Eismeister Zaugg
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Zugs Golaie, Leonardo Genoni, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem EV Zug, am Freitag 20. September 2019 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Fünf Mal musste der einstige Torhüter-Titan Leonardo Genoni gestern Abend hinter sich greifen. Bild: KEYSTONE

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Wie aus dem Titanen Leonardo Genoni auf einmal ein «Lotter-Leo» geworden ist

Leonardo Genoni (32) muss zum ersten Mal in seiner Karriere hinter einer «Lotter-Verteidigung» spielen. Logisch, dass er gegen ein grandioses Langnau zum «Lotter-Leo» geworden ist. Zug kassiert im vierten Spiel bereits die zweite Niederlage. Die SCL Tigers gewinnen 5:3 (2:1, 1:2, 2:0)



Den Zugern können wir hockeytechnisch viel vorwerfen. Nur eines nicht: fehlendes Spektakel. Sie haben bisher am meisten Tore erzielt (17) und am meisten Treffer kassiert (18). Die Unterhaltung ist grossartig. Zum Vergleich: Biel führt die Tabelle mit einem Torverhältnis von 9:5 an.

Es wäre für den legendären Ingenieur Gustaf Eiffel einfacher gewesen, aus Jasskarten einen Eiffel-Turm zu bauen als für Leonardo Genoni in Langnau aus Zugs Abwehr ein Bollwerk zu machen.

In seiner 13. Saison in der höchsten Liga muss er erstmals hinter einer «Lotter-Verteidigung» die Pucks abwehren. Bei ihm, dem letzten Mann, werden die Fehler seiner Vordermänner aufgerechnet. Leonardo Genoni ist ein smarter, mitspielender Goalie. Nun wirkt er ungewöhnlich passiv und ohne seine zwingende Ausstrahlung. Wie ein gewöhnlicher Goalie.

In Davos (unter Arno Del Curto) und in Bern (unter Kari Jalonen) waren die Dinge in der eigenen Zone wohl geordnet. Soweit die Statistik zurückreicht hat der fünffache Meistergoalie in der Qualifikation mehr als 92 Prozent der auf ihn zufliegenden Pucks abgewehrt.

Und nun ist mit einer Fangquote von 85,44 Prozent und 15 kassierten Gegentoren gleich in zwei relevanten Statistiken der schwächste Goalie der Liga. Niklas Schlegel, sein Nachfolger beim SC Bern, glänzt hinter dem «Jalonen-Riegel» mit einer Statistik von 95,19 Prozent gehaltenen Pucks.

«Lotter-Leo» ein «Lotter-Goalie»?

Ist der WM-Silberheld von 2018, der teuerste Torhüter der Liga, der Mann, der als «Heilsbringer» gefeiert wird und Zug endlich den zweiten Titel nach 1998 bescheren soll, ausser Form? Nein. Er hat das Pech, dass die Zuger ausgerechnet in einer «Findungsphase» gegen ein schlichtweg grossartiges Langnau antreten mussten.

Zugs Golaie, Leonardo Genoni, geschlagen, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem EV Zug, am Freitag 20. September 2019 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Leonardo Genoni und der EVZ befinden sich in einer Findungsphase. Bild: KEYSTONE

Es ist einfacher, Heinz Ehlers einen Zahn gegen seinen Willen zu ziehen als ihm ein grosses, uneingeschränktes Lob zu entlocken. Wenn er also sagte, es sei das beste Spiel gewesen, seit er in Langnau an der Bande stehe, dann ist es so. Dann war es ein grosses, ja ein überwältigend gutes Langnau. Wären seine Spieler beim Saisonauftakt gegen Servette nicht durch eine drei Tage zuvor erlittene Lebensmittelvergiftung geschwächt gewesen (1:3-Niederlage), dann würden sie jetzt mit 9 Punkten unbesiegt die Tabelle anführen.

