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This image released by Focus features shows Jim Carter as Mr. Carson in a scene from

Bild: AP

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«Downton Abbey» im Kino – wenn sich der Cliffhanger am Zierturm erhängt

Frage nicht, was dein Haus für dich tun kann, frage dich, was du für dein Haus tun kannst. Der Film zur Kultserie. Für alle, die Immobilien noch lieber mögen als Menschen.



OMG! Beziehungsweise «Blimey!», wie die Menschen eines Grossbritanniens, das es schon lang nicht mehr gibt, immerzu ausrufen. Der König kommt! Nach Downton Abbey! Zwei Mahlzeiten und eine Parade stehen an! Und das wird so krass viel Arbeit, dass Lady Mary (Michelle Dockery) schon wieder dreinschauen muss wie eine depressive Krähe.

Sie fragt sich: Soll sie den alten Kummerkasten von einem latent defizitären Landsitz im Jahr 1927 nicht endlich abstossen? Daraus irgendwas Sinnvolles machen? Eine Schule? Ein Spital? Doch zum Glück hat Lady Mary ihr komplett adelshöriges Personal, das weiss, was die «Downton Abbey»-Fans hören wollen: Aber Lady Mary! Was denken Sie denn! Downton Abbey ist das Zentrum unserer Welt und Sie sind soviel stärker, als Sie denken, geben Sie jetzt nicht auf! Natürlich gibt Lady Mary da nicht auf.

Willkommen in «Downton Abbey – der Film», also dem überflüssigsten, unter einer Schicht Vanillecreme verrottenden, aber zugleich befriedigendsten Kitsch, seit es die sogenannten Qualitätsserien gibt.

Eigentlich ist das Label «Film» (Regie führt Michael Engler) allerdings ein Betrug, eigentlich ist er bloss eine zweistündige Weihnachtsfolge, mit geschickt gesetzten Schnitten, in die sich bei der TV-Ausstrahlung jede Menge Werbung einsetzen lässt, wie der «Guardian» schon monierte.

Zudem ist es eine Weihnachtsfolge ohne Folgen, denn hier hängt sich jede Möglichkeit zum Cliffhanger an einem der Ziertürme der Riesenvilla auf. Jetzt wird jedes hinterletzte Problem gelöst und seien all die Deckel, die auf Töpfen zu klappern kommen, noch so schief und unwahrscheinlich.

Wow, eine effizientere Abwicklung eines ganzen Serienuniversums – «Downton Abbey» lief von 2010 bis 2015 – hat man wirklich noch nicht gesehen. Und der Spass, den man im Kino hat, ist oft unfreiwillig. Aber man hat ihn. Manchmal auch, weil er so gewollt ist. Zum Beispiel weil Gräfinwitwe Violet Crawley (Maggie Smith) wieder so ungehobelt böse rumpikst, als würde ein Akupunkteur mit einem Dutzend Nadeln in ein Nasenloch stechen. Oder weil Küchenhilfe Daisy im Reich von Köchin Mrs. Patmore wieder mal ihrem Bolschewismus freien Lauf lässt.

This image released by Focus features shows Elizabeth McGovern, from left, Harry Hadden-Paton, Laura Carmichael, Hugh Bonneville and Michael Fox, right, in a scene from

Bild: AP

Und natürlich, weil die Existenz von silbernen Brieföffnern, Stühlen, auf denen die Royals sitzen sollen, und Ballkleidern so viel wichtiger ist als die von Menschen. Aber das war «Downton Abbey», die nostalgische Studie über das so pittoresk geschichtete britische Klassensystem ja schon immer: ein Immobilien-Porno in Reinstform.

Heute könnte man auch sagen: Ein schon recht verlottertes Haus, dessen Grösse demnächst Geschichte sein wird, steht für das Grossbritannien vor dem Brexit-Exit.

All die Herrschaften, all die Bediensteten sind einzig dazu da, das Anwesen zu pflegen, zu retten, es zum Strahlen zu bringen. Die Herrschaften, indem sie durch geschickte Heiratshändel zu mehr Geld kommen, die Bediensteten, indem sie tun, was sie tun müssen. Durchlässig ist das nur einmal, als in der zweiten Staffel die aufmüpfige Lady Sybil den irischen Chauffeur Branson heiratet. Klar muss sie dafür sterben. Aber jetzt gehört Witwer Branson zur Kernfamilie der Crawleys auf Downton Abbey. Und damit auch zum strategisch einsetzbaren Heiratsmaterial. Verdammt praktisch.

