Russland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Putin beim Besuch der russischen Luftwaffenbasis Hmeimim in Syrien. Bild: EPA/SPUTNIK POOL

Drohnenschwarm greift russische Stützpunkte in Syrien an – was steckt dahinter?

Ferngesteuerte Flugkörper haben russische Militärstützpunkte in Syrien angegriffen. Moskau versucht, den Verdacht auf die USA und die Ukraine zu lenken. Was steckt dahinter?

13.01.18, 18:25 13.01.18, 19:15

Christina Hebel, Moskau



Ein Artikel von

Wladimir Putin gab sich kämpferisch. Gerade hatte er mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan wegen der Situation in Syrien telefoniert, nun sass er im Kreise der wichtigsten Chefredakteure Russlands in der Redaktion des Kreml-nahen Massenblatts «Komsomolskaja Prawda». «Es waren Provokateure, aber nicht die Türken. Und wir wissen, wer sie sind, wir wissen, wie viel sie wem für diese Provokation bezahlt haben», sagte Putin.

Putin, hier nicht in der Redaktion von «Komsomolskaja Prawda», sondern in seinem Kampagnen-Hauptquartier. Bild: EPA/SPUTNIK POOL

Eine Provokation nennt der russische Präsident das, was auf der russischen Luftwaffenbasis Hmeimim und dem nahe gelegenen Marinestützpunkt Tartus in Syrien passiert ist. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau waren beide Militäranlagen in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar von mit Sprengstoff bestückten Drohnen angegriffen worden. Beim Angriff auf Hmeimim sollen zehn, bei der Attacke auf Tartus drei unbemannte Flugzeuge eingesetzt worden sein.

Sieben Drohnen seien von Flugabwehrsystemen abgeschossen, sechs weitere «unter Kontrolle gebracht» worden, meldete das Ministerium in Moskau zwei Tage später. Als Startpunkt wurde den Angaben zufolge das Dorf Maouzra in der Provinz Idlib ermittelt, ein Gebiet, das von den syrischen Rebellen kontrolliert wird. Sie sollen die «hoch entwickelte Technik» geliefert bekommen haben.

In Tartus an der syrischen Küste liegt die russische Marinebasis. google maps

Von wem, sagte Putin nicht, aber das musste er auch nicht. Das Verteidigungsministerium hatte bereits einige Tage zuvor den Verdacht auf die USA gelenkt. Die Technik könne nur «von einem Land kommen, das über Hochtechnologiemöglichkeiten verfügt». Den Namen USA sprachen die Generäle nicht aus, das erledigten dafür Abgeordnete und Senatoren, die in den russischen Medien zitiert wurden. Ausserdem erwähnte das Ministerium, dass ein US-Aufklärungsflugzeug während des Angriffs über der Region geflogen sei. Das Pentagon wies jegliche Beteiligung an der Drohnenattacke zurück.

Neue Art des Drohnenangriffs

«Drohnenattacke auf Hmeimim und Tartus abgewehrt», meldete die Zeitung des Verteidigungsministeriums «Krasnaja Swesda». Das sollte nach Erfolg klingen. Doch diese Berichte können nicht die Tatsache verdecken, dass das russische Militär in Syrien in den vergangenen Wochen Ziel von Angriffen wurde. Dabei hatte Präsident Putin noch vor einem Monat den Sieg über die Aufständischen verkündet und erklärt, ein «bedeutender Teil» der Truppen werde heimkehren.

Modelle von Drohnen, die gegen die russischen Stützpunkte verwendet worden sein sollen. Bild: EPA/EPA

Nun wurden die russischen Militärs von der Attacke mit gleich zehn Drohnen in Hmeimim wohl überrascht. Der Angriff ist bemerkenswert: Es ist der erste bekannte Fall, in dem so viele Drohnen gleichzeitig ein Ziel attackierten, wie auch Nick Waters, Analyst bei der britischen Rechercheplattform «Bellingcat», in seiner Untersuchung darlegt. Der IS hatte im Irak Drohnen für Anschläge genutzt, aber nur selten mehrere gleichzeitig.

