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vor ausverkauftem haus

Komiker Dieudonné macht den «umgekehrten Hitlergruss» auch in Nyon

An Dieudonnés erstem Auftritt in der Schweiz herrschte grosser Andrang. Bild: EPA/KEYSTONE

Der umstrittene französische Comedian Dieudonné ist in Nyon aufgetreten. Auch hier zeigte er den «quenelle»-Gruss. Und griff nach seinem Einreiseverbot die Königin von England verbal an.

04.02.14, 01:12 04.02.14, 10:46

Nach einer langen Kontroverse in Frankreich ist der französische Komiker Dieudonné am Montagabend in Nyon VD aufgetreten. Bei seinem Auftritt vollführte er eine umstrittene Geste mit seinen Armen, den «quenelle»-Gruss. Dieser erinnert an den Hitlergruss.

Bei der sogenannten «quenelle» hielt Dieudonné einen Arm gestreckt nach unten, der andere Arm war gebeugt und berührte die gegenüberliegende Schulter. Die Geste erinnert an einen umgekehrten Hitlergruss. Sie wurde auch schon von führenden Mitgliedern des rechtsextremen Front National in Frankreich gezeigt. Dieudonné bezeichnet die «quenelle» aber als systemkritische Geste. 

Ein Gast imitiert die umstrittene Geste.

Bild: EPA/KEYSTONE

Das Publikum im voll besetzten Saal applaudierte und lachte bei fast jeder Bemerkung des Komikers. Während der Vorstellung äusserte er sich kritisch gegen den französischen Präsidenten François Hollande und Innenminister Manuel Valls; auch die Medien griff er an. Das Publikum dankte Dieudonné mit einer Standing Ovation für den rund 80-minütigen Auftritt. 

Dieudonné wurde in Frankreich wegen Antisemitismus mit einem Auftrittsverbot belegt. Der französisch-kamerunische Komiker Dieudonné M'bala M'bala wich deshalb ins Ausland aus und ist noch bis Mittwoch sowie Anfang März insgesamt zehnmal in Nyon zu sehen, jeweils zweimal pro Abend. Sämtliche Vorstellungen sind seit Wochen ausverkauft.

Die Genfer Koordinationsstelle gegen Antisemitismus und Diffamierung (CICAD) stellte einen Stand vor dem Theater in Nyon auf, um gegen die «Verharmlosung des antisemitischen Diskurses» zu kämpfen. Auch die Polizei war vor Ort, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur sda beobachtete. 

Die Polizei war vor Ort. Bild: EPA/KEYSTONE

Stadtregierung warnt

Die Stadtregierug von Nyon hatte Mitte Januar bekanntgegeben, die Aufführungen nicht zu verbieten. Sie begründete dies damit, dass das Bundesgericht das Recht auf Meinungsäusserungsfreiheit einem Aufführungsverbot vorziehe. 

Trotz der Bewilligung heisse die Stadt jedoch Provokationen oder verbale Entgleisungen des Komikers nicht gut. Sie verurteile klar sämtliche rassistischen oder antisemitischen Äusserungen. Falls es zu unerlaubten Äusserungen im Sinne der Strafnorm gegen Rassendiskriminierung komme, würden diese bestraft. Die Aufführungen werden aufgenommen. Die Polizei will die Veranstaltung ebenfalls vor Ort verfolgen, machte aber keine Angaben zum Einsatz.

Und auch das Medieninteresse war gross. Ein Gast gibt dem Schweizer Fernsehen Auskunft. Bild: EPA/KEYSTONE

«An alle, die sich mit mir anlegen – auch die Königin von England»

Diese Auftrittsverbote in Frankreich waren vom obersten Verwaltungsgericht bestätigt worden. Darauf schrieb Dieudonné innert kürzester Zeit das neue Programm «Asu Zoa». Das bedeutet in der in Kamerun gesprochenen Sprache Ewondo «Das Gesicht des Elefanten».

Britische Medien hatten in der vergangenen Woche berichtet, dass Dieudonné auch in Grossbritannien auftreten und eine Medienkonferenz zur Unterstützung des umstrittenen französischen Fussballstars Nicolas Anelka geben wolle. Das Innenministerium in London verweigerte daraufhin dem umstrittenen Komiker die Einreise. 

Eine Sprecherin des Innenministeriums in London bestätigte am Montag den Entscheid. Zur Begründung hiess es, Einreiseverbote gegen Individuen würden verhängt, wenn es Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Ordnung oder der öffentlichen Sicherheit gebe. 

Dieudonné ging bei seinem Auftritt in Nyon auf diesen Entscheid ein. Er richtete sich an alle, «die sich mit Dieudonné anlegen», unter ihnen «die Königin von England». 

(sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 04.02.2014 08:53
    Highlight Was ich nicht verstehe: Weshalb musste Nyon eine Ausnahme machen, wenn ganze Staaten sich gegen ihn stellen? Hat man Angst vor dem Nein sagen? Hat man Angst, sich 'Feinde' zu schaffen? Ich finde, sobald etwas in die braune Richtung zeigt, MUSS man NEIN sagen, klar und deutlich, gleich wer es ist.
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    • juba 04.02.2014 11:16
      Highlight Die Quenelle würde auch besser "brauner Arm" heissen oder Stinke-Arm, denn die ganze Armlänge in euren Arsch will Gottesgabe Mbala Mbala stecken. So lustig...
      0 0 Melden
    • zombie1969 04.02.2014 11:44
      Highlight "quenelle"-Gruss. Dieser erinnert an den Hitlergruss"
      Wen interessiert es, dass der Hitlergruss nicht von den Nazis erfunden wurde, sondern wahrscheinlich irgendwann im 18. oder 19. Jahrhundert. Wer ihn heute benutzt, der tut dies nicht als Referenz zu seinen obskuren Anfängen.
      Selbiges gilt für die Quenelle. Angesichts der Tatsache, dass es mittlerweile eine Flut von Fotos geistiger Einzeller gibt, die "ihre" Quenelle vor allen erdenklichen Holocaustgedenkstätten und jüdischen Einrichtungen zeigen und der "Mr. Quenelle" gern mit Rechtsradikalen rumhängt sowie über Holocaustopfer und Juden witzelt, ist die Herkunft der Geste relativ egal.
      Dass Menschen, die seit 70 Jahren jede Nacht wegen Dingen schreiend aufwachen, die Dieudonné offensichtlich urkomisch findet, machen solche Feinheiten sowieso unerheblich.
      Ein wenig Einfühlungsvermögen reicht zur Urteilsbildung.
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