This undated publicity photo provided by PBS shows, from left, Elizabeth McGovern as Lady Grantham, Hugh Bonneville as Lord Grantham, Dan Stevens as Matthew Crawley, Penelope Wilton as Isobel Crawley, Allen Leech as Tom Branson, Jim Carter as Mr. Carson, and Phyllis Logan as Mrs. Hughes, from the TV series,

Bild: PBS

Der Besuch von King George V., dem Grossvater von Queen Elizabeth, entpuppt sich nicht nur als Freude, sondern vor allem als Demütigung. Denn jetzt erleben die Crawleys, was es heisst, herumkommandiert zu werden. Und ihre Bediensteten, die so gern direkt den Royals das Bett machen oder den Wein einschenken würden, werden vom königlichen Hofstaat ausgeschaltet. Die übernehmen einfach Downton Abbey! Muss man sich mal vorstellen.

Klar, dass das Material für eine wahre Palastrevolution ist. Also Downton-Abbey-Style natürlich. Nicht aus Hass gegen die Oberen, sondern aus Liebe zu ihnen.

Insgesamt ist das alles schon recht pervers. Aber auch eins der erprobtesten, beliebtesten Unterhaltungsrezepte made in Britain. «Upstairs Downstairs» hiess die 70er-Jahre Serie über ein vornehmes Haus in London. «Gosford Park» der Film von Robert Altman über die Ober- und die Unterwelt eines Landhauses, geschrieben von Julian Fellowes, der auch das Drehbuch zu «Downton Abbey» verantwortet.

Selbst Michelle Obama outete sich wegen «Downton Abbey» als hemmungslose Nostalgie-Royalistin und liess sich jeweils vor der Erstausstrahlung die neuesten Folgen per Expresssendung ins Weisse Haus liefern. Und ja, man fliegt auch jetzt im Kino noch auf den alten Zauber, auch wenn er angesichts der britischen Realität abstruser scheint denn je. Morsezeichen aus einem alten Märchenreich. Aber wann hört man schon noch Dialoge wie diese: «Haben Sie sie bei der Parade kennen gelernt?» – «Nein, beim Tee.» Natürlich. Beim Tee.

«Downton Abbey» kommt am 19. September ins Kino.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • DanielaK 12.09.2019 09:50
    Highlight Highlight Ich finds herrlich denen zu zu schauen mit dem Gedanken: Gottseidank bin ich nicht zu der Zeit dort gewesen.😅 auch die Aufmachung: ich finds toll, solange ich nicht selber drin stecken muss. Eine meiner Lieblingsserien. Als Alltag: o weh o Graus
    • Sarkasmusdetektor 12.09.2019 20:31
      Highlight Highlight Seh ich genau so. Bei der Serie wird man bestimmt nicht zum Royalisten, sondern eher zum überzeugten Republikaner.
  • TheBase 12.09.2019 07:04
    Highlight Highlight *kreisch* 😱
  • Lümmel 11.09.2019 22:11
    Highlight Highlight Ich habe den Artikel nicht gelesen weil ich nicht weiss ob er Spoiler enthält. Weiss das jemand? 😅
    • ändu aus B (weder Bärn noch Basel) 11.09.2019 22:26
      Highlight Highlight Es hat keine. Also nichts, was man nicht schon wissen würde... 🙈 Den Trailer hast du aber schon gesehen?
    • Lioness 12.09.2019 00:25
      Highlight Highlight Ich fand man erfährt nicht mehr, als im Trailer zu sehen ist. Habe den Artikel mit viel Vorsicht gelesen.
    • Lümmel 12.09.2019 06:01
      Highlight Highlight Ja, den Trailer hab ich gesehen. Danke fürs "Test-lesen". 😄
  • Baba 11.09.2019 20:55
    Highlight Highlight Muss.ich.sehen!

    Ich oute mich als absoluten Downtown Abbey, Upstairs Downstairs, Forsythe Family, Remains of the Day und wie sie alle heissen, Fan.

    Tja, ist so, weil ist so 😉
    • Fumia Canero 11.09.2019 23:29
      Highlight Highlight Du meinst Forsyte Saga?
    • Lioness 12.09.2019 00:28
      Highlight Highlight Ich freue mich auch riesig. Habe mir die Serie im Ganzen erst letztes Jahr als DVD Komplettversion gegönnt. Am liebsten würde ich den Film zusammen mit Tee und Sandwiches im Kino sehen; in einem schönen alten Kinosaal.
    • Baba 12.09.2019 00:59
      Highlight Highlight @Fumia: Ja, natürlich Forsyte Saga. Danke fürs richtigstellen 🥰
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Du kannst alles erreichen, solange du die nötige Leistung erbringst. Die Chancen sind für alle gleich; das Einzige, was über Erfolg oder Misserfolg bestimmt, ist das Ausmass an Fleiss und Ausdauer, das du zu investieren bereit bist.

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