Eismeister Zaugg
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Langenthals Stefan Tschannen, Torschuetze zum 1:1, jubelt, im siebten Playoff-Finalspiel der National League B zwischen dem SC Langenthal und dem SC Rapperswil-Jona Lakers, am Dienstag, 4. April 2017, in der Eishalle Schoren in Langenthal. (KEYSTONE/Marcel Bieri).

Bild: KEYSTONE

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Langenthal gegen Olten – alles bloss eine Frage des Anstandes

Die Oltner können «nur» Drama. Gegen die anständigen Langenthaler waren sie chancenlos und verloren 1:4. Und es gibt eine Frage, die den grossen SC Bern betrifft.



Unter Anstand verstehen wir in diesem Zusammenhang hockeytechnisch und -taktisch gutes und richtiges Verhalten.

Wenn sich die Langenthaler in diesem Sinne gut und richtig verhalten, dann setzen sie sich mit ihrem «Designer-Hockey» klar durch. Mit einem 4:1 im eigenen Stadion haben die «Schoren Jets» die Serie gegen «Traktor Olten» ausgeglichen (2:2).

Um bei dieser Charakterisierung zu bleiben: in der Startphase mahnten die Oltner an einen Traktor, der auf der Piste einen startenden Jet einzuholen versucht. Nach 127 Sekunden führten die Langenthaler 2:0 und die Partie war vorbei. Bevor sie richtig angefangen hatte. Null Drama.

Es ist ein Spiel, wie es Trainer gerne sehen. Disziplin, Tempo und Spielorganisation triumphieren über Willen, Leidenschaft, Kraft und Improvisation. Zum ersten Mal in dieser Serie drückt das Resultat (4:1) die technisch-taktische Differenz zwischen den beiden Teams richtig aus.

Aber die Langenthaler haben nur so klar gewonnen, weil sie anständig geblieben sind. Will heissen: sie haben sich nicht provozieren lassen.

Der Faktor «Anstand» lässt sich bei den Langenthalern einfacher messen als das Fieber. Sage mir, ob Haudegen Philipp Rytz auf die Strafbank muss und ich sage dir ob Langenthal anständig bleibt und klar gewinnt. Hier die unpolemischen Fakten.

Olten gewinnt die erste Partie 2:1. Obwohl Langenthal mit 33:27 Torschüssen dominiert. Philippe Rytz kassiert einen Zweiminutenausschluss, den die Oltner zum zweiten Treffer nutzen.

ARCHIVBILD ZUM WECHSEL VON CLAUDIO CADONAU ZU DEN SCL TIGERS, AM MITTWOCH, 27. DEZEMBER 2017 - Die Langenthaler mit Torschuetze Claudio Cadonau, Mitte und Brent Kelly, rechts, und Philipp Rytz, links, jubeln nach dem 1-2   im vierten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League B zwischen den SC Rapperswil-Jona Lakers und  dem SC Langenthal  in Rapperswil am Dienstag, 28. Maerz 2017. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Philipp Rytz (links) Bild: KEYSTONE

Langenthal obsiegt in der zweiten Partie bei drückender Überlegenheit (61:28 Torschüsse) erst in der Verlängerung 4:3. Philipp Rytz sitzt 14 Strafminuten ab.

Olten wird in der dritten Partie im eigenen Stadion mit 20:33 Torschüssen dominiert, gewinnt aber dank vier Powerplay-Treffern 5:3. Philipp Rytz wird für zwei Minuten auf die Strafbank geschickt und die Oltner nützen seinen Ausschluss zum 2:0.

Nun hat Langenthal die Oltner in der vierten Partie erneut klar dominiert (42:31 Torschüsse) und erstmals auch klar gebodigt (4:1). Und siehe da: zum ersten Mal in dieser Serie kommt Philipp Rytz straffrei davon. Erstmals in dieser Serie ist Olten «böser» (6 Strafminuten) als Langenthal (4 Strafminuten).

