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Liverpool's Virgil Van Dijk, left, vies for the ball with Barcelona's Lionel Messi during the Champions League semifinal, first leg, soccer match between FC Barcelona and Liverpool at the Camp Nou stadium in Barcelona Spain, Wednesday, May 1, 2019. (AP Photo/Joan Monfort)

Im Halbfinal-Hinspiel der Champions League wirbelt Messi, Barcelona gewinnt mit 3:0. Nach dem 0:4 im Rückspiel in Liverpool jubelt van Dijk. Bild: AP

Kommentar

Warum Virgil van Dijk nicht Weltfussballer des Jahres wurde



Zum sechsten Mal ist Lionel Messi Weltfussballer des Jahres geworden. Er führt nun in dieser Wertung vor Cristiano Ronaldo, der es auf bislang fünf Auszeichnungen gebracht hat. Der Portugiese wusste das Ergebnis wohl schon vorher, weshalb er die kurze Reise von Turin nach Mailand gar nicht erst antrat.

Leer ging bei der FIFA-Gala in der Scala der Favorit aus: Virgil van Dijk. Dabei führte der Holländer den FC Liverpool zum Sieg in der Champions League, dem wichtigsten Klubwettbewerb der Welt. Sein Problem ist wohl seine Position: Van Dijk ist Verteidiger. Er ist nicht dazu da, Tore und Spektakel zu ermöglichen. Sondern diese zu verhindern.

Netherlands defender Virgil van Dijk arrives with his partner Like Nooitgedagt to attend the Best FIFA soccer awards, in Milan's La Scala theater, northern Italy, Monday, Sept. 23, 2019. Virgil van Dijk is up against five-time winners Cristiano Ronaldo and Lionel Messi for the FIFA best player award and United States forward Megan Rapinoe is the favorite for the women's award. (AP Photo/Luca Bruno)

Van Dijk auf dem roten Teppich mit Partnerin Rike Nooitgedagt. Bild: AP

Allerdings ist Virgil van Dijk ein aussergewöhnlicher Verteidiger. Mit seinen 1,93 m ist der 28-Jährige eine beeindruckende Erscheinung, mit einer Ausstrahlung, die Mitspieler aufbaut und Gegner einschüchtert. Sein Stellungsspiel ist brillant, man kann ihn kaum ausdribbeln und noch dazu kommt er ohne grobe Fouls aus. In 38 Spielen der Premier League sah der Abwehrchef der «Reds» genau eine Gelbe Karte.

Kurz gesagt: Man kann sich keinen besseren Innenverteidiger als Virgil van Dijk vorstellen.

Er war in der vergangenen Saison der Spieler des Jahres in der englischen Premier League, er wurde vor einem Monat zu Europas Fussballer des Jahres ausgezeichnet – klar vor Messi und Ronaldo. Doch die wichtigste individuelle Auszeichnung, die ein Fussballer gewinnen kann, blieb van Dijk versagt. Bestimmt auch, weil bei so einer Wahl die Vergangenheit mächtig Eindruck macht und das Wahlverhalten beeinflusst.

Wer wählt, denkt nicht nur an die Gegenwart und die vergangenen zwölf Monate. Der hat automatisch auch im Kopf, was vorher war. Und da Messi und Ronaldo schon derart viel geleistet und erreicht haben in ihrer Karriere, bleiben diese Leistungen zwangsläufig haften, egal was 2018/19 war und auch wenn nur diese Saison bewertet werden sollte. Ihre herausragende Vergangenheit ist ein Bonus.

Der Wahlprozess

Zuerst erstellt ein Gremium «mit Männerfussballexperten der FIFA und externer Interessengruppen» eine Liste von zehn Fussballern, aus denen gewählt werden kann. Danach geben die Captains und Trainer aller Nationalteams ihr Votum ab, von jedem Land ein Journalist und schliesslich Fans, die sich auf der Website der FIFA registriert haben. Die Resultate dieser vier Gruppen zählen gleich viel, tragen also je ein Viertel zum Ergebnis bei.

Van Dijks Werdegang liest sich dagegen bescheiden. Über Celtic Glasgow und Southampton kam er zu Liverpool, das ihn vor eineinhalb Jahren zum teuersten Verteidiger der Geschichte machte. Er hat noch keinen Bonus.

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Van Dijk zeigt gegen die Besten der Welt seine Klasse. Video: YouTube/Lorenzo F7

Und man darf das auch nicht verdrängen: Lionel Messi lieferte schon sehr, sehr gute Argumente für seine Wahl. In 58 Spielen für den FC Barcelona und Argentinien schoss er 54 Tore. 54! Das erscheint mittlerweile als normal – aber nur deshalb, weil Messi und Ronaldo in den vergangenen Jahren regelmässig solche Werte erreichten. Dabei ist es völlig verrückt, so oft zu treffen. Der Argentinier führte Barça zum überlegenen Triumph in der spanischen Meisterschaft, der grosse Rivale Real Madrid wurde um die Weltreise von 19 Punkten distanziert.

Argentinian Barcelona player Lionel Messi posses with United States forward Megan Rapinoe after they received the Best FIFA Men's, Women's player award during the Best FIFA soccer awards ceremony, in Milan's La Scala theater, northern Italy, Monday, Sept. 23, 2019. (AP Photo/Antonio Calanni)

The Best: Lionel Messi und Megan Rapinoe, die im Sommer die USA zum WM-Titel führte. Bild: AP

Es bleibt dabei, dass Fabio Cannavaro als bisher einziger Abwehrspieler zum Weltfussballer des Jahres gekürt wurde. 2006 war das, als er Italien zum WM-Titel führte. Weltmeister zu werden wird (zu Recht) höher gewichtet als ein Triumph in der Champions League.

Eigentlich müsste es längst eine eigene Kategorie für die beiden Ikonen dieses Sports geben: Jene des besten Fussballers, der nicht von dieser Welt ist. Solange Lionel Messi und Cristiano Ronaldo auf dem Niveau der letzten zehn Jahre Fussball spielen, gibt es für einen Verteidiger nichts zu holen.

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Ein Zusammenschnitt von Messi-Szenen und -Toren der letzten Saison. Video: YouTube/GoDZillaXx

Fair ist das nicht unbedingt. Aber wir alle schauen Fussball, um Tore zu sehen. Und da machen 54 teils herausragend erzielte Treffer schlicht und einfach mehr Eindruck als das Verhindern von Torchancen. Virgil van Dijk sieht das übrigens gleich: Er gab seine Stimmen nicht Defensivspielern, sondern Angreifern. Und seine Nummer 1 ist: Lionel Messi.

So wählten die Nominierten

Sich selber durften sie nicht wählen. Lionel Messi wählte Sadio Mané, Cristiano Ronaldo und Frenkie de Jong. Virgil van Dijk wählte Messi und seine Liverpool-Mitspieler Mohamed Salah und Mané. Cristiano Ronaldo gab seine Stimmen der Jugend: dem neuen Juventus-Kollegen Matthijs de Ligt, Frenkie de Jong und Kylian Mbappé.

So wählten die Schweizer

Nationalmannschafts-Captain Granit Xhaka und -Trainer Vladimir Petkovic wählten beide Cristiano Ronaldo vor Virgil van Dijk und Lionel Messi. Offenbar wirkte, dass CR7 beim Nations-League-Gewinn mit Portugal im Halbfinal gegen die Schweiz einen Hattrick erzielt hatte. Journalist Stefan Wyss von der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vergab fünf Punkte an Mohamed Salah, drei an Matthijs de Ligt und einen an Lionel Messi. Alle Voten findest du hier.

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