DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Grenier und Olofsson skoren nach Lust und Laune.
Grenier und Olofsson skoren nach Lust und Laune.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Langnau-Stars in den Playoffs zum SCB? «Nein» ist nicht das letzte Wort …

Es gibt ausnahmsweise keinen Absteiger und Langnau ist auf dem besten Weg, frühzeitig zum chancenlosen Zweitletzten zu werden. Das bedeutet: Drei der besten Ausländer der Liga kommen für die Playoffs auf den Markt. Das eröffnet aufregende Perspektiven. Vor allem für den SC Bern, der zum Meisterkandidaten nachrüsten könnte.
12.12.2021, 10:1512.12.2021, 12:23

Wechseln Jesper Olofsson und Alexandre Grenier, aktuell die Nummer 1 und 2 der Liga-Skorerliste, für die Playoffs zum SC Bern? Das ist gar nicht so verrückt wie es auf den ersten Blick tönt.

Im Hinblick auf die Playoffs (und in anderen Jahren auf den Abstiegskampf) rüsten die Sportchefs nach und lösen gegen Ende der Qualifikation ihre letzten Ausländerlizenzen ein. SCB-Untersportchef Andrew Ebbett hat nach wie vor die Möglichkeit, diese Saison zwei weitere Ausländer zu verpflichten. Statt sich nach Christian Thomas und Philip Varone mit zwei weiteren Durchschnittsspielern zu begnügen (oder, je nach Sichtweise, zu blamieren), könnte er auch von Langnau für die Playoffs zwei aus dem Trio Jesper Olofsson, Alexandre Grenier und Harri Pesonen übernehmen.

Jesper Olofsson: 23 Tore, 21 Assists.
Jesper Olofsson: 23 Tore, 21 Assists.Bild: keystone

Die Qualifikation geht bei uns am 14. März zu Ende. Bis zum 1. März, 00:00 Uhr, darf innerhalb der Liga transferiert werden. Spielplanchef Willi Vögtlin bestätigt: «Ja, das ist so.»

Für die Tigers ist die Saison nach der Regular Season wohl vorbei

Ab diesem Zeitpunkt hat Langnau noch 5 Partien zu bestreiten. Gegen Lausanne (a), die ZSC Lions (h), Ajoie (a), Davos (h) und Servette (h). Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die Emmentaler zu diesem Zeitpunkt die Pre-Playoffs nicht mehr erreichen können. Sie haben jetzt schon zwölf Verlustpunkte Rückstand auf den zehnten und letzten Pre-Playoff-Platz.

Die Situation ist deshalb brisant und interessant, weil es am Ende dieser Saison keinen Absteiger gibt. Die nach oben chancenlosen Klubs können also mit einem temporären Ausverkauf per 1. März noch etwas Geld verdienen. Wahrscheinlich werden nur Ajoie und Langnau chancenlos sein. Und von diesen beiden Teams gibt es eigentlich nur drei Spieler, die für einen Titelkandidaten eine Verstärkung sein können: Langnaus Jesper Olofsson, Alexandre Grenier und Harri Pesonen. Eigentlich verrückt: drei der besten Ausländer der Liga in einem Team, dem das Schicksal blüht, als spektakulärster Zweitletzter des Playoff-Zeitalters in die Liga-Geschichte einzugehen.

Alexandre Grenier: 12 Tore, 30 Assists.
Alexandre Grenier: 12 Tore, 30 Assists.Bild: keystone

Ebbett wiegelt ab

Die Frage nach möglichen Playoff-Verstärkungen aus Langnau bereitet Andrew Ebbett sichtlich Unbehagen. «Oje, dann hätten wir ja acht ausländische Stürmer unter Vertrag. Das wäre eine sehr schwierige Situation, die bei uns einige Diskussionen auslösen würde …»

Schwierige Situation? Eher eine aufregende Herausforderung. Der SCB hat bei Lichte besehen eigentlich nur einen ausländischen Stürmer, der den hohen Anforderungen in diesem Klub entspricht: Dominik Kahun. Eine solche Einschätzung weist Ebbett natürlich entrüstet von sich. Immerhin sagt er: «Fragen Sie mich Mitte Januar noch einmal.» Und es ist förmlich zu spüren, wie er sich denkt: Gebe Gott, dass ich um dieses Thema herumkomme. Wohl ahnend, was da für eine Polemik im Bernbiet und Unruhe bei seinem Arbeitgeber losbrechen würde.

Aber die Situation ist halt einmalig und verführerisch. Der SCB ist der einzige Grossklub, der so miserable Ausländer hat, dass die Verpflichtung von Olofsson, Grenier oder Pesonen die ganz Saison auf den Kopf stellen und retten könnte.

Harri Pesonen: 15 Tore, 19 Assists.
Harri Pesonen: 15 Tore, 19 Assists.Bild: keystone

Bern ist mit tauglichen Ausländern ein Meisterkandidat

Viele Partien haben nämlich gezeigt: Beim SCB hat der Kern der Schweizer Spieler das sportliche Missmanagement der letzten zwei Jahre unbeschadet überstanden. Einige der knappen Niederlagen etwa gegen Biel (1:2 n.P. und 3:4 n.V), Ambri (2:3), Gottéron (3:4 n.V), Lugano (2:3 n.P) oder Zug (3:4 und 1:2) hätten mit erstklassigem ausländischem Personal wahrscheinlich vermieden werden können. Und der Sieg gegen Davos (3:1) am Samstag lieferte erneut einen Hinweis, wie viel Substanz eigentlich in diesem Team steckt.

