SBB
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Jeannine Pilloud wurde bei den SBB letzte Woche abgesägt. Bild: KEYSTONE

3 Methoden, wie Schweizer CEOs ihre Konkurrenten loswerden

Der abrupte Abgang von SBB-Kaderfrau Jeannine Pilloud zeigt: Personalentscheidungen in Chefetagen haben oftmals mehr mit Macht als mit Arbeit zu tun. Dies zeigen Gespräche mit verschiedenen Schweizer Wirtschaftsführern.

18.12.17, 06:58 18.12.17, 07:15

Daniel Zulauf / Nordwestschweiz



«Nur die Leistung zählt.» Was die meisten Unternehmenschefs ihren Nachwuchsmanagern einhämmern, ist ein Mythos. Das ist die ernüchternde Erkenntnis aus Gesprächen mit Wirtschaftsführern, die sich über ihre langjährigen persönlichen Erfahrungen in den Führungszirkeln unterschiedlichster Schweizer Firmen äussern. Die Vermutung liegt zwar nah, dass eine Gesellschaft von Alpha-Tieren ihre eigenen Gesetze kennt. Doch wie diese Gesetze aussehen, wissen nur die Beteiligten.

Bei mehr als der Hälfte aller Managemententscheidungen, die er in seiner langen Laufbahn erlebt und mitgetragen habe, sei das Hauptmotiv die «Machtabgrenzung» gewesen, erzählt ein krisenerprobter Wirtschaftsführer. Das sei zwar menschlich, aber oft hässlich, und vor allem schade es dem Geschäft. Zwar kommen die Machtspiele in den Führungszirkeln der Firmen früher oder später in den Verwaltungsräten und in den Geschäftsleitungsgremien auf den Tisch.

Aber allzu oft bleiben die Hintergründe der Konflikte auch in diesen vermeintlich eingeweihten Kreisen nebulös. «Aus uns beiden wird nichts»: Diesen Satz habe er in 30 Jahren nie aus dem Munde eines CEO oder Verwaltungsratspräsidenten gehört, sagt ein Insider. Obwohl es oft genau darum gegangen sei. Ein allzu ungeschminktes Machtgehabe könne Sympathien kosten, erklärt er sich den Umstand, weshalb die Positionskämpfe mit echten oder vermeintlichen Rivalen kaum einmal mit offenem Visier geführt würden. Lieber stellt man Fallen, um den Gegner, ohne direkten Körperkontakt loswerden zu können.

Wurde wegbefördert: Jeannine Pilloud.  Bild: KEYSTONE

Die Reorganisation

Reorganisationen sind ein beliebtes Mittel, um Kontrahenten loszuwerden. Ein Manager erhält ein neues Aufgabengebiet, in dem er sich schlecht auskennt und wo er deshalb kaum Chancen hat, schnell gute Ergebnisse zu zeigen. Oder sein Aufgabenbereich wird derart ausgedehnt, dass er unter der Last der Arbeit nur einbrechen kann. In beiden Fällen kommt nebst den betroffenen Personen auch die Firma zu Schaden.

Die Ziele

Die Leistungsziele werden so weit hochgeschraubt, dass der Manager fast zwingend versagt. Auch hier droht dem Unternehmen ein beträchtlicher Schaden. Forscher der Pennsylvania State University haben kürzlich ein grosses Telekommunikationsunternehmen unter die Lupe genommen und festgestellt, dass sich das mittlere Management etlicher fauler oder gar bösartiger Tricks bedient, um unrealistischen Erwartungen scheinbar gerecht zu werden. Unter anderem haben Manager Verkäufe anderer Einheiten als eigene ausgegeben, Bestellungen direkt als Verkäufe ausgewiesen und dafür gesorgt, dass der Fluss an Verkaufsdaten in IT-Systemen normal aussieht.

