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Finnland entschliesst sich zum Nato-Beitritt – «Ein neues Zeitalter beginnt»

15.05.2022, 12:2115.05.2022, 18:02
Sanna Marin
Sanna MarinBild: keystone

Die Regierung in Finnland will einen Antrag auf Beitritt zur Nato stellen. Das teilten der finnische Präsident Sauli Niinistö und Regierungschefin Sanna Marin am Sonntag in Helsinki mit. Das finnische Parlament muss dem Schritt noch zustimmen, eine Mehrheit gilt aber als sicher. Niinistö und Marin sprachen am Sonntag mehrfach von einem «historischen Tag» für das skandinavische Land. «Ein neues Zeitalter beginnt», so der Präsident.

Finnland war seit Jahrzehnten bündnisfrei und teilt sich mit Russland eine rund 1300 Kilometer lange Grenze. Lange galt ein Beitritt in die Militärallianz als undenkbar - schliesslich wollten es sich die Finnen nicht mit dem grossen Nachbarn im Osten verscherzen. Doch der Angriffskrieg Moskaus gegen die Ukraine hat bei Politikern und in der Bevölkerung zu einem Umdenken geführt.

«Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine hat sich alles verändert und ich persönlich denke, wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass es eine friedliche Zukunft geben wird neben Russland und auf uns alleine gestellt», sagte Marin. Man habe es mit einem sehr veränderten Russland zu tun als noch vor wenigen Monaten. Über mögliche russische Repressalien sagte sie: «Wir sind natürlich auf alle möglichen Aktionen von russischer Seite vorbereitet.»

Der Entscheidung gingen eine intensive gesellschaftliche Debatte und umfassende politische Beratungen voraus. Sowohl Niinistö als auch Marin hatten zuletzt für den Beitritt in die Militärallianz geworben. Erst am Samstag hatte sich auch Marins sozialdemokratische Regierungspartei SDP für den Schritt ausgesprochen. Damit gilt eine Mehrheit im Parlament für einen Nato-Beitritt als sicher. Auch die Bevölkerung befürwortet den Schritt laut jüngsten Meinungsumfragen inzwischen mehrheitlich.

Auch im ebenfalls bisher bündnisfreien Schweden hat der russische Angriffskrieg auf die Ukraine eine grosse Debatte über einen Nato-Beitritt ausgelöst. Nur wenige Stunden nach der Pressekonferenz in Helsinki verkündeten die regierenden Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Magdalena Andersson in Stockholm, einen Beitrittsantrag Schwedens ebenfalls zu unterstützen. In beiden Ländern soll nun am Montag das Parlament zusammentreten, um über die Nato-Mitgliedschaft zu debattieren.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte den geplanten Nato-Beitritt Finnlands in einem Telefonat mit Niiinistö am Samstag als Fehler bezeichnet. Von Russland gehe keine Bedrohung für das Nachbarland aus, betonte Putin nach Kremlangaben bei dem Gespräch. Finnlands Abkehr von der traditionellen Neutralität werde zu einer Verschlechterung der bislang guten nachbarschaftlichen Beziehungen führen. Direkte Drohungen habe es bei dem Gespräch aber keine gegeben, betonte Niinistö.

Finnland und Schweden sind heute bereits enge Partner der Nato, aber keine offiziellen Mitglieder. Blockiert werden könnte ihre Aufnahme in die Militärallianz theoretisch noch durch das Veto eines der Mitgliedstaaten, die einstimmig über Aufnahmen entscheiden müssen. Kritisch hatte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan geäussert, der Finnland und Schweden vorwarf, der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK sicheren Unterschlupf zu bieten.

Russischer Panzer explodiert in der Ukraine

Video: watson

Finnlands Präsident Niinistö zeigte sich am Sonntag verwundert über die Äusserungen Erdogans. Er habe erst kürzlich mit dem türkischen Staatschef telefoniert und der habe ihm die Unterstützung Ankaras bei einem Antrag auf Nato-Mitgliedschaft versichert. Er sei aber bereit zu einem weiteren Austausch mit Erdogan, um über die angesprochenen Probleme zu reden.

Auch die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hatte sich bei einem Treffen der Nato-Aussenminister in Berlin irritiert über die Äusserungen aus Ankara gezeigt. Ihrer Ansicht nach müsste jedes demokratische Land eigentlich erfreut sein, wenn Demokratien mit starken Verteidigungsfähigkeiten das gemeinsame Bündnis stärker machten. Bei dem Treffen nahmen auch die Aussenminister Schwedens und Finnlands, Pekka Haavisto und Ann Linde, als Gäste teil.

Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu bekräftigte in Berlin die Vorbehalte seines Landes, sagte aber auch, dass die Türkei immer für eine «Politik der offenen Tür» stehe. Haavisto sagte: «Ich bin mir sicher, dass wir für diese Sache eine Lösung finden werden.» (aeg/sda/dpa)

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44 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mijasma
15.05.2022 13:16registriert Oktober 2018
"Von Russland gehe keine Bedrohung für das Nachbarland aus, betonte Putin nach Kremlangaben bei dem Gespräch."

Niemand auf dieser Welt der noch bei Verstand ist glaubt Putin auch nur ein Wort.
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Liebu
15.05.2022 13:33registriert Oktober 2020
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Putin neue Mitglieder für die NATO wirbt.
Was seine Versprechen Wert sind, sieht man, dies ist auch der Grund für den Meinungsumschwung der Länder. Lieber im sicheren Hafen, als Versprechen die dann nicht eingehalten werden.
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(^_-) Pato (-_^)
15.05.2022 14:33registriert Oktober 2021
Gut gemacht Putler👍👍
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Blockade von Schweden und Finnland: Könnte die Nato Erdoğan rauswerfen?
29 Nato-Staaten sind dafür, nur die Türkei stellt sich quer: Präsident Erdoğan blockiert den Nato-Beitritt von Schweden und Finnland, um eigene politische Ziele zu erreichen. Muss das Militärbündnis sich das gefallen lassen?

Die sicherheitspolitische Lage ist kritisch:  Russland führt in der Ukraine einen blutigen Angriffskrieg und der russische Präsident Wladimir Putin greift mit seiner Invasion auch die aktuelle Weltordnung an. Es gibt also Gründe genug, warum die Nato geschlossen auf diese Bedrohungen reagieren muss. 

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