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Chris Evans: Er kann einem leid tun (obwohl er extrem viel Geld verdient).
Chris Evans: Er kann einem leid tun (obwohl er extrem viel Geld verdient).
Bild: Richard Shotwell/Invision/AP/Invision

Nur 19 Gründe, weshalb das neue «Top Gear» eben doch viel schlechter ist als das alte (und es liegt nicht nur an den Moderatoren)

Sechs Episoden sind vorbei. Doch die erste Staffel «Top Gear» ohne Clarkson, Hammond und May ist leider genau das, was alle erwartet haben: eine gewaltige Enttäuschung.
04.07.2016, 08:5305.07.2016, 11:26

Das war's. Die erste Staffel «Top Gear» ohne das Moderatoren-Trio Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May ist seit gestern Abend Geschichte. Nach der ersten Folge urteilten wir noch mild, doch auch unsere Toleranz hat Grenzen:

Chris Evans versucht Jeremy Clarkson zu sein

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Chris Evans.

Er rüttelt am Steuerrad, er schreit «Power!»: Der Neue, Chris Evans, ist ein nicht ganz günstiger Jeremy-Clarkson-Imitator. Dass es dem bekanntesten Radio-DJ des Landes nicht gelingt, mehr von seiner eigenen Persönlichkeit in die Sendungen einfliesssen zu lassen, zeigt, wie gross die Fussstapfen sind, in die er sich wagt.

Chris Evans schreit zu oft

KENNST DU DIE LEUTE, DIE IN DEN KOMMENTARFELDERN IMMER ALLES IN GROSSBUCHSTABEN SCHREIBEN? EINFACH NUR, UM DAMIT IHREN AUSSAGEN EIN BESONDERES GEWICHT ZU GEBEN. DIESELBEN LEUTE BRAUCHEN AUCH IMMER EINE GANZE ARMADA VON AUSRUFEZEICHEN!!!!!!!!!!! SO EINER IST CHRIS EVANS. UND WIE ALLE DIESE LEUTE ERREICHT ER DAMIT MEIST DAS GEGENTEIL. MAN HÖRT NICHT MEHR HIN. DU HAST JA MIT SICHERHEIT AUCH SCHON WEITER GESCROLLT!

Chris Harris hat dasselbe Problem, wie ein gewisser Ex-Präsident der USA

Chris Harris.
Chris Harris.

Chris Harris gehört seit dieser Staffel zum erweiterten Moderatorenteam von «Top Gear». Der YouTube-Star ist ein ausgewiesener Autokenner – doch das alleine reicht nicht, um auch Zuschauer ausserhalb der Zielgruppe von «The Fast and the Furious» zu unterhalten.

Harris leidet an einem Problem, das bereits George W. Bush zum Gespött machte: Während er verbal versucht Emotion zu vermitteln, scheitert sein Gesicht beim Aufbau der dazu passenden Mimik. Das Endprodukt ist dann eine unglaubwürdige Ton-Bild-Schere. Schade. Der Mann wüsste was zu erzählen.

Dass Harris sich durchaus bewusst ist, dass er kein «Top Gear»-Material ist, beweisen ein paar Zitate aus einem Jalopnik-Artikel kurz nach Clarksons Abgang:

«Die einzige Kreativ-Regel, die ich mir gab, war: Versuch nie ‹Top Gear› zu sein. Versuch nie lustig zu sein. Versuch nie etwas, das dich in direkte Konkurrenz mit ‹Top Gear› bringt. Denn du wirst aussehen wie ein Anfänger.»
jalopnik.com
«Funktioniert ‹Top Gear› ohne Jeremy Clarkson? Vielleicht. Funktioniert es ohne Hammond und May? Mit Sicherheit nicht.»
jalopnik.com
«Die BBC wäre komplett verrückt, es mit drei neuen Moderatoren zu versuchen ...»
jalopnik.com

Zwischen Evans und LeBlanc springt der Funke nicht

Animiertes GIFGIF abspielen
Evans und LeBlanc gehen ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Sie highfiven sich. Dazu später mehr.

