Fussball

Geht's den korrupten FIFA-Funktionären im United States Courthouse zu New York endlich an den Kragen? Bild: EPA/EPA

Die Halsabschneider – wie die ersten Prozesstage bereits den ganzen FIFA-Sumpf offenbaren

Schmiergeld in dreistelliger Millionenhöhe, ein toter Beschuldigter, ein Kronzeuge in Angst: Der Prozess um frühere FIFA-Funktionäre in New York offenbart den ganzen Sumpf der Fussball-Korruption.

18.11.17, 10:42

Peter Ahrens

Ein Artikel von

Die Geste ist eindeutig, man versteht sie auf der ganzen Welt. Wer sich mit dem Finger quer über den Hals fährt, will damit jemandem drohen, dass sein Leben auf dem Spiel stehe. Es ist die Geste eines Halsabschneiders. Manuel Burga hat diese Geste am Donnerstag gemacht, Burga ist Angeklagter im grossen New Yorker Schmiergeldprozess um illegale Zahlungen im Weltfussball, und er tat dies in Richtung des Zeugen, der ihn und seine Mitangeklagten vor Gericht schwer belastet.

Wenn es um die FIFA geht, erinnert mittlerweile vieles an einen schlechten Mafiafilm.

Juan Angel Napout (l.), Manuel Burga (m.) und Jose Maria Marin stehen in New York vor Gericht. Bild: AP/AP

Seit Dienstag sitzen im New Yorker Stadtteil Brooklyn die Paten des südamerikanischen Fussballs auf der Anklagebank. Burga, der ehemalige Fussballchef Perus, der mittlerweile 85-jährige ehemalige brasilianische Verbandsboss Jose Maria Marin und Jose Angel Napout, ehemaliger FIFA-Vizepräsident und Chef des südamerikanischen Kontinentalverbandes CONMEBOL. Einst mächtige Männer, alle drei sind den US-Ermittlern im Rahmen ihrer Fahndung in Sachen FIFA-Korruption ins Netz gegangen, und schon die ersten Prozesstage offenbaren, welch Sumpf sich dort auftut.

160 Millionen Dollar Schmiergeld

Dass es zu diesem Prozess überhaupt kommt, haben die Ermittler auch Alejandro Burzaco zu verdanken. Auch kein Kind von Traurigkeit. Er war Chef der Sportmarketingfirma Torneos y Competencias, die mit Fernsehrechten der WM-Turniere dealt. Auch der Argentinier steckte tief drin im Sumpf. Aber er hat irgendwann beschlossen: Wenn er auspackt und sich als Kronzeuge zur Verfügung stellt, dann kann er sich vielleicht am eigenen Schopf aus dem Sumpf herausziehen.

Also redete Burzaco seit 2015, und er redet jetzt auch vor Gericht. Satte 160 Millionen Dollar will er seit 2004 an Schmiergeld gezahlt haben, damit die TV-Rechte da landen, wo sie landen sollten, sagte er am Freitag. Alle an der Spitze der Verbände hätten die Hand aufgehalten, Burga, Napout, Marin, vor allem aber Julio Grondona, der Landsmann von Burzaco. Grondona war über Jahre so etwas wie die rechte Hand von Fifa-Boss Joseph Blatter, er kümmerte sich als Vizepräsident der Fifa-Exekutive passenderweise um die Finanzen des Weltverbands.

Juan Angel Napout erscheint in weiblicher Begleitung vor Gericht. Bild: AP/FR61802 AP

Grondona kann nicht mehr belangt werden, er ist 2014 gestorben. Aber andere dürfen durchaus fürchten, was Burzaco noch alles zu erzählen hat. Nicolas Leoz zum Beispiel, auch ein Big Boss früherer Zeiten, einer vom Stamme Nimm, Mitglied der berüchtigten FIFA-Exekutive, Verbandsboss in Paraguay. Der 89-Jährige hat sich bisher mit Händen und Füssen gegen eine Auslieferung in die USA gewehrt. das wird ihm nichts mehr nützen. Ein Gericht in Asunción hat am Mittwoch dem Ersuchen der US-Behörden stattgegeben.

Was Burzaco weiss und was er sagt, kann daher nicht nur dem Trio, das derzeit auf der Anklagebank sitzt, nicht gefallen. Insgesamt sind 42 frühere Fussballfunktionäre angeklagt, das Netzwerk der Schamlosigkeit, das sie betrieben, reicht weit über Südamerika hinaus, es reicht nach Trinidad, wo der Blatter-Vertraute Jack Warner Selbstbereicherung in grösstem Stil betrieb, es reicht nach Afrika, es reicht in die FIFA-Zentrale nach Zürich.

