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Bitnik, Hacker

Die Kunstgruppe Bitnik hackte Überwachungskameras, um mit den Sicherheitsleuten Schach zu spielen.  Bild: Bitnik

Ein Paket für Julian Assange

«Unsere Anwältin meinte nur: Macht es!» 

Die Künstlergruppe Bitnik erklärt uns, wie sie aus dem Wikileaks-Gründer einen Pöstler machte und warum ihre Leinwand das Internet ist.



Was ist die !Mediengruppe Bitnik? 
Wir sind eine Kunstgruppe aus vier Personen. Seit zehn Jahren befassen wir uns sehr stark mit dem Netz. Wir sehen nicht Malerei oder Bilder, sondern das Internet als unser Medium. Dabei rückt Überwachung schnell in den Interessenfokus.

Was bezweckt Ihr mir eurer Kunst
Es gibt eigentlich keinen Zweck, es ist Kunst. Wir thematisieren Dinge, aber bewerten soll sie der Rezipient. Wir versuchen ans Äusserste zu gehen, Grenzen zu überschreiten. Dabei haben unsere Aktionen immer auch was Humorvolles.

Bitnik, Domagoj Smoljo, Carmen Weisskopf

Die beiden Gründer von Bitnik: Domagoj Smoljo und Carmen Weisskopf. Bild: Florian Bachmann

Eure aktuelle Ausstellung «Delivery For Mr. Assange» widmet sich der Paket-Aktion mit Wikileaks-Gründer Julian Assange vor einem Jahr. Wir kam es dazu?
Wir arbeiten sehr häufig in London. Die ecuadorianische Botschaft, in welcher Assange derzeit festsitzt, ist umzingelt von Polizisten. Gleichzeitig befindet sie sich direkt hinter dem Harrods, dem bekanntesten Warenhaus der britischen Metropole – zwei völlig verschiedene Welten. Dieses Thema wird zwar medial sehr stark aufbereitet, beim Harrods ist der Konflikt jedoch physisch. Es ist ein Kriegszone. 

«Ein Paket fällt unter das Postgeheimnis, aber E-Mails werden gelesen.»

Wir überlegten uns, ob es einen Weg gibt, diese Situation zu durchbrechen. Wie können wir physisch mit Assange Kontakt aufnehmen? Was geschieht, wenn man etwas Alltägliches dorthin bringt? Was passiert, wenn man Assange ein Paket schickt? Gleichzeitig streiften wir dabei das Thema Privatsphäre. Ein Paket fällt unter das Postgeheimnis und darf nicht ohne weiteres geöffnet werden, E-Mails hingegen werden gelesen. 

Bitnik, Hacker, Assange

Bitniks wohl berühmteste Aktion war «Delivery For Mr. Assange». Ein Paket, adressiert an Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London, enthielt ein Handy, das durch ein kleines Loch alle paar Sekunden ein Foto machte und dies an eine Webseite und an Twitter weiterleitete. So konnte jeder live die 32-stündige Reise mitverfolgen.  Bild: Bitnik

Das Paket hat es am Ende bis zu Assange geschafft. Wie habt Ihr die Aktion erlebt? 
Das Schöne daran ist, es war alles offen. Die Aktion war live und das machte es so spannend. Als Wikileaks bekannt gab, dass Assange das Paket erhalten habe, ging ein Raunen durchs Internet.

In London hackte Bitnik Überwachungskameras und spielte mit dem Sicherheitspersonal eine Runde Schach.  Video: Bitnik

Wanzen im Opernhaus, Überwachungskameras hacken – habt Ihr bei euren Aktionen schon mal Probleme mit den Behörden bekommen? 
Bisher nicht – häufig Ist die Situation komplex. Überwachungskameras beispielsweise sind unverschlüsselt und ähnlich wie Radiosender. Klinkt man sich ein, ist das nicht zwingend illegal. Wir klären aber die rechtliche Situation immer vorher ab. Bei Assange haben uns alle gewarnt. Es sei ein Kriegsgebiet zwischen zwei Staaten mit Assange in der Mitte. Unsere Anwältin meinte jedoch nur: Macht es!

Auch mit der Zürcher Oper erlaubte sich Bitnik schon ein Spässchen. Versteckte Mikrofone im Auditorium übertrugen Aufführungen an zufällig ausgewählte Telefonanschlüsse weiter. Wer an den Apparat ging, konnte sich umsonst die Arien anhören. Beim Auflegen wählte die Telefonmaschine automatisch eine neue Nummer. Video: Bitnik

Wie reagieren die Leute auf eure Kunst? 
Es gibt positive und negative Reaktion. Es ist immer auch Schalk dabei, wir klauen nichts und machen nichts kaputt. Es kommt auch darauf an, wie die Medien darüber berichten. Bei der Aktion «Opera Calling» hat uns die Zürcher Oper eine Klageandrohung geschickt, wenn wir die Wanzen nicht runternehmen. Sie wollten sogar das Militär einschalten und uns die Rechnung fürs Wanzenentfernen schicken. Die Medien machten daraus David gegen Goliath, was dazu führte, dass das Opernhaus die Klageandrohung zurückgezogen hat.

Das Paket an Assange ist mittlerweile weitergereist. Wie steht es um die aktuelle Aktion «Delivery For Mr. Rajab»? 
Das Paket an den inhaftierten Aktivisten Nabeel Rajab ist zuerst vier Tage durch London gereist, weil es keiner weiterschicken wollte. Alle wussten von unserem Live-Projekt. Schliesslich wurde es dann doch verschickt, blieb jedoch am Zoll von Dubai hängen. Wir schickten es anschliessend von dort weiter, allerdings kam es nur bis zum Flughafen. Es ist ein Work in Progress, aber unser Ziel ist es, immer noch anzukommen.

Bitnik, Hacker

Die Paketaktion geht bereits weiter. Assange hat den Aktivisten Nabeel Rajab als neues Ziel auserkoren. Er sitzt zurzeit im Gefängnis in Bahrein. Der erste Versuch ist zwar gescheitert, aber man versucht es weiter. Bild: Bitnik

Was darf man als nächstes von euch erwarten? 
Noch ist nichts spruchreif. Wir haben aber ein Auge auf das Darknet und das Greynet geworfen.

Das Bankendrama vor wenigen Jahren nahm man zum Anlass, «Die Polizei lügt»-Aktion von Peter Weibel neu aufleben zu lassen. Bild: Bitnik

Das Original stammt von 1971 und entstand vor einer Wiener Polizeiwache.  Bild: Bitnik

Bitnik, Hacker, Kamera

Das «UBS lügt»-Plakat in London. Bild: Bitnik

Demnächst erscheint das erste Buch der !Mediengruppe Bitnik.

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