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Für Kristina Timanowskaja sind die Olympischen Spiele vorbei – unfreiwillig.
Für Kristina Timanowskaja sind die Olympischen Spiele vorbei – unfreiwillig.
Bild: keystone

Versuchtes Staats-Kidnapping? Belarussische Sprinterin in Obhut der japanischen Polizei

02.08.2021, 07:3502.08.2021, 10:17

Die belarussische Leichtathletin Kristina Timanowskaja hätte heute in den Vorläufen über 200 Meter antreten sollen. Doch dazu kam es nicht. Wie das belarussische olympische Komitees mitteilt, sei die Sprinterin von einem Arzt untersucht worden und aufgrund ihrer «emotional-psychischen Verfassung» nicht einsatzfähig.

Timanowskaja bestreitet und bezeichnet diese Darstellung als «Lüge». Sie sagt, man wolle sie von den Olympischen Spielen entfernen, weil sie belarussische Sportfunktionäre kritisiert habe. Einem Radiosender erzählt sie: «Funktionäre unserer Delegation haben mir einfach gesagt, meine Sachen zu packen und nach Hause zu fliegen.» Doch am Flughafen angekommen, setzt sich Timanowskaja zur Wehr.

Sie weigert sich, am Sonntag um 22.50 Uhr in die Turkish-Airlines-Maschine nach Istanbul zu steigen. Timanowskaja wendet sich an das Internationale Olympische Komitee: «Ich bitte das IOC um Hilfe. Auf mich wird Druck ausgeübt, sie versuchen, mich ohne meine Zustimmung aus Japan wegzubringen. Ich hoffe, dass das IOC interveniert.»

Die japanische Polizei reagiert und nimmt Timanowskaja in Schutzgewahrsam. Auch das IOC und die Organisatoren in Tokio sprechen daraufhin mit ihr. «Ich bin in Sicherheit, und es wird gerade entschieden, wo ich die Nacht verbringen werde», erklärt die Sprinterin am späten Sonntagabend über die Belarussische Sport-Solidaritäts-Stiftung (BSSF), die oppositionelle belarussische Athleten vertritt. Die BSSF spricht vom Versuch einer «gewaltsamen» Ausreise.

«Ich mache mir Sorgen um meine Sicherheit. Und ich denke, dass es im Moment in Belarus für mich unsicher ist», sagt Timanowskaja noch am selben Abend in einem Interview gegenüber «byTribuna». Die Belarussin wolle um Asyl in Europa bitten und sich dafür an die österreichische Botschaft in Tokio wenden.

Auch Tschechien ist bereit zu helfen: Aussenminister Jakub Kulhanek verkündet auf Twitter: «Wir bieten Kristina Timanowskaja ein Visum und internationalen Schutz an. Auch unsere Botschaft in Tokio ist bereit zu helfen.» Was mit der Sprinterin passiere, sei ein Skandal, erklärt Kulhanek.

«Das ist ein weiterer Beweis für die Unmenschlichkeit und Unzulänglichkeit des Regimes», sagte die gewählte, im Exil lebende belarussische Präsidentin Swetlana Tichanowskaja zur «Bild». (abu)

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