Interview
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Interview

«Wir müssen einen Draht zur CVP finden»

Das programmatische Interview mit Balthasar Glättli, bald neuer Präsident der Grünen, zur SP, zum Staat und zur Klima-Revolution.

Othmar von Matt / Schweiz am wochenende



Nationalrat Balthasar Glaettli spricht an der Delegiertenversammlung der Gruene, aufgenommen am Samstag, 25. Januar 2020 in Frauenfeld. (KEYSTONE/Ennio Leanza).

«Jetzt ist die Schwester erwachsen geworden»: Balthasar Glättli, künftiger Grünen-Präsident. Bild: KEYSTONE

Balthasar Glättli, der am 20. Juni neuer Präsident der Grünen werden soll, hat sich viel Zeit reserviert für das erste programmatische Interview. Es findet per Jitsi statt, eine Open-SourceSoftware für Videokonferenzen.

Es ist mutig, dass Sie das Präsidium der Grünen übernehmen wollen. Nach dem Erdrutschsieg bei den Wahlen 2019 können Sie ja nur verlieren.
Balthasar Glättli: Wäre es einfach, wäre es ja nicht spannend. Es ist eine Supermotivation für mich, auf diesem historisch einmaligen Erfolg aufzubauen.

Wie wollen Sie das Niveau halten – oder gar steigern?
Wir wurden stark von unten, aus den Sektionen und Kantonen heraus. Dort möchte ich weiterfahren. Es gibt noch immer Kantone, in denen wir Potenzial haben: Ich denke an Graubünden, aber auch die Inner- und Zentralschweiz.

Und die Ostschweiz?
Der Aufbau ist dort fortgeschritten. Mit Franziska Ryser haben wir im Kanton St.Gallen eine Nationalrätin, die als junge Frau für eine neue Generation steht. Gleichzeitig ist sie im Gewerbe verankert.

Wollen Sie Sektionen gründen?
Eine Herausforderung nach dem starken Wachstum besteht für uns darin, dass die vielen neuen Mitglieder sich auch einbringen können. Sei dies in neuen Ortssektionen oder in die inhaltliche Arbeit. Wir wollen zur Mitmachpartei werden.

Und wie?
Wir haben zum Beispiel eine Chatplattform eingerichtet. Das belebt die Sektionen und stärkt den Austausch zwischen ihnen.

Wollen Sie die Grünen als Partei positionieren, die möglichst schnell in die Regierung will?
Parteien müssen heute Bewegungscharakter haben, um relevant zu sein. Für uns bedeutet das: zurück zu den Wurzeln. Wir Grüne sind entstanden, weil wir die etablierte Politik als verknöchert empfanden. Doch wir sind auch bereit, Verantwortung zu übernehmen. Wären wir im Bundesrat, könnten wir das Jahrhundertthema Nummer eins dort stärker verankern: den Klimaschutz.

Brauchen die Grünen nicht eine gewisse Radikalität?
Radikalität beginnt damit, dass man deutsch und deutlich formuliert, was es bedeutet, die Klimakrise einigermassen beherrschbar zu machen: Wir müssen vollkommen aussteigen aus allen fossilen Brennstoffen. Zwar hat sich die Schweiz mit dem Pariser Abkommen dazu verpflichtet – bis 2050.

Aber?
Es fehlt an Verbindlichkeit und Tempo. Wie bei der Coronakrise müssen wir beim Klima die Kurve glätten und möglichst schnell den Ausstoss von CO2 senken. Und wir müssen die Wirtschaft umbauen. Wir stehen vor einer tief greifenden Transformation.

Wie wollen Sie diese gestalten?
CO2 muss seinen Preis haben. Darum ist es umso wichtiger, den Menschen und den wirtschaftlichen Akteuren zu helfen, den Umbau finanziell zu bewältigen. Es fragt sich, wo der Staat mithelfen kann. Es braucht Lösungen, wie sie der grüne Baudirektor Martin Neukom präsentierte: Der Kanton Zürich unterstützt Wärmepumpen finanziell, wenn jemand seine Heizung ersetzt.

Nur: Droht nach der Coronakrise nicht eine Rezession?
Diese Krise könnte tatsächlich rezessionsartige Züge über längere Zeit annehmen. Deshalb ist ganz entscheidend, wie wir sie ausfinanzieren. Wir dürfen auf keinen Fall mit 10 bis 15 Jahren Austerität, also knallharter Sparpolitik, antworten.