Dass gleich massenhaft Fluggeräte Hmeimim mit Sprengstoff attackierten, zeigt, dass die Angreifer eine neue Strategie verfolgen, die einiges an Planung verlange, schreibt Waters. Für die russische Armee bedeutet dies eine neue Art der Bedrohung.

Verteidigungsministerium hat mehrere Erklärungen

Wer die Angreifer waren und woher ihre Technik stammt, ist unklar. General Alexander Nowikow legte am Donnerstag eine weitere Erklärung nach: Der in Syrien gefundene Sprengstoff werde unter anderem in der Ukraine hergestellt, in der Fabrik Schostka im Nordosten von Kiew.

Die Drohnen, die das Verteidigungsministerium präsentierte, wirken wie zusammengezimmert: Bilder des Ministeriums zeigen Bauten aus Sperrholz, die mit einem Holzpropeller ausgestattet sind, der von einem kleinen Benzinmotor angetrieben wird. Der Rumpf des Flugzeuges ist mit einer grünen Tüte bespannt und wird von Klebeband zusammengehalten. Auf den Flügeln können bis zu zehn Behälter mit Sprengstoff montiert werden; dazu kommt eine GPS-Antenne, die für die Steuerung der Drohne benötigt wird.

Ein Modell von nah. Bild: EPA/EPA

Der russischen These, wonach die Angreifer Unterstützung durch einen entwickelten Staat beim Bau der Fluggeräte brauchten, widersprechen gleich mehrere Autoren. Wie die BBC Russland berichtete, können die Teile zum Bau der Fluggeräte ohne grosse Probleme im Handel gekauft werden. Adam Rawnsley und Christiaan Triebert schreiben in einem Artikel für «The Daily Beast», diese Art von Drohnen sei auf dem Schwarzmarkt erhältlich.

Schwieriger als der Bau ist allerdings das Fliegen der Drohnen. Wenn der von Russland angegebene Startpunkt stimmen sollte, flogen die unbemannten Fluggeräte rund 70 Kilometer von Hmeimim und rund 100 Kilometer von Tartus entfernt los. Diese Wegstrecke setzt einiges an Übung und Koordination voraus.

Zweiter Drohnenangriff?

Interessant ist auch die Frage, warum das Verteidigungsministerium so detailliert auf die Attacke eingeht, aber über einen ähnlichen Vorfall am 31. Dezember nur wenige Worte verliert.

Putin mit Assad im Dezember 2017 in Hmeimim. Bild: EPA/SPUTNIK POOL

Die Zeitung «Kommersant» hatte berichtet, dass bei einem Angriff auf die russische Luftwaffenbasis am Silvestertag sieben Flugzeuge zerstört worden seien, was für die Armee den grössten Verlust an Kriegsgerät seit Beginn der Militäroperation bedeuten würde. Das Verteidigungsministerium dementierte, erklärte aber, dass «bei plötzlichem Artilleriefeuer» zwei Soldaten gestorben seien. Wer geschossen habe und woher, ist nach wie vor unklar. Irek Murtasin wies in der «Nowaja Gazeta» darauf hin, es sei sehr schwierig, Granatwerfer in die Nähe des gut bewachten russischen Militärlagers zu schaffen, dessen Umgebung Unterstützer des Putin-Verbündeten Baschar al-Assad kontrollieren.

Hat es also bereits am 31. Dezember eine Drohnenattacke auf Hmeimim gegeben, die das Militär nicht abwehren konnte? Einige Soldaten, die auf der Basis stationiert waren, glauben das offenbar laut Medienberichten. Auch Analyst Waters hält dies nach Analyse der Umstände und Bilder für eine «glaubwürdige Möglichkeit».

Das russische Verteidigungsministerium reagierte auf seine Weise und meldete am Freitag, man habe die verantwortlichen «Terroristen» getötet und deren Lager mit Drohnen in der Region Idlib zerstört.

