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Kobra-Effekt und Uberisierung: Warum die Banken nicht mehr rentieren

Vor der Finanzkrise haben die Grossbanken mit Eigenkapitalrenditen von bis zu 30 Prozent geglänzt. Davon können sie heute nur noch träumen.



Kaum ein Tag, an dem in der Finanzpresse nicht ein Schwanengesang auf die Grossbanken angestimmt wird. Die «Masters of the Universe», wie die Banker von der Wall Street vor der Krise auch genannt wurden, müssen bös unten durch.

Fuhren beispielsweise die Musterschüler von Goldman Sachs einst Eigenkapitalrenditen von bis zu 40 Prozent ein, so müssen sie sich heute mit 7 Prozent begnügen. Der neue Klassenprimus, JP Morgan, kommt gerade mal auf 12 Prozent. UBS und CS schaffen es ebenfalls nicht mehr in den zweistelligen Bereich.

Weshalb?

Eine mögliche Erklärung ist der «Kobra-Effekt». Darunter versteht man Folgendes: Die britischen Kolonialherren in Indien waren keine Freunde der Giftschlange. Sie setzten deshalb eine Prämie für jedes getötete Tier aus. Das ungewollte Resultat bestand darin, dass Inder begannen, Kobras zu züchten. Als die Briten diesen Trick durchschauten, stellten sie die Kopfprämien wieder ein. Die frustrierten Züchter liessen daraufhin ihre Tiere frei – und es gab mehr gefährliche Giftschlagen als je zuvor.  

Mit viel IT-Power ins Verderben

Im Finanzbereich spielt der Kobra-Effekt wie folgt: Mit komplexen Anlagestrategien und viel IT-Power versuchen die Geldmanager ihr Risiko zu minimieren. Das Problem dabei: Weil alle ähnliche Strategien und Algorithmen verwenden, wird das System als ganzes nicht stabiler, sondern volatiler. Beim Versuch, das Risiko zu vermindern, wird es also erhöht.  

«Wir haben Kobras gezüchtet und lassen sie jetzt laufen. Wir sollten uns Sorgen machen. Es ist nicht mehr länger ein Kleingewerbe.»

Andrew Lo, Finanzprofessor am MIT

Zuerst waren es nur spezialisierte Hedge Funds, die mit diesen Techniken gearbeitet haben. Doch der Kobra-Effekt breitet sich allmählich aus.

Klage-Arien der Banker

Nebst dem Kobra-Effekt macht den Banken die verschärfte Regulierung nach der Finanzkrise zu schaffen. Höhere Eigenkapitalquoten und verstärkter Schutz der Bankkunden drücken auf die Gewinnmargen. Sergio Ermotti kann ganze Klage-Arien darüber singen.

epa04193273 CEO of UBS bank, Sergio Ermotti, speaks during a press conference in Zurich, Switzerland, 06 May 2014. UBS said its profit rose by 7 percent in the first quarter, citing sustainable profitability in all its divisions.  EPA/STEFFEN SCHMIDT

Schimpft gegen Überregulierung: UBS-Chef Sergio Ermotti.
Bild: EPA/KEYSTONE

Gleichzeitig macht der UBS-Chef geltend, dass die Banken zu einem gesunden Normalzustand zurückkehren würden. «Wir haben in den 90er-Jahren viele Me-too-Strategien bei den Banken erlebt. Alle wollten alles machen, auch wenn es nicht in ihrer DNA lag und sie es nicht wirklich beherrscht haben», erklärt Ermotti.

Die Uberisierung des Geldes

Ob die Banken tatsächlich zu einem Normalzustand zurückkehren, ist jedoch umstritten. Am meisten macht ihnen nämlich die Digitalisierung zu schaffen. Fintech heisst das neue Zauberwort.

Darunter versteht man Dinge wie Peer-to-Peer-Lending, Plattformen im Internet, auf denen Menschen zusammengeführt werden, die entweder Geld ausleihen oder borgen wollen. Der Zahlungsverkehr – einst eine sichere Einnahmequelle für die Banken – wandert ab zu neuen Playern wie PayPal oder ApplePay.