Es geht schliesslich nicht nur um TV-Rechte, auch die umstrittene Vergabe der Fussball-WM 2022 an Katar ist Gegenstand der Verhandlung. Leoz, Grondona und der frühere brasilianische FIFA-Funktionär Ricardo Teixeira sollen sich ihre Abstimmung pro Katar mit einer Millionenzahlung haben bezahlen lassen, sagt Burzaco.

Ungeklärter Todesfall in Argentinien

Einer der Beschuldigten, der Argentinier Jorge Delhon, kann nicht mehr vor Gericht erscheinen: Er hat sich, so heisst es zumindest, in dieser Woche vor den Zug geworfen. Ob es wirklich ein Suizid war, das weiss niemand. Die Vorsitzende Richterin in New York, Pamela Chen, hat jedenfalls Zweifel an der offiziellen Version angemeldet. Vielleicht sollte auch ein lästiger Zeuge unschädlich gemacht werden. Man hält mittlerweile alles für möglich.

Alejandro Burzaco packt aus. Bild: EPA

Der Prozess im Schwurgerichtssaal von Brooklyn ist über Monate angelegt, fast täglich wird verhandelt, und jeden Tag kommen neue Unappetitlichkeiten ans Tageslicht. Da ist noch kein Ende abzusehen.

Der Verteidiger von Manuel Burga hat übrigens abgestritten, dass sein Mandant die Halsabschneidergeste gemacht habe. Burga habe sich lediglich am Hals gekratzt, er leide an einer Hautkrankheit. Um Ausreden sind diese Fussballfunktionäre nie verlegen.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • CASSIO 18.11.2017 12:57
    Highlight und der wahre verbrecher richtet.
    6 6 Melden
  • ErklärBart 18.11.2017 11:41
    Highlight Und Blatter wird nirgends erwähnt, kommt als Chef ungeschoren davon.
    49 4 Melden
  • Gustav.s 18.11.2017 11:22
    Highlight Dies sind doch eigentlich gar keine UsBürger? Nicolas Leoz z. b ist in Paraguay geboren und die liefern ihn aus. Die Fifa ist Frankreich,Schweiz plus fast die ganze Welt. Ein privater Fussballverband wird in einem Land angeklagt das sich für Fussball eigentlich gar nicht interessiert. Einem Land dessen grösste Firmen Dinge tun die weitaus schlimmer sind und dafür fast keine Steuern zahlen.
    Irgendwie seltsam.
    57 38 Melden
    • FrancoL 18.11.2017 12:21
      Highlight Oder bezeichnend.
      6 2 Melden
    • pureFi 18.11.2017 12:23
      Highlight Whataboutism?
      Die Punkte sind ja alle korrekt, aber sollte man die Leute deshalb einfach machen lassen?
      17 1 Melden
    • dä dingsbums 18.11.2017 12:43
      Highlight Zum Anfang: Wenn es das Gesetz in Paraguay erlaubt eigene Bürger auszuliefern, wird er halt ausgeliefert. Who cares?

      Zur Mitte: Die Fifa geschäftet auch in den USA und Frauenfussball ist dort äusserst beliebt. Und eigentlich ist es doch egal wo dieser korrupten Truppe der Prozess gemacht wird.

      Zum Schluss: Whataboutism.
      23 3 Melden
    • Halb Wissen 18.11.2017 13:14
      Highlight Die FIFA ist in den meisten dieser Länder einfach zu mächtig um belangt zu werden. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass es für so einen Prozess enorme Ressourcen braucht.

      Man soll nicht mit dem Finger auf andere zeigen, wenn man selber nicht besser ist. (Novartis, Glencore, Nestlé, Bankgeheimniss, (FIFA)...)
      5 0 Melden
    • alessandro 18.11.2017 13:42
      Highlight Ich finde es eher beschämend, schaffen es die hiesigen Behörden nicht, dem Graus eine Ende zu machem. Aber nein, die Fifa ist hier ein nicht gewinnorientierter Verein...
      6 0 Melden
    • Ketchum 18.11.2017 21:42
      Highlight Meines Wissens geht's beim Prozess um TV-Rechte, die in den USA gehandelt worden sind. Es kommt einfach noch mehr aus, was an prozessen ja vorkommen kann. Wenn schon beschämend, dass in anderen Rechtsstaaten keine Gerichte angerufen werden
      1 0 Melden
  • N. Y. P. 18.11.2017 11:13
    Highlight N. Y. P.
    16.11.2017 11:00
    Eigenartig. Immer wenn ein Artikel mit dem Konterfei vom Sepp zum Lesen einlädt, kommen folgende Wörter zwingend im Text vor :

