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«Paradise Papers»: Glencore will von Korruption bei Kongo-Deal nichts wissen

06.11.2017, 15:34
Glencore-Chef Ivan Glasenberg.
Glencore-Chef Ivan Glasenberg.
Bild: KEYSTONE

Der Rohstoffkonzern Glencore hat sich von den Vorwürfen der Paradise Papers distanziert. Journalisten von ICIJ wollen in den Daten einer Anwaltskanzlei in Bermuda Belege gefunden haben, dass die Vorwürfe der Korruption, wie sie NGO seit Jahren erheben, berechtigt sind.

Für ihre Geschäfte in den Minen armer rohstoffreicher Länder steht Glencore seit der Fusion mit dem Rohstoffförderkonzern Xstrata in der Kritik von Nichtregierungsorganisationen (NGO).

Im Visier sind Korruptionsrisiken, Intransparenz, Steueroptimierungen, Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen in Sambia, Kolumbien, Tschad und anderswo. Die Recherchen vor Ort passen den Regierungen nicht immer. Bei der NGO Swissaid wurde im Sommer in Tschad ein Chauffeur inhaftiert, nachdem sie eine Studie über undurchsichtige Zahlungen Glencores veröffentlicht hatte.

Die jüngsten Anschuldigungen gegen Glencore basieren auf umfangreichen Daten der Anwaltskanzlei Appleby Global Group Services auf den Bermudas, die das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) erhielt.

Nähe zur Regierung

Glencore gilt als einer der wichtigsten Kunden der als seriös geltenden Kanzlei. Gemäss der Auswertung der Paradise Papers durch den «Tages-Anzeiger» hat Glencores Schürf-Firma Katanga im Kongo wertvolle Kupfer- und Kobalt-Minenlizenzen über einen international der Korruption verdächtigten israelischen Mittler auffällig günstig erworben.

Damit seien dem armen Land Hunderte Millionen Dollar entgangen. Glencore bestätigte am Montag, dass die Minen-Tochter Katanga den israelischen Geschäftsmann und Diamantenhändler Dan Gertler ab Mitte 2008 beauftragt habe für die Verhandlungen der Schürfrechte.

Gertler ist ein Grossinvestor in Afrika. Ihm wird Nähe zum Präsident der demokratische Republik Kongo, Joseph Kabila nachgesagt. Sein Name wird immer wieder genannt im Zusammenhang mit Korruptionsfällen.

Laut Glencore trifft es zu, dass die staatliche Minenfirma für die Lizenzen zwischen 200 und 585 Dollar verlangte. Doch Katanga habe «erfolgreich» auf der Zahlung von 140 Millionen Dollar insistiert. Diese Summe ist laut Glencore aber vereinbart worden, bevor Gertler seine Vermittlungsaufgabe übernommen habe.

Fragwürdiger Kredit

Weiter kritisch beurteilen die Paradise Papers einen erteilten 45 Millionen-Dollar Kredit der Glencore Finance in Bermuda an eine Firma von Gertler, kurz nachdem der Preis gedrückt wurde. Gemäss den Enthüllungsjournalisten erfolgte diese Zahlung genau zu dem Zeitpunkt, als Gertler Zahlungen an den Präsidenten Kongos und seinen Vize Katumba Mwanke tätigte, die später in das Visier der US-Justiz kamen.

Bild: KEYSTONE

Glencore verteidigte das Vorgehen. Der Kredit sei zu geschäftsüblichen Bedingungen gesprochen worden und mit professionellem Abstand verhandelt worden, heisst es in der Glencore-Stellungnahme.

Bei den vor eineinhalb Jahren geleakten «Panama Papers» waren die Geschäfte vermögender Personen im Fokus, die «Paradise Papers» nehmen vor allem Konzerne ins Visier. Glencore werden neben dem Kongo auch unsaubere Geschäftspraktiken in Burkina Faso und Australien vorgeworfen.

Schweizer Verantwortung

Für die NGO Public Eye, die seit Jahren auf Probleme der Schweizer Rohstoffbranche hinweist, belegen die Paradise Papers, dass Rohstoffhandel das gefährlichste Geschäft der Schweiz ist.

Die Vorwürfe zeigten die politische Mitverantwortung der Schweiz und unerträgliche Passivität der Behörden. Bereits 2012 seien die Schweizer Behörden durch NGO-Recherchen auf die zweifelhaften Geschäfte von Glencore und Gertler aufmerksam gemacht worden.

Doch der Bundesrat habe auch auf eine damalige Interpellation hin nichts unternommen. Public Eye habe 2014 eine Rohstoffaufsichtsbehörde analog zur Finanzmarktaufsicht vorgeschlagen, sagte Public-Eye-Sprecher Oliver Classen.

Dem Kongo entgingen von 2010 bis 2012 rund 1.36 Milliarden Dollar, die weit unter dem Wert an Firmen auf den Britischen Jungferninseln verkauft worden seien. Dies ergab eine Studie des Africa Progress Panel, das der frühere UNO-Generalsekretär Kofi Annan präsidiert.

Das stärkste Gegenmittel gegen die Ausbeutung ist Transparenz, wie Annan am Montag dem «Tages-Anzeiger» sagte. «Wir müssen sowohl die Unternehmen als auch die Regierungen dazu verpflichten, die Verträge publik zu machen, offenzulegen, welche Gewinne die Firmen machen und wie viel sie an Steuern zahlen.»

Credit-Suisse-Konzernchef Tidjane Thiam, der Mitglied des Africa Progress Panels ist, wollte sich am Montag nicht zu den Paradise Papers äussern, wie die CS-Medienstelle sagte. (sda)

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