Welchen Weg schlagen Sie vor?
Die Sonderaufwendungen dürfen nicht in die normale Rechnung einfliessen. Wir müssen andere Finanzierungsmöglichkeiten finden. Ein Teil der einmaligen Corona-Kosten soll über zusätzliche Gewinnausschüttungen der Nationalbank finanziert werden. Die Gewinnausschüttungsreserven betragen 84 Milliarden. Weil der Bund sogar Zinsen erhält, wenn er sich stärker verschuldet, wäre auch das keine Sünde!

Wie wollen Sie den Green Deal zahlen, den die Grünen fordern?
Mit der Flugticketabgabe im CO2-Gesetz entsteht ein grosser Klimafonds, über den man Innovationen in der Wirtschaft fördern kann. Doch es gibt ein weiteres Problem.

Welches?
Wie finanzieren wir das ordentliche Budget? Die Steuereinnahmen werden sinken. Um ein allgemeines Sparprogramm zu verhindern, schlug Kollegin Regula Rytz eine auf fünf Jahre befristete Sonderabgabe vor von Unternehmen, die in der Krise Gewinn machen.

Sie sollen am 20. Juni gewählt werden. Bei den Grünen haben Sie einen Nachteil: Sie sind ein Mann.
Das will ich nicht ändern (lacht). Gleichberechtigung heisst aber, dass beide Geschlechter gleichgestellt sind. Die Grünen wurden in mehr Jahren von Präsidentinnen geleitet als von Präsidenten. Und das Engagement für die Gleichstellung bleibt zentral.

Was tun Sie für die Gleichstellung?
Gleichstellung krankt ja nicht an den Frauen, sondern an den Männern. Wir müssen bei der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie zu einer neuen Normalität kommen: Mann und Frau sollten beide 60 bis 80 Prozent arbeiten. Zudem braucht die Gleichstellung klare Rahmenbedingungen. Damit meine ich nicht irgendwelche Reportings. Sondern reale Lohngleichheit!

Ein starker Staat spielt für Sie also eine zentrale Rolle. Sei es beim Klima, sei es bei der Gleichstellung.
Nicht unbedingt. Der Staat darf nicht wohlmeinender Diktator sein. Der Staat ist der Rahmen für unsere direkte Demokratie, für die Partizipation. Wir brauchen eine starke Gemeinschaft von Bürgerinnen und Bürgern – Citoyens. Sie gestalten die Zukunft. Ich habe ein Problem damit, wenn man den «Staat» als etwas Fremdes anschaut. Dann denke ich an eine Politikerkaste, die meine Freiheiten beschränkt oder mir etwas aufoktroyiert. Ich will aber eine Demokratisierung der Entscheide.

Sind Sie als Grüner Gurke, also grün durch und durch? Oder Wassermelone – aussen grün, innen rot?
Melone! Auch ein wenig Zuckermelone. Also aussen grün und innen orange. Wir müssen zur CVP und auch zu potenziellen CVP-Wählern einen Draht finden. Über das wertkonservative Element können wir Grünen das schaffen. Letztlich geht es uns um die modernen Werte der Aufklärung wie Freiheit, Gleichheit, Solidarität – und um die Sorge um unsere Lebensgrundlagen.

Die CVP ist als Verbündete wichtig?
Die SP wird weiterhin unser engster Verbündeter sein, wenn es um den ökologischen und sozialen Umbau der Gesellschaft geht. Beim ökologischen Umbau ist es auch die GLP. Wir müssen die Hände aber darüber hinaus ausstrecken. Und ich hoffe, dass die grüne Beere der BDP bald auch das Birchermüesli der CVP beeinflusst. Spass beiseite. Wir Grünen hatten zwar einen Erdrutsch-Sieg. Aber wir bilden mit SP und je nach Thema auch der GLP weiterhin eine massive Minderheit.

Rücken die Grünen in die Mitte – und die SP nach links?
Nein. Wir sind zwar keine Partei, die durch 130 Jahre Geschichte mit verschiedenen Formeln des Sozialismus geprägt ist. Aber wir tragen als Linke Solidarität und Grundrechte im Herzen. Als man sich zu fragen begann, wo es im Notrechts-Regime am meisten harze, war die Reaktion der SP: Bei der parlamentarischen Demokratie. Meine allererste Reaktion war: Wie stellt man sicher, dass die Grundrechte in einer Vollmacht-Situation erhalten bleiben?

