
Ali Abdullah Saleh, die Schlüsselfigur im Machtkampf.
Bild: Hani Mohammed/AP/KEYSTONE

Im letzten September marschierte ihre Rebellenarmee in der Hauptstadt Sanaa ein. Im Februar setzte sie Regierung und Parlament ab. Präsident Hadi floh ins südjemenitische Aden, das er zur neuen Hauptstadt erklärte. Am Mittwoch rückten die Huthis bis in die Hafenstadt vor und zwangen Hadi erneut zur Flucht nach Saudi-Arabien. Unterstützt werden die Rebellen durch Ex-Präsident Saleh und ihm ergebene Armeeeinheiten. Saleh hatte zuvor jahrelang Krieg gegen die Huthis geführt. Nun wittert er offenkundig die Chance, zumindest einen Teil seiner Macht zurückzuerlangen.

Wer sind die Huthis?

Die Huthis gehören zu den Zaiditen, die rund einen Drittel der jemenitischen Bevölkerung ausmachen. Sie leben im Norden und sind ein Ableger des schiitischen Islam mit eigener Rechtsschule. Bis zur Revolution 1962 beherrschten sie das Land während rund 1000 Jahren. Seither fühlten sich die Zaiditen von der sunnitischen Mehrheit zunehmend benachteiligt. 2004 begann ein Aufstand unter Führung des Geistlichen Hussein Badreddin al-Huthi.

Im gleichen Jahr wurde er von der Armee getötet, doch nach wie vor kontrollieren Mitglieder seiner Familie die Huthi-Rebellen. Als eigentlicher Anführer gilt sein Bruder Abdulmalik al-Huthi. 2010 schlossen die Huthis einen Waffenstillstand mit der Regierung. Das Machtvakuum während der Proteste 2011 nutzten sie, um ihre Kontrolle über die nördlichen Provinzen Saada und Amran auszubauen. Der Streit um die Machtverteilung nach Salehs Sturz führte zur derzeitigen Eskalation. Experten betonen, bei dem Konflikt gehe es nicht um Religion, sondern um Macht.

Welche Rolle spielt Iran?

Iran als selbsternannte Schutzmacht der Schiiten soll die Huthis finanziell und militärisch unterstützen, um sich auf der Arabischen Halbinsel festsetzen zu können. Die Meinungen der Experten dazu gehen auseinander. Der Einfluss Teherans auf die Huthi-Miliz werde masslos überschätzt, sagt der ehemalige britische Botschafter im Iran, Richard Dalton. Doch die gegenteilige Meinung überwiegt. Iran habe «in den letzten Jahren Beziehungen zu den Huthis aufgebaut und ihnen Waffen und militärische Ausbildung zukommen lassen», sagt Fatima Alsmadi, Iran-Spezialistin von Al Jazeera.

Das Wandbild in Sanaa kritisiert den «Stellvertreterkrieg» von Iran und Saudi-Arabien im Jemen.
Das Wandbild in Sanaa kritisiert den «Stellvertreterkrieg» von Iran und Saudi-Arabien im Jemen.
Bild: YAHYA ARHAB/EPA/KEYSTONE

Iran bestreitet eine Einmischung, hat aber den Militäreinsatz unter Führung Saudi-Arabiens scharf kritisiert. Teheran verhält sich im Konflikt offiziell neutral und plädiert für eine friedliche Lösung. Ein Eingreifen militärischer Art ist unwahrscheinlich, nicht zuletzt im Hinblick auf das angestrebte Atomabkommen mit der internationalen Gemeinschaft. Ein solches würde Irans Stellung in der Region stärken, meint Fatima Alsmadi. Gleichzeitig dürfte Iran die Huthis weiterhin unterstützen.

Warum greift Saudi-Arabien ein?

Das sunnitische Königreich und der schiitische Iran ringen seit langem um die Vorherrschaft im Nahen Osten. Die Golfmonarchie sieht Teheran bereits bei den Konflikten in Syrien und im Irak auf dem Vormarsch. Auch die Aussicht auf ein baldiges Atomabkommen ist Riad ein Dorn im Auge. Der neue saudische König Salman will daher unbedingt verhindern, dass die Iraner über ihre Huthi-Verbündeten einen Stützpunkt an der Südgrenze seines Landes erhalten.

Machtkampf im Jemen

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Machtkampf im Jemen
quelle: x80002 / stringer
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An der in der Nacht zum Donnerstag gestarteten Operation «Sturm der Entschlossenheit» beteiligen sich nach Angaben des Fernsehsenders Al-Arabija neben Saudi-Arabien die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain und Katar. Weiter würden Jordanien, Marokko und der Sudan Kampfjets entsenden. Auch Ägypten sagte eine Beteiligung mit Luftwaffe und Marine zu. Kairo will vor allem verhindern, dass die Huthis die Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab erlangen. Pakistan denkt nach eigenen Angaben noch über einen Einsatz nach. 

Wie verhält sich Al Kaida?

Seit dem Tod von Osama bin Laden gilt Al Kaida als geschwächt. Das betrifft jedoch nicht den Ableger im Jemen: Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist die gefährlichste «Filiale» des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Sie gilt als Urheberin mehrerer Terrroranschläge im Westen. Zuletzt übernahm AQAP die Verantwortung für das Attentat auf die Satirezeitung «Charlie Hebdo» in Paris. Die USA haben in den letzten Jahren rund 100 Drohnenangriffe im Jemen geflogen und mehrere hundert Extremisten getötet. 

Ein Al-Kaida-Anführer bekennt sich zu den Anschlägen in Paris.
Ein Al-Kaida-Anführer bekennt sich zu den Anschlägen in Paris.
Bild: reuters

Nun aber gelten die sunnitischen Fanatiker als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. Mit Anschlägen gegen die Huthis punkten sie vor allem bei ärmeren sunnitischen Stämmen. Allerdings soll nun auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Jemen aufgetaucht sein. Sie bekannte sich zu den Selbstmordanschlägen auf zwei schiitische Moscheen in Sanaa, bei denen am letzten Freitag mehr als 140 Menschen getötet wurden.

Angst vor Flächenbrand: Saudi-Arabien fliegt im Jemen weitere Angriffe
Die UNO versucht den Bürgerkrieg im Jemen zu verhindern und unterstützt den geflüchteten Präsidenten 
Als Reaktion auf Eskalation: USA sollen Anti-Terror-Kommando aus dem Jemen abziehen
    Naher Osten
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Was tut der Westen?

Nach der Machtübernahme der Huthi-Rebellen im Februar schlossen die meisten westlichen Länder aus Sicherheitsgründen ihre Botschaften im Jemen. Die USA, Grossbritannien und Frankreich riefen ihre Bürger auf, das Konfliktland umgehend zu verlassen. Die Schweiz unterhält im Jemen keine Botschaft, das Land wird von Oman aus betreut. Das Aussendepartement (EDA) rät von Reisen nach Jemen und von Aufenthalten in dem Land ab

Der Konflikt im Jemen.
video: YouTube/dw

Die USA stehen nach wie vor hinter Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi, sie unterstützen auch die Luftangriffe Saudi-Arabiens mit logistischen und geheimdienstlichen Mitteln. Washington verstehe das Vorgehen Saudi-Arabiens, teilte das US-Aussenministerium am Donnerstag mit. Es betonte aber, Verhandlungen seien der beste Weg aus dem Bürgerkrieg. Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier nannte die Lage gefährlich. Er hoffe nicht, dass sich die Situation in einen kriegerischen Flächenbrand ausweite, sagte er der «Bild»-Zeitung.

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