DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Jonathan Pollard in einer Aufnahme von 1998: Der israelische Spion war zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Im November soll er freikommen.
Jonathan Pollard in einer Aufnahme von 1998: Der israelische Spion war zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Im November soll er freikommen.Bild: Karl DeBlaker/AP/KEYSTONE

Zufall oder nicht? USA lassen israelischen Spion nach 30 Jahren frei

29.07.2015, 00:4929.07.2015, 12:13

Nach 30 Jahren Haft in den USA kommt der israelische Spion Jonathan Pollard Ende des Jahres frei. Pollards Anwälte teilten am Dienstag mit, dass die Haftstrafe ihres Mandanten am 21. November zur Bewährung ausgesetzt werde.

Zugleich widersprachen sie Spekulationen, dass die Freilassung ein politisches Zugeständnis der USA sein könnte, um Israel wegen des Atomabkommens mit dem Iran zu besänftigen. Die Entscheidung der Bewährungskommission sei «unabhängig von anderen US-Regierungsstellen» gefallen und nicht an die «jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten» geknüpft, erklärten die Anwälte.

Rein rechtliche Angelegenheit

Auch US-Aussenminister John Kerry beteuerte vor Journalisten, dass kein aussenpolitischer Zusammenhang bestehe. «Ehrlich», sagte Kerry. Darüber habe er nicht einmal Gespräche mit Israel geführt.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu begrüsste die geplante Freilassung. «Nach jahrzehntelangen Bemühungen wird Jonathan Pollard endlich freigelassen», erklärte er. Israel warte «mit Ungeduld» auf den Tag.

Seine Justizministerin Ajelet Schaked schrieb auf ihrer Facebook-Seite: «Dreissig Jahre Leiden werden in diesem November enden.» Das «zerstörerische Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran» habe dabei keine Rolle gespielt, betonte Schaked. Es sei eine rein rechtliche Entscheidung gewesen.

Demonstration in Jerusalem für die Freilassung Pollards im März 2013: Damals gab es Gerüchte über einen Deal zwischen Israel und den USA, der zu Pollards Haftentlassung führen könnte.
Demonstration in Jerusalem für die Freilassung Pollards im März 2013: Damals gab es Gerüchte über einen Deal zwischen Israel und den USA, der zu Pollards Haftentlassung führen könnte.Bild: ABIR SULTAN/EPA/KEYSTONE

Nationalheld in Israel

Die Beziehungen zwischen den USA und Israel werden durch die Pollard-Affäre bis heute belastet. Der in den USA geborene Spion hatte bei der US-Kriegsmarine als zivil angestellter Geheimdienstanalyst Zugang zu hoch brisanten Unterlagen.

Von Mai 1984 bis zu seiner Verhaftung im November 1985 übergab er dem israelischen Geheimdienst Mossad viele tausend Dokumente mit US-Spionagematerial aus dem arabischen Raum. Im März 1987 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. In Israel, dessen Staatsbürgerschaft Pollard 1996 erhielt, geniesst er den Status eines Nationalhelden.

In diesem Gefängniskomplex in North Carolina sitzt Pollard ein: Wäre seine Strafe jetzt nicht auf Bewährung ausgesetzt worden, hätte der 60-Jährige weitere 15 Jahre in Haft verbringen sollen. 
In diesem Gefängniskomplex in North Carolina sitzt Pollard ein: Wäre seine Strafe jetzt nicht auf Bewährung ausgesetzt worden, hätte der 60-Jährige weitere 15 Jahre in Haft verbringen sollen. Bild: Getty Images North America

Der 60-jährige Pollard sitzt derzeit noch in der Haftanstalt von Butner im Bundesstaat North Carolina hinter Gittern. Die dreiköpfige Bewährungskommission hörte den Fall nach Angaben der Anwälte am 7. Juli und traf die Entscheidung über die Entlassung auf Bewährung einstimmig. 

«Wir sind dankbar und erfreut, dass unser Mandant bald freikommt», erklärten die Anwälte. Bereits im Juli 2014 hatte sich Pollard um seine vorzeitige Entlassung bemüht, damals lehnte die Kommission sein Gesuch noch ab.

Justizministerium gab Widerstand auf

Das US-Justizministerium hatte sich lange gegen die Umwandlung in eine Bewährungsstrafe gesperrt. Pollards Anwälten zufolge verzichtete das Ministerium bei der Anhörung vor der Kommission Anfang des Monats nun darauf, gegen eine Freilassung zu argumentieren. 

Die Anwälte riefen US-Präsident Barack Obama auf, ihrem Mandanten mit einer Begnadigung die sofortige Ausreise nach Israel zu ermöglichen.

Ein Sprecher des US-Justizministeriums bestätigte, dass Pollard Ende November auf Bewährung entlassen wird. Unter den Gesetzen in den USA stand ihm eine Überprüfung der lebenslangen Haft nach 30 Jahren zu. Bei einer erneuten Ablehnung durch die Bewährungskommission hätte der US-Israeli nach Angaben seiner Anwälte 15 weitere Jahre in Haft verbringen müssen. (trs/sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Puh! War das ein übles Jahr! Aber nicht nur...
Corona und kein Ende, Debakel in Afghanistan, Demokratie unter Druck: Das Jahr 2021 hat vorwiegend negative Schlagzeilen geliefert. Es gab aber Ausnahmen, etwa in der Schweiz.

Wieder neigt sich ein Jahr dem Ende entgegen. Es war keines, auf das man mit freudigem Gefühl zurückblickt. Einmal mehr bin ich im Homeoffice, während ich diese Zeilen schreibe. Dabei hofften wir zu Jahresbeginn, dass wir die Corona-Pandemie dank den Impfstoffen endlich hinter uns lassen könnten. Dann zeigte sich, dass der Optimismus voreilig war.

Zur Story