Die Isolation

Der Gegner wird isoliert und geschwächt. Zum Beispiel, indem er geografisch oder thematisch von seinen engsten Vertrauten getrennt wird. Auch dafür eignen sich Reorganisationen, die dem betriebswirtschaftlichen Unternehmenszweck typischerweise nicht förderlich oder eben sogar abträglich sind.

Pillouds gute Miene zum bösen Spiel

Der grossen Mehrheit der Mitarbeitenden, den gewöhnlichen Publikumsaktionären und erst recht der breiten Öffentlichkeit bleiben diese Vorgänge in der Regel verborgen. Die Sprachregelung in den Pressecommuniqués kommt üblicherweise ganz und gar unverfänglich daher.

SBB-Chef Andreas Meyer fand vorige Woche nur lobende Worte für seine bislang wichtigste Managerin, obwohl er sie gerade auf ein Nebengleis einfahren liess: «Jeannine Pilloud hat unsere grösste Division sieben Jahre umsichtig geführt. Nun wird sie sich auf die Branchenthemen fokussieren. Genau das brauchen wird jetzt. Denn die öV-Branche und der Personenverkehr sind in einem umfassenden Wandel.» Die Umplatzierte machte gute Miene zum Spiel: «In der öV-Branche stehen in den nächsten Jahren wichtige Weichenstellungen an. Ich freue mich, mich voll und ganz darauf zu konzentrieren und mitzugestalten.»

Klar ist, dass die Westschweizerin in der eigens für sie neu geschaffenen Funktion einen rapiden Verlust an Einfluss erleidet. Wer das wollte, und wer davon profitiert, ist auch für langjährige Branchenkenner ein Rätsel. Der Schutz des Verlierers vor der öffentlichen Blamage ist bei Machtspielen in den Unternehmensleitungen oft auch im Interesse des Siegers, denn ein zur Schau getragener Triumph kann in der öffentlichen Meinung schnell zum Pyrrhussieg verkommen.

Jürg Zeltner auf einem undatierten Archivbild Bild: UBS

Nur selten gibt die offizielle Firmenkommunikation so viel Interpretationsspielraum, wie es am Freitag bei der UBS der Fall war. CEO Sergio Ermotti verabschiedete Jürg Zeltner, seinen mächtigsten Manager und Leiter der Flaggschiffdivison, nach 30 Dienstjahren mit den knappen Worten: «Sein Einfluss auf die positive Entwicklung unseres internationalenWealth-Management-Geschäfts und des Unternehmens über die vergangenen Jahre verdient Anerkennung.» Dementsprechend ist das Verständnis, dass hier ein Machtkampf vorausgegangen war, bereits Konsens in den Medien.

Wenn die Chemie nicht stimmt

Anders liegt der Fall beim unerwarteten Abschied von Georges Kern als Leiter des ganzen Uhrengeschäfts beim Luxusgüterkonzern Richemont. Kern hatte sich über viele Jahre als CEO der zur Richemont gehörenden Schaffhauser Manufaktur IWC profiliert. Ende 2016 wurde sein Verantwortungsgebiet um etliche Uhrenmarken erweitert. Darüber hinaus sollte er die Digitalisierung von Marketing und Vertrieb an die Hand nehmen.

Weniger als ein Jahr nach der Beförderung war Kern weg. In einer dürren Mitteilung äussert sich der Konzern zwar bedauernd über den Abgang, und Verwaltungsratspräsident Johann Rupert wünscht ihm alles Gute. Das ist aber nicht viel nach 17 Jahren gemeinsamen Weges, muss man sagen.

Georges Kern. Bild: KEYSTONE

Kern sagte der «Bilanz» später im Gespräch: «Es gibt zwei Menschen, die wissen, was gesagt wurde. Der eine bin ich. Und ich sage nichts dazu. Der andere bin nicht ich. Und der sagt sicher auch nichts.» Auch im Fall Kern kann die Leistung als Trennungsgrund ausgeschlossen werden, zumal der Abschied so schnell erfolgt. Immerhin treffen Unternehmen ihre Personalentscheidungen oft auch aus rationalen Gründen.

