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Hier gehen wir bewusst mit Tieren auf Sympathiefang: Kurt Felix hat 1987 im Schweizer Fernsehen Schwein und Hund.
Hier gehen wir bewusst mit Tieren auf Sympathiefang: Kurt Felix hat 1987 im Schweizer Fernsehen Schwein und Hund.Bild: KEYSTONE

«Mini Schwiiz, mis Färnseh»: Wieso SRF unsere Gebühren wert ist (mit Tier-Tweets von TV-Promis)

Im Abstimmungskampf um die RTVG-Revision kann es die SRG und besonders SRF keinem recht machen. Dabei ist SRF super. Ein sentimentales Plädoyer für unsere liebste und nervigste Institution.
31.05.2015, 10:4618.02.2021, 17:01

Stjepan ist jetzt also ein Drogenhändler. Und Benjamin ein Neonazi. Dies ist die Mai-Bilanz von zwei Schweizer Privatfernsehsendern und ihren Kandidaten-Sendungen, von 3+ mit der «Bachelorette» und Tele Züri mit dem «SwissDinner». 3+ spielt jetzt das Theäterchen der rechtschaffenen Empörung.

Tele Züri kommentierte am letzten Samstag den letzten Auftritt von Benjamin Lingg nicht. Als Zuschauerin hätte ich es geschätzt, wenn irgendwo eine trockene Stellungnahme eingeblendet worden wäre. Oder wenn man selbstkritisch und konsequent auf die Ausstrahlung verzichtet hätte. Es wäre ein guter TV-Moment gewesen.

SRF wären Stjepan und Benjamin nicht passiert. Ein Background-Check bei SRF muss dem Vetting amerikanischer Präsidentschaftsanwärter gleichen, denn von keinem Kandidaten aus «MusicStar», «Voice of Switzerland», «Die grössten Schweizer Talente» etc. ist irgendwas über ein Vorleben, das man ihm später zum Vorwurf machen könnte, bekannt.

Denn SRF tut, was Medien tun müssen: Es arbeitet sorgfältig. Ist verlässlich. Egal ob im Radio, online oder am TV. SRF liefert die beste, weil logischerweise am besten finanzierte Ausland-Berichterstattung. Und umfassenden Inlandjournalismus. Und lebendigen Debattenjournalismus. Sendungen wie das «Echo der Zeit», die «Tagesschau», die «Arena» und «Reporter» sind Felsen im Wildwasser des Infotainments. Und seit 2002 der Slogan «Geiz ist geil» in die Welt gesetzt wurde, ist der «Kassensturz» geizgeil avant la lettre. Und hab ich schon den Zweikanalton erwähnt? Diese einzigartige Serviceleistung, dank der sich auf SRF und RTS alle eingekauften Filme und Serien (auf RTS oft 24 Stunden nach der Erstausstrahlung in Amerika) auch im Originalton schauen lassen? Göttlich!

Gut, die Sache mit dem hausgemachten Entertainment, die beherrscht SRF nicht wirklich, da kommt dem Trash, auf den wir seit der Jahrtausendwende konditioniert worden sind, die Redlichkeit des Unternehmens in die Quere. Da wird SRF behäbig, ländlich, altmödelig. Jünger sollte es unbedingt werden (vielleicht könnte SRG-Generaldirektor de Weck da mal seine vielen Kinder zu Rate ziehen?). Und urbaner. Und überraschender. Und wenn sich SRF mal dazu entschliesst, eine TV-Serie zu drehen, reden so viele Leute von oben nach unten in die kreativen Prozesse rein, dass am Ende alles aussieht wie der Aargau im Nebel. Das welsche Fernsehen macht das besser.

Aber egal: Das ganze Francine-Roman-Sven-Segment hat neben restlos allen Schweizer Altersheimen auch meinen behinderten Bruder schon so oft beglückt, dass ich nicht ernsthaft an seiner Berechtigung zweifle. Ich stell ja auch die Übertragung von Fussballspielen nicht in Frage. Ich schau halt einfach lieber Skirennen. Nur dass Roman Kilchsperger, einst der Don Draper unserer Castingshows, sich jetzt ausgerechnet bei Jass-Sendungen am wohlsten fühlt, will mir nicht in den Kopf.

Mir bietet SRF genügend andere Anker und Anchor-People. Die «Tagesschau»-Sprecherinnen und -Sprecher, die arbeiten bis zum Umfallen, sind meine liebsten und effizientesten Welterklärer unter den Journalisten, und Mona Vetsch könnte meinetwegen gerne noch viel mehr Sendungen moderieren als Sven Epiney. Ich war ein Fan von «Arena»-Moderatorin Sonja Hasler, aber Jonas Projer macht es auch hervorragend. Und manchmal wär ich einfach gerne Sandro Brotz.

Ab und zu freu ich mich sogar, Nik Hartmann zu sehen. Nicht, weil ich Dorffeste und Wandersendungen mag, aber weil Nik Hartmann ganz einfach kein unsympathischer Mensch ist. Wie man ja von Twitter weiss. Wo sowieso alle sind: Die Mona, der Mike, der Viktor, die Franziska, die Andrea, der Reeto, der Reto, der Sandro, der Sascha, die Sonja, die Sabine, der Gabriel, der Jonas, der Matthias, die Eva, die Anna, der Pascal, die Cornelia. Und dass Christian Zeugin, mit dem ich im Gymnasium Theater spielte, auf Radio SRF1 moderiert, ist nichts als richtig, er redete schon immer viel, gut und gern.

Manchmal jaulen meine Gebührengelder aber auch laut auf, wenn mal wieder etwas lustig Gemeintes im totalen Abseits des Humors gelandet ist. Aber grundsätzlich ist ihnen wohl, und ich habe den dummen Spruch «mini Schwiiz, mis Färnseh» gründlich verinnerlicht. Ich bin damit aufgewachsen, ich häng daran, es ist eine verdammte Gewohnheits-, Gefühls-, Beziehungs- und also Liebesgeschichte. Und wenn ich irgendwann mal im Pflegeheim zum Hundertsten «Paparazzi» von Lady Gaga und eine Gratulation übers Internet ausgerichtet kriege, werde ich wahrscheinlich tot umfallen vor Wonne. Ich will, dass das so bleibt. Dass Service public auch Service privé ist.

Und ja, ich konsumiere auch Online-Journalismus immer öfter via SRF. Sie machen das dort noch nicht besonders virtuos, aber besonnen und zu einhundert Prozent verlässlich. Und ich liebte die lustigen Grüsel aus «Güsel». Was liegt näher, als dass die elektronisch geborenen Medien Radio und TV mit der dritten elektronischen Kommunikations-Gewalt zusammenwachsen? Und? Fühl ich mich beim kleinen watson, das «sein Geld privat zusammenkratzen muss» (mein Chef) dadurch bedroht? Nein. Aber souverän herausgefordert.

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