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Schauspieler Liam Neeson neben Markus Lanz am 25. Januar 2014 bei «Wetten, dass..?» aus Karlsruhe.
Schauspieler Liam Neeson neben Markus Lanz am 25. Januar 2014 bei «Wetten, dass..?» aus Karlsruhe.
Bild: EPA/DPA
Lanz und «wetten, dass..?»

Mensch, Markus

Während sich Markus Lanz durch «Wetten, dass..?» manövriert, durchbricht die Petition gegen seine TV-Präsenz die Marke von 200'000 Unterstützern. Ein Kommentar.
25.01.2014, 22:2326.01.2014, 10:06

Markus Lanz hat mit seinem Talkshow-Eklat einen digitalen Shitstorm über Deutschland entfacht wie zuletzt die Aufschrei-Debatte um anzügliche Äusserungen des FDP-Politikers Rainer Brüderle.

Knapp 200'000 Befürworter votieren bei «Open Petition» für seine Demission beim ZDF, bevor dort der Moderator das absaufende Unterhaltungs-Flaggschiff «Wetten, dass..?» auf Quoten-Kurs bringen soll. 

Von der Wucht des Widerwillens übermannt hat sich Lanz zuvor via Mediendienst DWDL entschuldigt. «Mein Fehler. Daraus lerne ich, glaube aber auch, dass Meinung und Haltung in einer Sendung, die den eigenen Namen trägt, wichtig ist.» Flankenschutz kam vom Feuilleton.

Internet = undemokratisch

Adrett: der Lanz.
Adrett: der Lanz.
Bild: EPA

«Lanz vorm Scherbengericht», kritisierte Zeit Online, «mit Demokratie hat das nichts zu tun». «Abbild momentaner Launen», titele die «Süddeutsche Zeitung» und monierte, dass sich bei der Online-Petition nur eine Handvoll Menschen authentifiziert haben. Die «Welt» fragte: «Stürzt Markus Lanz über die rote Wagenknecht?».

Dabei kommt das Ungemach doch nicht von ungefähr. Lanz verkörpert den Typ des «TV-Allrounders», des «netten jungen Mannes», der keinem Zuschauer wehtut. Schon gar nicht der Schwiegermutter. Beweis gefällig? Lanz erbittet sich gleich zu Beginn von «Wetten, dass..?», uns allen noch ein frohes neues Jahr wünschen zu dürfen.

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Es ist das glatte Belehrende, das Fröhlich-Servile, was wohl viele jener Menschen aufregt, die sich so «undemokratisch» via Internet Gehör verschaffen. Er ist die «personifizierte ‹Foxnewsisierung› des Fernsehens» (Online Journalismus), den ein «Pesthauch des Konformismus» umweht (Spiegel Online, ein Medienpartner von watson).

Eine Parodie von Markus Lanz von «Switch reloaded»

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Lanz selbst versucht sich zu Beginn von «Wetten, dass..?» notgedrungen in Selbstironie und sagt, er habe sehr «gemütliche Tage» gehabt. Er sieht tatsächlich etwas mitgenommen aus und bemüht sich, nicht überschwänglich oder jovial zu sein. 

Hat Schlagseite: Kapitän Lanz
Hat Schlagseite: Kapitän Lanz
Bild: EPA/DPA

Das ZDF-Unterhaltungs-Flaggschiff nimmt um 20.15 Uhr nur mühsam Fahrt auf. Das gilt für die Show wie für den beflissenen Steuermann. Atze Schröder macht Mutti-Witze, eine Wette im Flaschendrehen, pardon, -werfen schifft ab. Ein Fussballer gesellt sich dazu, doch selbst Max Kruses Versprechen auf den WM-Titel reisst keinen von den Sitzen. 

Lanz ist bemüht, erinnert aber langsam an John Maynard: Selbst wenn er diese brennende Strafgaleere der TV-Unterhaltung ans rettende Ufer bringt, könnte es ihn seinen Job als ersten Leichtmatrosen kosten. Da kommt ein Knabe gerade recht, der Kicker an ihrer Panini-Haarfrsiur erkennt. «Kolja, denk genau nach», hilft Lanz. 

Markus Maynard auf der Andrea Doria des ZDF

«Der kleine Kolja», ruft er nach gewonnener Wette, witzelt mit Kruse und kann zur Aussenwette abgeben (irgendwas mit Österreich). Allein: Schauspieler Matthias Schweighöfer belustigt sich über den angeschlagenen Gastgeber. Und noch 90 Minuten bis Buffalo, errr, «heute-journal». Eineinhalb Stunden nach Beginn von «Wetten, dass..?» hat die Online-Petition gut 1400 Unterstützer mehr, die 200'00-Marke ist geknackt.

Und so dümpelt die Show unaufhaltsam ihrem Schicksal entgegen. Und Markus? Muss man sich nun Sorgen um ihn machen? Wohl nicht. Er selbst hat dem «Stern» im Dezember 2013 gesagt: «Wenn der Shitstorm kommt, müssen Sie in der Lage sein, gedanklich einfach mal die Spülung zu drücken.» 

Und selbst wenn er abdanken müsste: Für Moderatoren wie auch Politiker gilt ja – um es mit Stephen King zu sagen: Manchmal kommen sie wieder.

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Sie ist Rechtsanwältin. Spielt Fussball. Redet, wie man eben so redet, und nicht, wie es ein holperiges Skript vorgibt. Sie gleicht Kristen Stewart an ihrem bestgelaunten Tag. Sie ist hübsch, natürlich, sozial gewandt. Eine Traumfrau. Ihr Makel ist höchstens, dass sie Paulo Coelho liest. Aber vielleicht liest sie den auch gar nicht, sondern hat das Buch bloss in der Bibliothek ihrer Villa gefunden. Sie heisst Irina Schlauch, ist 30, kommt aus Köln und sucht dort nach der grossen Liebe, wo …

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