Bisweilen genügt die Leistung nicht, manchmal stimmt die Chemie mit Kollegen nicht. Doch solche Trennungen machen in der Regel keine Schlagzeilen, denn sie werden nach «diplomatischen Gepflogenheiten» abgehandelt, wie ein Insider sagt. 

Beifang: Kein Bock auf Arbeit? Du solltest froh sein, dass du nicht seinen Job hast

Video: watson

Die Zukunft der Wirtschaft

Neue Zölle, neue Zäune: Warum sich die Ära des freien Handels ihrem Ende zuneigt

Wenn wir Glück haben, behalten uns die Roboter als Haustiere

Bundesrat gibt zu: Das Bedingungslose Grundeinkommen kostet 25, nicht 153 Milliarden Franken

Wohlstand ohne Wachstum ist möglich – oder warum der kapitalistische Velofahrer nicht umfallen muss

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

14
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pisti 18.12.2017 12:49
    Highlight Jeannine Pilloud wurde wohl eher abgesägt, weil sie einen katastrophalen Leistungsausweis hatte die letzten Jahre. Man denke an all die Millionen die Sie verlocht hat, in Projekte die von Anfang an zum scheitern verurteilt waren.
    Eigentlich kann Sie ja froh sein, dass für Sie noch extra eine Stelle geschaffen wurde. Das ist der eigentliche Skandal.
    Beweist aber eigentlich nur wie die VR und Geschäftsleitungen jeweils miteinander verfilzt sind.
    15 2 Melden
    • HabbyHab 18.12.2017 16:38
      Highlight Mit was für Projekten ist Pilloud gescheitert?
      0 1 Melden
    • Pisti 18.12.2017 17:08
      Highlight WC-Welten, Starbuckswagen, Swisspass und Sopre um mal einige zu nennen.
      2 0 Melden
  • Karl33 18.12.2017 12:48
    Highlight Pilloud hat gemäss verschiedenen Quellen einfach ihre Leistung nicht gebracht. Für ein Mio-Salär kann man nicht nur mittelmässige Leistung bringen.
    Im Text wird erstaunlicherweise suggeriert, dass sie das Opfer ist, das weggemobbt wurde. Ohne eine Würdigung der Leistung, nicht erbrachten Leistung. Weil sie eine Frau ist, und die sind per se Opfer, und Männer Täter? Gähn.
    21 5 Melden
  • Ohniznachtisbett 18.12.2017 10:59
    Highlight Was will uns dieser Artikel sagen?
    10 16 Melden
  • Idrisi 18.12.2017 09:39
    Highlight Bild und Titel suggerieren das Herr Meyer eine Konkurrentin hat loswerden wollen. Damit dies zutrifft, braucht es zwei von einander abhängige Bedingungen:
    1.) Frau Pilloud hatte Ambitionen auf den Job von Hr. Meyer.
    2.) Herr Meyer hat ihre Ambitionen auf seinen Job als Bedrohung wargenommen.
    Die Eintreffenswahrscheinlichkeit je Bedingungen würde ich als < 10 % einschätzen. Das ergibt eine Wahrscheinlichkeit von 99% das es sich um Fake-News handelt. Apropos Fake-News: Die Grosseltern von Frau Pilloud waren Westschweizer und sie ist eine waschechte Zürcherin.
    20 37 Melden
    • N. Y. P. 18.12.2017 11:02
      Highlight 3. Oder sie geht ihm schlichtweg unsäglich auf den Geist. Meist gegenseitig. Aber er ist hier am längeren Hebel.
      4.
      5.
      6.
      7.