Die Grünen emanzipieren sich von ihrer grossen Schwester SP?
Neben dem Mehrheitsprinzip braucht es den Schutz der Minderheit. Das ist vielleicht das Erbe einer Schwester, die lange die kleine Schwester war (lacht). Im Ernst: Jetzt ist die Schwester erwachsen worden. Da gibt es manchmal Konkurrenz. Das belebt das Geschäft.

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dani S 03.06.2020 10:37
    Highlight Highlight (Zitat): "CO2 muss seinen Preis haben. Darum ist es umso wichtiger, den Menschen und den wirtschaftlichen Akteuren zu helfen, den Umbau finanziell zu bewältigen. Es fragt sich, wo der Staat mithelfen kann. Es braucht Lösungen, wie sie der grüne Baudirektor Martin Neukom präsentierte: Der Kanton Zürich unterstützt Wärmepumpen finanziell, wenn jemand seine Heizung ersetzt."
    Nach den bisherigen Fischzügen der Grünen in den Brieftaschen der auf das Auto angewiesenen Schweiz mit über Zuschläge und Abgaben sind das Worte, die Hoffnung machen. Ich bin vorsichtig optimistisch, bleibe aber skeptisch.
  • Schneider Alex 02.06.2020 05:18
    Highlight Highlight Grüne sind wegen ihrer Haltung zur Zuwanderung unglaubwürdig!

    Dass die Grünen die masslose Zuwanderung nicht beschränken wollen, macht sie für viele ehemalige Grüne-Wähler*innen unglaubwürdig.
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 02.06.2020 14:31
      Highlight Highlight Warum soll die SP in Grün die Zuwanderung beschränken? Die internationalen Sozialisten hatten damit noch nie ein Problem.
  • Das Auge des Argus 01.06.2020 23:28
    Highlight Highlight "Draht zur CVP" ... Dazu würde Martialo-Blocher wohl sagen: "You dreamer, you"! Denn wie soll das gehen, bei DER Fraktionschefin, die eine lupenreine Vertreterin des bürgerlichen Grosskapitals und der Versicherungslobby ist?
    • Dani S 03.06.2020 10:39
      Highlight Highlight ..."Martialo-Blocher"... der war gut!

  • lilie 01.06.2020 22:44
    Highlight Highlight Ich bin grosser Fan von Balthasar Glättli. Ich mag seine Aufrichtigkeit, seine klaren Worte, sein Engagement. Die politischen Kleinkriege und Grabenkämpfe scheinen ihm nichts anzuhaben, und er blieb sich stets treu.

    Von dem her freue ich mich auf seine Präsidentschaft der Grünen und seine unermüdliche Arbeit für eine bessere Zukunft! 👍
  • RicoH 01.06.2020 22:08
    Highlight Highlight "Wir müssen zur CVP und auch zu potenziellen CVP-Wählern einen Draht finden"

    Nein!

    Programm der Grünen sollte eine ökologisch verträgliche Politik sein. Das ist das Alleinstellungsmerkmal und darauf sollten sie ihre ganze Energie einsetzen.

    Mit CVP: da frage ich mich doch ernsthaft, ob diese Partei wirklich "Grün" oder bloss auf Stimmenfang ist. Entweder Grün oder CVP. Beides geht nicht.
    • rodolofo 02.06.2020 06:47
      Highlight Highlight Glättli sieht eine Verständigungs-Brücke beim "Wertkonservativen".
      Die Grünen sind sozusagen AUCH konservativ, indem sie eine intakte Biodiversität erhalten-, Natur-Reservate schützen-, kleine und mittlere, mittelständische Betriebe in der Landwirtschaft und im Gewerbe staatlich stützen und fördern-, sowie dezentrale, regionale Teil-Autarkien bei der Grundversorgung mit Gütern, Dienstleistungen und Energie ebenfalls stützen und fördern wollen.
      Im Gegensatz zur SVP tun sie das aber mit qualitativen- und nicht aus nationalistischen Motiven!
      "Unheilige Allianzen" sind in diesem Sinne möglich.
    • RicoH 02.06.2020 09:41
      Highlight Highlight Die CVP zur Wirtschaft:
      "Wir sind an einem Punkt angelangt, an welchem viele zuerst an sich und nicht an unser Land denken. Die politische Linke will uns wirtschaftsfeindliche Massnahmen aufhalsen."