Kleine und zunehmend auch grössere Anleger lassen ihr Geld nicht mehr von Privatbankern, sondern von sogenannten Roboadvisern verwalten. Das «Wall Street Journal» spricht bereits von einer «Uberisierung des Geldes». Darunter versteht man die Aushebelung der Intermediäre im Finanzbereich. «Die Finanzwelt ist eine der Industrien auf diesem Planeten, die am meisten Mittelmänner hat», stellt die Wirtschaftszeitung fest. «Und genau das ist im Begriff, sich zu ändern.»

Die Roboadviser übernehmen

Die Uberisierung der Finanzbranche nimmt Fahrt auf. Im Peer-to-Peer-Lending wurden 2014 noch sieben Milliarden Dollar umgesetzt. Eine Studie von PricewagerhouseCoopers schätzt, dass diese Summe bis zum Jahr 2025 auf 150 Milliarden Dollar ansteigen wird.

Die Roboadvisers sind inzwischen über das Stadium von Spielzeugen hinausgewachsen. Für einen Bruchteil der Kosten bieten sie dem Kleinanleger den gleichen Service wie Banken und Fonds.

TrueWealth, Oliver Herren, Felix Niederer

Oliver Herren von TrueWealth.
Bild: TrueWealth

Auch in der Schweiz sind sie auf dem Vormarsch, teilweise an Orten, an denen man es nicht vermuten würde. So ist etwa die Glarner Kantonalbank ein führender Player auf diesem Gebiet. Und mit TrueWealth versucht Oliver Herren seinen Erfolg bei Digitech im Finanzgeschäft zu wiederholen.

Demokratisierung des Kapitals schreitet voran

Die Uberisierung der Finanzwelt ist kein vorübergehender Hype. «Selbstverständlich werden viele Startups implodieren, wie es die meisten tun», schreibt das «Wall Street Journal». «Trotzdem sind die Demokratisierung des Kapitals – und die Verbreitung von Analysen und Daten – ein unwiderstehlicher Trend geworden.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 12.11.2015 20:36
    Highlight Highlight Banken müssen ihre Strukturen auch dahingehend anpassen, dass sich der zukunftsträchtige Bereich vom "todgeweihten", jetzt aber noch rentablen oder deckungsbeitragbeisteuerenden Bereich, rasch trennen lässt. Die Schnellboote werden zu Wasser gelassen und der Tanker wird ins Riff gesteuert. To big to fail gilt nicht mehr, weil die Rettung wegen dem Digitalschub nicht mehr gelingt. Bänker sollten sich jetzt für die Zukunft fit machen, die mit 50-70% weniger Personal stattfindet und die Funktionsbereiche (HR, IT, usw.) ausgelagert werden.
  • dracului 12.11.2015 18:18
    Highlight Highlight Mir scheint auch, dass die Bankenwelt sich nur sehr langsam an die neuen Marktumstände anpassen kann. Zu lange wurden die Banker zur Unbeweglichkeit gemästet und den Internet-Anschluss haben sie ebenfalls längst verpasst. Ich bin überzeugt, dass der lange Kapitalatem der Banken uns irgendwann neue Business-Modelle beschert. Im Moment herrscht nur Katerstimmung im Schweinestall.
  • @cyclingsimon 12.11.2015 17:57
    Highlight Highlight der Herr war bei digitec nicht digitecH
  • LeKnut 12.11.2015 17:54
    Highlight Highlight "Für einen Bruchteil der Kosten bieten sie dem Kleinanleger den gleichen Service wie Banken und Fonds."
    Den gleichen Service? Vielleicht für einen Kleinanleger.. aber wenn Sie mehr Geld haben, dann werden Sie sehen, dass eine Bank weit mehr anbietet. Btw: Roboadvisor sind schon seit langem bei Banken im Einsatz..
    Ich sehe eine grosses Potenzial in die öffentlichen Roboadvisor wie TrueWealth.. aber mehr als Ergänzung und für kleinere Vermögen.
  • C0BR4.cH 12.11.2015 17:12
    Highlight Highlight Habe ich Kobra gelsen?! Ich hab damit nichts zu tun! Ich schwör!

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