Die Frage ist deshalb weder polemisch noch boshaft: Wo wäre der SCB mit vier überdurchschnittlichen ausländischen Stürmern? Dazu eine einfache Rechnung: Jesper Olofsson und Alexandre Grenier haben mehr Tore (35) und mehr Punkte (86) produziert als alle bisher eingesetzten sechs SCB-Ausländer zusammen (31 Tore/80 Punkte). Das mag zeigen, welches Erdbeben ein Transfer von zwei Ausländern Langnaus nach Bern in den Pre-Playoffs oder Playoffs auslösen könnte. Ja, der SCB würde wahrscheinlich sogar ein Meisterkandidat.

«Könnten so etwas unseren Sponsoren und Fans nicht zumuten»

Die Frage geht natürlich an die Langnauer: Was, wenn am 1. März keine Chance mehr auf die Pre-Playoffs besteht? Was, wenn dann der SCB anklopft und für einen oder zwei der Ausländer eine schöne sechsstellige Leihsumme bietet? Würde es da nicht Sinn machen, dem Rivalen entgegenzukommen? Zumal ja im nächsten Sommer mit dem Bau des zweiten Eisfeldes begonnen wird und jeder Zustupf willkommen ist.

Keine Frage: Für eine so heikle Entscheidung mit dieser politischen und finanziellen Dimension ist nicht Sportchef Marc Eichmann, sondern der Verwaltungsrat als oberstes Führungsgremium zuständig. Das sieht auch Präsident Peter Jakob so: «Mit einem solchen Fall müsste sich der Verwaltungsrat befassen.»

Die grosse Frage an der Ilfis: Soll man dem Erzrivalen helfen für ein paar Batzen?
Die grosse Frage an der Ilfis: Soll man dem Erzrivalen helfen für ein paar Batzen?Bild: keystone

Also geht die Frage an den Präsidenten und nicht an den tüchtigen Sportchef: Ist es denkbar, im Falle eines Falles zwei ausländische Spieler am 1. März dem SCB leihweise für den Rest der Saison zu überlassen? «Mit dieser Frage haben wir uns noch nicht beschäftigt: Aber spontan sage ich es so: Wir würden ‹nein› sagen. Wir könnten so etwas unseren Sponsoren und Fans nicht zumuten.»

Alles klar? Nichts klar!

Einer seiner Verwaltungsrats-Kollegen, jener, der neben dem Vorsitzenden am meisten Einfluss hat, ergänzt: «Angenommen, Davos wäre interessiert, dann würden wir mit uns reden lassen. Schliesslich haben uns die Davoser geholfen und Robert Mayer zu vernünftigen Konditionen leihweise überlassen. Aber einer oder zwei unserer Ausländer für die Playoffs zum SCB? Nein. Auf gar keinen Fall. Da würde auch eine schöne sechsstellige Summe nicht ausreichen, um uns umzustimmen. Man würde uns einen solchen Kuhhandel noch in fünf Jahren vorhalten …»

Also Nein. Alles klar? Nein! Die Wahrscheinlichkeit, dass die SCL Tigers am 1. März keine Chance mehr auf die Pre-Playoffs haben ist sehr hoch. Und ein Ober- oder Untersportchef beim SCB, der sich im Falle eines Falles nicht intensiv um die Ausländer der Langnauer bemüht, müsste des Amtes enthoben werden. Zumal Verhandlungen einfach sind: Jesper Olofsson und Alexandre Grenier haben beide den gleichen Agenten.

Und was ist, wenn sich auf einmal Lugano, die ZSC Lions, Zug oder Biel oder gar eines der aufstiegswilligen Teams der Swiss League um die Langnau-Ausländer als Playoff-Verstärkung interessieren? Langnaus vorläufiges «Nein» ist noch lange nicht das letzte Wort in dieser Sache.

Bis zum 1. März gilt eine welsche Redewendung: On est jamais au bout des surprises!

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Alle NL-Topskorer der Qualifikation seit 2002/2003

1 / 22
Alle NL-Topskorer der Qualifikation seit 2002/2003
quelle: keystone / patrick b. kraemer
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Dinge, die wir alle tun, aber nicht darüber sprechen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

29 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
29
Andres Ambühl – Wirbel auf, nicht neben dem Eis
Gegen Kanada spielt Andres Ambühl sein 120. WM-Spiel. Wie ist dieser Weltrekord möglich geworden? Eine Spurensuche.

In Nordamerika würde er wohl als «Heidiland-Gretzky» vermarktet. Andres Ambühl ist ein echter Bergbauernbub aus dem Bündnerland. Aus dem Sertigtal bei Davos. Das dürfen wir schon als «Heidiland» bezeichnen.

Zur Story