Der  grosse Erfolg hat «Top Gear» nicht den schönen Filmen, den exotischen Schauplätzen oder den teuren Autos zu verdanken. Der grosse Erolg der Sendung beruht auf der Chemie zwischen den Moderatoren. Unter Clarkson, Hammond und May hatte man stets den Eindruck, drei alten Freunden beim Spasshaben zu zuschauen.

Seit Evans und LeBlanc übernommen haben, ist das anders. Die beiden geigen nicht miteinander und es gibt bereits erste Gerüchte, LeBlanc wolle die Sendung wieder verlassen, sollte Evans im Team bleiben. Ja. Ich gebe zu, die Quelle ist fragwürdig (Daily Mail). Mit ihren Auftritten strafen Evans und LeBlanc das Revolverblatt aber leider keine Lügen.

Ja. Rory Reid ist wirklich gut. Und Matt LeBlanc auch

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Rory Reid.

Genug gelästert für den Moment, denn es gibt auch Positives zu berichten. Rory Reid ist der Gewinner der ersten Staffel: Charmant, witzig, überraschend und auch mal kritisch schafft er es am ehesten, an die Qualität der alten Filme anzuknüpfen. Reid dicht auf den Fersen ist Matt LeBlanc, der sich mit seiner Stig-Anmoderation in der letzten Folge für den besten Spruch der Staffel verantwortlich zeigte:

«Einige sagen, er glaube Brexit sei ein Abführmittel. Und dass es aus Steuergründen als Keks deklariert wurde ...»
Matt LeBlanc in der 6. Folge der 23. «Top Gea»r-Staffel
BBC

Weil «Top Gear» Hollywood imitiert

Noch mehr Effekte, noch schönere Aufnahmen, noch mehr qualmende Reifen – «Top Gear» hat sichtlich aufgerüstet. Doch das Problem ist dasselbe des immer schreienden Evans: Ohne Kontrast stellt sich schnell Langeweile ein. Dafür wurden hollywoodstyle sämtliche Ecken und Kanten abgefeilt. Und das führt dazu, dass ...

... «Top Gear» jetzt politisch korrekt ist

Ich habe sechs Folgen auf einen Witz in diesem Stil gewartet. Er kam nicht.

Ach wie derb waren die Sprüche doch früher ...

Jeremy Clarksons derbste Sprüche:

1 / 25
Jeremy Clarksons derbste Sprüche
quelle: getty images europe / wpa pool
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Weil Eigenlob stinkt – und das pure Gegenteil von dem ist, was wir vorher kannten

«Ambitious but rubbish» («Ambitioniert aber unfähig») – so lautete der Leitspruch von «Top Gear» früher. Schönes britisches Understatement. Leider hat Chris Evans nicht viel von diesem Spirit geerbt:

Beispiel 1:

Beispiel 2:

«Ich finde, das war der beste Auto-Test auf einer Rennstrecke, den ich je bei ‹Top Gear› gesehen habe.»
Chris Evans über Chris Harris' Aston Martin Vulcan Test
Top Gear Episode 4, Staffel 23

«Top Gear» hat vergessen, dass es keine Autosendung ist

Die Autos stehen neu klar im Zentrum. Ausser dem Nordschleife-Fanclub Schwamendingen dürfte dies niemanden freuen. Und wenn sie mal nicht im Zentrum stehen, dann werden Promis angeheuert. Vermutlich ist dies das einzige Mittel, die nicht harmonierenden Moderatoren etwas in den Hintergrund zu verbannen.

Es gibt keine Umbauten, keine Boote, keine Untergänge und schon gar keine toten Kühe mehr

Weil «Top Gear» nicht mehr schwachsinnig ist

Nicht mehr so:

Oder so:

Oder so:

Weil die Neuen sich immer so schrecklich highfiven

Die Regeln sind eigentlich simpel: Bist du ein dunkelhäutiger Mann, mindestens zwei Meter gross und spielst du in der NBA? Nein? Dann lass die Finger von den High Fives vor laufender Kamera. Denn ausser bei dunkelhäutigen NBA-Spielern wirken High Fives im Fernsehen immer peinlich. Und bei 50-jährigen Briten noch etwas peinlicher. Matt LeBlanc versucht diese Regel so gut es geht zu verfolgen. Chris Evans ist high-five-süchtig.

