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A customer kneels in front of a refrigerated shelf and there is a supermarket trolley with the Migros logo, pictured on March 5, 2013, at the Migros branch in Baden, Switzerland. Migros is Switzerland's the largest retail company. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Kunde kniet vor einem Kuehlregal, im Vordergrund steht ein Einkaufswagen mit dem Migros-Logo, aufgenommen am 5. Maerz 2013 in der Migros-Filiale in Baden. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bild: Keystone

Der Enthüller

Nach Facebook-Experiment: Auch Schweizer Detailhändler gesteht Versuch mit Kunden ein

Pavel Kulicka

Satire – kein Wort ist wahr

Zürich (den). Am Wochenende wurde bekannt, dass Facebook für ein Psychologie-Experiment den Newsfeed von 310'000 Nutzern manipuliert hat. Facebook wollte in Zusammenarbeit mit einer Uni wissen, inwiefern sich die Nutzer von den nur guten oder nur schlechten Nachrichten ihrer Freunde beeinflussen liessen. Die Wogen gingen hoch und Profile wurden gelöscht. Facebook versuchte halbherzig zu beschwichtigen, aber eigentlich zeigte sich der Internetgigant unbeeindruckt. Denn die Vergangenheit hat mehrfach gezeigt, dass die Karawane weiterzieht und sich Facebook einen Monat später wieder über einen neuen Nutzerrekord freuen kann.

Auch die Schweiz hat nun einen Psychologie-Experiment-Skandal. Wie intensive Recherchen des Enthüllers aufzeigen, hat ein der Redaktion namentlich bekannter Detailhändler im Winter 2013 ebenfalls klammheimlich ein Experiment mit seinen Kunden durchgeführt. «Wir haben für zwei Wochen in ausgewählten Filialen Lebensmittel verkauft, die eigentlich bereits abgelaufen sind», gesteht der ertappte CEO Albert Ruckli. «Dabei wollten wir erforschen, ob sich die Gesundheit der Kundschaft in der Testzeit signifikant verändert. So hätten wir in Zukunft unsere alten Lebensmittel günstig, sagen wir mal, ‹entsorgen› können.»

«Junge haben uns die Cola Zero fast aus den Händen gerissen»

Um die Gesundheit der Kunden zu testen, hat der Detailhandelsriese jeweils beim Eingang der Filialen Degustationsstände mit Cola Zero aufgestellt. «Das Zeugs ist ja dermassen hässlich, dass man sich das nur mit gesundem Magen antun will», so Ruckli. Die Tests hätten gezeigt, dass ein Grossteil der Bevölkerung nicht bemerkt hat, dass die Lebensmittel abgelaufen waren. «Besonders junge Männer haben uns die Coke Zero fast aus den Händen gerissen. Denen haben die Lebensmittel offensichtlich nicht auf den Magen geschlagen», so Ruckli.

Dass dieses Experiment moralisch und ethisch verwerflich hätte sein können, war und ist man sich beim fehlbaren Detailhändler nicht bewusst. «Wir manipulieren die Gesundheit unserer Kunden regelmässig. Schliesslich verkaufen wir Zigaretten, Alkohol und diese grässlichen Reiswaffeln. All diese Produkte überlebt keiner auf die Dauer.»

Der Enthüller hat jedoch mit Kunden der getesteten Filialen gesprochen und die berichten Schreckliches. «Ich war in diesem Winter nicht krank. Aber nachdem ich vom Enthüller auf die Lebensmittel angesprochen wurde, fiel mir ein, dass mir ein paar Wochen lang mulmig zumute war, nachdem mir mein Mann in einem Restaurant in Florida eins an den Kopf gepfeffert hat. Wenn ich genauer drüber nachdenke, hängt das sicher mit den abgelaufenen Lebensmittel zusammen», so Kundin und Teilzeit-Nachdenkerin Irina B.

Der Enthüller

Hart recherchierte Fakten, fundierte Kritik und realistische Analysen? Die gibt es anderswo. Chefredaktor Buzz Orgler und sein Praktikant Pavel Kulicka decken auf, was keiner wissen will. Ob Berichte über einen Schwangerschaftstest fürs iPhone oder mit Zwiebeln verunreinigte Kebabs, die beiden gescheiterten Journalisten sind sich für keine satirische Schlagzeile zu schade. Und schneller als die Wahrheit sind sie noch dazu.

www.der-enthüller.ch
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