    FIFA
    Sepp Blatter
    Korruption
    Funktionär
    Bargeld



    👉Und es ist auch dieses Mal so..
    Und, dass diese FIFA den Hauptsitz bei uns in Zürich hat, ist auch so ein Thema.
    44 0 Melden
    • N. Y. P. 18.11.2017 14:46
      Highlight Anfrage an den AG :

      Wollt Ihr den FIFA-Hauptsitz ?
      2 0 Melden
  • Asmodeus 18.11.2017 11:12
    Highlight Und trotzdem rennen alle zur WM und glotzen Champions League
    81 6 Melden
    • Lümmel 18.11.2017 11:35
      Highlight Richtig! Aber Fussballfans scheint es nicht zu interessieren wenn sie betrogen und verarscht werden. Egal ob von Spielern mit Schwalben oder von korrupten Funktionären mit abzocke.
      51 6 Melden
    • Alathea 18.11.2017 11:57
      Highlight John Oliver hat es gut erklärt wieso ;)

      10 0 Melden
    • Selbstdenker97 18.11.2017 12:14
      Highlight @Lümmel

      Sie gehen ja wahrscheinlich auch wählen.
      2 9 Melden
    • gege 18.11.2017 12:59
      Highlight Und du bringst dein Geld nicht zur Bank, kaufst keine Handys aus Rohstoffen aus Afrika und fährst keine Fahrzeuge, die mit Benzin fahren? Könnte die Liste beliebig verlängern.
      10 9 Melden
    • Don Sinner 18.11.2017 14:33
      Highlight ... und verdrängen, dass vieles am grünen Tisch erledigt wird. Wie in vielen anderen Profisportarten.
      2 0 Melden
  • banda69 18.11.2017 10:59
    Highlight Und die SVP so. Oh ja, die tun was fürs Volk.
    115 11 Melden
    • manuel0263 18.11.2017 12:09
      Highlight Es scheint, als wolle sich Herr Köppel zu diesem journalistischen Desaster nicht mehr äussern. Aber Hauptsache, mit viel Heimatpolemik erstmal Quote machen...
      23 0 Melden
    • FrancoL 18.11.2017 12:20
      Highlight Aber bitte nicht immer gegen Blatter. Der wusste ja nichts. Er war der Chef aber die anderen haben eben nicht alles mit ihm abgesprochen. Blatter hatte wichtigeres zu tun als sich um Schmier- und Korruptionsgelder zu kümmern. Zudem als Schweizer würde er keinerlei solcher Machenschaften tolerieren, wenn man ihn davon in Kenntnis gesetzt hätte.

      *Kann Ironie enthalten*
      29 2 Melden
    • banda69 18.11.2017 13:38
      Highlight Ja der Köppel, der Vorzeigepolitiker der SVP, der schweigt. Warum bloss.
      4 0 Melden
    • FrancoL 18.11.2017 14:23
      Highlight @manuel0263; Köppel war es denn auch der vollmundig (wie könnte es anders sein) von zu schnellen Rückschlüssen, von ungenügenden Recherchen bei den Verhaftungen in Zürich sprach. Er hätte es lieber gesehen, dass man die Schweiz da nicht behelligt hätte, keine Skandale auf Zürcher Boden.
      Beschämend was für einem Journalismus Köppel anhängt, durch und durch den eigenen Interessen dienend.
      5 0 Melden
    • dmax 18.11.2017 17:07
      Highlight banda69, ich liebe Dich und deine posts!!! ;))))
      4 0 Melden
    • manuel0263 18.11.2017 20:47
      Highlight @Banda69
      @FrancoL

      Ich kann mich bestens erinnern, was für ein Aufschrei in einer gewissen politischen Ecke der Weltwoche-Leser begann...der Fussballgott wurde vorverurteilt, und er hat doch sooo viel getan für den Fussball auf dem ganzen Planeten. Ehre gebühre ihm für alle Zeiten. Und er hätte doch von all diesen Machenschaften NICHTS gewusst... Man hört inzwischen nichts mehr von all seinen glühenden Verteidigern. Herrn Köppels Blatt kann wohl nur noch durch Subventionen aus Herrliberg überleben. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Seriöser Journalismus ist das schon lange nicht mehr.
      6 0 Melden

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