Weil die Moderatoren, wenn sie denn mal nicht highfiven, ständig berühmte Leute umarmen

Wie beim High Five gibt es auch eine Regel mit den Umarmungen vor der Kamera: Bist du eine kleine Emo-Tussi? Hast du Snapchat installiert? Und verstehst du es auch? Nein? Dann lass es mit den Umarmungen vor laufenden Kameras! James May kannte diese Regel:

Animiertes GIFGIF abspielen
Nicht aus «Top Gear», aber trotzdem typisch May.
Animiertes GIFGIF abspielen
May gibt Hammond einen Korb.
Animiertes GIFGIF abspielen
Und nur einmal in 21 Staffeln kam das hier vor.

Und jetzt ein paar Szenen der Frotteur-WM mit der «Top Gear»-Besetzung der 23. Staffel:

Chris Evans reibt sich an einem Starkoch.
Chris Evans reibt sich an einem Starkoch.
bild: Screenshot «Top GEar»
Sabine Schmitz&nbsp;reibt sich auch an&nbsp;einen Starkoch.
Sabine Schmitz reibt sich auch an einen Starkoch.
bild: screenshot «top gear»
Eddie Jordan reibt sich an Texas-Sängerin Sharleen Spiteri.
Eddie Jordan reibt sich an Texas-Sängerin Sharleen Spiteri.
bild: screenshot «top gear»
Chris Evans reibt sich an Blues-Musiker Seasick Steve.
Chris Evans reibt sich an Blues-Musiker Seasick Steve.
bild: screenshot «top gear»
Matt LeBlanc reibt sich an UK-Rapper Tinie Tempah.
Matt LeBlanc reibt sich an UK-Rapper Tinie Tempah.
bild: screenshot «top gear»

Die Moderatoren sind nicht mehr peinlich

Nicht alles war besser früher. «Top Gear» schon. Weshalb? Weil peinlicher.

Weil neuerdings jedes Auto DER WAHNSINN ist! (nur Rory Reid ist kritisch)

IMMER SCHREIEN!
IMMER DRIFTEN!
IMMER QUALM!
IMMER MEGALÄSSIGES AUTO!
IMMER AUCH NOCH DAS VORGÄNGERMODELL ZEIGEN!
IMMER SPEZIALEFFEKT!
IMMER FILTER!
IMMER BERECHENBARER!
IMMER LANGWEILIGER! (Und die Anbiederung an die Industrie ist offensichtlich.)

Nur Rory Reid ist anders. Kann der nicht zu «The Grand Tour» wechseln? Wir sind schon Fan bisschen.

Die Gäste müssen sich gegenseitig vorstellen

Das Publikum muss entscheiden, wer das bessere Auto hat 

Das Auto ist nun ein Rallye-Auto

Sämtliche Änderungen sind gesucht

Die Punkte 16-19 sind schnell abgehandelt. Und zwar mit einem Wort:

Verschlimmbesserungen

Zu viele Dinge wurden beibehalten

Das Sofa, die Stig-Anmoderationen, der Aufbau der Sendung, das Studio, die Musik, die Beleuchtung – Das Grundgerüst von «Top Gear» ist noch immer dasselbe. Die BBC hätte besser daran getan, sämtliche Spuren des Vorgängers zu verwischen. Der Vergleich zum alten Produkt wäre dann etwas schwerer gefallen. So aber kann es nur ein Fazit geben: «Top Gear» ist noch immer eine okaye und mangels Alternativen sehenswerte Sendung – mehr aber auch nicht. Ob das enorme Budget noch gerechtfertigt ist? Vermutlich nicht.

Jeremy Clarksons neue Show «The Grand Tour» kommt im Herbst. Wir freuen uns.

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