Auf einen Blick:

Der Zusammenhang zwischen Anstand (Strafen) und Spielverlauf ist also offensichtlich.

Die entscheidende Frage: Gelingt es den Oltnern noch einmal, die Langenthaler durch Härte und Provokationen vom Spiel abzulenken und zu unanständigem Verhalten zu verleiten? Nur im Powerplay hat Leitwolf Lukas Haas genügend Auslauf. Er hat alle fünf Playoff-Treffer im Powerplay erzielt. Zwei im Viertelfinale gegen Visp und drei im Halbfinale gegen Langenthal.

Oltens Lukas Haas im vierten Playoff-Finalspiel der Eishockey Swiss League zwischen dem EHC Olten und den SC Rapperswil-Jona Lakers in der Eishalle Kleinholz in Olten am Mittwoch, 4. April 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Lukas Haas Bild: KEYSTONE

Für Olten gilt also: Playoff ist die Fortsetzung des Eishockeys mit anderen Mitteln. Die Verwandlung des Spiels in ein Drama. Und im Umkehrschluss für Langenthal: Playoff ist die Fortsetzung des Eishockeys ohne andere Mittel und die Vermeidung eines Dramas.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Rolle von Langenthals Bandengeneral Per Hanberg. Ein Coach, dem es gelingt, innerhalb von 48 Stunden das Strafentotal von 39 auf 4 Minuten zu senken, hat seine Jungs im Griff. Und er musste nicht einmal auf die Zwangsmassnahme von internen Bussen zurückgreifen. Simon Sterchi (der Bub des bekannten Radio- und TV-Mannes Christoph Sterchi) bestätigt, dass der interne Bussenkatalog nicht verschärft worden ist. Da gilt: Wenn Hanberg spricht, da gehorche schnell und murre nicht.

Oltens Verteidiger Simon Lüthi, der Ur-Langnauer, bringt es nach dem 1:4 in Langenthal berndeutsch und deutlich auf den Punkt: «Mir sy nid bi de Manne gschtange.» Was bedeutet: die Langenthaler sind den Oltenern davonlaufen. Hart einsteigen und provozieren ist nur im «Infight» möglich. Ganz im Sinne von Simon Lüthi heisst es nun für die Oltner: «Manne id Hose».

Noch nie hat Langenthal eine Playoff-Serie gegen Olten gewonnen. So hoffnungsvoll die Lage nach dem 4:1 und dem Serien-Ausgleich zum 2:2 auch scheinen mag – es braucht einen Sieg in Olten zum Vorrücken ins Finale.

Diego Schwarzenbach von Olten im ersten Playoff-Halbfinalspiel der National League B zwischen dem EHC Olten und dem HC Ajoie, am Freitag, 4. Maerz 2016, in Olten.  (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Diego Schwarzenbach Bild: KEYSTONE

Die spielerische Überlegenheit ist gerade in den Zeiten der Playoffs zerbrechlich wie Glas. Eine Störung im taktisch-spielerischen System kommt oft unverhofft. Sogar beim 4:1 fiel Langenthals spielerische Überlegenheit kurzfristig aus wie eine schlechte Natelverbindung. In der 35. Minute – es steht 2:0 – stürmen während der minimalen Zeitspanne von höchstens 20 Sekunden nacheinander Oltens Topskorer Cason Hohmann und Diego Schwarzenbach allein gegen Langenthals Philip Wüthrich. Er rettet zweimal grandios.

Womit wir bei einer der grossen Hockey-Weisheiten angelangt sind: Auch spielerisch klar überlegene Teams kommen in den Playoffs nicht ohne grossen Torhüter aus.

Ist Philip Wüthrich am Ende sogar besser als Niklas Schlegel? Diese Frage könnte uns nächste Saison noch viel Kurzweil bescheren. Nicht wahr, Alex Chatelain.

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