      Es gibt x Gründe für Machtspiele.
      24 2 Melden
  • Bruno Wüthrich 18.12.2017 09:27
    Highlight Es menschelt halt überall. Wobei zu sagen ist, dass es für die Leistung besser ist, wenn das Menschliche stimmt. Zwar müssen sich nicht alle lieb haben. Den einen oder anderen Unbequemen mag es in jedem Team leiden.
    Oft ist es aber so, dass man erst merkt, dass eine Aufgabe eine Nummer zu gross ist, wenn man sie bereits übernommen hat. Eine Rückstufung ist nicht nur in der Chefetage, sondern auch bei den übrigen Mitarbeitern mit einer Minderung von Respekt und Anerkennung verbunden, womit der Betroffene oft nur schwer umgehen kann.
    Die Trennung ist deshalb oft für alle das Beste.
    19 9 Melden
  • R.E.O. 18.12.2017 08:42
    Highlight Machiavelli lässt grüssen. Diese Binsenweisheiten sind leider nichts neues. Ohne Lobby kann man grundsätzlich im Arbeits- und Geschäftsleben nicht überwintern.
    32 1 Melden
  • Madison Pierce 18.12.2017 08:40
    Highlight Solche Machtspiele sind Zeichen eines schwachen Verwaltungsrats. Der Verwaltungsrat ist von den Eigentümern gewählt, die Firma zu leiten. Der CEO ist nur Angestellter für die operative Führung.

    Leider werden immer häufiger Leute wegen guten Beziehungen und nicht wegen passender Fähigkeiten in den VR gewählt. Siehe die vielen Mandate von Nationalräten...

    Dann agiert der CEO, als sei er ein Patron, dem die Firma gehört.
    58 1 Melden
  • Donald 18.12.2017 07:44
    Highlight Hier fehlt noch mindestens der Schlussabschnitt...
    21 0 Melden
  • dracului 18.12.2017 07:42
    Highlight Es geht IMMER um Macht: Je weiter oben, desto mehr! Darum herrscht in vielen Firmen auch ein „Wolfsklima“, wo jeder nur nicht beisst, weil er (oder sie!) Angst hat, selber isoliert und zerfleischt zu werden. Man ist gerne beim Rudel mit gleichen Interessen z.B. Leistungssport oder Statussymbolen. Die grundlegende Frage bei der Kaderselektion: Kann das Gegenüber mir bei meiner eigenen Karriere helfen? Oft werden falsche Entscheide für das Unternehmen gefällt (oder belohnt), da an die eigene Karriere andere Entscheide verlangt. In (bundesnahen) Grossunternehmen übrigens besonders ausgeprägt!
    24 0 Melden
  • Zeit_Genosse 18.12.2017 07:33
    Highlight Der VR sollte solche dem Unternehmen schädlichen Gepflogenheiten von Managern Einhalt gebieten. Das wäre auch Corporate Governance, eine verantwortungsvolle Unternehmensführung.

    CEOs oder Manager haben meist andere in der 2. Reihe, denen sie Probleme anhängen können und bauen sich eine Firewall auf. Wenn der Druck zu gross wird, entlassen sie diese. Diese Form von Machtkonzentration auf eine oder wenige Personen dient nicht dem Unternehmen. Jedes Unternehmen sollte eine starke Spitze haben, wo es keinem zu wohl werden kann. Doch in der Realität nehmen CEOs tendenziell schwächere mit.
    9 1 Melden
  • Morph 18.12.2017 07:17
    Highlight Da muss man noch nicht einmal in die Teppichetage um solche Dinge zu erleben...
    28 0 Melden

Abweisende Vegetarier, skeptische Metzger – das Laborfleisch hat fast keine Freunde

Die Nachricht machte am Dienstagmorgen schnell die Runde. Die Coop Tochter Bell Food Group investiert in kultiviertes Rindfleisch. Mit rund 2.3 Millionen Franken beteiligt sich der Schweizer Fleischproduzent am holländischen Start-up Mosa Meat, das bereits seit Jahren am Fleisch tüftelt, das kein Leben auf dem Gewissen hat. Am Fleisch, das die ganze Branche auf den Kopf stellen könnte.

Der Schweizer Fleisch-Fachverband SFF winkt ab. «Wir sehen mittelfristig keine Bedrohung für die …

Artikel lesen