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Redfish richtet sich an linke und ökologisch interessierte Facebook-User.
Redfish richtet sich an linke und ökologisch interessierte Facebook-User.
screenshot: facebook

Das musst du über die von Russland finanzierten Propaganda-Kanäle Redfish und Co. wissen

Eine aktuelle Reportage aus Berlin zeigt, wie die vom russischen Staat finanzierte «heimliche Medienzentrale in Europa» arbeitet.
20.10.2018, 15:2620.10.2018, 21:07

Russia Today, Sputnik Deutschland? Kennt man.

Aber was ist mit Redfish und Maffick?

Der Reporter Jan-Henrik Wiebe hat über relativ junge, von Russland finanzierte Online-Kanäle recherchiert, die sich nicht nur den Auftritten von Pegida und Co. widmen, sondern versuchten, «verstärkt auch Linke und Ökos zu infiltrieren».

Die folgenden Erkenntnisse stammen von seiner neusten, bei t-online.de veröffentlichten Reportage. Titel: «Mitten in Berlin: Russlands heimliche Medienzentrale in Europa».

Worum geht's?

Russland verschleiert laut T-Online seine Verbindungen zu neuen Propaganda-Kanälen, die es von Berlin aus aufbaue. Die via Facebook, YouTube und Twitter verbreiteten Inhalte richteten sich vor allem an Linke und ökologisch Interessierte.

Namentlich genannt werden zwei deutsche Firmen, die an der gleichen Adresse in Berlin angesiedelt sind wie die zu Russia Today (RT) gehörende Videoagentur Ruptly:

  • Redfish GmbH: Auf Facebook habe der Redfish-Kanal seit November 2017 über 250'000 Follower gewonnen und bislang 25 Reportagen veröffentlicht, schreibt T-Online.
  • Maffick GmbH: Im Handelsregister sei als Geschäftsführerin die Chefin des Kanals «In the Now» eingetragen.
  • «In the Now» sei ein Kanal mit internationaler Zielgruppe, dem allein bei Facebook 3,7 Millionen User folgen. Hinzu kommen zehntausende Follower bei YouTube und Twitter.

Was tun die?

Erst kürzlich habe Redfish mit einem Video für Furore in den sozialen Netzwerken gesorgt, schreibt T-Online. Der mit einem Smartphone aufgenommene Film zeigt einen Polizeieinsatz in Berlin-Kreuzberg. Dabei wird ein Mann gewaltsam festgenommen.

Problem laut T-Online: Der Redfish-Beitrag vermittle ein einseitiges Bild. Nicht erwähnt werde, dass der Mann die Polizisten zuvor attackiert und heftigen Widerstand bei der Festnahme geleistet habe. Der Vorfall werde nun offiziell untersucht.

Es dürften nur wenige Social-Media-User, die zum Teil sehr emotional auf den Redfish-Clip reagierten, ihn kommentierten und weiterverbreiteten, wissen, wer dahintersteckt ...

Wer steckt hinter Redfish?

«Redfish ist Teil des staatlichen russischen Medienbetriebs Rossija Sewodnja. Nach Aussage der Chefin Lizzie Phelan gegenüber t-online.de ist es eine hundertprozentige Tochter der Videoagentur Ruptly, die wiederum zu RT, ehemals Russia Today, gehört. Sender und Agentur gehören dem staatlichen russischen Rundfunk. Weder im Impressum noch in der Selbstbeschreibung wird diese Verbindung öffentlich gemacht.»
quelle: t-online.de

Laut T-Online wüssten Interviewte und freie Mitarbeiter von Redfish nicht immer von den Verbindungen nach Russland.

Facebook selbst lasse Werbung für Videos der Kanäle nicht zu und begründe dies u. a. mit der Bezahlung mit russischen Rubeln und politischer Werbung ohne Angabe der Geldgeber.

Via Twitter hat die Redfish-Chefin auf die T-Online-Reportage reagiert und behauptet ihrerseits, sie habe sich nicht äussern können zur «schwerwiegenden Anschuldigung».

Sicher ist: Redfish macht im Impressum keine Angaben zu Beziehungen nach Russland und der RT-Tochter Ruptly.

Im Februar hatte Lizzie Phelan auf kritische Medienberichte in mehreren englischsprachigen Medien, darunter die «Times», reagiert und in einem Beitrag im Firmenblog bestätigt, dass ihr Unternehmen Geld aus Russland erhalte. 

«Ja, die Finanzierung von Redfish kommt von Ruptly, einer Nachrichtenagentur im Besitz von RT. Aber das war's dann auch schon.»
quelle: redfish.media

Die redaktionelle Unabhängigkeit sei deswegen nicht infrage gestellt, versicherte die Redfish-Chefin.

Wie reagiert Facebook?

Facebook hat zumindest einzelne Redfish-Inhalte im Visier. Bereits gelöscht wurde laut T-Online ein Werbetrailer mit dem Titel «Die vergessene Kolonie: Puerto Rico», der mit 100 bis 499 Euro vor allem in Südamerika beworben worden sei.

Facebook habe das Video als politische Werbung eingestuft und die Reklame dafür entfernt, da unklar gewesen sei, woher das Geld dafür stamme. Das Video selbst sei weiter online.

Wo liegt das Problem?

Der renommierte deutsche Journalist Daniel Bröckerhoff kritisiert die mangelnde Transparenz:

T-Online zitiert den Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Professor Frank Überall:

«Hier wird mit billiger Polemik gegen Journalistinnen und Journalisten das Vorurteil geschürt, die Medien seien der verlängerte Arm der Staatsgewalt. Welch ein Unsinn! Wir brauchen keinen weiteren Propagandakanal in Deutschland.»
quelle: t-online.de

Warum tut Russland das?

Kommentatoren schreiben, es gehe um die Beeinflussung der öffentlichen Meinung:

Markus Beckedahl, Gründer und Chefredakteur von netzpolitik.org, findet dafür deutliche Worte:

«Einerseits einen auf aufklärerischen Journalismus machen und dabei komplett intransparent sein. Nicht mal ein Minimum an Transparenz, wer dahinter steckt, mit welchen Motiven und wer das finanziert! Wenn in Russland Journalisten so arbeiten, kommen sie in grosse Schwierigkeiten. Reporter ohne Grenzen stuft Russland bei der Pressefreiheit im Moment auf Platz 148 ein – von 180 untersuchten Staaten insgesamt.»

Es gebe allerdings «Zielgruppen», denen diese Hintergründe vollkommen egal seien, und die würden angesprochen.

Offensichtlich mit einigem Erfolg:

(dsc)

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