Coronavirus
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«Habe leider keine guten Nachrichten»: Die 7 wichtigsten Aussagen der Corona-PK des Bundes

Ist die Schweizer Bevölkerung zu mobil? Müssen Kinder auch Masken tragen? Und droht uns bald die Triage in den Spitälern? Experten des Bundes geben Antworten.



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Am 27. Oktober 2020 geben Experten des Bundes Medienschaffenden Auskunft über die aktuelle Corona-Situation in der Schweiz. Bild: keystone

Die Zahlen sind hoch; die Mobilität der Schweizer Bevölkerung ebenfalls. Während sich die Kapazität der Intensivbetten gemäss Experten besorgniserregend verringert, sind noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft: «Wir haben noch weitere Massnahmen in der Hinterhand», sagt Virginie Masserey. Hier geht's zum Ticker:

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Und das sind die wichtigsten Punkte der Medienkonferenz vom 27. Oktober 2020 zusammengefasst:

Es trifft wieder vermehrt ältere Menschen

Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, BAG, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation des Coronavirus, am Dienstag, 27. Oktober 2020. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Virginie Masserey spricht während einer Medienkonferenz am 27. Oktober. Bild: keystone

«Die Krankenhäuser stehen unter Druck», sagt Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG, an der Medienkonferenz. Das Contact-Tracing stehe vielerorts kurz vor der Kapazitätsgrenzen. Grund dafür ist das exponentielle Wachstum der Zahlen – nicht nur das der Infektionen, sondern auch der Hospitalisierungen und Todesfälle.

Die Kurve bei den älteren Personen steige zudem schneller an als zuvor; eine Entwicklung, die dem BAG Sorgen bereitet.

Kapazität der Intensivstationen bald erschöpft

Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrates fuer den Koordinierten Sanitaetsdienst, spricht an einem Point de Presse zur Coronavirus-Lage, am Dienstag, 20. Oktober 2020, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Andreas Stettbacher an der Point de Presse. Bild: keystone

Mit den Worten «Ich habe leider keine guten Nachrichten» beginnt Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrates für den Koordinierten Sanitätsdienst (KSD), die Situation der Schweizer Spitäler zu beschreiben.

Die Akut-Betten:

Die Intermediate-Care Stationen:

Die Intensivstationen:

In Stettbachers Worten: «Wenn es so weitergeht, wären die Akutbetten in 15 Tagen, die Intermediate-Care-Betten in 11 Tagen und die Intensivbetten in 10 Tagen vollständig belegt.» In einigen Kantonen würden bereits Wahleingriffe reduziert, vielerorts müssen die Spitäler Personal schulen oder neu rekrutieren.

Flächendeckend wäre ein Kollaps möglich, wenn die Reproduktionszahl von 1.6 nicht wieder gesenkt werden könne. Falls die Kurve nicht abflacht, kann es gemäss den Experten bereits zu einem früheren Zeitpunkt zu Triagen (wer bekommt das Intensivbett?) kommen.

Die Schweizer sind immer noch zu mobil

Martin Ackermann, Praesident National COVID-19 Science Task Force, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation des Coronavirus, am Dienstag, 27. Oktober 2020. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Martin Ackermann zeigt sich besorgt über die Schweizer Corona-Situation am 27. Oktober 2020. Bild: keystone

Es gebe noch keine Hinweise, dass sich die Ausbreitung der Epidemie in der Schweiz verzögert, sagt Martin Ackermann, Präsident National COVID-19 Science Task Force: «Wir haben keine Zeit zu verlieren». Die Task Force geht davon aus, dass bald flächendenkend einschneidende Massnahmen eingeführt werden.

«Die Menschen sind heute noch mobil (...). Wir sind weit davon weg, die Hälfte der Ansteckungen zu vermindern.»

Martin Ackermann

Die Bewegungsdaten der Schweiz hätten gezeigt, dass die Bevölkerung noch nicht auf die Situation angemessen reagiere. «Wir sind auf einem Niveau bei 75 Prozent», präzisiert Ackermann.

Im Oktober müsse die Hälfte der Infektionen verhindert werden. «Das schaffen wir nur, indem wir unsere Kontakte drastisch reduzieren», sagt Ackermann. Das Gesundheitswesen und die Menschen dürften nicht darunter leiden, dass um jeden Preis die Wirtschaft geschützt werden müsse.