Der Wucht der Emmentaler hatten die Zuger schliesslich nichts mehr entgegenzusetzen. Sie wurden mit 30:21 Torschüssen zu Land, zu Wasser und in der Luft dominiert – im letzten Drittel lautet dieser Statistik 12:3! Zeitweise zerfiel ihr Defensiv-Dispositiv in seine Einzelteile. So viel Talent. So viel Erfahrung. Aber so wenig Ordnung und so wenig Disziplin. Was ist bloss passiert?

«Wir waren zu weich.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

Die Frage geht an Trainer Dan Tangnes: Wo ist die Defensive geblieben? Wo die Disziplin? Der freundliche Norweger ist gnadenlos selbstkritisch: «Nicht nur unser Defensivspiel ist verloren gegangen. Nichts passte zusammen. Wir waren auf dem Eis und bei unseren Entscheidungen im Spiel zu langsam, wir waren zu weich.»

Hat es in der Kabine ein Donnerwetter gegeben? Oder folgt noch eines vor dem heutigen Heimspiel gegen Lugano? «Nein. Wer nach einer Niederlage frustriert herumschreit, sagt bloss dummes Zeug, das er später bereut.» Er sei grundsätzlich nach einem verlorenen Spiel nie laut. Bei der Vorbereitung auf die Partie gegen Lugano gehe es nicht darum, den Spielern zu zeigen, was sie falsch gemacht haben. «Sie brauchen Aufmunterung und ein positives Signal. Wir können trotz allem auch aus diesem Spiel in Langnau Dinge zeigen, die wir richtig gemacht haben.»

Wo er recht hat, hat er recht. Die Zuger waren durchaus dazu in der Lage, immer wieder MIT der Scheibe für kurze, lichte Momente ein offensives Sausen und Brausen zu inszenieren, das nur deshalb nicht zu sechs oder sieben Treffern führte, weil sich Langnaus Torhüter Ivars Punnenovs wehrte wie mit tausend Händen. Und weil Langnaus Abwehr auch unter Druck intakt geblieben ist.

Aber im Spiel OHNE Scheibe waren die Zuger hilflos.

Was ist los? Wie kann es sein, dass die zweitbeste Abwehr der letzten Saison bei gleicher Besetzung nun die löchrigste ist? Wie konnte eine Mannschaft, die die ZSC Lions in einem mitreissenden Schlussspurt noch den Sieg entrissen hatte (5:4 n.V) nun nach der Niederlage gegen Lausanne (5:6) in Langnau zum zweiten Mal hintereinander in der Defensive zerbrechen wie ein billiges Plastik-Spielzeug?

Dan Tangnes sagt, das Problem sei nicht nur die Abwehr. Grégory Hofmann habe auch nicht getroffen und sei in Langnau genauso das Spiegelbild des Zustandes der Mannschaft gewesen wie Leonardo Genonis Statistik. Es gehe nun darum, die Sicherheit und die Konstanz wieder zu finden.

Zugs Trainer Dan Tangnes, im ersten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem EV Zug, am 11. April 2019, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Kommen die Zuger mit der Favoritenrolle nicht klar? Bild: KEYSTONE

Das Problem ist einigermassen erstaunlich: Die Mannschaft ist bis auf zwei teure und hochklassige Schweizer Spieler (Genoni, Hofmann) und neues ausländisches Personal mehr oder weniger die gleiche wie letzte Saison. Sie muss jedenfalls kein neues System einüben. «Ja, das stimmt», sagt Zugs Trainer. «Aber die Situation ist jetzt eine andere. Es scheint, dass die Favoritenrolle eine schwer zu tragende Bürde ist.»

Das ist wohl der zentrale, der wunde Punkt. Die Zuger haben vor der Saison zu oft gehört und gelesen, wie gut sie seien, sie sind zu oft als Meisterschaftsfavoriten bezeichnet worden. So gesehen ist es kein Wunder, dass sie sich zu sehr auf spielerische Mittel, auf ihr Talent verlassen haben – und nun erschrocken feststellen, dass es so nicht geht. Also sagt Dan Tangnes, man müsse ein paar Schritte zurück machen und zu den einfachen Tugenden zurückkehren.