Putin kann auch Piano spielen. Also er versucht es zumindest

Video: watson

Das könnte dich auch interessieren:

«Who is America?» – 7 Fakten über die neue Skandal-Show von Sacha Baron Cohen

Warum das chinesische Modell über den Westen siegen wird

Die 10 wichtigsten Fragen und Antworten zur WM 2022 in Katar

Hat die Queen gerade Trump getrollt? Diese Bloggerin ist davon absolut überzeugt

Ein kleiner Vorgeschmack, was uns bei der nächsten WM erwartet

So gross müsste ein Gebäude sein, um die gesamte (!) Menschheit zu beherbergen

Nach diesen 5 Dokus wirst auch du deine Ernährung hinterfragen

Wie mich Sekten mundtot machen wollten – und was ich daraus gelernt habe

«Nur no ä halbs Minipic»: Lara Stoll steckt für 127 Stunden mit dem Finger im Abfluss fest

Erkennst du alle Filme an nur einem Bild? Wer weniger als 7 hat, muss GZSZ* gucken!

8 Dinge, die purer Horror sind, wenn sie morgens vor deinem ersten Kaffee passieren

Bei welchen Fluglinien hast du gratis oder günstig WLAN? Der Preisvergleich zeigt's

Das sind die Tops und Flops der WM

Dritter Platz für ETH Lausanne

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Radiochopf 14.01.2018 07:59
    Highlight Die Medien hier haben diesen Angriff weitgehen ignoriert.. dabei war es das 1. Mal das Terroristen mit selber gebastelten Drohnen einen Angriff ausgeführt haben... wäre ein solcher Angriff auf eine der 100e US-Militärbasen passiert wäre die Hölle los.. dann würde geschrieben, das so etwas auch in New York, London oder Paris passieren könnte.. einfsch wiedermal sehr einseitig, aber das ist man sich ja vom Spiegel mittlerweile gewöhnt...
    9 4 Melden
  • Posersalami 13.01.2018 21:51
    Highlight „Nun wurden die russischen Militärs von der Attacke mit gleich zehn Drohnen in Hmeimim wohl überrascht“

    Nein, die Flugabwehr hat die Drohnen vom Himmel geballert. Wären sie überrascht worden hätte sicher ein Teil der Drohnen sein Ziel erreicht.
    18 17 Melden
  • äti 13.01.2018 21:37
    Highlight «Es waren Provokateure, aber nicht die Türken. Und wir wissen, wer sie sind, wir wissen, wie viel sie wem für diese Provokation bezahlt haben», sagte Putin.

    Somit ist dieses Thema für immer erledigt. Egal wer, was, wann noch nebenbei und überflüssigerweise vermutet.
    22 9 Melden
  • Hr. Döpfel 13.01.2018 20:16
    Highlight Die Russen haben wohl bei Amazon Sprengstoff bestellt, der mit Drohnen ausgeliefert wurde.
    39 14 Melden
    • Radiochopf 14.01.2018 07:55
      Highlight Nicht lustig und anscheinend hast du auch nicht die Tragweite dieses Angriffs verstanden.. braucht wojl zuerst einen terroristischen Drohnenangriff in den USA.. wenn du dann diesen dummen Amazon-Spruch bringst wirst du sicher zensiert oder 100e mal geblitzt....
      8 6 Melden

In diesen 7 Momenten stand die Welt vor dem Dritten Weltkrieg

«Mögest du in interessanten Zeiten leben», so lautet angeblich eine chinesische Verwünschung. Unsere Zeiten sind «interessant» wie lange nicht mehr – jedenfalls, wenn wir an den aktuellen Stand der Weltpolitik denken. Noch nie war die Gefahr so gross, dass es im schon seit 2011 andauernden syrischen Bürgerkrieg zu einer direkten militärischen Konfrontation der Grossmächte kommt. US-Präsident Trump tweetete, die Beziehungen der USA zu Russland seien schlechter denn je, den Kalten …

Artikel lesen