Briefe von der Heimatfront
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HANOVER, GERMANY - MARCH 05:  Singer Andreas Kuemmert performs during the finals of the TV show 'Our Star For Austria' (german title: Unser Song fuer Oesterreich) on March 5, 2015 in Hanover, Germany. 'Our Star For Austria' is a national contest to vote for the German contestant for the 60th Eurovision Song Contest taking place in Vienna, Austria in May 2015.  (Photo by Nigel Treblin/Getty Images)

Was weiss Kümmert? Bild: Getty Images Europe

Briefe von der Heimatfront 

Briefe von der Heimatfront

Steckt Andreas Kümmert hinter dem Nemzow-Mord?



Die Fans sind mittlerweile doppelt besorgt: Erst lehnt der sympathische Knuddel-Barde Andreas Kümmert (28, «Single Man») den Sieg beim deutschen Vorentscheid im Eurovision Song Contest ab, nun lässt er seit Wochen nichts mehr von sich hören – seine Twitter- und Facebook-Accounts schweigen. Der Sänger hatte seinen Titel zugunsten einer Konkurrentin aufgegeben, was bei Kommentatoren und Musikfreunden gleichermassen für Rätselraten sorgt.

Ähnliches Rätselraten gibt vielen Deutschen derzeit der Mord an dem russischen Oppositionspolitiker Nemzow auf. Die bisher vorgebrachten Beweise und Verdächtigen können eingefleischte Verschwörungstheoretiker nicht überzeugen. Wo zwei derart rätselhafte Vorgänge stattfinden, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um ein gemeinsames Rätsel handeln könnte. Es bedarf nicht viel Recherchearbeit, um Kümmert als das Bindeglied in diesem mysteriösen Rätselverbund darzustellen – nur etwas Phantasie. Fakt ist, dass der Grand- Prix-Vorentscheid ungefähr zur selben Zeit stattfand wie der Nemzow-Mord. Dies muss kein Zufall sein, kann es aber. In jedem Fall wäre eine Teilnahme am ESC das beste Alibi, das man für Geld kaufen kann. Niemand verdächtigt einen Sänger, der sich auf einen Auftritt vorbereitet, gleichzeitig einen perfiden Mord zu begehen.

Doch warum die Absage? Musste Kümmert ein Flugzeug kriegen? Ein Geheimflugzeug zurück in den Kreml? Um sich mit Putin, Snowden oder noch dubioseren Gestalten über das weitere Vorgehen zu beraten? Hier kann man nur mutmassen. Womöglich hätte ein Sieg Kümmerts auch das Interesse der Medien auf sein Privatleben gelenkt, auf eine (denkbare) Sammlung von Schnellfeuerwaffen in seinem Hobbykeller, auf seinen (möglichen) Schiessstand im Garten, auf seine Mitgliedschaft in dem umstrittenen, bis heute ungegründeten Verein «Stoppt Nemzow jetzt». Bekam er hier Anweisung von ganz oben?

Es ist nicht die einzige Absage in Andreas' Leben, wenn auch die wichtigste. Kümmert sagte neben dem ESC auch fest zugesagte Konzerte ab. Absage türmt sich auf Absage – ein Muster. Ein Muster, das Parallelen hat: Denn auch Präsident Putin ist ein Fan von Absagen. Immer wieder erteilte er Nemzow und der russischen Oppositionsbewegung – Absagen. War Kümmerts Absage ein symbolischer Gruss an seine russischen Hintermänner? In jedem Fall ist bekannt, dass Kümmert zur russischen Opposition ein ausgesprochen distanziertes Verhältnis hat. Keiner seiner Facebook-Einträge weist darauf hin, dass er sich je mit der Bewegung näher befasst hat. Oder auch nur mit Russland im allgemeinen. Wann wurde aus Desinteresse Ignoranz? Wann wurde aus Ignoranz Hass? Wann aus Hass Mordlust?

Skeptiker zweifeln: Könnte der liebe, rundliche Andreas wirklich einen Mord begehen? Fakt ist: Er hat schon einmal getötet – nämlich die Hoffnungen seiner Fans auf die Teilnahme am ESC. Die lauten Buh-Rufe während seines Titelverzichts zeugen davon, dass in ihnen etwas gestorben ist. «Ich fühle mich innerlich tot», schrieben frühere Anhänger auf Twitter. Andreas blieb hier seltsam mitleidlos und kalt; Kümmert war hier «ganz unbekümmert», wie es ein Fan formulierte. Ist das die Kälte, die zum Portfolio eines gewissenlosen Meuchlers gehört?

Es wird nicht die letzte Verschwörungstheorie sein, die sich um Andreas «Towaritsch» Kümmert rankt. Erst, wenn wir ihn im Fernsehen als Anführer einer paramilitärischen Organisation in der Ukraine wiedersehen, wird dem ein oder anderen ein Licht aufgehen. Doch dann wird es wohl zu spät sein.

Leo Fischer

Bild:

Leo Fischer

Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er wird aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor grob aufs Dach hauen. Mehr von Leo Fischer gibt's bei Titanic

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