Noch sind Blätter in den Bäumen. Wenn im Frühjahr in den Playoffs um den Titel gespielt wird, hat es bereits neue Blätter in den Bäumen.

Dan Tangnes hat also noch viel Zeit. Und Leonardo Genoni auch.

Die Strafenkönige in der NLA seit 2001

22 HCD-Jahre unter Arno Del Curto

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • tesfa 21.09.2019 21:49
    Highlight Highlight Sag mir, wie Genoni spielt, und ich sage dir, ob Zug Meister wird. Ist Lotter-Leo doch nicht die Rolex vom Transfer-Wühltisch?
  • tesfa 21.09.2019 21:47
    Highlight Highlight Ach, Chlöisu.... 🙈
  • emptynetter 21.09.2019 16:09
    Highlight Highlight Leo hat beschlossem, nicht Meister und nur ein Lottergoalie zu sein.
  • wilhelmsson 21.09.2019 14:09
    Highlight Highlight Ich freue mich schon auf "Lotter-Leo" Teil 3-87. 🤦🏻‍♂️
  • goldmandli 21.09.2019 12:14
    Highlight Highlight Polemik ist des Eismeisters täglich Brot. Daher macht er seinen Job gut. Ich für meinen Teil sehe das, ganz ohne Polemik, ziemlich gelassen. Wie bereits erwähnt, ist es fast das gleiche Team wie letzte Saison. Auch letzte Saison brauchte es seine Zeit, die Abwehr zu festigen. Da die Quali 50 und nicht 5 Spiele dauert, ist glücklicherweise auch genug Zeit vorhanden, das zu tun. Oder man macht den ZSC/SCB und wird dann vom 7./8. Rang Meister ;)
    • egemek 21.09.2019 13:08
      Highlight Highlight Gut, wobei das mit 'den ZSC machen' auf beide Seiten kippen kann... 😉
    • Mikesch 21.09.2019 16:27
      Highlight Highlight Das Schwert Sitz noch immer Inder Wund gäll Herr Zaugg 😭
  • dho 21.09.2019 12:02
    Highlight Highlight Jedes Spiel auf PlayOff-Niveau. Jeder schlägt jeden. Grossartig. I love it. Egal wer gewinnt, Hauptsache Drama. Eine ganze Saison lang. Wenn das bloß nicht langweilig wird 🥶

    Und als Geschenk obendrauf: jede Woche ZAUGG.
  • ralck 21.09.2019 11:37
    Highlight Highlight «Er hat das Pech, dass die Zuger ausgerechnet in einer «Findungsphase» gegen ein schlichtweg grossartiges Langnau antreten mussten.»

    Hier habe ich aufgehört zu lesen, kam danach noch etwas Sinnvolles?
    • Bruno Wüthrich 21.09.2019 13:50
      Highlight Highlight Wahrscheinlich hätte es weniger lang gedauert, den Artikel fertig zu lesen, als diesen sinnfreien Kommentar zu verfassen.
      Fazit: Etwas Zeit gespart, und noch mehr Zeit zu verlieren.
  • AntiZ 21.09.2019 11:08
    Highlight Highlight Der „Jürgen Klopp des Eishockeys“ wird das richten. Sonst geht dann die Rechnung von Eismeister Zaugg nicht mehr auf (2. beste Abwehr 18/19 plus bester Goali plus Jürgen Klopp plus Topstürmertransfers plus beste Infrastruktur plus Mäzen = Meister).

    Aber Klaus, bring mehr andere Themen. Die Lottergoalie-Geschichten langweilen langsam.
    • goldmandli 21.09.2019 12:16
      Highlight Highlight "Aber Klaus, bring mehr andere Themen. Die Lottergoalie-Geschichten langweilen langsam."