      Ohne die politische Linke gäbe es die sozialen Errungenschaften nicht, auf die wir heute stolz sind und einen Zusammenhalt der Bevölkerung garantiert. Man kann das wirtschaftsfeindlich ansehen, oder als Massnahme zur Reduzierung der Armut.
      Dasselbe gilt für ökologisch nachhaltige (Grüne) Regulationen der Wirtschaft – für eine gesunde, prosperierende Schweizer Wirtschaft.
  • crik 01.06.2020 20:34
    Highlight Highlight Durchaus interessant. Allerdings sehe ich wenig vom "programmatische Interview". Viel zur Organisation innerhalb der Partei und Zusammenarbeit mit anderen Parteien, kaum Fragen zu politischen Programmen.
  • Corrado 01.06.2020 20:22
    Highlight Highlight Ich finde es richtig und wichtig, dass die grüne Politik ernst genommen wird und ihren Platz findet.
    Nur hat mir noch niemand von den Grünen helfen können mit wirklich gescheiten Argumenten bei einer Frage:
    Weshalb akzeptieren die Klimaschützer es, dass Tausende Menschen ihrer Existenzgrundlage beraubt werden, heisst umsiedeln müssen - nach Generationen, weil sie absolut kein Wasser mehr haben wegen dem extremen Lithiumabbau (Chile, Bolivien) - und wir sind dann die Guten, weil wir Elektroautos etc verwenden. Ich lebe hier, sehe es - warum seid ihr die "Guten" zulasten der Einheimischen hier??
    • Derdada 02.06.2020 11:47
      Highlight Highlight Ist das nicht bei jeder Resource so? Leider.
      Das Problem ist eher unser Konsumverhalten und den Komfortstandard, den wir nicht aufgeben wollen.
      Ich sehe dein Problem und es ist wichtig sich dies bewusst zu sein.

      Ein aktuelles lokales Problem, gegenüber ein zukünftiges globales.
      Die Frage ist hier: Welcher Weg ist problematischer?

      Kein Weg wird einfach.
      Wir haben schon Mühe einen Weg zu finden, der alle Menschen respektiert und jetzt müssen wir noch die Umwelt in unseren Rechnung miteinbeziehen. Es wird schwierig. Es ist aber nötig.

      Wir haben die Ressourcen. Seien wir ein Beispiel!
  • Froggr 01.06.2020 19:55
    Highlight Highlight Mit Balthasar Glättli können alle Grünen-Gegner sehr zufrieden sein. Ich freue mich auf jeden Fall. Aber hey er ist ja selbständig ;-)
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 01.06.2020 18:03
    Highlight Highlight Gutes Interview mit, man glaubt es kaum, Nachfragen.
    Die Dynamik zwischen SP und Grünen wird in den nächsten Jahren sehr spannend sein, ist man ja zugleich Verbündete, aber auch Konkurenz.
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 02.06.2020 14:34
      Highlight Highlight In der Vergangenheit praktisch keine Unterschiede bei Abstimmungen.
  • rodolofo 01.06.2020 15:11
    Highlight Highlight Interessantes Interview mit einem vielversprechenden Parteipräsidenten!
    Die Transformation der Gesellschaft mit der Energiewende und mit immer mehr Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Lebens und Wirtschaftens braucht als wichtige Grundvoraussetzung neben Wissen und Technologien eine Transformation im Denken:
    Weg vom polarisierenden Gut-Böse-Denken der "Kriegsgesellschaft" und hin zu vernetztem und NICHT moralisierendem und NICHT missionierendem Denken der "Friedensgesellschaft"!
    Und damit werden auch die nötigen Mittel frei, die jetzt noch destruktiv im Militär-Etat verböllert werden...
    • Telomerase 01.06.2020 19:48
      Highlight Highlight Da unterscheiden sich unsere Wahrnehmungen sehr stark: für mich sind die Grünen einer der krassesten Schwarz-Weiss-Parteien der Schweiz, die alles in moralisch gut oder falsch unterteilen will. Da kommt am ehesten noch die SVP mit.
    • rodolofo 02.06.2020 06:37
      Highlight Highlight Oh, gemessen an der Anzahl Blitzen sind wir anscheinend noch nicht so weit...
      Aber der Klimawandel mit seinen Folgen wird uns schon Beine machen!
      Unbequem, ich weiss.
      Aber so ist es nun mal...

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