DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Queen's Speech ohne Queen: Prinz Charles eröffnet erstmals Parlament

10.05.2022, 15:4210.05.2022, 15:54
Charles und die Krone.
Charles und die Krone.Bild: keystone

Beginn einer neuen Ära: Der britische Thronfolger Prinz Charles (73) hat am Dienstag erstmals die Regierungserklärung im Parlament in London verlesen. Mit der «Queen's Speech» wird traditionell eine neue Sitzungsperiode von Unter- und Oberhaus eingeläutet.

Die Zeremonie wird mit grossem Pomp begangen und zählt zu den wichtigsten konstitutionellen Aufgaben der britischen Monarchie.

Die 96 Jahre alte Königin hatte zuvor wegen gesundheitlicher Probleme kurzfristig absagen müssen. «Die Queen leidet weiterhin unter zeitweisen Mobilitätsproblemen und hat sich widerstrebend dazu entschlossen, nicht an dem State Opening teilzunehmen», hatte ein Palastsprecher am Vorabend mitgeteilt.

Die Parlamentseröffnung verpasste die Queen in ihrer 70 Jahre währenden Regentschaft bislang nur zwei Mal – jeweils weil sie schwanger war, also zuletzt vor fast 60 Jahren. Noch Ende vergangener Woche betonte ein Palastsprecher, die Queen habe fest vor, die Rede persönlich zu verlesen.

Viele in Westminster glauben jedoch, dass die inzwischen gebrechliche Monarchin die Aufgabe auch in Zukunft ihrem Sohn überlassen wird. In britischen Medien war bereits vom Beginn einer faktischen Prinzregentschaft unter Charles die Rede.

Der Thronfolger reiste am Dienstag, wie es für seine Mutter geplant war, im Auto an. Die Queen hatte zuletzt auf die traditionelle Fahrt in der unbequemen, aber prachtvollen Kutsche verzichtet. Charles mied die übliche Formulierung «meine Regierung» und sprach stattdessen von «der Regierung Ihrer Majestät».

Begleitet wurde der Prince of Wales, der eine Admiralsuniform trug, von seiner Frau Herzogin Camilla (74) und seinem ältesten Sohn Prinz William (39). Neben Charles, der auf dem prachtvollen Thron Platz genommen hatte, war auf einem kleinen Tisch die glitzernde Staatskrone – die Imperial State Crown genannt - platziert. Sie hatte auch seine Mutter zuletzt nicht mehr aufgesetzt. Sie sei so schwer, dass «sie einem das Genick brechen» könne, hatte die Queen vor wenigen Jahren einmal in einer BBC-Dokumentation gescherzt.

Zum State Opening of Parliament versammeln sich die Mitglieder beider Kammern des Parlaments – Abgeordnete und Lords – sowie Würdenträger, Diplomaten und Gäste im Oberhaus. Zu dem farbenfrohen Auftritt tragen die roten Roben mit weissem Fellkragen der Lords, die schulterlangen Perücken von Richtern und die bunten Uniformen der Herolde bei.

Der konservative Premierminister Boris Johnson und Oppositionschef Keir Starmer von der Labour-Partei verfolgten den Vortrag schweigend vom hinteren Teil des Plenarsaals im Oberhaus.

Die britische Königsfamilie bleibt bei politischen Fragen neutral. Es ist nur ein symbolischer Akt, dass die Regierungserklärung vom Monarchen als Staatsoberhaupt verlesen wird. Geplant sind demnach unter anderem Gesetze, um die Wirtschaft anzukurbeln und damit die Folgen steigender Lebenshaltungskosten abzufedern, die Klimakrise zu bewältigen und Grossbritannien weiter vom Orbit der Europäischen Union zu entfernen.

Mit Spannung wurde auch erwartet, ob die Johnson-Regierung ein Gesetz ankündigen würde, um die Abmachungen zum Sonderstatus für Nordirland im Brexit-Vetrag zu unterlaufen. Doch das gab es nicht, stattdessen nur Andeutungen. Trotzdem gilt es als möglich, dass London im Streit mit Brüssel um das sogenannte Nordirland-Protokoll schon bald erneut Öl ins Feuer giessen wird. Die Debatte verhindert derzeit die Bildung einer Regionalregierung in der ehemaligen Bürgerkriegsprovinz.

Meghan über Rassismus in der Royal Family

Video: watson

Zu den kuriosen Ritualen um das State Opening gehört, dass Wachen zu Beginn mit Lampen in den Keller des Oberhauses hinabsteigen, um nachzusehen, ob dort jemand Schiesspulver versteckt hat. Damit wird an den «Gunpowder Plot» des katholischen Verschwörers Guy Fawkes erinnert, der im Jahr 1605 versucht haben soll, den protestantischen König Charles I. beim State Opening in die Luft zu jagen.

Ebenso merkwürdig mutet auch die Tradition an, dass ein Abgeordneter vom Palast während der Zeremonie in Geiselhaft genommen wird, um die Rückkehr des Monarchen aus der Domäne der Volksvertreter abzusichern. Um die Unabhängigkeit des Parlaments von der Monarchie zu betonen, wird der als «Black Rod» (schwarzer Stab) bezeichneten Chefin der Wache im Oberhaus zudem die Tür zum Unterhaus vor der Nase zugeknallt, wenn sie hinübergeht, um die Abgeordneten in die obere Kammer zu rufen. Erst nach dreimaligem Klopfen erhält sie Einlass. (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die Queen: Regieren, Altern, Nachkommen

1 / 37
Die Queen: Regieren, Altern, Nachkommen
quelle: epa press association / hugo rittson thomas / royal household / handout
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Frau beschützt mit Kompanie die Queen von England

Video: srf

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

12 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12
Mann sucht im Müll nach verlorenen Bitcoin – nun sollen Roboterhunde zum Einsatz kommen
Ein Brite hat vor fast 10 Jahren eine Festplatte mit Tausenden Bitcoin weggeworfen. Jetzt will er sie mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz auf einer Mülldeponie finden.

Auf der Suche nach einem 183-Millionen-Euro-Schatz: Seit Jahren versucht der britische Entwickler James Howells eine versehentlich von ihm weggeworfene Festplatte mit 8000 Bitcoin von einer Mülldeponie in Newport in Südwales wiederzuerlangen. Bisher ohne Erfolg, weil sich die Stadt aus Umweltschutzgründen dagegen wehrt. Die will Howells nun mit einem neuen Plan überzeugen, berichtet «The Guardian» .

Zur Story