      Gewöhn dich dran😄 Bin mir fast sicher, dass du das nicht das letzte Mal gelesen haben wirst.
    • feuseltier 21.09.2019 15:12
      Highlight Highlight Soll er die Rolex suchen, oder ungeschliffenen Diamant oder oder.. haha :))
  • Coliander 21.09.2019 10:37
    Highlight Highlight Nach 3 Saisonspiele für einen meuen Verein ist zu früh um zu urteilem, vor allem bei einem Playoffgoalie wie Genoni
  • HD Läppli 21.09.2019 09:42
    Highlight Highlight grandioses langnau... ach klaus... made my day...
  • HotIce 21.09.2019 09:18
    Highlight Highlight für zug ist der etwas knorzige start vermutlich ziemlich gut, ein durchschütteln, ein besinnen. und wenn die sich zusammenraufen, dann werden sie richtig gefährlich.
    leider.
    • LebeauFortier 21.09.2019 10:00
      Highlight Highlight Ja, das war beim ZSC letztes Jahr genau gleich. Easy, das kommt noch.
    • feuseltier 21.09.2019 15:10
      Highlight Highlight Oder gehen in die Playouts. ..
      Wie gesagt, jedes Jahr trifft es immer mindst. Einer der Grossen. . Wobei man Zug dass nur den Cup gewonnen hat & die letzten 20 a Jahre noch nichts, nicht als grossen be(nicht)titeln kann :))
    • feuseltier 21.09.2019 18:48
      Highlight Highlight Haha Made my day. . ;)
      Bist du sein zauber Schreiberling?
  • Ordo Malleus 21.09.2019 09:18
    Highlight Highlight Die Situation gut zusammengefasst. 👍🏻 Zug muss dringend lernen, mit der Favoritenrolle klar zu kommen. Sonst endet es wieder wie im letztjährigen Final. Alle Vorteile auf Zuger Seite und dann zieht jemand den Stecker und Zug entgleist (2. Spiel in der Verlängerung). Selten so einen Kollapse gesehen. Und ja, hinter der Berner Abwehr sieht jeder Torhüter gut aus. 😎
    • MARC AUREL 21.09.2019 12:14
      Highlight Highlight Kaiser Jalonen hat alles unter Kontrolle!
  • Eidi 21.09.2019 09:07
    Highlight Highlight Ach Klaus. Es gibt imfall auch andere Vereine und Goalies.
    • Herr J. 21.09.2019 20:18
      Highlight Highlight Ach Eidi, es gibt imfall im Moment kein spannenderes Thema, und wen‘s nicht interessiert klickt halt weiter
  • eldo 21.09.2019 09:02
    Highlight Highlight Vielleicht das Beste, was dem EVZ geschehen konnte. Man stelle sich vor, sie hätten in der ersten Saisonhälfte die Punkte (zu) locker eingefahren und wären dann in eine Krise gefallen...
    Was jetzt geschehen wird und von Tagnes im Interview angekündigt, macht aus einem normalen Titelkandidaten einen (im Frühling) gefährlicheren Titelkandidaten.
  • egemek 21.09.2019 09:01
    Highlight Highlight Wenigstens gibt es nun in dieser Saison ein paar Eismeister Berichte über Zug. Aber nach jeder Zuger Niederlage den Lotter-Leo zu bringen ist doch auch langweilig... 😴
    • HotIce 21.09.2019 09:21
      Highlight Highlight eigentlich ist es ein getarnter langnauartikel.
    • c_meier 21.09.2019 09:41
      Highlight Highlight haha HotIce tatsächlich sind sehr viele Eismeister-Artikel getarnte Langnau-Artikel 😂
    • MARC AUREL 21.09.2019 12:10
      Highlight Highlight Ihr Zuger seid wirklich die grössten Grännis... unglaublich... meckern,meckern und nochmals meckern!
    Weitere Antworten anzeigen
  • theshark 21.09.2019 09:00
    Highlight Highlight Ist der Titel gerechtfertigt und das bei Saisonbeginn? NachbZaug liest sich das wie Breu.
  • Jacques #23 21.09.2019 08:56
    Highlight Highlight Zeigt einzig auf, dass die Def von Zug nicht reicht. Das kann ein Torhüter vereinzelt in Spielen jedoch nie und nimmer eine Saison lang kompensieren.

    Zug wird nid Meister 😊

    Ofense wins Games, Defense wins Championship.

Eismeister Zaugg

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