Die Wirtschaft verzeichnet hohe Einbussen

Jan-Egbert Sturm, Leiter Expertengruppe Wirtschaft, National COVID-19 Science Task Force, Mitte, spricht neben Martin Ackermann, Praesident National COVID-19 Science Task Force, hinten, und Thomas Steffen, Kantonsarzt Basel-Stadt, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Kantonsaerztinnen und Kantonsaerzte, vorne, waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation des Coronavirus, am Dienstag, 27. Oktober 2020. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Jan-Egbert Sturm, Leiter Expertengruppe Wirtschaft, an der Pressekonferenz (Mitte). Bild: keystone

«Das Gesundheitssystem ist eindeutig gefährdet», sagt Jan-Egbert Sturm, Leiter Expertengruppe Wirtschaft, National COVID-19 Science Task Force. «Ohne Eingriff wird die Wirtschaft nicht normal weiterlaufen.» Massenentlassungen oder eine Konkurswelle seien aber nicht zu befürchten.

Rund 40 Milliarden Franken Einnahmen seien durch Corona verloren gegangen. Die Summe werde sich bei weiteren Schliessungen erhöhen. Deshalb müssen alternative Wege gefunden werden: Homeoffice, physische Kontakte reduzieren, Zuhause bleiben. Es könne weiterhin eingekauft werden. «Wir können uns auch weiterhin treffen – einfach virtuel», sagt Sturm.

Massnahmen zur Unterstützung:

Der Bundesrat will die Beschäftigung der Arbeitnehmenden in der Schweizer weiterhin sichern. Diese Absicherung läuft nun über die Corona-Lohnausfälle und nicht mehr über die Kurzarbeit.

Einen Anspruch auf Kurzarbeit haben Unternehmen, die ihre Arbeit wegen der Pandemie nicht oder nicht genügend ausführen können. Rückwirkend auf den 1. September seien Anfragen auf Entschädigung möglich.

Keinen Anspruch auf Kurzarbeit haben Personen in temporärer Anstellung oder befristeten Arbeitsverhältnissen. Diese können jedoch Taggelder von der Arbeitslosenversicherung beziehen.

Schweizer Mini-Lockdown in der Schwebe

Boris Zuercher, Leiter der Direktion fuer Arbeit SECO, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation des Coronavirus, am Dienstag, 27. Oktober 2020. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Boris Zürcher vom SECO sieht in einem Mini-Lockdown auch Nachteile. Bild: keystone

Ob ein Mini-Lockdown von beispielsweise zwei Wochen der Schweiz etwas nütze, sei schwierig vorherzusagen. «Wir hatten bisher keinen Mini-Lockdown. Das ist in der Theorie vielleicht gut machbar, in der Praxis aber nicht so einfach», sagt Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit, SECO

«Beim Mini-Lockdown besteht die Gefahr eines Jojo-Effekts.»

Boris Zürcher

«Es besteht die Gefahr eines Jojo-Effekts». Die grosse Hoffnung sei, dass die Schweiz einen anderen Weg gehen könnten: Durch die Reduktion der Kontakte.

«Es geht darum, die Aktivitäten zu verlangsamen und nicht sie komplett einzustellen. «Abschalten und dann wieder weitermachen ist nicht so einfach, wie es klingt.»

Die Unterstützungsleistungen stehen derweil zur Verfügung. «Bis Ende Jahr rechnen wir mit Auslagen bei der Kurzarbeit bis zu 12 Milliarden Franken», sagt Zürcher.

Schulschliessungen zurzeit kein Thema

Martin Ackermann, Praesident National COVID-19 Science Task Force, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation des Coronavirus, am Dienstag, 27. Oktober 2020. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Überdenkt die Maskenpflicht in Schulen neu: Martin Ackermann von der National Covid-19 Science Task Force. Bild: keystone

«Uns ist es ein Anliegen, die Schulen offen zu lassen. Mit entsprechenden Massnahmen ist das möglich», sagt Martin Ackermann. Der Bund wolle sowohl Schulen als auch Kindergärten offen lassen.

Die Maskenpflicht bei Kindern wird gemäss den Experten neu geprüft: «Wir haben vorgeschlagen, dass Kinder in der Schule bis 12 Jahren am Platz keine Maske tragen müssen. Diese Empfehlung würde aber kritisch neu evaluiert werden, wenn wir das müssen», sagt Ackermann.

Engpass bei den Grippe-Impfungen

«Bei der Grippeimpfungen gibt es dieses Jahr Lieferverzögerungen. Leider zieht sich somit auch die Impfsaison in die Länge», sagt Virginie Masserey.

Der Bund stehe in Kontakt mit den Herstellern. «Bei den Covid-Impfstoffen haben wir bereits zwei unterzeichnet: Einer mit Moderna und einer mit Astrazeneca. Es sind noch weitere in Besprechung» sagt Masserey.

«Die Schweiz testet sehr wenig», ergänzt Ackermann. Das Ziel sei eine Positivitätsrate von 5 Prozent. «Wir haben aber über 20 Prozent. Es ist ein Ziel, diese Zahl wieder zu senken.»

(adi)

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