Luftfahrt
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Flugbegleiterinnen bei Qatar Airways: Wer schwanger wird, fliegt

Die Arbeitsorganisation ILO kritisiert Qatar Airlines scharf, weil Flugbegleiterinnen bei Schwangerschaft entlassen und Frauen systematisch diskriminiert werden. Der Chef der Fluglinie tobt: «Ich gebe einen Scheiss auf die ILO.»

17.06.15, 16:36


Ein Artikel von

«Ich gebe einen Scheiss auf die ILO.» Chef Al Baker Bild: EPA/ANP

Zwischen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) und Qatar Airways geht es derzeit hoch her. Die ILO hat die arabische Fluggesellschaft zu sofortigen Änderungen im Umgang mit Flugbegleiterinnen aufgefordert. So dürfe Qatar Airways Kabinenpersonal im Falle einer Schwangerschaft nicht automatisch entlassen, auch nicht aus Gründen des Gesundheitsschutzes, erklärte ein ILO-Komitee am Dienstagabend in Genf. Das sei diskriminierend und verstosse gegen das 57 Jahre alte Diskriminierungsverbot am Arbeitsplatz.

Die Arbeitsverträge müssten deshalb entsprechend geändert werden, forderte die ILO. Schwangere Mitarbeiterinnen müssten die Möglichkeit haben, eine Auszeit zu nehmen oder an anderer Stelle im Unternehmen zu arbeiten. Dafür müsse sich auch die Regierung von Katar einsetzen. Qatar Airlines, gegründet 1993, ist die nationale Fluggesellschaft Katars und beschäftigt als Kabinenpersonal 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; vier Fünftel sind Frauen.

Bild: EDGAR SU/REUTERS

Zudem müsse der Golfstaat «unverzüglich» Massnahmen ergreifen, damit die Mitarbeiter künftig vor einer Heirat nicht mehr die Erlaubnis des Unternehmens einholen müssten, verlangte die Arbeitsorganisation. Nach eigenen Angaben hat Qatar Airways diese Vorschrift bereits aus den Arbeitsverträgen gestrichen. Darüber hinaus kritisierte die ILO Regelungen, dass weibliche Crew-Mitglieder nur von einem männlichen Familienmitglied von der Arbeit abgeholt werden dürften und das Privatleben von Mitarbeitern überwacht werde.

«Es handelt sich um einen Rachefeldzug»

Überprüft hat die ILO die Beschäftigungsbestimmungen von Qatar Airways nach Beschwerden der Internationalen Transportarbeiter-Förderation und des Internationalen Gewerkschaftsbunds. Sie erheben schon lange schwere Vorwürfe gegen die Airline, die schnell wächst und soeben von Passagieren zur beliebtesten der Welt gewählt wurde. Nach Einschätzung von Gewerkschaftern missachtet Qatar Airways Arbeitnehmerrechte und diskriminiert Frauen systematisch.

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Akbar Al Baker, Chef der Fluggesellschaft, hat auf die Kritik scharf gekontert und der ILO vorgeworfen, einen Rachefeldzug («Vendetta») zu betreiben. Damit spielt er offenbar an auf die mehrfache Kritik des Uno-Gremiums, dass Katar beim Stadionbau für die Fussball-WM 2022 internationale Wanderarbeiter ausbeute.

«Ich gebe einen Scheiss auf die ILO - ich habe eine erfolgreiche Fluggesellschaft zu führen», sagte Al Baker bei einer Flugshow in Paris. «Offensichtlich handelt es sich um eine Vendetta gegen Qatar Airways und mein Land, das auf die ILO-Anschuldigungen mit grossem Nachdruck geantwortet hat. Wir haben die Klauseln in unserem Vertrag klargestellt.»

Laut Darstellung der ILO allerdings hat die Fluggesellschaft die Entlassung schwangerer Mitarbeiterinnen damit begründet, dass es ihnen an körperlicher Fitness für Flugeinsätze fehle und sie die Anforderungen des Berufs nicht erfüllen könnten.

jol/AFP/Reuters

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    Alle Leser-Kommentare
  • Syk27 17.06.2015 18:15
    Highlight Das ist schon sehr fragwürdig und darf nicht sein.
    Aber trotzdem bin ich sehr zufrieden mit Qatar Airways Top Service und super Preise. Der neue Airport in Doha ist auch perfekt.
    Würde auch ein paar Franken mehr zahlen um den Schwangerschaftsurlaub mitzufinanzieren...
    3 12 Melden
    • LubiM 17.06.2015 18:58
      Highlight Also nicht dein Ernst? Das wäre so als würde ich sagen, ich würde auch ein paar Franken mehr zahlen für mein Tshirt wenn es den Kindern die es machen eine Schulbildung erlaubt.
      Solche Firmen mit solchen Praktiken sollte man boykottieren - zumal dies nicht mal das schlimmste ist was Qatar Airways macht...
      12 3 Melden
    • Syk27 17.06.2015 23:12
      Highlight @LubyMassy
      Dein Vergleich hinkt gewaltig. Die Frauen werden entlassen, da sie wegen der Schwangerschaft nicht arbeiten können und somit Kosten verursachen. Diese Kosten würden gedeckt durch eine Abgabe für den Schwangerschaftsurlaub. Nach diesem können sie wieder arbeiten. Somit wäre das Problem gelöst im Gegensatz zu deiner T-Shirt Geschichte. Dass eine solche Abgabe eingeführt wird, ist zugegebenermassen nicht realistisch.
      1 3 Melden
    • LubiM 18.06.2015 09:17
      Highlight Ja eben, und die Kinder nicht arbeiten während der Schulzeit, dies würde durch die Kinderabgabe kompensiert.
      3 1 Melden
    • Serepes 18.06.2015 17:59
      Highlight Ja so läss de Service gäll und alli sind immer am lächle... Wie d Baumwullpflückersklave, die händs ja au immer so schön gha - immer am liedli Singe und schön ade Sunne und de früsche Luft gsi...
      nöd din ernscht syk27 oder?
      2 1 Melden
  • amazonas queen 17.06.2015 17:41
    Highlight Glaubt irgendjemand, dass deswegen wer nicht bei denen mitfliegt? Finden jetzt alle schlimm, am Ende ist es aber doch der Preis.
    10 2 Melden
  • Baba 17.06.2015 17:39
    Highlight Fliegen die nicht alle?
    12 0 Melden
    • EvilBetty 17.06.2015 18:37
      Highlight Ich dacht auch das wäre die Aufgabe einer Flugbegleiterin...
      3 1 Melden
    • Schreiberling 17.06.2015 18:40
      Highlight *badumm tss*
      4 0 Melden
    • rstnpce 17.06.2015 23:20
      Highlight Foto
      4 0 Melden
  • mumbles 17.06.2015 17:39
    Highlight Richtig so! Eine Entschädigung an die Airline wäre ebenfalls angebracht!
    5 3 Melden
  • DarkStanley 17.06.2015 17:32
    Highlight Haha. Lustiger, zweideutiger Titel:

    "...Wer schwanger wird, fliegt."

    Wohin? 😃
    7 0 Melden

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