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Wie dieser Instagram-Post zum kompletten Desaster wurde



Was ist schöner als ein Foto im Infinity Pool? Richtig, ein Foto im Infinity Pool, umgeben von herrlicher, quasi unberührter Natur. Allein, mit dem Unberührtsein der Natur ist es schnell vorbei, wenn aus einem «Geheimtipp» eine Touristenattraktion wider Willen wird.

So geschehen im Nationalpark Berchtesgaden, wo eine deutsche Influencerin den sogenannten Natural Infinity Pool gross machte, indem sie Fotos des in Bayern auch als «Influencer Gumpen» bekannten Orts mit ihren 1,2 Millionen Followern teilte. Dazu lieferte sie eine Wegbeschreibung zu dem ehemals versteckten und naturschützerisch wertvollen Ort, der weit abseits des offiziellen Wegnetzes im Nationalpark liegt.

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Mit diesem Bild machte eine Influencerin den «Influencer Gumpen» im Nationalpark Berchtesgaden weltbekannt. Bild: Screenshot Instagram

«Nun besuchen jährlich tausende Fototouristen die Gumpen am Wasserfall», klagte der Nationalpark in einer Mitteilung. Die Folgen der Weltbekanntheit: Müll und Lärm im geschützten Bergwald, rund drei Kilometer neue Trampelpfade, illegale Lagerfeuer – und immer wieder Rettungsaktionen für in Not geratene Besucher.

Polizei hat Anzeige gestellt

Jetzt will der Nationalpark Berchtesgaden dem Trubel einen Riegel vorschieben und den Natural Infinity Pool am Königsbach-Wasserfall sperren. Zudem hat die Polizei gegen die Influencerin eine Anzeige beim Landratsamt Berchtesgaden gestellt, wie die Behörde watson mitteilte – wegen illegalen Drohnenflugs.

Selfie-Sucht im Schutzgebiet

Erst Anfang Juni hatte der Park auf Instagram versucht, den Menschen ins Gewissen zu reden und gegen «Selfie-Sucht in unserem Schutzgebiet» vorzugehen. Der Park bat die Influencerin ausserdem, ihr Posting zu löschen, um noch mehr Nachahmer zu vermeiden. Nicht zuletzt gab es an einem «Pool» bereits Tote. Im April 2019 waren zwei Männer aus Sachsen ertrunken.

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Instagram-Hype am Wasserfall ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Auch wir haben einen Instagram-Kanal gelauncht, einer der Auslöser war die zunehmende Selfie-Sucht in unserem Schutzgebiet. Unsere Postings verbinden wir mit viel Wissenswertem über die einzigartige Nationalpark-Natur. Der Wasserfall am Königssee ist dem Überfall durch Influencer zum Opfer gefallen. Das früher ruhige und abgelegene Naturparadies leidet. Viele Einheimische gehen wegen der Massen gar nicht mehr hin. Die Gumpen werden im Netz getaggt, gepostet, geliked, am besten gleich live. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Die Fotos vom Baden im „Natural Infinity-Pool“ luden Tausende zum Nachahmen ein. Der Run auf den Wasserfall forderte bereits Tote! Und die Natur mitten im Nationalpark wird immer mehr zerstört. Die Ufervegetation ist bereits komplett zertreten, Berge von Müll werden hinterlassen und illegale Lagerfeuer gemacht. Unbelehrbare campieren im Schutzgebiet, hinterlassen sogar ihre Billig-Zelte und Schlafsäcke. Das kann es doch nicht sein! An alle Influencer: Mit Euren teilweise enormen Reichweiten habt Ihr viel Einfluss auf viele Menschen. Seid Euch bewusst, dass ihr durch solche Postings die Natur zerstört. Campieren, Lagerfeuer, Müll, Drohnenflüge - das ist alles im Nationalpark verboten. Warum? Weil Tiere gestört werden und die Pflanzenwelt leidet. Seid verantwortungsvoll mit Euren Mitmenschen und unserer einzigartigen Natur. Löscht Eure Posts und stellt keine neuen ins Netz. Verzichtet auf Wegbeschreibungen. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Mittlerweile werden in der Instagram-Community auch andere Stimmen laut, die rücksichtslose Influencer ermahnen: Verzichtet auf Hashtags! Behaltet die Tipps für Euch! #stopgeotagging #protectnature ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Und nicht zuletzt: Weniger als 1% der Landesfläche in D sind Nationalparke. Diese Fläche ist winzig. Hier sollten es wir Menschen doch schaffen, uns zurückzunehmen und die Natur die erste Geige spielen lassen. Die Natur dankt es euch. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ @umweltministerium @umweltministerium_bayern @bergerlebnis_berchtesgaden @tourismus.koenigssee @bischofswiesen_tourismus #stopgeotagging #protectnature

Ein Beitrag geteilt von Nationalpark Berchtesgaden (@nationalparkberchtesgaden) am

Erfolg hatte der Park mit seiner eindringlichen Bitte nur bedingt. Der Post ist weiterhin online, im Text dazu wird mittlerweile aber darauf hingewiesen, dass der Ort grosse Gefahren birgt und ausserdem Müll und Trampelpfade negativ ins Ökosystem eingreifen. «Der Nationalpark möchte also nicht, dass noch mehr Menschen hierher kommen!», stellte die Influencerin klar.

Natur soll sich erholen

Die Nationalparkverwaltung Berchtesgaden strebt nun in Abstimmung mit dem Landratsamt Berchtesgadener Land ein Betretungsverbot für den Bereich des «Infinity Pools» an, damit sich die Vegetation erholen kann. Die Situation sei «so nicht länger tragbar». Das Königssee-Ufer und untere Terrassen am Wasserfall sollen zugänglich bleiben.

Das Landratsamt werde eine Verordnung erarbeiten, heisst es vonseiten des Nationalparks. Für Zelten und Biwakieren, Feuer machen, den Einsatz von Drohnen oder das Hinterlassen von Müll gibt es schon jetzt Bussgelder.

(pcl/mit Material von dpa)

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